Mit ‘Gwyneth Paltrow’ getaggte Beiträge

Die für das AVENGERS-Franchise obligatorische Post-Credit-Szene, die IRON MAN 3 nach über 2 Stunden abschließt, ist typisch für die Probleme, mit denen Shane Black im Besonderen und die Reihe um Tony Stark im Allgemeinen zu kämpfen haben: Multimillionär, Genie und Superheld Tony Stark (Robert Downey jr.) liegt auf einem Sessel, beendet soeben den Bericht der Ereignisse, die wir gerade gesehen haben.  Sein Zuhörer ist Dr. Bruce Banner (Mark Ruffalo) und er soll als eine Art Therapeut für den nach den Ereignissen aus THE AVENGERS unter Panikattacken leidenden Stark fungieren. Doch Banner hat gar nicht zugehört, ist vielmehr eingeschlafen, während ihm sein Kompagnon das Herz ausgeschüttet hat.  Als Stark das bemerkt und Banner zur Rede stellt, kann der den Grund für seine Unaufmerksamkeit nicht verbergen: Starks Geschichte war einfach nicht besonders interessant und vor allem viel zu lang und ausufernd. Man wünschte sich, die für IRON MAN 3 Verantwortlichen hätten diese Erkenntnis in der Phase der Pre-Production auch gehabt: Dem Zuschauer wäre ein langweiliger, zielloser, arroganter Zweistünder und die zynische, den Zuschauer verachtende Selbstdistanzierung am Ende erspart geblieben.

Die Ernüchterung am Ende von Shane Blacks Film ist dabei nur der konsequente Tiefpunkt einer seit 2008 anhaltenden Abwärtsbewegung. Jon Favreaus IRON MAN hatte damals den bis heute unvermindert anhaltenden Boom von Marvel-Comicverfilmungen ausgelöst. Zwar gab es zuvor schon Raimis SPIDER-MAN- und Singers X-MEN-Filme sowie den weithin als gescheitert geltenden Versuch, den FANTASTIC FOUR zu einer Leinwandkarriere zu verhelfen, zeitgleich außerdem den mittlerweile beinahe wieder vergessenen THE INCREDIBLE HULK, doch erst der durchschlagende Erfolg von IRON MAN bereitete den Weg für das heute blühende Franchise rund um die AVENGERS. Die Fanboys und Comicfans freuten sich in bis dato ungeahnter Eintracht darüber, dass es einer ihrer Helden endlich einmal ohne Verlust vom Papier auf die Leinwand geschafft hatte, alle anderen über ein gelungenes Beispiel des Effekt- und Eventkinos. Der reichlich enttäuschende, völlig konfuse und mit angebrochenen Ideen zugemüllte zweite Teil wie auch das neueste Sequel machen jedoch frappierend deutlich, dass dieser Erfolg nicht zuletzt daher rührte, dass Favreau kaum nennenswerte Risiken einging. IRON MAN, über den auch ich damals nur lobende Worte verlor, seitdem aber nicht einmal mehr das Bedürfnis aufbrachte, ihn erneut zu sehen, ist ein auf Hochglanz poliertes Stück Eskapismus, das für die Dauer seiner Laufzeit ganz gute Unterhaltung bietet, darüber hinaus aber nichts, woran man auch nur einen einzigen weiteren Gedanken verlieren müsste. Abseits von Downeys Interpretation des Multimillionärs-gone-Superhero ist er weitestgehend charakterlos und leer. Das Werk eines Buchhalters.

Möglich, dass das Chaos, das IRON MAN 2 darstellt, auf das Bemühen zurückzuführen ist, dem Franchise die Leere durch ein Übermaß an Subplots auszutreiben. Ein Versuch, der gründlich scheiterte und die Frage aufwarf, ob die Figur des hedonistischen Genies Tony Stark, der in seiner von ihm selbst entwickelten Rüstung auf Schurkenfang geht, wirklich interessant genug für eine mehrteilige Filmserie ist. Auch IRON MAN 3, nun nicht mehr vom uninspirierten Handwerker Favreau, sondern vom Action-Drehbuchspezialisten Shane Black inszeniert, kann diese Ungewissheit nicht auflösen, verstärkt bestehende Zweifel stattdessen nur noch weiter. Blacks ironiedurchtriebener, dialoglastiger Stil mag dem von sich selbst überzeugten, arroganten Macho Stark endlich die richtige Stimme geben, aber leider wird dadurch nur noch deutlicher, was man schon vorher ahnte: Diese Figur gibt auf Dauer einfach nichts her, vielmehr wird sie einem mit jeder weiteren Minute, die man sie ertragen muss, unsympathischer. Was Superhelden über Kulturgrenzen hinweg so erfolgreich machte, war ihre Einfachheit: Jeder Held ließ sich auf ein simples Problem reduzieren, dessen Verkörperung er darstellte. Hinter den fantasievollen Kostümen steckten meist Menschen, deren Sorgen und Konflikte bekannt schienen, zumindest jedoch nachvollziehbar. Dem Multimillionär und Supergenie Tony Stark muss man schon einen Herzfehler andichten, um für die nötige Fallhöhe zu sorgen. Und eben reichlich lächerlich und unglaubwürdig anmutende Panikatattacken, die von seinen Erlebnissen in THE AVENGERS ausgelöst werden. Nichts davon wird wirklich organisch entwickelt, immer erkennt man hinter diesen Wendungen den Versuch, ein Identifikationspotenzial zu erzeugen, das die Figur als solche nicht hergibt. Stark ist schwerreich, kann in seinem selbst gebauten Anzug herumfliegen und Held spielen, hat ein Traumhaus, Traumautos und muss die Traumfrauen geradezu von sich fernhalten, damit die eigene Traumfrau nicht eifersüchtig wird: Der Mann braucht unsere Sympathie nicht. Er will sie gar nicht, wie mehrere Szenen des Films, in denen Stark seine zivilen Bewunderer abkanzelt, eindrucksvoll belegen.

Dass viele zeitgenössische Filme den Zugang über das Herz des Zuschauers überhaupt nicht anstreben, sondern ihm lediglich beipflichten in seiner politischen und ethischen Apathie und sich so als besonders abgezockt und cool geben, ist nichts Neues – seit Nolans DARK KNIGHT-Filmen auch nicht im ursprünglich einmal so empathischen Superhelden-Genre. Für Black, der schon immer ein eher distanziertes Verhältnis zu seinen Stoffen an den Tag legte, ist es wohl naheliegend, gerade das Arschlochig-Zynische von Stark zu betonen. Daran, dass einem das Geschehen so mit jeder Minute egaler wird, ändern auch die Anspielungen aufs mehr oder minder aktuelle Zeitgeschehen nichts, mit denen heute noch der letzte Heuler angebliche Relevanz vorgaukelt. Der Oberschurke Mandarin (Ben Kingsley) wird hier zum islamistischen Terrormessias umgemodelt, Bekennervideos im Bin-Laden-Style verschickenden auf antiamerikanischer Mission umgemodelt. Aber weil man ja längst weiß, dass der Feind im eigenen Land sitzt und da vor allem in den Rängen der Industrie, entpuppt er sich bald als reine Inszenierung, hinter der der Erfinder Aldrich Killian (Guy Pearce) steckt, der mittels Genmanipulation eine Spezies von Supersoldaten gezüchtet hat. Die ganze Geschichte wird mit allen Klischees, die solche Stoffe hergeben, dargereicht und reichlich gelangweilt abgespult. Erst im Finale kommt ein bisschen Stimmung auf, wenn es endlich rummst und Dutzende von ferngesteuerten Iron Men teuren Schaden anrichten, aber davon sollte man sich nicht blenden lassen. IRON MAN 3 ist eine ziemlich missratene Gurke, der es noch nicht einmal gelingt, ein Mindestmaß an Enthusiasmus für sich selbst zu entwickeln. Shane Black kann zu keiner Sekunde verhehlen, dass er diesen Film vor allem deshalb gedreht hat, weil ihn sonst ein anderer genauso gelangweilt gemacht hätte.

Das exzentrische Genie Tony Stark (Robert Downey jr.) ist wegen seiner Superheldennebentätigkeit als Iron Man zur internationalen Popikone geworden, gleichzeitig aber auch zum Sicherheitsproblem geworden. Wenn er einen High-Tech-Maschinenanzug bauen kann, dann sollten auch andere Menschen mit weniger guten Absichten dazu in der Lage sein. Tony Stark wiegelt ab, doch dann tritt der Russe Ivan Vanko (Mickey Rourke) mit seinen mörderischen Elektronenpeitschen auf. Im mäßig erfolgreichen Waffenproduzenten Justin Hammer (Sam Rockwell) findet er einen willigen Finanzier …

Das Übermaß positiver Reaktionen auf den sehr guten, aber doch auch etwas zu runden IRON MAN sollte wohl durch das kaum weniger unverhältnismäßige bashing des zweiten Teils wieder ausgeglichen werden. Tatsächlich versagt Favreaus Sequel immer dann, wenn er auf den Pfaden des ersten Teils wandelt und lediglich klassisches Superhelden-Erzählkino sein will. Die nötigen klischierten Plotpunkte werden nämlich lediglich lustlos abgehakt, die eigentlich zentrale Rivalität zwischen Stark und Vanko bleibt sträflich unterentwickelt, kaum mehr als eine Fußnote in einem Film voller wesentlich interessanterer Subplots, was auch der finale Zweikampf belegt, der lediglich pflichtschuldig abgespult wird und – wie schon im Vorgänger – enttäuscht. Dass IRON MAN 2 mehr sein könnte, wenn er nicht so sklavisch der Vorgabe verpflichtet wäre, massentaugliches Entertainment mit den typischen Beigaben zu liefern, wird offenkundig, wenn Favreau sich vom abgegriffenen Gut-gegen-Böse-Schema ab- und den Verwicklungen von Politik, Wirtschaft und Militär zuwendet. Schon die Auftaktsequenz, in der sich Stark/Iron Man während einer Eröffnungsfeier in einer überaus befremdlichen Popchoreografie buchstäblich als Messias feiern lässt, muss demjenigen Zuschauer, der hier seinem Comichelden zujubeln wollte, eigentlich die Kehle zuschnüren. Klar, der unverhohlene Narzissmus gehört zur Stark-Figur nunmal dazu, aber mit ihrer Verortung in einer mit unserer Welt stark verwandten Quasirealität verliert er eindeutig seine Unschuld. Zu den stärksten Momenten des Films, der mit seiner High-Gloss-Optik im Kontext sehr treffend auf Verführung und Täuschung seiner Konsumenten abzielt, zählt eine gerichtliche Anhörung Starks, bei der dieser von sich behauptet, den Weltfrieden privatisiert zu haben. Solche kurzen Momente liefern weitaus mehr Gedankenfutter, als der restliche Film mit seiner reichlich uninteressanten Materialschlacht, denn von einem solch „privatisierten Weltfrieden“ und den Problemen, die ein solcher aufwirft, scheinen wir in einer Welt, in der Privatunternehmer mit ihren Erfindungen plötzlich ganz erheblich in die Politik eingreifen – man denke da aktuell nur an den Wirbel um Wikileaks –, tatsächlich nicht mehr allzu weit entfernt zu sein.

So bleibt ein zwiespältiger Film, der sich nicht so recht zwischen klassischem, affirmativen Erzählkino und einem postmodernen, fragmetarischen Erzählen entscheiden will, stattdessen versucht, beides auf einmal zu bieten und in der Folge keines von beiden schafft. Schade um die guten Ansätze und die verbratenen Millionen. Besser als belangloser Müll wie X-MEN ORIGINS: WOLVERINE oder ähnliche Langweiler ist er aber natürlich trotzdem.