Mit ‘Greydon Clark’ getaggte Beiträge

Den Bahnhofskino-Podcast mit Patrick Lohmeier aufzunehmen, ist eine der größten Freuden meiner Bloggertätigkeit. Diesmal habe ich Patrick zwei Teeniekomödien aus den Achtzigerjahren vorgeschlagen bzw. aufgedrängt: Greydon Clarks jede nach unten offene Niveauskala sprengenden JOYSTICKS sowie MAKING THE GRADE, einen in Deutschland nur wenig bekannten Genrebeitrag der seligen Cannon mit dem wenig später zur Bratpack-Ikone aufgestiegenen Judd Nelson. Patrick war gerade von JOYSTICKS nicht ganz so überzeugt wie ich, aber dennoch habe ich nicht locker gelassen, ihn vom schmuddeligen Charme des Films zu überzeugen. Wer 90 Minuten Zeit und Lust hat, unsbeim Plaudern zuzuhören ist hiermit herzlich eingeladen. Hier geht’s zum Podcast: https://www.bahnhofskino.com/2019/04/vidioten-zoff-hoover-academy-podcast.html

satans-sadistsAl Adamson ist einer der großen Billigheimer der Exploitation-Filmgeschichte: Ein Regisseur, mit dem ich ganz gewiss sympathisiere, dessen Filme ich aber – ähnlich wie die seines Genossen Ted V. Mikels – selten wirklich inspirierend finde. SATAN’S SADISTS ist möglicherweise Adamsons Meisterstück, auch wenn man ihm ganz genau anmerkt, dass es längst nicht nur am Geld mangelte, sondern auch am inszenatorischen Geschick. Es knirscht gewaltig im Getriebe und nach einem geradezu fulminanten ersten Drittel versumpft der Film in unzähligen Lauf- und Fahrszenen, die keinen anderen Zweck haben, als die Geschichte auf kinotaugliche 80 Minuten zu strecken.Adamson wusste einfach nicht mehr weiter und alle potenziell interessanten Ansätze werden fahrlässig liegengelassen, um sich ganz auf jene Aspekte zu konzentrieren, die man eben für besonders zugkräftig hielt, allen voran natürlich Sex und Gewalt.

Aber das fällt bei diesem Bikerflick ehrlich gesagt gar nicht allzu negativ ins Gewicht, im Gegenteil: In der moralischen Ödnis, in der sich die Rockergang um den psychopathischen Anchor (Russ Tamblyn) niedergelassen hat, bleibt eben nicht mehr viel anderes übrig, als sich in der sengenden Sonne zuzudröhnen und orientierungslos über Stock und Stein zu stolpern. Dieses ziellose Mäandern hätte nach meinem Geschmack sogar gern noch länger zelebriert werden können, denn bevor sich der erwartete tranceartige Zustand einstellt, den solche Filme als angenehme Nebenwirkung mit sich bringen, findet SATAN’S SADIST dann doch auf seinen ursprünglich eingeschlagenen Plotpfad zurück und läuft auf sein recht erwartbares Ende zu. So gesehen liefert Adamson the best of both worlds: Feiste Asozialität, eimerweise Niedertracht und mit großen Augen und Speichel am Mundwinkel abgefilmte selbstzweckhafte Gewalt sowie eben diese spezielle Ästhetik und konzeptionelle Unterbelichtung des Ultra-Low-Low-Budget-Kinos. Einer wirklich überraschend schockierenden Szene, in der Anchor mitleidlos und völlig aus dem Nichts drei unschuldige Geiseln hinterrücks per Kopfschuss exekutiert, steht so eine andere gegenüber, in der Held Johnny (Gary Martin) mit der braven Tracy (Jacqueline Cole) durch die Berge flieht, sein Fernglas zückt, geschäftig am Schärferädchen dreht, angestrengt durch die Gläser schaut, nur weitere Berge sieht, feststellt, dass da nichts ist, sein Fernglas wieder einpackt und Tracy zum Weitergehen auffordert. Leistet die eine Szene also die totale Verdichtung, werden in der anderen zähe Minuten darauf verschwendet, die totale Bedeutungslosigkeit einzufangen.

Der Coup von SATAN’S SADISTS ist seine Besetzung: Russ Tamblyn, der einst in der WEST SIDE STORY das Tanzbein schwang, ist so untypisch wie überzeugend als psychopathischer Anführer auf misanthropischer Mission, und ihm zur Seite stehen einerseits spätere Exploitationfilmemacher wie Greydon Clark als dauerbreiter Acid und John „Bud“ Cardos als Firewater, mit aufgeklebter Glatze und Irokesenschnitt, andererseits die alten Hollywood-B-Film-Recken Scott Brady und Kent Taylor als Opfer.Die deutsche Synchro gibt sich alle Mühe, beim gebotenen Spektakel mitzuhalten, und schlägt sich beachtlich: Ganz fantastisch, wie ein BH einmal äußerst poetisch als „Puddingschüsseln“ bezeichnet oder Frauen mit dem liebevollen Kosenamen „Krücken“ belegt werden. Das Frauenbild verursacht eh heftigen Schluckauf: Die obligatorischen Vergewaltigungsopfer sind drei Geologie-Studentinnen, die aus der ernsten Wissenschaft einen herrlichen Schabernack machen und eigentlich selbst nicht so genau wissen, warum sie eigentlich Steine sammeln müssen. Aber immerhin haben sie es schon nach kurzer Zeit auf 27 verschiedenen Sorten gebracht, wie eine von ihnen zu berichten weiß. Und auch unter den Rockern gibt es eine Dame, nämlich Gina (Regina Carrol), die Freundin von Anchor, die verzweifelt seinen Zuwendungen hinterherläuft, jedoch ohne Erfolg. Anstatt diesen Penner in die Wüste zu schicken, fährt sie in der dramatischsten Szene mit dem Motorrad in den Freitod, während er sich in einer sehr zoomintensiven Tripszene mit den Geologinnen verlustiert. Ihr merkt schon: Es gibt eigentlich keinen Grund, sich SATAN’S SADISTS nicht anzusehen. Mir hat er gestern im Kino erneut großen Spaß gemacht.

 

black shampoo (greydon clark, usa 1976)

Veröffentlicht: September 27, 2013 in Film
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SHAMPOO, von Warren Beatty produziert, Robert Towne geschrieben und Hal Ashby inszeniert, war ein veritabler Hit, für Hollywood-Beau Beatty zudem absolut imageprägend und thematisch prädestiniert für die Annektierung durch Exploitation-Filmer. Die Blaxploitationifizierung lag besonders nahe: Das Subgenre warf Mitte der Siebzigerjahre immer noch verlässliche Gewinne ab und die Geschichte eines seine reiche weibliche Kundschaft in doppelter Hinsicht befriedigenden Friseurs ließ sich ideal für die Mischung aus weißer Mittelklassen-Angst vor dem potenten schwarzen Mann und schwarzem Empowerment adaptieren, der das Genre seine Sprengkraft verdankte. Greydon Clark, nie darum verlegen, eine gewinnträchtige Idee schnellstmöglich umzusetzen, sah das Potenzial und schraubte BLACK SHAMPOO auf seine ihm eigenen Art zusammen.

Der schwarze Muskelprotz Mr. Jonathan (John Daniels) betreibt einen feinen Friseursalon in Hollywood. Die Kundinnen legen ihm nicht nur ihre Frisuren vertrauensvoll in die Hände, sondern auch ihre Libido. Und Mr. Jonathan enttäuscht nie. Ein bisschen neidisch, vor allem aber neugierig-erregt verfolgt seine neue Rezeptionistin Brenda (Tanya Boyd) seine sexuellen Eskapaden. Sie war bis vor kurzem das Betthäschen des lokalen Gangsterbosses Mr. WIlson (Joseph Carlo), machte sich dann aber aus dem Staub, um schließlich Zuflucht bei Jonathan zu finden. Zwischen ihr und ihrem neuen Chef bahnt sich eine Romanze an, die jedoch von ihrem eifer- und rachsüchtigen Ex unterbunden wird: Er schickt seine Schläger, um Jonathans Salon kurz und klein zu hauen und sie zu entführen. Es kommt zum blutigen Showdown in Jonathans Refugium in den Bergen …

Clark ist keiner der inspirierteren Low-Budget-Trashfilmer aus den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren, die Freunden des ungewöhnlichen Films noch heute viele schöne Stunden bescheren. Er ist immer sehr abhängig von seinen Stoffen, sein Werk zwar sympathisch und liebenswert, aber weitestgehend hit & miss (ich verbürge mich hier ausdrücklich für seinen Neonazi-Actioner SKINHEADS, seine Achtziger-Sexkomödie JOYSTICKS und den Katzensplatter UNINVITED). Sein größtes Manko ist sein eher unkreativer Szenenaufbau: Auch BLACK SHAMPOO wirkt sehr statisch, fast theaterhaft in seiner Szenenfolge, was durch die verfremdeten Standbilder, die jede einzelne Szene einleiten, noch unterstrichen wird. Richtigen Schwung entfaltet sein Blaxploiter trotz eines standesgemäß exzellenten Soul- und Funk-Soundtracks nicht, vor allem weil er seinen Plot sehr fahrlässig entwickelt. Am spaßigsten ist BLACK SHAMPOO in der Exposition, die sich Jonathans erotischen Ekapaden widmet, und im erstaunlich blutigen Finale: Die Titlesequenz zeigt eine sich unter Jonathans Haarwaschtechnik lustvoll windende Kundin, in einer späteren Szene wird der Friseur bei einem Hausbesuch (!) erst von zwei lüsternen Teens empfangen („Oh my god!“) und dann von deren Mutter „übernommen“, die ihren staunenden Töchtern mal zeigt, wie das wirklich funktioniert. Im Schlussfight kommen dann nicht weniger nachdrücklich und phallisch eine Kettensäge, ein Beil und eine Billardqueue als Mordwaffen zum Einsatz. Diese Entschlossenheit hätte man sich auch für den restlichen Film gewünscht, der leider wenig mehr als gepflegte Langeweile produziert, die durch die ausgesprochen ansehnliche Physis von Tanya Boyd und etwas Seventies-Nostalgie nur überaus unzureichend aufgewogen wird.

 

Nachdem Damon (Brian Brophy) mit seiner Skinhead-Gang einen kleinen Supermarkt überfallen und sich anschließend einen Kampf mit ein paar zur Hilfe eilenden Schwarzen geliefert hat, beschließt er, dass es gut für ihn und seine Kumpane sei, die Stadt für ein paar Tage zu verlassen, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Doch kaum in den Bergen angekommen, legen sich die Skins in einem Gasthaus mit einer fünfköpfigen Urlauberclique an, von denen drei nach kurzer Zeit tot am Boden liegen, während den anderen beiden die Flucht gelingt. Sie verschanzen sich im Blockhaus des Weltkriegsveterans Mr. Huston (Chuck Connors), der zu Nazis ein ganz besonders herzliches Verhältnis hat. Der Kampf beginnt …

Es ist anzunehmen, dass Greydon Clark seinen SKINHEADS für einen immens politischen Film hält. So bezeichnete er schon seinen THE BAD BUNCH, der die große Erkenntnis teilte, dass Rassismus Rassismus und Gewalt Gegengewalt erzeugen. Wenn also ein Film, der auf einem soziopolitischen Phänomen basiert, damit per se schon „politisch“ ist, dann hat Greydon Clark natürlich Recht. Wer aber von einem politischen Film über Skinheads etwas mehr erwartet, als zu erfahren, dass sie Adolf Hitler und Gewalt mögen, Hakenkreuzflaggen für eine geeignete Wohnungsdekoration halten und etwas gegen Schwarze haben, der dürfte Clark nach Betrachtung von SKINHEADS vehement widersprechen. Sieger ist wieder einmal, wer sich einfach gemütlich zurücklehnt und Clarks Film als das goutiert, was er wirklich ist: ein billiger Gewaltreißer voller technischer Unzulänglichkeiten und schwachsinniger Dialogzeilen, der aber ein ordentliches Tempo vorlegt und seine Spielzeit mit so viel Zinnober vollstopft, dass es einem nicht langweilig wird.

Dass es Clark nicht wirklich darum gegangen ist, den sozialen Hintergrund des Skinheads zu beleuchten, wird eigentlich schon klar, wenn man sich eine Plotzusammenfassung durchliest. Mit der Verpflanzung der Skinheads in die Berge nimmt man ihnen ihren eigentlichen Lebensraum und damit genau das, was sie eigentlich erst zu Skinheads macht. Clark kann seinen Damon noch so oft Adolf Hitler preisen lassen, noch so ausgiebig die Geschichte vom gefährlichen Verführer und seinen naiv-dummen Gefolgsleuten runterleihern, SKINHEADS ist in erster Linie ein Gewaltthriller und die Charakterisierung seiner Antagonisten völlig beliebig. Aber gerade deshalb ist es so schön exploitativ, dass sich Clark ausgerechnet für Skinheads entschieden hat. Es macht herrlich wenig Sinn, diese Glatzen durch den Wald tapern und sich an zwei arglosen Urlaubern und einem alten Haudegen vergreifen zu lassen. Vielleicht war Clark ja der Meinung, seiner Gewaltoper zu einer tieferen Wahrheit zu verhelfen, indem er sie in der Natur ansiedelte, wahrscheinlicher jedoch fiel diese Entscheidung aus ökonomischen Erwägungen. Wie billig SKINHEADS war, merkt man am ehesten an den nachträglich eingefügten Soundeffekten, gegen die jene aus den alten Fulci-Filme fast schon als authentisch durchgehen: Die Bäume rascheln als seien sie aus Krepppapier und das Poltern der Schritte auf dem Waldboden torpediert alle verzweifelten Versuche der Protagonisten, leise zu sein. Die Effekte reichen von fadenscheinig – als ein verräterischer Skin von seinen Freunden mit den Händen an einen Holzbalken genagelt wird, sieht man an den wackelnden Nägeln deutlich, dass sie ihm einfach in die Handflächen geklebt worden sind – bis gut (die saftig spritzenden Einschüsse) und ein ähnliches Spektrum decken auch die Dialoge ab: Chuck Connors mit seinen gefühlten 35 Sätzen, die mit „These Nazis …“, „Damn Nazis …“ oder auch nur „Nazis …“ beginnen, als hätte Clark befürchtet, dem Zuschauer könnte etwas entgangen sein, zählt zu den lustigsten Auswüchsen des Films. Brian Brophy ist als Damon hingegen ziemlich gut, weil er gegen den Ton des Films anspielt und sich weitestgehend zurückhält. Hätten andere die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und sich bis ins Nirvana overactet, macht Brophy durchgehend  weniger als möglich gewesen wäre. Das lässt ihn nicht nur deutlich bedrohlicher wirken, es führt auch dazu, dass SKINHEADS nicht total Richtung Trash umkippt und bei allem Quatsch immer mit einem Fuß in der Realität verbleibt.

Mir hat SKINHEADS also wirklich gut gefallen – auch wenn es sich dabei natürlich nicht um einen guten Film handelt – und ich bin doch einigermaßen über die schlicht katastrophale IMDb-Wertung entsetzt, die den Film mit einem Durchschnittswert von unterirdischen 1,6 (!!!) Punkten veranschlagt. Klar, wer sonst nur Qualitätskino konsumiert, der wird hier nicht viel finden, was seinen Bedürfnissen entspricht, aber man darf doch davon ausgehen, dass solche Leute den Film eh nicht angeschaut haben. Alle anderen möchte ich hier doch mal ganz sachte fragen, ob sie noch ganz dicht sind, einen so herrlich unterhaltsamen Film so dermaßen unterzubewerten. Der vorläufige Abschluss meiner Greydon-Clark-Reihe hat mir jedenfalls reichlich Appetit auf weitere Filme des „Meisters“ gemacht. Wer ein Herz für Exploitation hat und Nazis drollig findet, sollte sich SKINHEADS ruhig mal anschauen. Definitiv kein Fehler.

Aus einem Forschungslabor kann eine Katze entkommen, die durch Geheimexperimente zu einem tödlichen Raubtier mutiert ist. In den Händen von fünf vergnügungssüchtigen Jungmenschen – drei männliche Studenten, zwei Bimbos – landet sie schließlich auf der Luxusjacht einer Gruppe von Gangstern, die sich mit den von ihnen erbeuteten Millionen auf die Cayman Islands absetzen wollen. An Bord geht das frohe Sterben los …

Die Siebzigerjahre mögen für das Exploitationkino eine ungleich bessere Zeit gewesen sein, doch Greydon Clarks Meisterleistungen stammen, so weit ich das beurteilen kann, aus den Achtzigern. Ein Double Feature mit JOYSTICKS und UNINVITED übertrifft so ziemlich alles, was man sich als kulturbeflissener Mensch vorstellen kann: der eine die aller Zwänge befreite, entfesselte Zelebrierung alles Trivialen, der andere ein Horrorfilm um ein bestialisches Perserkätzchen, das erwachsene Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Das Geile an UNINVITED ist, dass man dem Film deutlich anmerkt, dass keiner der Beteiligten ernsthaft der Meinung war, an einem spannenden, schockierenden Horrorfilm mitzuarbeiten, aber alle gemeinsam beschlossen haben, so zu tun als ob. Dieses ach so ironische Augenzwinkern, das etwa bei vielen Troma-Filmen so nervt und auf der reichlich zynischen Haltung basiert, dass Schrott, der offen als solcher deklariert wird, deshalb irgendwie besser sei, sucht man hier vergebens. Clark filmt seine unsagbar dämliche Geschichte tatsächlich ganz straight runter und kann damit enorme Sympathiepunkte einfahren.

UNINVITED ist tatsächlich haarstäubender Quatsch: So wird gleich zu Beginn, wenn das harmlos aussehende, aber todbringende Kätzchen einfach so aus dem Top-Secret-Labor rauslaufen kann, der Ausnahmezustand ausgerufen, als sei Godzilla ausgebrochen. Die Kluft zwischen der Panik der den Film bevölkernden Menschen und den Bildern des braven Kätzchens, das auch im Kampfmodus  nur von mäßig beeindruckender Statur ist, ist der Schlüssel zum Erfolg und Grundlage für den Humor des Films. Ein weiterer sind die hanebüchenen „wissenschaftlichen“ Erklärungsversuche: Zu Beginn wird noch vor Strahlengefahr gewarnt, was schon blödsinnig ist, weil Strahlenverseuchung nunmal beim besten Willen nicht ansteckend ist, später dann von irgendwelchen Chemikalien und Mutationen gefaselt, die dazu geführt haben, dass von der Katze Gebissene nun als Träger einer Seuche fungieren. Zum Glück sterben alle Katzenopfer an platzenden Gefäßen noch bevor sie diese Behauptung beweisen könnten, aber wie das mit der Seuchenhysterie funktioniert, zeigt Greydon Clark trotzdem sehr nachhaltig. Der arme Tropf der nach einem Biss „I have the poison in my blood!“ kreischend auf die Reling des Schiffes klettert, um sich in vorauseilendem Gehorsam in den Tod zu stürzen, und dabei dann vor lauter Tolpatschigkeit seine Perle mit in den Tod reißt, sorgt für einen der lustigsten Momente des Films, der von dieser Sorte einige hat. George Kennedy, dem die Katze die Achillessehne durchbeißt und der daraufhin von Krämpfen geschüttelt verendet, ist göttlich, wie auch die ganze Grundkonstellation mit dem geckenhaften Playboygangster Walter Graham (Alex Cord), der ein paar dumme Ischen samt deren Aufriss mit auf die Flucht nimmt, so herrlich Banane ist, dass sich alle Fragen erübrigen. Die Katze, die immer, wenn sie wütend wird, eine bösere, hässlichere Katze erbricht, ist neben dem stets gern gesehenen Clu Gulager der gar nicht mal so heimliche Star des Films, und man drückt ihr alle Daumen bei ihrem teuflischen Plan, die Besatzung dahinzuraffen. Menschen, die sich panisch vor einer streunenden Katze fürchten, aber dennoch nicht in der Lage sind, nachts die Tür zu ihrer Koje zu schließen, wurden früher von der Evolution aussortiert, heute muss das eben anders besorgt werden. Es sind andere, kompliziertere Zeiten als damals.

Das Finale, bei der die beiden letzten Überlebenden mit einem Rettungsboot entkommen, während die Jacht sich in ein Plastikmodell verwandelt und in einem Taifun in der Badewanne versinkt, und dabei wiederholt vo der völlig durchnässten Mieze angegriffen werden, erinnert in seiner Absurdität und der fadenscheinigen Inszenierung (man erkennt deutlich, dass das Boot nicht im Wasser schwimmt, mitnichten von den Wellen oder dem Wind geschaukelt wird, sondern von Mitgliedern der Filmcrew, und der peitschende Regen wahrscheinlich aus mehreren Duschen stammt) gar an die Helge-Schneider-Filme, das Bild von der böse guckenden Killerpussy, die auf einem Aktenkoffer auf dem Weltmeer schaukelt, an die Fantasie eines besonders gemeinen Hundenarren, das ohrenbetäubende Schlürfen und Schlecken während einer Liebesszene hingegen an die Raumathmo im Haus von Dr. Freudstein. Ich bin mir sicher, dass es noch andere Momente gab, die sich für einen Text ausschlachten ließen, aber irgendwann muss ja auch mal gut sein. Ein Satz, den ich beherzige, was wohl der Hauptunterschied zwischen mir und Greydon Clark ist. Er dreht deshalb Filme wie JOYSTICKS und UNIVITED, während ich dann wie vom Donner gerührt vor der Mattscheibe sitze und später an der Tastatur mit den Worten ringe, die meine Gefühle adäquat wiedergeben.

Die Jugendlichen von River City versammeln sich in ihrer Freizeit in der Automaten-Spelhalle des Jungunternehmers Jefferson (Scott McGinnis). Dort gehen ihm der Nerd Eugene (Leif Green) und der gammlige Dorfus (Jim Greenleaf) zur Hand und versuchen einigermaßen Ordnung ins Chaos zu bringen. Als der videospielsüchtige King Vidiot (Jon Gries) nach einem verlorenen Wettkampf gegen Dorfus ausrastet und Hausverbot erhält, nimmt sich der schurkische Joseph Rutter (Joe Don Baker) seiner an, dem die Spielhalle ein Dorn im Auge ist. King Vidiot soll ihm dabei helfen, die Schließung des sündigen Etablissements zu erwirken …

Volltreffer! Die Wertschätzung, die JOYSTICKS im Buch „Destroy all Movies! The Complete Encyclopedia to Punks on Film“ erfahren hat, hat diesen Film, der mir bis vor Kurzem vollkommen unbekannt war, an die Spitze meiner Wunschliste katapultiert. Ihn zu Gesicht zu bekommen war dann aber gar nicht so einfach, weil er nur auf einer mittlerweile vergriffenen RC-1-DVD erhältlich ist, die ihn zudem im falschen Bildformat präsentiert. Dank der wunderbaren Welt des Internets habe ich ihn jedoch ausfindig machen und dieses Wochenende sehen können: Und ich bin dadurch ein anderer Mensch geworden.

Zugegeben: JOYSTICKS ist ein reichlich alberner Teeniefilm, dessen Humor sich auf Zoten und wilden Klamauk beschränkt und der in erster Linie darauf bedacht ist, der Meute zu geben, was sie braucht: Ein, ähem, „fetziger“ Eighties-Soundtrack peitscht den stulligen Plot nach vorn, in regelmäßigen Abständen entblößte Brüste fungieren als Köder, um die männlichen Zuschauer bei Stange zu halten (pun intended), Jugendkultur und alles, was dazugehört, wird enthusiastisch gefeiert und der Bösewicht ist ein spießiger Erwachsener mit Spielverderberambitionen. Das alles wird, man ahnt es schon, zwar auf überaus mäßigem technischen und erzählerischen Niveau dargeboten, doch verbreitet JOYSTICKS dabei ein Laune, die immens ansteckend ist. Greydon Clark liefert Achtzigerjahre-Kino in Reinkultur: Schon die zahlreich abgelichteten Videospielklassiker (und die dazugehörigen Sounds) lassen den Nostalgiker frohlocken, die erwähnte Musikuntermalung – der Titelsong besingt im Refrain „super awesome video games“ – und die Ausstattung des Films tun ihr Übriges. JOYSTICK ist herrlich hysterisch und durchgeknallt, zu keiner Sekunde irgendwie „ambitioniert“, außer in dem Unterfangen, möglichst viel reuelosen Spaß zu verbreiten, ein Sammelsurium bescheuerter Ideen, hirnrissiger Späße und überzeichneter Figuren. Ganz weit vorn ist der großartige King Vidiot, ein hyperbolisch krakeelender New-Wave-Punk mit gebleichtem Gesicht, lilafarbenen Haaren, einer nieten-, sicherheitsnadel- und kettenbewehrten Lederjacke und einem vierköpfigen Tross roboterartig gehorsamer Punkdamen, der den Weltschmerz von Frankensteins Monsters durchs das Dasein als Punk kanalisiert. Er träumt von „wheels“ (und bekommt deshalb später einen Satz Minimotorräder für sich und seine Sklaven geschenkt, die keinen weiteren Zweck haben, als Anlass für eine kurze Fahrsequenz zu bieten), bricht schonmal kreischend zusammen, wenn es nicht so läuft, wie er will, macht einem hässlichen Mann in Frauenkleidern den Hof und frisst vor Freude einen Gummibaum (!), als ihm der Bösewicht für seine Dienste ein eigens Videospiel verspricht. An diesen Irrsinn reichen Charaktere wie Eugene, der ständig furzende Dorfus, das strunzblöde Valley Girl Patsy Rutter (Corinne Bohrer) oder dessen nymphomanische Mutter zwar nicht heran, bewegen sich allesamt noch im Rahmen dessen, was man von solchen Filmen erwarten darf, trotzdem muss man sich keine Sorgen darüber machen, dass JOYSTICKS nur Klischees reproduzierte. Greydon Clark füllt diese stattdessen mit neuem, drogeninduzierten Leben, lässt die Bremse Bremse sein und seinen Film mit Karacho die Schallmauer durchbrechen. JOYSTICKS ist ein neuer Lieblingsfilm und darf es sich in der Nähe des kaum weniger bekloppten THE PARTY ANIMAL bequem machen. Super awesome!

Vor 13 Jahren, kurz vor der Halloween Prom Night, wurde Marys (Julia Duffy) ältere Schwester von einem Rasenmäher-Mörder mit Kürbismaske ermordet. Dieses Verbrechen hat jedoch nicht nur Mary traumatisiert, sondern auch den damaligen Rookie-Cop Harbinger (Joe Don Baker), der seit jener Nacht keine Stunde geschlafen hat. Mit Recht, denn der Killer wurde nie gefasst und treibt nun erneut sein Unwesen …

WACKO ist der grob misslungene Versuch einer Horrorfilm-Parodie nach dem Vorbild der Zucker/Abrahams/Zucker-Filme, der jedoch ziemlich eindrucksvoll deutlich macht, dass es längst nicht ausreicht, in jeder Minute einen Gag auf Kosten berühmter Filme in der Hoffnung abzufeuern, dass irgendeiner davon schon kleben bleiben wird. Eigentlich ist WACKO noch nicht einmal eine Parodie, weil sich sein Witz darauf beschränkt, Horrorfilme wie HALLOWEEN, PROM NIGHT, THE EXORCIST, THE OMEN oder PSYCHO in plumpen Kalauern zu referenzieren, ohne dass diese jedoch auf einem tieferen Verständnis der Originale beruhen würden. Während etwa der ZAZ-Film AIRPLANE! die Struktur des Katastrophenfilms perfekt emuliert, hat WACKO mit den Filmen, die er auf die Schippe nimmt, nichts weiter zu tun, als dass er inhaltliche Versatzstücke aufgreift und ohne Sinn für eine übergeordnete Dramaturgie aneinander reiht. Es gibt durchaus ein paar brauchbare Gags, doch auch diese verpuffen meist, weil sie von Clark ohne Sinn für Timing inszeniert wurden. Ein Witz ist nunmal nicht per se witzig, sein Erfolg hängt davon ab, wie er erzählt wird und hier versagt Clark völlig. Während die ZAZ-Filme von Beginn an einen Ton und eine Logik etablieren, innerhalb derer auch völlig schwachsinnige Ideen zünden, hat man bei WACKO stets das Gefühl, bevormundet zu werden. Jeder Witz wird in einer Art und Weise eingefangen, die dem Zuschauer ganz unmissverständlich klarmacht, dass er jetzt gefälligst zu lachen hat. Und das funktioniert einfach nicht.

Wenn man dann doch mal schmunzelt, dann ist das den Schauspielveteranen George Kennedy – der sein komisches Talent ja später im ZAZ-Film THE NAKED GUN unter Beweis stellen durfte – und Joe Don Baker zu verdanken, die ihre Rollen mit einer Verve angehen, die der Film eigentlich nicht verdient hat. Allein wie Baker hier aussieht ist schon aller Ehren wert, und wenn der beim Bespannen seiner minderjährigen Töchter erwischte Doctor Graves (Kennedy) die Standardausrede, er mähe den Rasen, auch dann noch bringt, wenn er auf einer Leiter stehend durch ein Fenster im ersten Stock glotzt, ist das ein Beispiel für eben jene Absurdität, die die ZAZ-Filme so brillant zu etablieren wussten. Leider beackert Clark – es verwundert nicht wirklich – eher das Terrain des tumben Herrenwitzes, bleibt dabei aber auf einem solch jämmerlichen Niveau, dass noch nicht einmal Andrew Dice Clay als – festhalten – Tony Schlongini damit etwas anfangen kann. Mein „Lieblingsgag“ ist die Antwort von Doctor Graves auf die Frage seiner Ehefrau (Stella Stevens), wie er denn eigentlich mit Vornamen heiße. „Doctor“ sagt er. Das sei tatsächlich nur ein Vorname, er habe nie ein Medizinstudium abgeschlossen. Und wie war der Name seines Vaters, will die Frau wissen? „Der hieß ,Nurse‘.“ – Ich habe durchaus ein Faible für Zoten und Albernheiten, aber wenn das der größte Lacher ist, den man vorzuweisen hat, sollte man von Komödien vielleicht besser Abstand nehmen.

Mark (Darby Hinton) und seine fesche Freundin Lynn (Diane Peterson) suchen mit ihrem Thunderbird nach „Action“ und treffen auf die Hi-Riders, eine Rockergang, die sich ihre Zeit mit illegalen Straßenrennen vertreibt. Nach anfänglichen Konflikten werden die beiden in die Gang aufgenommen. Als eines der Rennen mit einem Außenstehenden, dem Sohn des Unternehmers Mr. Lewis (Stephen McNally), einen tödlichen Verlauf nimmt, formiert der einen Lynchmob gegen die Hi-Riders, dem nur Mark, Lynn und der Anführer der Gang Mike (Ralph Meeker) entkommen. Sie wollen Rache …

Für seinen vierten Spielfilm verquickt Regisseur Greydon Clark den damals schon leicht angestaubten Rockerfilm mit dem durch aktuelle Erfolge wie EAT MY DUST!, GRAND THEFT AUTO, CANNONBALL oder SMOKEY AND THE BANDIT schwer im Trend liegenden Car-Crash-Film. Die Verbindung von kuttentragenden und biertrinkenden Männern, ihren wilden, ständig blank ziehenden Weibern und den aufgemotzten Karren ist nicht unbedingt plausibel, aber verglichen mit neumodischem und unangenehm materialistisch anmutenden Hochglanzschnickschnack wie der FAST & FURIOUS-Reihe dann doch recht sympathisch. Clark, der durch die harte Exploitationschule Al Adamsons ging, für dessen Megahit SATAN’S SADISTS ebenso das Drehbuch schrieb wie für den monolithischen Baddie DRACULA VS. FRANKENSTEIN, liefert den PS-Süchtigen im Publikum dann auch jede Menge Stoff, beschränkt sich während der gesamten ersten Hälfte des Films darauf, das (in dieser epischen Breite nicht mehr ganz so) lustige Lotterleben der Hi-Riders einzufangen, und bequemt sich erst dann, so etwas wie einen Plot zu etablieren. Für denjenigen, der nicht schon beim bloßen Anblick eines amerikanischen Muscle Cars die Hose aufgeht (wie mir), bietet HI-RIDERS dann auch reichlich Gelegenheit, das Klo oder den Kühlschrank aufzusuchen, auch wenn die Langeweile, die er produziert, etwas hübscher anzusehen ist als in THE BAD BUNCH. Das ist wohl auf die Kameraarbeit von Dean Cundey zurückzuführen, der oft mit Clark zusammenarbeitete, bevor er größere und bessere Filme ablichten durfte. In die genau entgegengesetzte Richtung bewegten sich Schauspieler wie Mel Ferrer, Neville Brand und Stephen McNally, die für ihre wahrscheinlich in wenigen Stunden eingekurbelten Szenen die vorderen Plätze in den Credits einheimsten und etwas verwitterten Glamour mitbringen. Im Finale ist Clark dann sichtlich bemüht, vorher Versäumtes nachzuholen, quetscht ebenso viele Wendungen in die letzten fünf Minuten, wie es in den 85 Minuten zuvor Autounfälle gab und lässt nach getaner Arbeit einfach die Credits rollen. Richtig gut ist das nicht, und dass Stuntman Vic Rivers für diesen Film bei einem missglückten Stunt sein Leben  ließ, ist eine besonders tragische Verschwendung.

the bad bunch (greydon clark, usa 1976)

Veröffentlicht: Oktober 11, 2011 in Film
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Vietnam: Die beiden Soldaten Jim (Greydon Clark) und sein Freund, ein Afroamerikaner, unterhalten sich über die in ihrer Heimat schwelenden Rassenkonflikte. Gerade als letzterer die Lösung für das Problem zum Besten geben will, wird er von einer Kugel niedergestreckt und stirbt in den Armen des Freundes. Wieder zu Hause möchte Jim dem Vater des Toten einen Brief überbringen (und begibt sich dafür tief ins für „honkeys“ wie ihn gefährliche Watts), erntet aber nur den Zorn von dessen zweitem Sohn Tom (Tom Johnigarn) – der sich in Ablehnung seines „Sklavennamens“ „Makimba“ nennt – und seiner Gang. Zwar unternimmt Jim alles, um das Vertrauen Toms zu gewinnen, doch der ist blind vor Hass. Als er von den beiden rassistischen Cops Lt. Stans (Aldo Ray) und Sgt. Berry (Jock Mahoney) zusammengeschlagen wird, vermutet er prompt Jim hinter der Tat und schwört Rache …

Mit THE BAD BUNCH beißt Greydon Clark eindeutig mehr ab, als er mit seinen löchrigen Beißerchen zu kauen in der Lage ist. Seine Motive sind ehrenwert – er setzt sich für die Gleichberechtigung der Schwarzen und die Verständigung zwischen den „Rassen“ ein, beschließt seinen Film gar mit einem Zitat von Martin Luther King -, doch tappt er dabei in genau jenes Fettnäpfchen, das auch die Empowerment ausrufenden, dann aber doch nur (positiv-)rassistische Klischees reproduzierenden Blaxploiter nicht auslassen konnten. Dass die Protagonistenrolle dem Weißen zufällt, ist schon der erste Fehler und verantwortlich für den leise herablassenden Tonfall, von dem sich THE BAD BUNCH einfach nicht freimachen kann. Zwar sind die wahren Rassisten des Films die beiden weißen Cops, doch ist deren Rassismus in Clarks Film ein nicht mehr weiter hinterfragter Privatwahnsinn, während Makimba und seine Gang letztlich Opfer eines über Generationen eingeimpften, verständlichen Misstrauens sind, ihr Rassimus als Reverse Racism bezeichnet werden muss. Anstatt das herauszuarbeiten, setzt Clark aber lieber auf markige Ghetto-Klischees. Eigentlich kann man es Makimba und Konsorten ja nicht wirklich verübeln, dass sie vor dem unschuldig daherschleimenden Jim nicht gleich einen demütigen Bückling machen, nur weil der großzügigerweise meint, es sei jetzt mal endlich genug mit der Segregation. Doch die Hartnäckigkeit, mit der sie ihn als Feind erkennen wollen, und die Sorglosigkeit, mit der sie sogleich zur schönen Tradition der Lynchjustiz übergehen, kann man nicht mehr nur auf ein gesundes Misstrauen und Verletzung schieben. Sie sind total determiniert von ihrer Opferrolle. Dass es in THE BAD BUNCH kein Happy End und keine Hoffnung geben kann, liegt nicht an den festgefahrenen Verhältnissen, sondern daran, dass es die Weißen so weit getrieben haben, dass man von den Schwarzen keine Besserung mehr erwarten darf. Ich bezweifle, dass das Clarks Botschaft sein sollte.

Tatsächlich ist es so, dass diese Verfehlung THE BAD BUNCH nicht diskreditiert, sondern ihn eher interessanter macht; sie ermöglicht es erst, ihn als eine Art Meta-Blaxploiter zu betrachten, also einen Blaxploitation-Film, in dem der dem Subgenre inhärente Rassismus offenliegt. Als Actionfilm oder Thriller funktioniert THE BAD BUNCH dank seiner furchtbaren Trägheit nämlich gar nicht. Der Konflikt zwischen Makimba und Jim tritt über weite Strecken des Films völlig in den Hintergrund und weicht den zwar beliebigen, aber nichtsdestotrotz unsäglich breitgetretenen Beziehungsproblemen Jims. Es macht sich nervenzerrende Langweile breit und böten der rasante Wechsel zwischen schäbigen Kulissen und Originalschauplätzen, der mit letzteren verbundene Lokalkolorit und die Spätausläufer der Hippiemode nicht wenigstens etwas Eyecandy für Schmuddelfilmfans, man müsste THE BAD BUNCH als Komplettreinfall bezeichnen. So muss ich am Ende wieder mal einräumen, dass ich den Film zwar wahrscheinlich nicht so schnell einer Revision unterziehen werde, aber wegen meiner Vorliebe für billigen Seventies-US-Ramsch trotzdem nicht bereue, ihn gesehen zu haben. Von solchem geil langweiligen Zeug kann ich einfach nicht genug bekommen, weshalb ich mich jetzt schon auf Greydon Clarks HI-RIDERS freue. In Kürze in diesem Kino.

In der nordamerikanischen Wildnis werden diverse Urlauber (u. a. Cameron Mitchell und ein grünschnabeliger David Caruso) von merkwürdigen fliegenden kleinen Blutsaugermonstern angefallen und getötet. Sandy (Tarah Nutter) und Greg (Christopher S. Nelson) können eben noch in eine entlegene Kneipe entkommen, in der sich die beiden Veteranen Fred „Sarge“ Dobbs (Martin Landau) und Joe Taylor (Jack Palance) aufhalten, die schon lange ahnen, dass ein Alien in den Wäldern sein Unwesen treibt. Zusammen mit den Touristen gehen sie auf die Jagd nach dem Unhold …

Tja, wirklich aufregender als der zuletzt von mir im Wachkoma durchlittene THE DARK ist auch WITHOUT WARNING nicht, wenngleich sein Scheitern nicht ganz so eklatant ist. Greydon Clarks Film ist nämlich leider auf relativ herkömmliche Art und Weise monoton und langweilig: Der Film verheizt seinen einen, zugegebenermaßen ganz hübschen Spezialeffekt – die etwas an Maultaschen erinnernden Vampirfrisbees, die das Ober-Alien durch die Gegend wirft – gleich zu Beginn und hat dann nichts mehr nachzulegen, außer natürlich Martin Landau und Jack Palance, die seinerzeit tief in der B-Movie-Hölle versumpft waren und für manche Win-win-Situation sorgten: Kleine Exploitationfilme (etwa Jack Sholders spitzenmäßiger ALONE IN THE DARK) konnten sich mit der Präsenz der einstigen Hollywoodgrößen schmücken und die Stars endlich mal nach Herzenslust overacten. Vor allem Landau, der nach Greydon Clarks kurz zuvor entstandenem THE RETURN offensichtlich Gefallen an stulligen Alien-Stoffen gefunden hatte, frisst sich als durchgeknallter Ex-Soldat mit einem Bärenhunger durch seine Szenen und lockert die Gleichförmigkeit damit wohltuend auf. Palance muss demgegenüber nicht viel mehr tun, als seine Charakterfresse ins Bild zu halten, die ja für sich genommen schon ein unbezahlbarer Spezialeffekt ist. Sonst gibt es leider nicht viel, worüber man in Verzückung geraten könnte: Das Quäntchen Handlung ist nach zehn Minuten hinreichend durchgekaut und macht dann Raum für endloses Gelatsche durch den dunklen Tann. Schauwerte: Fehlanzeige, und das, obwohl mit Dean Cundey erwiesenermaßen ein Meister seines Fachs (u. a. die Carpenter-Klassiker HALLOWEEN, THE FOG, ESCAPE FROM NEW YORK, THE THING und BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA) hinter der Kamera stand (wie auch bei Clarks früheren Filmen). So dauert es bis zum kurzen und leider viel zu schmerzlosen Finale, bis man mit dem kürbisköpfigen Alienmonster endlich mal wieder was zu gucken bekommt. Genrehistorisch erwähnenswert ist WITHOUT WARNING vielleicht für die seinerzeit wohl unvermeidlichen ALIEN-Anleihen (die Opfer, die als „Vorrat“ aufgehängt werden, und die erwähnten Maultaschen, eine Art Quasi-Facehugger) sowie die vorsichtige Vorwegnahme von PREDATOR, dessen Darsteller Kevin Peter Hall auch hier ins Alienkostüm kletterte. Allerdings sollte man das nicht überbewerten, schließlich ist der Plot „Alien läuft durch den Wald und killt Menschen“ nicht so wahnsinnig spezifisch, dass nicht mehrere Menschen unabhängig voneinander auf diese brilliante Idee kommen könnten, ohne Urheberrechtsverletzungsklagen befürchten zu müssen. Mich hat an WITHOUT WARNING vor allem seine Besetzung fasziniert, die ihn fast zum OCEAN’S ELEVEN des Trash macht. Neben den Erwähnten übernehmen auch Neville Brand, Ralph KISS ME DEADLY Meeker und Fernseh- und Synchronstar Larry Storch Klein- und Kleinstrollen. Und hätte Greydon Clark David Caruso in weiser Voraussicht noch eine Sonnenbrillen-Szene ins Script geschrieben, wäre mein Urteil über seinen Film wahrscheinlich ganz anders ausgefallen.

Den Regisseur werde ich trotzdem mal ins Auge fassen, liest sich seine Filmografie doch so, als hätte dieser Mensch viel, viel Spaß in seinem Job gehabt. BLACK SHAMPOO dürfte eine Blaxploitationvariante auf Hal Ashbys SHAMPOO sein, SATAN’S CHEERLEADERS, HI-RIDERS (auch mit Brand und Meeker) und ANGELS‘ BRIGADE haben schon geile Titel, THE RETURN ist nach WITHOUT WARNING wahrscheinlich eh, ähem, Pflicht, JOYSTICKS steht nach der Lektüre von DESTROY ALL MOVIES!!! THE COMPLETE GUIDE TO PUNKS ON FILM ganz weit oben auf meiner Wunschliste und mit THE FORBIDDEN DANCE, jenem Lambada-Film, der ohne den Lambada-Song und ohne die Nennung des Tanzes im Titel auskommen musste, war er ja auch an dem albernen Schwanzvergleich der im Zorn auseinandergegangenen Cannon-Bosse Menahem Golan und Yoram Globus beteiligt. Vielleicht sollte man seine Biografie verfilmen.