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Episode 171: Wie kriegen wir Bodetzki? (Horst Tappert, 1988)

Ein Mann namens Loss wird mittels einer heimtückischen Zyankali-Injektion getötet. Die vermeintlichen Mörder nehmen wenig später Kontakt zum Vater des Toten auf, einem in einem Altersheim lebenden Greis (Paul Hoffmann), um sich mit ihm zu treffen, doch der alte Mann erliegt vorher einem Herzanfall. Derrick rekrutiert daraufhin den aus dem Dienst geschiedenen Ex-Kollegen und Trinker Jonas Velden (Hans Putz) als Ersatz: Der bekommt es mit einer Gruppe von Naturwissenschaftlern – Tubeck (Volker Lechtenbrink), Korte (Hans Georg Panczak) und Brandeck (Helmut Staus) – zu tun, die beteuern, dass ein gewisser Bodetzki (Gert Haucke) Loss auf dem Gewissen habe. Es handele sich bei diesem um einen ostdeutschen Agenten, der dafür verantwortlich sei, dass Tubecks Vater wegen Fluchthilfe in einem ostdeutschen Gefängnis inhaftiert ist …

Der Versuch einer Inhaltsangabe macht schon deutlich, dass es sich bei Tapperts vierter Regiearbeit zumindest storytechnisch nicht um eine konventionelle DERRICK-Folge handelt. Reinecker bewegt sich mit seinem Drehbuch mal wieder auf das Terrain des Agententhrillers, das ihn zwar nicht allzu oft, aber in den vergangenen 14 Jahren dann doch einige Male lockte. So richtig kommen seine Talente vor dem Hintergrund politischer Verwirrung nicht zum Tragen: Wenn es um Konflikte auf solch abstrakter Ebene geht, sind Fragen nach individueller Moral und Verantwortung irgendwie deplatziert. Oder besser: Sie werden von anderen überlagert, von denen er sich nicht freimachen konnte. Wie dem auch sei: Die Folge kommt nicht richtig in die Gänge und ist mit dem Tod des Vaters und dem daraufhin engagierten Ersatz äußerst umständlich konstruiert, vor allem, wenn man dann sieht, dass Velden im letzten Drittel, nachdem er seine Schuldigkeit getan hat, völlig aus der Geschichte verschwindet. Diese gespreizte Konstruktion ist auch deshalb ärgerlich, weil mit Haucke – 13 Jahre nach seinem unvergesslichen Auftritt in Brynychs Hammerfolge „Alarm auf Revier 12“ – ein erstklassiger Schurke am Start ist, der mit seinem Zyankali-Injektionsring inszeniert wird wie einer der henchmen, mit denen es James Bond auf dem Weg zum Oberbschurken immer zu tun bekommt. Man hätte gern mehr von ihm gesehen, aber so hat er kaum etwas zu tun. Stattdessen wieder einmal Volker Lechtenbrink, dessen goldblonder Dreidollarhaarschnitt mich noch aus jeder Episode, in der auftauchte, rausschmeißt. Schade auch, dass die Ost-West-Thematik für kaum mehr als einen Aufhänger genutzt wird. Generell muss man sich darüber wundern, dass die Teilung nie thematisiert, im Gegenteil fast peinlich beschämt totgeschwiegen wurde. Ob es ein Zufall ist, dass Reinecker nur ein Jahr vor dem Mauerfall plötzlich auf die Idee kommt, eine Geschichte mit Fluchthilfe und Stasi-Agenten aufzutischen oder ob er die Zeichen der Zeit gewittert hatte, kann ich natürlich nicht beurteilen. Es ist in jedem Fall eine auffällige Koinzidenz.

Abseits solcher Meta-Überlegungen zeigt „Wie kriegen wir Bodetzki?“ einige putzige Marotten, über die man sich aber wahrscheinlich nur freuen kann, wenn man die Serie von vorn bis hinten durchguckt und den Blick daher zwangsläufig auf Minidetails lenkt, wenn es denn sonst nicht viel zu bestaunen gibt: Zum einen fällt die Rückkehr zum Alkoholismus der Bier- und Cognac-getränkten Siebziger auf, die die Serie nach Jahren der ostentativ zur Schau getragenen Abstinenz durchmacht. Plötzlich wird wieder zu jeder Gelegenheit „Wiski“ angeboten und verköstigt, wahrscheinlich, weil mit der bloßen Nennung des Gesöffs der Anschluss an die großen Hardboiled-Vorbilder aus Übersee geknüpft wird. Ein guter Korn? Fehlanzeige, es muss „Wiski“ sein, dessen Name einerseits intoniert wird, als handle es sich dabei um einen wahren Wundertrank, der seinen Konsumenten Schönheit und Intelligenz verleiht, der aber andererseits immer in Reichweite ist und auch von solchen Leuten getrunken wird, die mit genannten Eigenschaften gerade nicht im Übermaß ausgestattet sind. Dann prahlt Derrick am Anfang einmal völlig aus dem Zusammenhang gerissen von einem Kriminalmuseum, das er mal besucht habe, in Rom oder Paris, er wisse es nicht mehr, es sei aber auch egal. Nun, nicht egal genug, um nicht eine Dialogzeile darauf zu verschwenden. Und Derricks fixe Idee, der Mord könne mit einem speziellen Siegelring verübt worden sein, erweist sich natürlich als Faktum: Er weiß sogar genau, welche Form und Gestalt der Ring haben muss – weil er eben mal einen in einem Kriminalmuseum gesehen habe, in Paris oder Rom, weiß er nicht mehr so genau, ist aber auch egal. Wunderbar auch eine Szene, in der sich Derrick und Harry mit gezückten Pistolen und gut sitzenden getönten Sonnenbrillen in ein Haus schleichen wie eine hüftsteife, maximal uncoole Version von Crockett und Tubbs. Überhaupt hat man bei Harry in dieser Phase immer das Gefühl, er versuche auf Gedeih und Verderb genauso zu werden wie sein Vorgesetzter: Allein es reicht nicht, er sieht immer aus, wie der Trittbrettfahrer, der im Windschatten des großen Vorbilds nun einmal bestenfalls wie der arg bemühte Abklatsch wirkt. Man möchte ihn immer in den Arm nehmen und ihm auf die Schulter klopfen oder ihm über den Schopf streichen. Er wird nie aus dem Schatten seines Vorgesetzten treten. Wäre er am Ende vielleicht doch lieber bei Kommissar Keller geblieben? Ich denke, er fühlte sich ganz wohl bei Stephan Derrick. Und der scheint ja auch ein echt netter Chef zu sein.

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Episode 172: Kisslers Mörder (Wolfgang Becker, Deutschland 1989)

Rudolf Kissler (Peter Bongartz) betreibt ein exklusives Bordell und Irene Stubach (Evelyn Opela) ist nicht nur seine Geliebte, sondern auch das beste Pferd im Stall. Das passt ihrem Sohn Ralf (Maximilian Held) überhaupt nicht und auch sein Opa (Hans Caninenberg) ist vom Engagement seiner Tochter alles andere als begeistert. Als Kissler erschossen vor seinem Haus aufgefunden wird, muss Derrick nach Verdächtigen nicht lang suchen: Ralf steht ganz oben auf seiner Liste, zumal der mit seiner Clique ja sogar mit Schießübungen auffällig geworden ist …

Ein Knaller, das wird schon in den ersten Sekunden klar, wenn die lustigen Ballereien von Ralfs Clique in einer Kiesgrube mit Prince‘ „Alphabet Street“ unterlegt werden. (Im weiteren Verlauf heizen neben weiteren Tracks vom „Lovesexy“-Album auch die damaligen Ethnopop-Größen Mory Kanté mit „Yeke Yeke“ und Ofra Haza mit „Im nin‘ alu“ ein.) Abseits solcher Oberflächenreize entspinnt sich ein stark ödipal angehauchtes Mutter-Sohn-Drama mit einer verzweifelten Evelyn Opela, der Ava Gardner des deutschen Fernsehkrimis, dem ihr tränennass am divenhaften Busen hängenden Maximilian Held und Hans Caninenberg, dem deutschen Bruder von Paul Kersey, zumindest wenn es nach Herbert Reinecker geht, der dem alten Herren nun schon zum dritten oder vierte Mal selbstjustiziale Tendenzen anhängt. Die Ausflüge in den mit unerträglichem Eighties-Pomp ausgestatteten Edelpuff, in dem Hackfresse Uli Krohm seinen Dienst verrichtet und mit Pommeslocken ausgestattete Damen barbusig der Arbeit nachgehen, fungieren als Stimmungsaufheller in einer Geschichte, die Reinecker mit seiner unnachahmlichen Bedeutungsschwere ausstattet. Wie in „Die Nacht in der Ronda starb“ besteht Ralfs Clique wieder einmal aus hintersinnig grübelnden Umstürzlern, die die Welt am liebsten von allem Unrat befreien würden und dabei eine unangenehme Intensität entwickeln. Zwischen dem militaristischen Intellektuello von Christoph Mainusch und dem jugendlichen Wutbürger von Robinson Reichel ist auch noch Platz für Janna Marangosoff, die mit süßem Schmollmund um die Gunst des schönen Ralf buhlt. Ich sage nichts Neues: Der Kriminalfall ist so lala, aber das ganze Drumherum lässt frohlocken. Evelyn Opela!

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Episode 173: Der zweite Mord (Zbynek Brynych, 1989)

Aus dem Jugendheim entlassen stolpert Ursula Kieler (Esther Hausmann) dem kriminellen Hans Seelmann (Claude-Oliver Rudolph) in die Arme. Der plant am Abend einen großen Deal: Er will ein Kilo Heroin an Hans Landrut (Ulli Kinalzik) und dessen Partner, den drogenabhängigen Rolf Hauser (Frank Hessenland), verkaufen und nimmt Ursula in weiser Voraussicht als Zeugin mit. Es kommt, wie es kommen muss: Der panische Rolf schießt Hans nieder, wie vom Donner gerührt bleibt Ursula zurück. Sie gerät ins Fadenkreuz der Hausers, die ihren Spross um jeden Preis vor dem Gefängnis bewahren wollen. Zu diesem Zweck macht sich Rolfs Bruder Bruno (Philipp Moog) an Ursula ran …

Eine Folge mit dem jungen Claude-Oliver Rudolph kann unmöglich schlecht sein, schon gar nicht, wenn sie von Brynych inszeniert wurde. Zwar muss der „beste Bösewicht der Welt“ (BamS) und Promi-Box-Versager nach dem ersten Akt weichen, aber er nutzt die ihm gegebene Zeit auf seine ihm eigene Art. „Der zweite Mord“ ist nicht wahnsinnig spektakulär, aber zum einen hat sie mit den Hausers mal wieder eine dieser Bürgertums-Familien, deren Entitlement einem die Galle hoch treibt – der graue Patriarch (Stefan Wigger) wird dabei von einer besonders biestigen Gattin (Ursula Dirichs) gestützt. Ein Hauch von“Romeo und Julia“ durchweht die sich anbahnende Liebesbeziehung zwischen Ursula und Bruno – sie führt hier allerdings nicht zum Doppel- sondern nur zum Einzelselbstmord. Das treibt Derrick richtiggehend auf die Palme, denn er entwickelt starke väterliche Gefühle für die völlig auf sich allein gestellte Jugendliche – für die die damals gut 30 Jahre alte Darstellerin Esther Hausmann deutlich zu alt war. Reinecker DERRICK und die Jugend: Das ging selten zusammen. Sehr zum Wohle des Zuschauers, der sich über eine weitere seltsame Episode freuen darf.

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Episode 174: Blaue Rose (Zbynek Brynych, 1989)

Auf der Flucht vor der Polizei dringt der Drogendealer Oswald (Sabi Dorr) in die Wohnung der Rentnerin Frau Hässler (Brigitte Mira) ein und erschlägt sie. Sie kann noch ihren Enkel Jürgen (Jochen Horst) verständigen und teilt ihm mit, dass ihr Mörder eine blaue Rose auf das Handgelenk tätowiert hat. Der begibt sich kurzerhand selbst auf Mörderjagd – und lernt in einem Nachtclub die vergnügungssüchtige Rubina (Sissy Höfferer) kennen. Was er nicht weiß: Sie ist die Schwester von Oswald …

Gute, wenn auch nicht herausragende Folge, aus der die geilen Discoszenen mit der aufgebrezelten Höfferer herausstechen. In einer Szene wirft sie eine Mark in einen Arcade-Automaten, um eine Runde des Flugzeug-Shooters „Afterburner“ zu spielen, wofür Derrick nur ein gelangweiltes Augenrollen übrig hat. Dann rastet sie auf der Tanzfläche ihrer Diskothek völlig aus, ein wilder Wirbel aus toupierten Locken, mit Glitzersteinen besetzten, fingerlosen Lederhandschuhen, Stirnband, Minirock und High-Heel-Boots im Trockeneis-Nebel. Derrick guckt nur durch seine getönte Sonnenbrille, wie ein uralter Gott, dem die menschlichen Irrungen und Wirrungen fremd sind.

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Episode 175: Die Stimme des Mörders (Theodor Grädler, 1989)

Ein Bankräuber zwingt zwei Frauen – Mutter (Lotte Ledl) und Tochter (Lena Stolze) – ihn nach vollbrachter Tat im Auto mitzunehmen. Die Mutter erkennt den Täter an der Stimme, was sie ihm auch mitteilt: Er erschießt sie und verwundet die Tochter schwer. Der einzige Hinweis, den Derrick hat: Die Mutter kannte den Täter vermutlich aus einem Gasthaus, in dem sie sich oft aufhielt. Dort stehen neben dem Wirt (Henry van Lyck) auch der Handelsvertreter Erich Kugler (Uwe Friedrichsen), der vorbestrafte Pianist Ruge (Hans Peter Hallwachs) sowie einige Bedienstete (Gert Burkard, Werner Asam, Ernst Hannawald) als Verdächtige zur Verfügung …

Mal wieder ein klassischer Whodunit, der von den herausragenden Darstellern getragen wird. Das Wirtshaus, in dem sich Derrick und Harry zur Ermittlung einfinden, ist ein dumpfbraune Stube deutscher Tristheit, die auch die Beziehung der unfallgeschädigten Tochter erfasst: Als deren Verlobter erfährt, dass seine Zukünftige möglicherweise für den Rest ihres Lebens eine Krücke (!) brauchen wird, nimmt er ob dieser Aussicht sofort Reißaus, Das Drehbuch kann den Verdacht, dass Reinecker diese leichte Gehbehinderung tatsächlich für einen massiven Einschnitt hält, nicht gänzlich entkräften. Ansonsten bezieht die Episode ihren nicht unbeträchtlichen Reiz aus den Akteuren, von denen vor allem Friedrichsen eine echte Schau ist. Er scheint mit seinem Kugler wirklich Spaß gehabt zu haben und auch Hallwachs ist – hier mal in einer sympathischeren Rolle – eine Bank.

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Episode 176: Rachefeldzug (Theodor Grädler, 1989)

Auf Derrick wird geschossen, er entgeht dem Attentat nur knapp. Sein Verdacht fällt auf den Geschäftsmann Renzi (Günther Ungeheuer), der ihm am selben Tag die Todesanzeige seines Sohnes geschickt hatte: Jener hatte sich in seiner Gefängniszelle, in die ihn einst Derrick gebracht hatte, erhängt.

Der Titel „Rachefeldzug“ verspricht Action, eisigen Thrill und brutale Gewalt: Ist es wirklich eine Überraschung, dass Reinecker diese Erwartungshaltung krass unterläuft? DERRICK war nie bekannt für seine Geschwindigkeit, Körperlichkeit und zupackende Härte, aber hier ist das Missverhältnis zwischen dem, was der Titel verspricht und dem, was Grädler dann liefert, schon besonders eklatant. Die Folge ist endlos geschwätzig, der Täter von Anfang an mehr oder weniger bekannt und womit da eigentlich die Spielzeit gefüllt wird, reichlich rätselhaft. Symptomatisch ist eine Szene, in der Derrick und Harry ins Auto steigen und einen panischen Warnruf von Kollege Willi (Willy Schäfer) erhalten: Unter gar keinen Umständen sollen sie den Wagen starten, denn es sei eine Bombe darin. Die beiden steigen aus, die Bombenentschärfer kommen und teilen den beiden nach getaner Arbeit mit, dass der Timer auf eine halbe Stunde gestellt war. Man kann noch nicht einmal sagen, dass diese potenziell spannende Szene an der Umsetzung gescheitert sei: Reinecker hat vielmehr gar nicht versucht, so etwas wie Suspense zu erzeugen. So kaut man sich als Betrachter nicht etwa auf den Nägeln, weil man mit dem Ermittler bangen würde, sondern vielmehr weil dessen Seelenruhe und die „Ich sage nichts“-Stoik des Täters an den Nerven zerrt. Meine Lieblingsszene ist die, in der Derrick seinen Gehilfen Harry dazu auffordert, seine „berühmten“ Spaghetti zu kochen: Mich hat die Intensität, mit der Harrys Künste gelobt werden, an die Kaffee-Szenen aus PULP FICTION oder TWIN PEAKS erinnert. Gleichzeitig wirkt es einfach nur niedlich, wie Derrick den Hiwi abfeiert und dieser dabei einen gefühlten Meter größer wird. Insgesamt habe ich „Rachefeldzug“ als einen Tiefpunkt der Serie empfunden, aber dann ist dieser Verschnarchtheit auch wieder höchst faszinierend. Einem guten Reißer alle Zähne ziehen: Das konnte nur Reinecker so formvollendet.

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Episode 177: Schrei in der Nacht (Günter Gräwert, 1989)

Eine Prostituierte wird tot im Englische Garten aufgefunden. Die Spur des Mörders führt zu einem Mietshaus mit mehreren Verdächtigen: der Vermieterin Dr. Kolbe (Christine Buchegger), die den Tod ihres Mannes betrauert, dem Studenten Hessler (Horst-Günther Marx), der seltsamen Law-and-Order-Fantasien nachhängt, dem Pornohefte lesenden Hausmeister (Klaus Herm), dem Kaufmann Bracht (Jürgen Schmidt), der seine Ehefrau „nicht in Anspruch nimmt“, wie er selbst sagt, und dem hysterischen Krimiautoren Wickrt (Udo Vioff). Weil auch die Freundin (Roswitha Schreiner) der Toten nicht den entscheidenden Hinweis geben kann, schleust Derrick eine Undercover-Agentin (Svenja Pages) dort ein …

Wie schon kurz zuvor „Die Stimme des Mörders“ ein klassischer Whodunit mit schönem Giallo-Einschlag. Die Besetzung ist vielleicht nicht ganz so spektakulär, aber dennoch erlesen: Klaus Herm wurde für dirty old man im Hauskittel gewissermaßen geboren (seine mit Geschmacklosigkeiten und Tittenheften zugepflasterte Kellerwohnung ist ein feuchter Ausstattungstraum), Udo Vioff ist toll als wahnhafter Dichter mit Edgar-Allan-Poe-Porträt an der Wand, dem in der Erregung die Stimme entgleitet, Jürgen Schmidt eh ein unsung hero der deutschen Krimiserie: Wie er beschwipst Svenja Pages (hinreißend!) anschmachtet, sich gerade noch eine Dummheit verkneift, das ist einfach großartig in seiner ganzen bemitleidenswerten Jämmerlichkeit. Die Auflösung kommt dann mit einer für Reinecker eher ungewohnten Annäherung an den Zeitgeist, während die Studentenfigur mit ihren Herrenmenschen-Ambitionen mittlerweile Tradition hat. Die Folge bleibt vor allem im Gedächtnis, weil sie so schön schlüpfrig ist, Tappert reichlich Gelegenheit bietet, mit den Augen zu rollen, und die süße Roswitha Schreiner als Bordsteinschwalbe mit Schaftstiefeln und Minirock aufbietet. Titelsong von Dieter Bohlen.

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Episode 178: Die Kälte des Lebens (Helmuth Ashley, 1989)

Der kleine Zuhälter Rossner (Claude-Oliver Rudolph) wird auf der Herrentoilette eines Nachtclubs ermordet, der zum Revier seines Konkurrenten Badeck (Winfried Glatzeder) gehört, weil er es gewagt hatte, mit seinen beiden Nutten Rosa (Ursela Monn) und Libeta (Tushka Bergen) dort aufzutauchen. Libeta war ganz in der Nähe, hat die Mörder aber nicht gesehen. Gegenüber Derrick behauptet sie etwas anderes: Sie sehnt sich nach der Nähe eines Mannes, der sich wirklich um sie kümmert. Mit ihrer Aussage zieht sie allerdings Gefahr auf sich …

Ashleys Folge reizt das sich früh andeutende Potenzial leider nicht ganz aus, muss aber trotzdem als gelungen bezeichnet werden. Wie häufiger in dieser Zeit, zieht sich ein resignativer, pessimistischer Ton durch die Episode, der sich ja auch schon im Titel niederschlägt. Und wieder einmal baut Derrick eine Beziehung zu einer Zeugin auf, was für rare Momente der Wärme sorgt, die sich aber am Ende als wertlos erweisen. Rudolph ist mal wieder super als größenwahnsinniger Kleinganove mit Rockabilly-Koteletten, Ursela Monn sehr überzeugend als erfahrene, sich keine Ilusionen mehr machende Nutte. Lotte Ledl gibt die barsche Vermieterin, die schon beim Frühstück ihre erste Schachtel Kippen aufraucht und Glatzeder überzeugt als Schwerverbrecher ebenfalls auf ganzer Linie. Dazu gibt’s einen stilechten Frank-Duval-Themesong und fertig ist ein trübes Glanzlicht der späten Achtziger.

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Episode 179: Mozart und der Tod (Zbynek Brynych, 1989)

Die Geigenspielerin Marion Scholz (Heike Faber) und ihr Lehrer Justus Roth (Christoph Eichhorn) werden nach einer Geigenstunde überfallen, die junge Frau vergewaltigt. Mithilfe des Spitzels Eckler (Hermann Lause) werden die drei Täter ausfindig gemacht. Doch aus Angst behaupten die Opfer bei der Gegenüberstellung, niemanden zu erkennen …

Ich mag Brynychs Zeichnung des traurigen Milieu-Pärchens Eckler und seiner Nachbarin, der Prostituierten Wanda (Monika Baumgartner), und die Gegenüberstellung mit den beiden Hochkultur-Kindern, aber insgesamt fehlt etwas zum großen Glück. An Reineckers Moralvorstellungen, die mal wieder schwer zu verteidigen sind, sind nicht Schuld daran: Er spielt die beiden Pärchen hart gegeneinander aus und schlägt sich dabei natürlich auf die Seiten der Unterprivilegierten, auch wenn Marion und Justus ja gar nix dafür können, dass sie auf der Sonnenseite des Lebens geboren wurden – was das Mädchen immerhin auch nicht davor bewahrt, brutal vergewaltigt zu werden. Nein, der Kriminalfall selbst ist ein bisschen öde und die Bösen (Jürgen Schornagel, Volker Bogdan und Hans Zander) kaum mehr als Pappkameraden, allerdings besonders verachtenswerte. Egal, ich mag diese Milieufolgen, in denen Derrick immer besonders angeekelt ist.

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Episode 180: Ein kleiner Gauner (Helmuth Ashley, 1989)

Alfred Kochem (Oliver Rohrbeck) lebt in einem Zelt auf dem Campingplatz und versucht sich eher erfolglos als Taschendieb. Sein Nachbar, der Ex-Einbrecher Düsberg (Kurt Sowinetz), setzt ihm einen Frosch ins Ohr und schlägt ihm vor, in eine der im Sommer leerstehenden Villen einzusteigen. Gesagt, getan, doch vor Ort wird Kochem von drei Männern überrascht, die den Mord an einem Physiker (Hans Quest) besprechen. Kochem fährt zum vereinbarten Ort des Geschehens, doch kann er den Mord nicht verhindern. Dafür wird er selbst gesehen und gilt nun als einer der Verdächtigen. Doch Derrick glaubt seiner haarsträubenden Geschichte …

Eine relativ leichte, sommerlich Episode, die ohne große moralphilosophische Diskurse oder Trauermiene von Derrick auskommen muss. Das ist mal sehr angenehm, auch wenn Reinecker andere Mittel und Wege hat, allzu gute Laune zu verhindern. Sein Protagonist Kochem ist jedenfalls ein ziemlich passiv-aggressiver Stinkstiefel und braucht eine halbe Ewigkeit, bevor er sich anderen gegenüber mal normal benimmt. Die Schurken fallen kaum ins Gewicht, genauso wenig wie Christiane Krüger in ihrem vorletzten von neun DERRICK-Auftritten.

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Episode 181: Diebachs Frau (Alfred Weidenmann, 1989)

Karl Diebach (Gerd Anthoff) wird von seiner Ehefrau Maria (Irene Clarin) mit dem wohlhabenden Haffner (Hanns Zischler) betrogen. Beistand in der Krise leisten ihm Pfarrer Bohl (Werner Schnitzer) und sein Sohn Herrmann (Stefan Reck). Wenig später ist Haffner tot und Maria kehrt zu ihrem Gatten zurück …

Mal wieder eine Folge, in der ein waschlappiger Ehemann von seiner Gattin auf geradezu boshaft offenherzige Art und Weise betrogen wird: Anthoff spielt fast exakt denselben Charakter, den er schon in „Ende einer Illusion“ gegeben hatte. Wenn man sich daran erinnert, ist die Auflösung auch nicht mehr so überraschend. Okayer Standard mit melodramatischem Einschlag.

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Episode 182: Ein merkwürdiger Tag auf dem Lande (Wolfgang Becker, 1989)

Der Bankräuber Jobst Huber (Wolfgang Fierek) verschwindet, nachdem er aus einem Dorf aus seinen Bruder (Michael Fitz) angerufen hat. Gemeinsam mit seiner Schwägerin (Svenja Pages) versucht er, seine Spur aufzunehmen. Vor Ort stoßen sie aber nur auf Ablehnung – und finden den Motorradhelm des Verschollenen. Ein fürchterlicher Verdacht drängt sich ihnen auf: Gemeinsam mit Derrick kehren sie in das Dorf zurück …

Die Achtzigerjahre enden mit einer Spitzenfolge von Wolfgang Becker, einer bayrischen Vorabendvariante von 2000 MANIACS, in der Reinecker mal wieder die Gier der kleinen Leute thematisiert, die sie alle moralischen Grundsätze vergessen lässt. Tappert, der damals bereits stramm auf die 70 zuging und nicht mehr den Enthusiasmus der ersten DERRICK-Jahrgänge an den Tag legte, dreht hier noch einmal auf, genießt es mit Haifischgrinsen, die verlogene Kleinbürgerbrut in die Enge zu treiben: Wie er sie sich vorknöpft und mit seinen Suggestivfragen löchert, ist einfach eine helle Freude. Ihm steht aber auch ein tolles Schurkenensemble gegenüber: Martin Semmelrogge tritt alles los, Gerd Baltus gibt den Wortführer, DERRICK-Regulars Karl Renar, Toni Berger und Willy Schultes vervollständigen den Reigen. Wolfgang Fierek ist unerwartet perfekt als freundlicher Bankräuber auf dem Motorrad, der mit der feinen Gesellschaft ein Saufgelage lostritt, das er nicht überlebt. Über allem scheint die Sonne und zwitschern die Vögel. Toll!

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Episode 158: Mordfall Goos (Franz Peter Wirth, 1987)

Ingrid Goos (Irene Clarin) entgeht nur knapp einem Mordanschlag. Ihr Ehemann Thomas (Martin Benrath) hat seinen Bruder Gregor (Robert Atzorn) und seinen Vater (Martin Held) im Verdacht. Die beiden haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass Ingrid, Tochter einer Schaustellerfamilie, nicht in ihre wohlhabende Familie passt und zeigen sich auch jetzt vor allem um die Familienehre besorgt statt um die Gesundheit ihrer Schwägerin bzw. Schwiegertochter. Dann erfolgt ein zweiter Anschlag und Ingrid ist tot …

Basic stuff, eine weitere Geschichte um eine weitere dieser großbürgerlichen Familien, die sich zur Wahrung ihrer eigenen, meist materiellen Interessen auch über Gesetze hinwegsetzen. Das hat es zu diesem Zeitpunkt schon etliche Male gegeben: Die große Begeisterung verursacht „Mordfall Goos“ nicht, aber die Umsetzung ist dann doch zu gut, um die Episode ganz abzuschreiben. Martin Benrath ist sehr gut als an der Unmenschlichkeit seiner Familie verzweifelnder Haderer, ebenso Martin Held als Patriarch im Hausmantel. Und dass Atzorn nach einer veritablen Karriere als DERRICK-Schurke mit dem Dr. Specht den Imagewandel schaffte, darf als das unerzählte Heldenepos der deutschen Fernsehgeschichte durchgehen. Ebenfalls mit dabei: Liane Hielscher und Beatrice Richter.

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Episode 159: Fliegender Vogel (Wolfgang Becker, 1987)

Die junge Bettina Rudolf (Dana Vavrova) wird aus der Haft entlassen, die sie für ihren Zuhälter und Liebhaber Horst Wilke (Claude-Oliver Rudolph) abgesessen hat. Derrick, der den für ihn noch ungeklärten Mordfall auflösen will, bringt die Frau bei der Bewährungshelferin Dr. Kordes (Christiane Hörbiger) und ihrer Familie unter. Doch auch Wilke hat von der Entlassung seiner Freundin Wind bekommen; und er hat gar nicht vor, sie loszulassen …

Die ganze Wir-nehmen-eine-Bedürftige-bei-uns-auf-Geschichte um die Familie Kordes, deren männlicher Spross Walter (Stefan Reck) sich dann auch noch in die junge Frau mit den Pferde- und Möwen-Postern über dem Bett verliebt, ist ziemlich cheesy. Das dachte wohl auch Claude-Oliver Rudolph, der seinen Wilke als Hommage an seinen Charakter aus Eckhard Schmidts ALPHA CITY anlegt und sich hier ähnlich ins Zeug legt. Es ist eine einzige Wonne, ihm beim Gepose zuzuschauen. Dass ausgerechnet Brillenschlange Gert Burkard seinen Bruder gibt, der ihm mit dem Chor der Heilsarmee nachstellt, um ihn mit frommen Lieder auf de Pfad der Tugend zurückzuführen, ist eine Idee, die auch nur Reinecker (oder war es Becker?) haben kann.

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Episode 160: Mordträume (Gero Erhard, 1988)

Max Binder (Mathieu Carrière) hat seine Ehefrau bei einem Unfall verloren, die Schuldige beging Fahrerflucht, wurde jedoch von dem Passanten Stockey (Karl Renar) gesehen. Der Ehemann trägt sich mit Rachegedanken, träumt Nacht für Nacht vom Morden und durchstreift schließlich mit dem Augenzeugen die einschlägigen Lokale auf der Suche nach der Täterin. Derrick versucht vergeblich, dem Mann seine Rachefantasien auszureden. Dann wird Stockey fündig: Er erkennt die Prostituierte Annette Schilling (Constan Engelbrecht) wieder …

Schöne, intensive Selbstjustiz-Geschichte, der der gewohnt manische Carrière immense Glaubwürdigkeit verleiht. Seine Staredowns und philosophischen Debatten mit Derrick geben den Extrakick, die schöne, viel zu früh verstorbene Constanze Engelbrecht gibt es als Bonus. Und Renar ist einer dieser DERRICK-Regulars, über die man sich immer wieder freut, wenn man einmal sein Herz an die Serie verloren hat.

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Episode 161: Eine Reihe von schönen Tagen (Wolfgang Becker, 1988)

Die Rentnerin Anna Beermann (Käthe Gold) beobachtet einen Mord in den Büros des Import/Export-Handels im Haus gegenüber. Ihr Schweigen lässt sich der Mörder, der Wind bekommen hat von dem Augenzeugen, etwas kosten: Gemeinsam mit ihrem Gatten (Hans Caninenberg) lässt es sich die alte Dame gut gehen, derweil Derrick den Mörder sucht. Ein mögliches Motiv kennt der Sohn des Toten: Sein Vater hatte von dubiosen Geschäften seines Arbeitgebers gesprochen und davon, dass seine Kollegen über Leichen gingen …

Typische Becker-Folge, die die Krimihandlung mit einem herzlichen Subplot um die beiden alten Leute auflockert und darüber hinaus schön fotografiert ist. Eine gewisse moralische Scheinheiligkeit ist unübersehbar: Man muss gewiss nicht lange suchen, um eine Episode zu finden, bei der das eigennützige Schweigen über ein Verbrechen auf weniger Verständnis vonseiten des Kriminaloberinspektors stößt als hier, wo die beiden Rentner mit größter Warmherzigkeit gezeichnet werden. Ändert aber nichts daran, dass die Folge sehr gut reinläuft und neben den Sympathieträgern Gold und Caninenberg auch auf Schurkenseite mit Jürgen Schmidt, Dieter Eppler, Uli Krohm und Stefan Behrens exzellent besetzt ist.

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Episode 162: Kein Risiko (Alfred Weidenmann, 1988)

Der ausgebrannte Roland Weimann (Hannes Jaenicke) ist von dem Psychologen Ingo Wecker (Klaus Schwarzkopf) gefragt worden, ob er einen Mord gegen Bezahlung durchführen würde: Da er das Opfer nicht kenne, bestünde keine Gefahr, gefasst zu werden. Weimann sucht Derrick auf, doch wenig später gibt es dennoch ein Mordopfer zu beklagen: Der Gatte von Ariane Budde (Eleonore Weissgerber) wird erschossen aufgefunden. Derrick verdächtigt sofort den „Freund des Hauses“ Harald Körner (Volkert Kraeft), der sich sogleich an die Witwe ranwanzt …

Reineckers Script, eine Mischung aus STRANGERS ON A TRAIN und „Schuld und Sühne“, hätte locker Stoff für drei Folgen gegeben. Doch Hannes Jaenicke, der am Anfang noch wie die Hauptfigur eingeführt wird, taucht nach der Halbzeitmarke überhaupt nicht mehr auf und macht Platz für die etwas austauschbare Geschichte um den Witwentröster Kraeft, der deutlich weniger interessant ist. Auf der Habenseite steht aber ein Auftakt in wunderbaren Grau- und Brauntönen, eine Herbstsonate, die an die DERRICK-Episoden der Siebzigerjahre erinnert, unterlegt von einem schwermütig-kitschigen Score. Die guten Ansätze heben die Folge leicht über den Durchschnitt.

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Episode 163: Auf Motivsuche (Zbynek Brynych, 1988)

Erich Karo (Will Danin) begibt sich für eine Filmproduktion auf Motivsuche. In der Nähe eines Bahnhofs wird er fündig, doch nach einem entsprechenden Rückruf ist er für mehrere Stunden nicht auffindbar. Als er dann wieder auftaucht, wirkt er tief erschüttert und gedankenverloren, was er auf einen Kreislaufzusammenbruch schiebt. Sein Freund und Kollege Willy Laufen (Pierre Franck) will rekonstruieren, was Erich widerfahren ist und sucht das Gelände auf, das dieser gesichtet hatte. Am nächsten Tag findet man seine Leiche …

Brynych bedient sich für seine erste DERRICK-Folge nach drei Jahren („Familie im Feuer“) ausgiebig beim Mystery- und Horrorfilm. Da ist zuerst das trist-marode Setting verlassener Hinterhöfe, dann natürlich Karos Gesichtsausdruck und Verhalten, als er wieder auftaucht. Eine Weile scheint es tatsächlich möglich, er könne von Außerirdischen gekidnappt worden sein oder er habe ein schleimiges, leichenfressendes Monstrum in einem Keller entdeckt: Brynych genießt es offenkundig, seine Zuschauer im Dunkeln tappen und allerlei Spekulationen anstellen zu lassen. Die Auflösung ist dann natürlich doch ganz weltlich, aber ihren entrückten Tonfall behält die Episode dennoch bei. Es gibt nach langer Zeit mal wieder eine dieser seltsam lethargischen „Action-Szenen“, eine wilde Schießerei, bei der tatsächlich nicht einer der Beteiligten auch nur verletzt wird (Harry führt allerdings erleichtert ein Loch im Ärmel seines Mantels vor), sowie eine Liebesszene zwischen Karo und der in den Fall verwickelten Karla (Beate Finckh), die den Fokus der Episode deutlich über den Kriminalfall hinaus erweitert. Zu sagen, Derrick und Harry seien nur Nebenfiguren, wäre überzogen, aber man merkt dennoch, dass Brynych die Ermittlungstätigkeit des Oberinspektors nicht für den interessantesten Aspekt der Folge hielt. So fällt „Auf Motivsuche“ angenehm aus dem homogenen Ganzen heraus und verpasst dem geneigten Betrachter mal wieder einen kleinen Stromstoß.

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Episode 164: Da läuft eine Riesensache (Zbynek Brynych, 1988)

Die Nadelstreifenganoven Mario (Hans Peter Hallwachs) und Kolowski (Gert Burkard) lassen aus Italien einen schönen Schauspieler Gregor (Amadeus August) einfliegen: Er soll das Erbe des despotischen Unternehmers Wegmüller antreten (dem die beiden ohne langes Federlesen die Kerzen auspusten), weil er einem Spross der Familie (der tatsächlich verstorben ist, wovon aber niemand weiß) zum Verwechseln ähnlich sieht. Unter Druck gesetzt, willigt der Mime ein, doch als er sich in seine „Cousine“ Ruth (Sissy Höfferer) verliebt, beißt ihn das Gewissen.

Noch mehr als in Brynychs vorangegangener Episode steht hier die keimende Liebe zwei junger Menschen im Mittelpunkt und verbannt das Gespann Derrick und Harry auf die hinteren Ränge. Die Episode ist nur wenig aufregend, auch weil die „Guten“ nie wirklich in Gefahr geraten, wie man zu Beginn vielleicht noch annimmt. Trotzdem macht „Da läuft eine Riesensache“ Spaß, weil sie sehr rund inszeniert ist und über einen dramatischen Bogen verfügt, den die sehr funktional eingerichteten DERRICK-Folgen in der Regel vermissen lassen. Der einstige Mädchen-Schwarm und BLUTIGER FREITAG– sowie später sogar DALLAS-Akteur Amadeus August war zum Zeitpunkt der Ausstrahlung bereits 46 und alles andere als ein Jüngling, präsentiert sich hier aber braungebrannt und mit beeindruckend gut austrainiertem Brustkasten. Er hatte sein Spielfilmdebüt 18 Jahre zuvor in O HAPPY DAY absolviert, unter keinem Geringeren als … Zbynek Brynych. Nur vier Jahre später, im Alter von 50 Jahren, verstarb August, dessen markanten Gesichtszüge ihn eigentlich zum Westerndarsteller prädestiniert hätten, an den Folgen einer HIV-Infektion.

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Episode 165: Das Piräus-Abenteuer (Zbynek Brynych, 1988)

Hanna (Ute Christensen), eine Stewardess und Bekannte von Harry, kontaktiert diesen in großer Angst: In Piräus sei sie von einem Mann angesprochen und dazu überredet worden, einen Koffer nach Deutschland zu bringen. Im Koffer habe sich Rauschgift befunden, dass sie noch in Griechenland entsorgt habe. Nun fürchtet sie sich vor der bevorstehenden Übergabe. Derrick und Harry sagen ihr ihre Hilfe zu …

Die letzte von drei Brynych-Folgen hintereinander hat – wie schon der direkte Vorgänger – erneut eine recht interessante und für die Serie ungewöhnlich „filmartige“ Geschichte. Und was man zu Beginn für lediglich etwas steif und unbeholfen hält, weitet sich dann doch langsam, aber sicher zur echten Brynych’schen Seltsamkeit aus, wenn diese einen auch nicht sofort anspringen mag: Bei diesem gruseligen Score – eine sparsame, fragile, aber gleichzeitig unheimliche Melodie wird mit unterschwelligen, aber deutlich vernehmbaren Atem- und Keuch-Geräuschen untermalt, wie eine avantgardistische Variation von Manfredinis FRIDAY THE 13TH-Thema – glaubte ich zunächst an einen technischen Defekt meines DVD-Players. Beatrice Richter bekommt eine ganz und gar rätselhafte Rolle, bei der sie u. a. in einem ranzigen Nachtclub zu Billy Idols „Sweet Sixteen“ tanzt und den anwesenden Heroin-Chic-Ladies laszive Küsse auf die Wange haucht (ohne dass sie dabei offen als Homosexuelle identifiziert würde). Der Handlungsverlauf ist kaum vorhersehbar und der spärlich entwickelte, eigentlich nur so als Behauptung mitschwingende Subplot um Harrys romantische Verbindung zu Hanna, wirkt in Brynychs Inszenierung, bei der er ja gern auf Romanzen zurückgreift, wie ein Fragment. Harry kommt auch bei Brynych nicht über den Status des Stichwortgebers hinaus, auch wenn man Ansätze bemerkt, ihn zu etwas Größerem aufzubauen. Sehr schön sind außerdem die Beamten, die sich in Derrick Auftrag an die Fersen der Verdächtigen heften, dafür in die Verkleidung von Pennern schlüpfen und immer wieder am Rande des Geschehens auftauchen. Kein totaler Augenöffner, aber doch sehr interessant.

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Episode 166: Die Stimme (Helmuth Ashley, 1988) 

Der geschiedene, zurückgezogen lebende Unternehmer Lippert (Ernst Jacobi) erhält einen Anruf von einer jungen Frau, die ihn vor einem bevorstehenden Mordanschlag warnt. Lippert ist verwundert, schlägt die Warnung aber in den Wind – nur um dann tatsächlich nur knapp einem Attentat zu entgehen. Nachdem er die Kriminalpolizei hinzugezogen hat, erfolgt ein zweiter Mordversuch, den er erneut knapp überlebt. Derrick und Harry wissen, dass die Anruferin der Schlüssel zur Ergreifung der Täter ist, denn weder ist ein Verdächtiger noch ein Motiv in Sicht …

Ashley setzt die schöne Tradition gelungener und in angenehmem Maße origineller Episoden in den späten Achtzigerjahren fort. Diese hier ist nicht wirklich spektakulär, lebt aber von der Ruhe der Erzählung und ihres wichtigsten Charakters, dem der unterschätzte Jacobi viel Würde und eine unterschwellige Tragik verleiht. Fritz Wepper darf mit der rehäugigen Roswitha Schreiner flirten, Christoph Eichhorn tritt als Lipperts am Rande der Kriminalität wandelnder, intellektueller Neffe in die Fußstapfen von Thomas Schücke. Die Folge endet eher verhalten, dafür aber mit einem die Grenze zum Horror überschreitenden Bild: Hinter der Telefonstimme verbirgt sich niemand geringeres als Irina Wanka, die bei DERRICK immer zur Stelle ist, wenn es ätherisch-feengleiche Frauenfiguren zu besetzen gibt. Ihr entrückter Blick aus schwarzen, weil erblindeten Augen ist ein eindringliches Schlussbild, das mich spontan an Michael Winners THE SENTINEL erinnert hat. TATORT-Kommissar Miroslav Basic ist in einer Nebenrolle zu sehen, ebenso wie Sky DuMont als blasierter Lover und Lambert Hamel als Säufer.

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Episode 167: Das Ende einer Illusion (Günter Gräwert, 1988)

Helga Weigert (Cornelia Froboess) arbeitet als Animierdame im Nachtklub der zwielichtigen Brüder Schwenke (Günther Ungeheuer und Hanno Pöschl) die im Nebenhaus auch ein illegales Spielkasino betreiben. Einer ihrer Kunden ist Erich Rieger (Gerd Anthoff), frisch verwitwet und spielsüchtig. Die Schowenkes setzen ihre Angestellte auf den Mann an: Sie soll herausfinden, was er tut, wie viel Geld er hat. Frau Weigert folgt dem Befehl und freundet sich mit dem depressiven Mann an, der jeden Antrieb völlig verloren hat. Dass er außerdem sowohl einen wohlhabenden Bruder hat als auch eine hohe Lebensversicherungssumme ausgezahlt bekommt, macht ihn für ihre Arbeitgeber interessant. Als Riegers Bruder erschossen wird, warnt sie ihren „Patienten“. Sie vermutet, dass die Schowenkes dahinterstecken …

Die damals 45-jährige Cornelia Froboess als Animierdame zu akzeptieren, ist eine kleine Hürde, aber sie macht ihre Sache eigentlich ganz gut. Ihr etwas spröder „Charme“, der mir bei der Identifikation mit ihren Figuren („Das Ende einer Illusion“ ist bereits ihr vierter DERRICK-Auftritt) immer etwas im Wege steht, ist für ihre Helga Weigert, die sich nach anfänglichem Unwillen voll in ihre Rolle als Haushälterin und Seelsorgerin einfindet, genau richtig. Auch Gerd Anthoff ist gut, weil er exakt die gemischten Gefühle hervorruft, die die Episode benötigt: Auf der einen Seite bemitleidet man ihn wegen seines Schicksals und der Unfähigkeit, seine Trauer zu überwinden, auf der anderen stößt genau diese Unfähigkeit aber auch ab. Die finale Wendung ist nicht die allergrößte Überraschung der Fernsehgeschichte, aber sie geht in ihrer Wirkung über den bloß pfiffig gescripteten Plot-Twist hinaus. Hanno Pöschl ist in seiner gewohnten Paraderolle als Rotlicht-Krimineller natürlich eine Bank: Die mit der Rückhand abgefeuerte Ohrfeige für die Froboess kommt mit beeindruckender Leichtigkeit und Beiläufigkeit, entbirgt den mitleidlosen Gewalttäter hinter der Fassade des Geschäftsmanns. Leider bekommt er sonst nicht so viel zu tun. Günther Ungeheuer hat gar keine Szene, in der er so glänzen könnte, aber er macht das mit seiner natürlichen Präsenz wett, die ihn für Schurkenrollen prädestinierte. Nicht nur zu seiner Freude: 1988 war auch das Jahr, in dem er sich mit Auftritten in den Hallervorden-Komödien DIDI AUF VOLLEN TOUREN und DER EXPERTE von seinem Image als Bösewicht zu lösen versuchte. Vielleicht, weil er in guter Erinnerung bleiben wollte: Ungeheuer starb nur ein Jahr später, im Herbst 1989, an Lymphdrüsenkrebs.

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Episode 168: Mord inklusive (Helmuth Ashley, 1988)

Am Abend bevor die Kripo seinen Wagen mitsamt seiner Leiche aus einem Weiher ziehen, ruft der Werbemann Breuer (Peter von Stromberg) bei Derrick an, um ihm mitzuteilen, dass sein Geschäftspartner Kranz (Philipp Moog) ihn umbringen wolle. Beim Besuch bei Kranz findet Derrick jedoch einen sympathischen jungen Mann vor, dem der Tod des Freundes sehr nachzugehen scheint. Bei weiteren Ermittlungen macht Derrick Bekanntschaft mit Kranz‘ Clique zu der auch die Krankenschwester Via (Beate Finckh) gehört, die die schwerkranke sowie steinreiche Frau von Wedel (Alice Treff) pflegt. Und die hat Kranz und Konsorten ihr gesamtes Vermögen überschrieben …

Nach vielen guten und sehr guten Episoden ist diese hier eher wieder als durchschnittlich zu bezeichnen. Es fehlen echte Überraschungen, sowohl der Kriminalfall – bezeichnend, dass er sich mehr oder weniger von selbst löst – als auch die Charaktere sind ziemlich uninteressant. Komisch, dass Christoph Waltz hier eine total nichtssagenden Rolle abbekommen hat, mit vielleicht einer Dialogzeile, nachdem er zwei Jahre zuvor in (der allerdings ebenfalls nicht so tollen Folge) „Schonzeit für Mörder“ bereits eine Hauptrolle in DERRICK bekleiden durfte. Moog hingegen war in „Mordfall Goos“ (siehe oben) noch Derricks jungblutiger, heißsporniger Untergebener. Er sollte sich in den kommenden Jahren ins Stammrepertoire der Serie spielen, mit immerhin 16 Einsätzen. Die meisten kennen vermutlich seine Stimme, denn neben seinen TV-Einsätzen ist er heute als gut beschäftigter Synchronsprecher von u. a. Guy Pearce, Owen Wilson, Ewan McGregor oder Orlando Bloom unterwegs. Ihr seht schon, wie ich Zeilen schinde. Aus einem nicht ganz unerheblichen Grund ist „Mord inklusive“ dann aber doch wieder sehenswert: Harry hat nämlich eine Liebesszene mit der „zärtlichen Cousine“ Anja Schüte! Er erobert sie natürlich mit Hintergedanken – sie ist Kranz‘ Schwester -, schmeißt sich an sie ran, indem er erst ihr Auto repariert, das er zuvor höchstselbst manipuliert hatte und schenkt ihr dann eine selbst aufgenommene Sade-Kassette, der alte Charmeur. Dass er dann mit einem potthässlichen, in Neonfarben bedruckten Shirt mit der Aufschrift „Cricket“ neben ihr im Bett liegt, während sie ihre einst von Weichzeichner-Veteran David Hamilton in Szene gesetzten Brüste zeigt, habe ich als harten Stilbruch und ästhetisches Verbrechen empfunden. Ach so, die Kamera bediente Franz X. Lederle, der in den Sechziger- und Siebzigerjahren zusammen mit Regisseur Ashley manche Sau durchs Bahnhofskino trieb.

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Episode 169: Die Mordsache Druse (Alfred Weidenmann, 1988)

Der Modefotograf Bernd Druse (Jochen Horst) will seiner Freundin, der Modedesignerin Lore Hauk (Birgit Doll) helfen, vom Heroin wegzukommen. Aus diesem Grund stellt er ihrem Stammdealer Armin Rasche (Edgar Selge) nach und wird wenig später von zwei Männern erstochen: Er verstirbt, als er Lore mit letzter Kraft aus einer Telefonzelle anruft. Lores Vater (Charles Brauer), ein Alkoholiker, rät seiner Tochter, Stillschweigen zu bewahren. Rasche, der ebenfalls von dem Mord erfährt, sieht sich und sein Geschäft in Gefahr und überlässt seiner Kundin gleich einen guten Vorrat der Droge. Derweil nehmen Derrick und Harry Klein die Ermittlungen auf.

Es gibt vier Sorten von guten DERRICK-Folgen: Die einen verfügen über ein geschliffenes, wendungsreiches Script von Reinecker. Andere begeistern mit interessanten, ungewöhnlichen Figuren und den Darstellern, die sie zum Leben erwecken. Wieder andere bauen auf Atmosphäre oder verwirren mit rätselhaften Einfällen. Und im Idealfall verbinden sich all diese Faktoren. „Die Mordsache Druse“ hat leider nahezu gar nichts. Es gibt mehrere Ideen und Ansätze, aber keiner wird halbwegs befriedigend entwickelt. Spannung kommt nicht auf, weil es keine Fallhöhe gibt. Die Auflösung fällt den Ermittlern so in den Schoß, ohne dass sie sich besonders anstrengen müssten. Positiv hervorzuheben ist am ehesten noch Edgar Selge, heute ja selbst Fernsehkommissar, aber seine Figur bleibt unterentwickelt. Birgit Doll gibt als Lore Hauk die wohl gesündeste Heroinsüchtige der TV-Geschichte und die Beziehung zu ihrer Mutter (Karin Anselm) erinnert etwas an das KOMMISSAR-Meisterwerk „Grau-roter Morgen“. Die inhaltlichen Gemeinsamkeiten verdeutlichen aber nur, wie unbefriedigend das hier alles ist. Sky DuMont ist der Oberschurke, hat aber nur zwei kurze Szenen, in denen er sich darauf beschränkt, dieses selbstverliebt-blasierte Lächeln aufzusetzen, mit dem er durch das Gros seiner DERRICK-Folgen auf Autopilot manövriert. Die mit einigem Abstand schwächste Folge seit geraumer Zeit.

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Episode 170: Eine Art Mord (Günter Gräwert, 1988)

Nach 18-jähriger Haftstrafe nimmt der Raubmörder Werner Rutger (Siegfried Lowitz) als erstes Kontakt zu seinem Sohn Karl (Manfred Zapatka) auf. Der ist mittlerweile Oberstudienrat und legt großen Wert darauf, nichts mehr mit dem Vater zu tun haben zu wollen. Rutger akzeptiert, lässt aber dennoch nicht locker. Der Grund: Er vermutet, dass der Sohn sich die eine Million D-Mark, die er nach seinem Bruch in einem Wald vergraben hatte, unter den Nagel gerissen hat. Und er hat große Lust darauf, den „feinen Herrn“ für seine Scheinheiligkeit bloßzustellen …

Das Ende kommt wie so oft etwas überstürzt: Manchmal wirkt es so, als habe Reinecker eigentlich für vollwertige Spielfilme geschrieben und wenn ihm dann einfiel, dass ihm ja nur knapp 60 Minuten zur Verfügung stehen, einfach aufgehört. Der Freude tut das in diesem Fall keinen echten Abbruch. „Eine Art Mord“ lebt ganz von der Darbietung Lowitz‘, der als Rutger seine besten Jahre im Bau verbringen musste und nun müde und alt ins Leben zurückschlurft. Jede Szene mit ihm ist ein Highlight, aber besonders schön, ist sein ernüchterter Kommentar, als er eine junge Prostituierte (Ute Willing hat nach längerer DERRICK-Abstinenz mal wieder eine kleine Rolle) nach dem gemeinsamen Schäferstündchen an der Rezeption seiner Pension verabschiedet: „Das ist auch nicht mehr so wie früher“, sagt er nur und erntet dafür ein verständnisvolles Lachen seiner Gastwirtin. Manfred Zapatka läuft ebenfalls zu großer Form auf: Er ist ganz aufbrausende, schwitzige Nervosität und fühlt sich sichtlich unwohl, als er dem ihm aus mehreren Gründen unangenehmen Vater gegenübertreten muss. Man leidet als Zuschauer einerseits mit ihm, andererseits möchte man ihm eine kräftige Backpfeife verpassen, damit er sich mal entspannt. Zapatka ist mit seinem kantigen Gesicht, der zum Zerreißen gespannt wirkenden Haut und den dünnen Lippen perfekt für dieses vibrierende, unter enormem Druck stehende Etwas. Der Kontrast zwischen den beiden, da der alte, gebeugte Mann, den nichts mehr aus der Ruhe bringen kann, hier der schwitzende Zappelphilipp, der alles zu verlieren hat, ist der Motor von Reineckers Episode. Und wie er es dreht, dass der alte Rutger am Ende noch trauriger in den Lebensabend schreitet, ist schon toll. Gern hätte man noch mehr von Lowitz gesehen, wie er versucht, sich nach 18 Jahren im Leben zurechtzufinden, aber nach einer Stunde ist es eben vorbei.

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falleEpisode 091: Eine Falle für Derrick (Theodor Grädler, 1982)

Derrick ermittelt gegen dem Mörder Ludenke (Hans Georg Panczak), Sohn einer Münchener Unterweltgröße (Traugott Buhre). Ein anonymer Informant will ihm wichtige Hinweise geben und lockt Derrick in einen entlegenen Gasthof, wo der Oberinspektor jedoch vergeblich wartet. Am nächsten Morgen die Hiobsbotschaft: In der Nähe des Gasthofes wurde ein Fahrradfahrer totgefahren. Mit Derricks Wagen …

Derrick in Schwierigkeiten! Wer hätte das gedacht? Dass der obersouveräne Oberinspektor hier einmal selbst um seine Existenz bangen muss, ist ein schöner Bruch im Fluss der Serie, und geht nicht ohne Spuren an ihm vorbei. Wenn er dem Journalisten (Tommi Piper), der ihm gesteht, ihn immer für arrogant gehalten zu haben, entgegnet, er wisse, dass er auf manche Menschen so wirke, ist das auch ein Kommentar auf kritische Stimmen, die mit Tapperts Polizisten nie so richtig warm wurden. Dass mancher Derrick allzu gern einmal zittern sehen wollte, scheint Reinecker ganz genau zu wissen. Es ist geradezu eine Triebfeder der Episode. In Cornelia Froboess, die auch immer irgendwie unfreundlich und herablassend rüberkommt (spielt die das wirklich nur?), findet der Oberinspektor dann ja auch eine geradezu kongeniale Verbündete. In einem daumendick aufgetragenen Dialog schwingt sich Derrick anlässlich des mit äußerster Grausamkeit verübten Mordes, dem man ihm da in die Schuhe zu schieben gedenkt, zu der etwas absurden Aussage hoch, die Menschheit habe nichts begriffen, aber da ist dem Reinecker gewiss wieder nur der Theologe durchgegangen. Er macht es damit wett, in einer Discoszene „Girls on Film“ von Duran Duran laufen zu lassen.

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bennentEpisode 092: Nachts in einem fremden Haus (Helmuth Ashley, 1982)

Auf der Suche nach Hilfe bei einer Reifenpanne betritt das Ehepaar Stettner (Stefan Behrens und Susanne Beck) ein offen stehendes Haus, das vollkommen leer zu sein scheint – bis auf einen Toten. Als die beiden wenig später mit Derrick und Klein im Schlepptau dort auftauchen, ist die Leiche jedoch spurlos verschwunden und auch sonst deutet nichts auf ein Verbrechen hin. Das Haus gehört dem berühmten Chemiker Dr. Stoll (Heinz Bennent), der gerade dabei ist, sein Labor nach einer großen Entdeckung aufzulösen …

Heinz Bennent! Er ist ein Großereignis in dieser Folge, der er – durchaus ein Kunststück – einigen Humor abringt. Alles was er anfasse, verwandele sich in Gänseleberpastete sagt er einmal ohne jede falsche Bescheidenheit, ein andermal bezeichnet er sich als „As“. Und er hat sichtbar Spaß an dieser Rolle, die es ihm ermöglicht, so über die Stränge zu schlagen, ohne dabei jemals wirklich überzogen zu wirken. Sein Dr. Stoll ist so ein angeschwulter Exzentriker, der mit Derricks graubrauner Nüchternheit nur wenig anfangen kann. Seine Fassungslosigkeit, als Derrick den ihm angepriesenen Wein nur „sehr gut“ findet, ist alles. Mein Favorit ist aber seine Reaktion auf Derricks Feststellung, dass der verschwundene Tote spätestens dann wieder ein Thema werde, wenn man irgendwo festelle, dass ein Mensch fehle: So viel Logik hat er einfach nichts entgegenzusetzen, das muss er einfach anerkennen. Super!

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Episode 093: Die Fahrt nach Lindau (Alfred Vohrer, 1982)

Der „Finanzzauberer“ Martin Gericke (Klausjürgen Wussow) hat einen Geschäftstermin mit einigen ominösen Schweizer Partnern in Lindau und macht sich auf den Weg, obwohl er eine sehr konkrete Morddrohung erhalten hat. Es kommt wie es kommen muss: Er verunglückt auf der Fahrt und verbrennt im Wrack seines Wagens. Die Obduktion bringt die wahre Todesursache ans Licht: Er wurde am Steuer seines Fahrzeugs erschossen. Die Frage, die sich Derrick und Harry, aber auch Gerickes Gattin (Lotte Ledl) und sein Sohn (Ekkehardt Belle) zu stellen haben: Wer hatte ein Interesse am Tod des Mannes und warum? Was sie nicht ahnen: Gericke erfreut sich bester Gesundheit …

Eine Episode ohne echte Eigenschaften: Läuft gut rein, belastet nicht, ist gefällig, hinterlässt aber auch keine bleibenden Spuren. Klausjürgen Wussow ist wie immer eine Bank, diese jovialen Typen, hinter deren weltmännischem Gewinnerlächeln sich das vielzahnige Grinsen eines Wolfs verbirgt, der dann ganz unerwartet hervorbricht, spielt keiner mit derselben onkeligen Intensität wie er. Das heißt aber auch, dass „Die Fahrt nach Lindau“ in der Zeit, in der er von der Bildfläche verschwindet, Klasse vermissen lässt. Ekkehardt Belle hat eine Superstimme (die ihn zu einem vielbeschäftigten Synchronsprecher macht), aber die Kombination aus Milchbubigesicht und ausgewachsenem Dreidollarhaarschnitt törnt eher ab.

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derrickEpisode 094: Ein Fall für Harry (Zbynek Brynych, 1982)

Derrick fährt in Urlaub und überlässt die Arbeit seinem Kollegen. Der bekommt es gleich mit einem Mordfall zu tun: In das Haus des Restaurantbesitzers Heinrich Gruga (Karl Lieffen) wird eingebrochen. Sein Hausdiener versucht, die Einbrecher zu überwältigen und wird dabei erschlagen. Wenige Tage später hat Gruga schon Ersatz für ihn: Die wunderhübsche Herta (Irina Wanka), die jedoch keinerlei Erfahrung in dem Job hat. Harry vermutet, dass sie gegen ihren Willen für Gruga arbeitet …

Karl Lieffen lief(f)ert mal wieder Argumente für die These, dass Komiker die besseren Schurkendarsteller sind. Sein Gruga ist gleichermaßen abstoßend wie lächerlich und man merkt dem Darsteller an, welchen Spaß er daran hat, einen sadistischen Perversling zu spielen. Aber die Episode hat so ihre Probleme (Vorsicht, Spoiler ahead): Der Mord an Grugas Hausdiener wird gegenüber seinem Deal, sich sein Schweigen mit der wohl auch sexuellen Gefügigkeit von Herta, der Schwester der Einbrecher, zu erkaufen, bagatellisiert. Am Ende scheint die Ermordung des armen Teufels kaum mehr als ein Kavaliersdelikt zu sein, während Gruga den Freitod wählt, als herauskommt, wie er an sein neues Hausmädchen gekommen ist. Es gelingt weder Reinecker noch Brynych, das irgendwie plausibel zu machen, und die ganze Episode wirkt aus diesem Grunde fehlgeleitet und misslungen. Die arme, vom Schicksal gebeutelte Familie, die gegen alle Missstände zusammenhält, wird auf Kosten des Mordopfers heroisiert, für das sich keiner mehr so recht zu interessieren scheint. Das wirkt im Kontext einer Serie, die sonst keinen Zweifel daran lässt, dass es niemals eine Rechtfertigung für Mord geben kann, doppelt fahrlässig.

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Episode 095:  Das Alibi (Alfred Vohrer, 1982)

Harry greift auf dem Heimweg die in Tränen aufgelöste, geradezu hysterische Martina (Dietlinde Turban) auf und bringt sie nach Hause. Das Mädchen ist nicht in der Lage Auskunft über die Ursache ihrer Tränen zu geben und so lässt Harry sie zurück. Als er sich am nächsten Morgen nach ihrem Befinden erkundigen will, findet er sie tot auf: Selbstmord. Es stellt sich heraus, dass sie von ihrem Freund Ulrich (Karl-Heinz von Liebezeit) und seinen Kumpels Horst (Ekkehardt Belle) und Rudolf (Eckhard Heise) vergewaltigt wurde, was die Jungs, unterstützt von Ulrichs Vater, dem Anwalt Schumann (Lambert Hamel), jedoch abstreiten. Martinas Klassenkameradinnen sind empört, und als Ulrich wenig später tot ist, fällt der Verdacht auf sie. Doch ihre Lehrerin Frau Liebermann (Elfriede Kuzmany) verschafft ihnen ein Alibi …

Eine Rape-and-Revenge-Folge mit hübsch gialloesker Auflösung, die aber leider – wie mir scheint ein generelles Manko der Episoden aus dieser Phase – ein echtes eigenes Profil vermissen lässt. Es fehlt etwas der für dieses Thema nötige Exzess, und damit meine ich nicht unbedingt hinsichtlich der Gewaltdarstellung, sondern überhaupt den Willen, in Grenzbereiche vorzudringen. In den Siebzigerjahren zeichnete die DERRICK-Folgen oft so eine melodramatische Schmierigkeit aus, die auch aus biederen Standardplots noch das Abgründige herauskitzelte, hier bleibt alles an der Oberfläche, ohne echtes Gespür für das verborgene Störpotenzial. Nicht schlecht, aber angesichts des Themas doch eher underwhelming.

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hausmusikEpisode 096: Hausmusik (Alfred Weidenmann, 1982)

Der gutsituierte Berthold Dettmers (Sky Dumont) wird vor seinem Haus überfahren. Sein Vater Wilhelm (Wolfgang Reichmann) sowie die Geschwister Rudolf (Till Topf) und Anita (Ute Willing) sind erschüttert – die Mama (Doris Schade) sitzt in einem Sanatorium und wird verschont -, haben aber keine Idee, wer hinter der Tat stecken könnte. Erste Spuren führen zum kleinen Dealer Kober (Dirk Galuba), der rausrückt, wie Bethold zu seinem Reichtum kam: Der Mann verkaufte im großen Stil Drogen und macht dabei offensichtlich nicht einmal vor seiner eigenen Familie halt …

Als hätte er meine Kritik vernommen, inszeniert Weidenmann „Hausmusik“ so, als seien die Siebzigerjahre nie vorbeigegangen. Die ganze Folge ist graubraun und deprimierend, selbst das protzige Appartement Bertholds erinnert eher an den barocken Pomp, der im vorangegangenen Jahrzehnt angesagt war, als an zeitgenössische Entgleisungen und wenn das Dettmer’sche Familienidyll im Ideal der gemeinsamen Hausmusik kulminiert – ein Bild, das  in seiner fast surrealen Glücksseligkeit schonungslos zu demontieren so etwas wie das Ziel der Folge ist -, bedeutet das sehr wohl eine Rückkehr zu Themen, die in den vorvergangenen Episoden brach lagen. Das Ende ist bitter, auch weil man den Mörder gut verstehen kann.

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weisEpisode 097: Der Mann aus Kiel (Alfred Vohrer, 1982)

Nach mehreren Jahren Haft wird Karl Waginger (Edwin Marian) aus dem Gefängnis in Kiel entlassen. Er reist nach München, mietet sich in einer Pension ein und ruft Dora (Heidelinde Weis) an. Die Schauspielerin ist seine Ehefrau, was sie aber erfolgreich geheim gehalten und noch einmal geheiratet hat, nämlich den Geschäftsmann Korin (Peter Pasetti), der zwei erwachsene Kinder Ulrich (Hans-Jürgen Schatz) und Maria (Kristina Nel) mit in die Ehe gebracht hat. Waginger verspricht zu schweigen, wenn sie ihm einen Platz in ihrer Nähe sichert. Er wird flugs als Chauffeur eingestellt, doch schon an seinem ersten Arbeitstag wird Korin umgebracht …

Heidelinde Weis! Nicht nur, dass die Schauspielerin eine Augenweide ist, sie spielt auch noch exzellent. Das Mitleid mit Doras Situation weicht dann auch recht schnell dem Gefühl, dass da neben ihrer Bigamie noch einiges mehr faul ist. Vohrer tut gut daran, sich auf sie zu konzentrieren; Marian, bei dessen Waginger man nie so genau weiß, ob seine devote Freundlichkeit nicht doch nur ein Spiel ist, ist ein kongenialer Partner. „Der Mann aus Kiel“ ist eine der Episoden, die von der fiebrigen Nervosität ihrer Protagonisten leben, von der sich langsam einstellenden Gewissheit, dass sich hinter der makellosen Fassade finstere Abgründe auftun.

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Episode 098: Ein unheimliches Erlebnis (Theodor Grädler, 1982)

Bei einem Einbruch wird der Berufskriminelle Engler von seinen Partnern ermordet. Derrick kannte den Mann und fordert dessen Sohn Udo (Michael Wittenborn) auf, sich im Familienumfeld umzuhören. Stattdessen stellt der Student eigene Ermittlungen an, mit dem Hintergedanken, den Mörder seines Vaters zu töten. Den entscheidenden Hinweis auf die Identität liefern ihm Answald Hohner (Claus Biederstaedt) und Anita Schneider (Louise Martini), die die Täter auf frischer Tat ertappten und von ihnen gezwungen worden waren, den leblosen Körper wegzubringen.

Die Episode ist ein bisschen umständlich gescriptet, aber das macht den streng genommen nur mittelmäßig interessanten Fall auch wieder spannend. Der Titel bezieht sich auf die initiale Konfrontation von Hohner und Schneider mit dem Verbrechen, nach der die beiden jedoch recht schnell in den Hintergrund treten. Der Subplot bietet Biederstaedt immerhin die Gelegenheit, einen seiner jovialen Playboys zu spielen: Wie er die Schneider bei einem Betriebsfest aufgabelt, bei dem sie sich mit ihrem Mann verkracht hat und sie dazu überredet, ihm eines auszuwischen, indem sie sich von ihm mitnehmen lässt, nur um dann mit ihr ein Schäferstündchen im Auto anzupeilen, ist schon ziemlich geil. Anstatt ihm den Laufpass zu geben für diese Dreistigkeit, belohnt sie seinen Mut – oder hat das zumindest vor, denn dann kommen die Einbrecher dem Vollzug in die Quere. Man erwartet eigentlich, dass der Umstand, dass die beiden Verängstigten den Toten einfach irgendwo abladen für den weiteren Fall eine größere Rolle spielt oder der Umstand, dass sie bedroht werden, aber nichts davon tritt ein. Stattdessen gibt Agnes Fink als Frau des Toten eine tolle Darbietung als misstrauische Hüterin ihrer Brut, die ihre Kinder selbst auf die schiefe Bahn drängt. Die Übeltäter werden gespielt vom unvermeidlichen Dirk Dautzenberg, Siegur Fitzek und Edgar-Wallace-Veteran Dieter Eppler, was dem ganzen so einen schönen Malochercharme gibt. Keine Sensation, aber nett.

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genuaEpisode 099: Via Genua (Helmuth Ashley, 1983)

Der Geschäftsmann Lammers (Michael Degen) wird in einem Hotel erstochen, nachdem er zuvor mehrfach von anonymen Anrufern belästigt und einem Lieferwagen verfolgt worden war. Als seine Erben reisen bald der Grundschuldorflehrer Rudolf Lammers (Klaus Behrendt) und dessen Sohn Hans (Eckhard Heise) an, Lammers‘ Geschäftspartner Huber (Wolf Roth) kümmert sich um die beiden – offensichtlich mit Hintergedanken. Derrick und Klein finden heraus, dass Lammers im Hotel mit dem Reiseschriftsteller Lusenke (Siegfried Rauch) verabredet war. Die beiden vermuten, dass irgendwelche dubiosen Waffendeals hinter dem Mord stecken …

DERRICK goes Politthriller: Ins handliche Stundenformat gepresst geht es hier um die Millionengeschäfte, die deutsche Fabrikanten mit dem Elend in Dritte-Welt-Staaten machen. Nach den ganzen Privatschicksalen, mit denen sich der Oberinspektor sonst üblicherweise herumschlagen muss, ein willkommener Tapetenwechsel. Klar, im Grunde unterscheidet sich auch „Via Genua“ nur oberflächlich von den anderen Episoden: Der Titel ist ein Fake, von Genua gibt es hier rein gar nichts zu sehen, genauso wenig wie von dem Konflikt in Westafrika, von dem immer die Rede ist, oder auch nur von den Waffen, die da verschifft werden sollten. Als exotisches Zugeständnis muss die furchtbare Kapelle „Gammarock“ herhalten, Afrikaner mit gelben Sweatshirts, Synthiepercussion und langweiligen Scheißsongs, die in der Hotelbar für sedierte Stimmung sorgen, aber behandelt werden wie die Neuerfindung der Musik. Rauch lässt sich als Lusenke dazu herab, angesichts der Schunkelmucke von der Melancholie der afrikanischen Seele zu schwafeln und Harry findet die Combo auch dann noch Weltklasse, wenn der Bongospieler mitten im Song einfach mal weggeht – natürlich ohne, dass man das irgendwie hören würde. Ich finde gerade dieses Element super, weil da eine ernste Geschichte wieder mit diesem fernsehdeutschen Schmierfilm überzogen wird. „Gammarock“ sollten hier Authentizität reinbringen, stattdessen kommen sie wie eine rassistische Verunglimpfung rüber: Die Harrys dieser Welt fühlen sich schon ergriffen und weltoffen, wenn in ihrem Bonzenhotel ein paar Schwarze auf Bongos rumtrommeln. Eklig. Ansonsten sei hier noch vermerkt, dass Wolf Roth spitzenmäßig ist und Kurt Raab einen gruseligen Butler spielt.

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hausEpisode 100: Die Tote in der Isar (Alfred Weidenmann, 1983)

Eine Prostituierte (Christiane Krüger) wird in ihrer Wohnung erschossen, wenig später die junge Annemarie (Ulli Maier) tot aus der Isar geborgen. Dahinter steckt der fiese Zuhälter Kabeck (Horst Frank), der mithilfe von Ingo (Sven-Eric Bechtolf) immer neuen Zulauf für seinen Stall bekommt. Am Tatort läuft Derrick und Harry auch ständig der Zoologe Dissmann (Horst Buchholz) über den Weg, der Ehemann der Erschossenen. Was weiß er?

Was mich für diese Folge eingenommen hat: Die Establishing Shots des Appartement-Komplexes, in dem ein Großteil der Folge spielt, untermalt von Frank Duvals Synthiemusik. Bechtolf ist der Inbegriff des schmierigen Mädchenausnutzers und mithin idealbesetzt, Horst Frank muss mit goldenen Haaren, Knautschgesicht und roter Lederjacke eigentlich nur da sein, um einen perfekten Zuhälter abzuliefern. Highlight in dieser Hinsicht sicherlich die Szene, in der er Ingo im Bademantel die Tür aufmacht, nachdem die tränenüberströmte Annemarie im Foyer zusammengebrochen ist. Inszenatorisches Understatement, das einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

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Episode 101: Geheimnisse einer Nacht (Alfred Vohrer, 1983)

Der Unternehmer Vrings (Jürgen Goslar) schickt seinen Angestellten Sobach (Christian Wolff) nach Straßburg, um sich mit dessen Gattin Maria (Thekla Carola Wied) zu verlustieren. Sobach weiß das und sucht den Mann nachts auf, fest entschlossen, ihm umzubringen. Der Todesschuss fällt dann auch, aber erst nachdem Sobach das Haus von Vrings schon wieder verlassen hat. Nur will das niemand bezeugen. Derrick findet bei seinen Ermittlungen unter anderem heraus, dass Vrings‘ Ehefrau (Gila von Weitershausen) zuvor mit dessen Bruder (Heinz Bennent) liiert war.

Familienhorror à la DERRICK: Darauf kann man sich immer noch verlassen. Die Verhältnisse im Hause Vrings ziehen einem wirklich die Schuhe aus und lassen selbst dem obercoolen Ermittler die Gesichtszüge entgleisen. Wie so oft ist es gar nicht die Kaltschnäuzigkeit, mit der Menschen die Grundsätze des Zusammenlebens beugen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, sondern die Verdrängungsleistung, die die Opfer erbringen, um sich mit den Umständen zu arrangieren. Sie führt dann auch meist mittelfristig zur Katastrophe. Will sagen: Vrings ist ein egoistisches Dreckschwein, aber dass sein Bruder dessen Verrat einfach so hingenommen hat, hat durchaus etwas von Beihilfe. Ein typisches DERRICK-Element: die Ohnmacht der Opfer, die die Täter noch weiter bestärkt. Wobei man Vrings Bruder nicht wirklich als „Opfer“ bezeichnen möchte. Dass er es so einfach hinnimmt, dass der Bruder ihm die Frau weggenommen hat, hat auch etwas mit einer gewissen Gefühlskälte und Gleichgültigkeit zu tun. Richtig schockiert hat mich die einstige Mutter der Nation, Thekla Carola Wied: Wie sie ihren Ehemann ans Messer liefert, ist schon ein dicker Hund. Andererseits: Christian Wolff ist auch ein Langweiler vor dem Herrn.

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Episode 102: Der Täter schickte Blumen (Helmuth Ashley, 1983)

Auf Alexander Rudow (Peter Bongartz) wird ein Mordanschlag verübt, der leider einen Unschuldigen trifft. Wie Derrick erfährt, hatt Rudow vor, sich am selben Tag mit Vera Baruda (Ruth Leuwerik) zu verloben. Deren Schwiegervater (Ernst Fritz Fürbringer), der Neffe Udo (Jacques Breuer) sowie die befreundeten Herr Lenau (Hans Quest) und dessen Sohn Walter (Edwin Noel) sind nur wenig begeistert: Zu glatt, zu freundlich scheint ihnen dieser Rudow. Dann erfährt Derrick, dass der Gatte in spe ein vorbestrafter Heiratsschwindler ist: Doch Vera Baruda weiß bereits davon …

Melodramatische Folge, deren Krimipart wie zusätzlich aufgepfropft wirkt. Der Twist am Ende strapaziert die Glaubwürdigkeit zudem auf ungeahnte Weise. Ich mochte, wie Rudow am Ende einfach stehen gelassen wird, wie er von der Vergangenheit eingeholt und trotz bester Absichten bestraft wird. Die Folge ist traurig und stellt dem Menschen kein gutes Zeugnis aus, weder dem einen noch dem anderen.

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ahrensEpisode 103: Die kleine Ahrens (Günter Gräwert, 1983)

Der Geschichtslehrer Blomann (Hans Caninenberg) verbringt seine Abende neuerdings in einer Nachtbar, in der er mit den Amüsierdamen Champagner schlürft. Einer der anderen Gäste, der dubiose Molz (Peter Chatel), wird eines Tages erhängt in einem leerstehenden Fabrikgebäude aufgefunden. Er arbeitete für eine karitative Einrichtung, die Lebensmittelpakete nach Indien schickt. Was hat Blomann damit zu tun?

Die Episode greift Caninenbergs Selbstjustizler aus „Die Stunde der Mörder“ auf, führt den Zuschauer jedoch zunächst auf eine völlig falsche Fährte. Viele Aspekte bleiben lange Zeit nahezu unverständlich, ihre Bedeutung für die Geschichte rätselhaft. Leider misslingt es aber, die vermeintlich unverbundenen Elemente zusammenzuführen, ohne dabei in öde erklärende Dialoge zu verfallen. Das ist ein Manko, das in dieser Phase der Serie leider charakteristisch ist. Reineckers Drehbücher sind geradezu schmerzhaft unelegant und die Regisseure scheinen keinen Weg gefunden zu haben, sich von ihnen zu emanzipieren und dieses Manko irgendwie auszubügeln. Die Auflösungen und wie sie angebahnt werden, sind regelmäßig der Schwachpunkt. Alles kommt mit einem Quietschen, Krachen und Knirschen zum Stehen, stattdessen dürfen sich die Täter lang und breit erklären, was dank der mitgelieferten Rückblendenbilder völlig redundant wirkt. „Die kleine Ahrens“ hat viele gute Ansätze, aber es will einfach keine befriedigende Episode daraus werden.

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