Mit ‘Hannelore Auer’ getaggte Beiträge

das_spukschloss_im_salzkammergutAuch bekannt unter dem Titel HOCHZEIT IM SALZKAMMERGUT, markiert dieser Film das Ende der lukrativen Schlagerreihe der Produktionsfirma Music House. Warum man nicht weitermachte, ist mir nicht bekannt, aber dieser letzte Eintrag zeigt doch schon überdeutliche Zerfallserscheinungen, wirkt ranzig und verzweifelt, wo vorangegangene Beiträge, wie etwa ÜBERMUT IM SALZKAMMERGUT, ICH KAUF MIR LIEBER EINEN TIROLERHUT oder TAUSEND TAKTE ÜBERMUT, noch sehr selbstbewusst mit viel Starpower inszenierte, bunt, schwungvoll und lebendig daherkommende Entertainmentbomben waren. Selbstbewusst ist SPUKSCHLOSS auch, aber anders: Man merkt dem Film in jeder Sekunde an, dass Billian und Olsen um die diversen Lackschäden und Rostflecken ihres Produkts sehr genau wussten. Anstatt sie zu kaschieren, werden sie aber augenzwinkernd mitinszeniert, alles andere wäre wahrscheinlich hoffnungslos gewesen.

Die „spektakulärste“ Sequenz des Films, der er seinen Namen verdankt und bei der die Akteure in Gruselmasken durchs Schloss geistern, wird bereits in der Titlesequenz verheizt und verpufft dann erwartungsgemäß bei ihrem zweiten Einsatz. Eine vollkommen unnötige, wahrscheinlich nachträglich hinzugefügte Rahmenhandlung existiert wohl zu dem einzigen Zweck, mit Hannelore Auer und Manfred Schnelldorfer noch zwei weitere „Stars“ im Film unterbringen zu können. Vielleicht hatte man gemerkt, dass mit Udo Jürgens als Hauptdarsteller kein Blumentopf zu gewinnen war: Das Drehbuch hat ihm nicht nur eine unmögliche Arschlochrolle verpasst, in der er seine Verlobte (Gertraud Jesserer) des „Größenwahns“ bezichtigt, bloß weil sie eigene Karrierepläne verfolgt, anstatt sich vom Schlagerzampano aushalten zu lassen, der Sänger agiert auch ohne jeden Witz und humoristisches Talent, das zuvor selbst ein Gus Backus an den Tag gelegt hatte. Auch mit kleineren Details, wie einzelnen Dialogzeilen, scheinen sich Billian und Olsen immer wieder von ihrem Werk zu distanzieren, etwa wenn die wunderbare Ruth Stephan in ihrer Rolle bemerkt, sie fühle sich wie in einer „Schlagerklamotte“. So gesehen spiegelt der ganze Plot um eine dilettantische Theaterproduktion, deren geringe Erfolgschancen durch das Auftauchen einer großen Schlagerrevue noch weiter minimiert werden, die missliche Lage wider, in der sich Music House anno ’66 offensichtlich befand. Kein Wunder, dass die Szenen um die Schauspielertruppe dann auch die schönsten sind, hingegen ein deutliches Krachen im Getriebe zu vernehmen ist, sobald die Schlagerfuzzis auftauchen. Da singen die „Candy Kids“, zwei brasilianische Kinder, ihren Hit „Bimmelbahn“ doch tatsächlich in einem Bus und Peggy March muss schon dreimal auftreten, um den Schein zu wahren. Nahezu jeder Gag geht baden und im supertristen Finale latscht das ganze Ensemble zu Musik aus dem Off über eine Wiese. Die seltsamste Szene hat aber Hannelore Auer, die als sie selbst mit Manfred Schnelldorfer im „Weißen Rössl“ einkehrt und dort von der Kellnerin einen Stapel Teller bekommt, weil sie doch so eine „begnadete Tellermalerin“ sei. Schade, dass es darüber keinen Film gibt.

en35733Kennt man andere deutsche Schlagerfilme der Sechzigerjahre, dann merkt man, nach welch rigidem Konzept diese anscheinend so frei fließend, lax und lebendig strukturierten Werke eigentlich gefertigt wurden. ICH KAUF MIR LIEBER EINEN TIROLERHUT, der dritte Spielfilm von Hans Billian, setzt sich mithin aus exakt den gleichen Elementen zusammen wie etwa Grimms WENN DIE MUSIK SPIELT AM WÖRTHERSEE, Billians Regiedebüt ÜBERMUT IM SALZKAMMERGUT oder Hofbauers TAUSEND TAKTE ÜBERMUT. Wie in Grimms Film gibt Hubert von Meyerinck einen großstädtischen Unternehmer, der einen Angestellten für einen Auftrag nach Österreich schickt: Der Hutfabrikant will den Tirolerhut groß ins Programm aufnehmen und braucht dafür die entsprechende Werbekampagne. War das in WÖRTHERSEE noch Eddie Arent, übernimmt diese Funktion nun Gus Backus, der auch in den beiden ÜBERMUT-Filmen agierte, genauso wie Hannelore Auer, die wieder für den Glamourfaktor sorgt. Aus SALZKAMMERGUT entlehnt man sich für TIROLERHUT die Idee mit dem großen Fest  – eine Modenschau mit Bikinischönheiten, die mit Tirolerhut posieren -, das von den städtischen Touristen geplant und von den einheimischen Sittenwächtern nach Kräften sabotiert wird. Gesäumt wird das von den typischen Liebesgeschichten, die sich mehrfach überkreuzen und immer wieder den Hauptplot verkomplizieren, und garniert mit Gastauftritten damals angesagter Schlagerstars, die ihre Hits zum Besten geben. So treten neben den ebenfalls musikalischen Hauptdarstellern Backus, Auer und Schnelldorfer erneut u. a. Peggy March, Peppino di Capri, Teddy Parker und natürlich Billy Mo auf, dessen Song Billians Film seinen Titel zu verdanken hat. Am Ende triumphiert die Lebensfreude über das Spießertum und gleich mehrere Bünde fürs Leben können geschlossen werden, ohne dass dabei die auch die Erbfolge im Kopf habenden Eltern verprellt werden müssten.

Welchen dieser Schlagerfilme man nun präferiert (wenn man ihnen denn überhaupt etwas abgewinnen kann), ist wahrscheinlich höchst arbiträr. WÖRTHERSEE fällt von den bisher gesehenen deutlich ab, ist einfach zu brav und zu wenig schwungvoll inszeniert. Die beiden ÜBERMUT-Filme zeichnen sich hingegen durch hohes Tempo und gelungene, mit viel Drive vorgetragene Slapstick-Einlagen aus, die das Können ihrer Macher erkennen lassen. TIROLERHUT ist ein bisschen schwächer: Man merkt ihm deutlich an, dass er gewissermaßen ein Epigone ist, der Versuch, ein Erfolgsrezept noch einmal zu wiederholen. Aber er macht trotzdem Spaß, vor allem dieser auch hier wieder deutlich zu Tage tretende „rebellische“ oder wenigstens antispießige Tenor, der zur gängigen Wahrnehmung dieser Filme deutlich im Widerspruch steht. Wenn die herrische Trude Ratschenkofer (Barbara Gallauner) die Frauen aus dem Schützenverein gegen die unsittlichen Pläne aufhetzt und diese verhärmten Weiber wütend ihre riesigen Schießprügel schwingen, kommt schon Freude auf. Mein persönliches Highlight neben dem mal wieder wunderbar skurrilen Auftritt des italienischen Buddy Holly Peppino di Capri ist aber gewiss die Schlagzeile „Brauchtums-Schmarotzer entehren unseren Tirolerhut!“.

uebermut_im_salzkammergutNach dem doch etwas drögen WENN DIE MUSIK SPIELT AM WÖRTHERSEE zeigt Lustmolch Hans Billian, wie’s geht mit dem Schlagerfilm. Der Generationenkonflikt wird konsequent ausgespielt und in den Mittelpunkt gerückt, die Jugend mit ihrer Vorliebe für Badespaß, körperbetonte Kleidung, Liebeleien und die unverzichtbare „Jatz“-Musik darf den Spießern nun ganz ohne Relativierungen zeigen, was sie von erhobenem Zeigefinger, überkommenen Anstandsregeln und Prüderie hält. Und sie ist dabei so erfolgreich, dass sie die gemäßigten Kräfte erfolgreich auf ihre Seite zieht, während die lustfeindlichen Ultraspießer zum Schweigen gebracht werden. Das Dörfchen Thomaskirchen darf danach als „befreit“ gelten. Dass Klein Martina, ein dickliches Rotzbalg mit Feuermelder-Gesicht, ihren „Hit“ „Immer dicker wird mein Papi“ zum Besten geben darf, muss man als Konzession an demokratische Grudnwerte verstehen.

Die Revolution beginnt indessen im Kleinen: Die fesche Birgit (Helga Sommerfeld) will nach eineinhalb Jahren Beziehung mit Rolf (Claus Biederstaedt) endlich dessen Eltern kennenlernen. Weil die aber einfache Bauern im Salzkammergut sind, die mit einem „Mannequin“ wie Birgit gewiss nichts anzufangen wissen, denkt der sich immer neue Ausreden aus. Selbst ist die Frau: Birgit reist kurzentschlossen selbst nach Österreich und heuert bei Rolfs Eltern als neue Magd an, um sich als patentes Mädel und geeignetes Eheweib anzudienen. Das sorgt für die zu erwartenden Schwänke, bei denen es selbstredend nicht bleibt, denn was ein echter Schlagerfilm ist, der gibt sich mit einem Handlungsstrang allein nicht ab. So trudeln dann bald schon Schlagerstar Gus Backus (Gus Backus) samt seinem Manager Fred (Thomas Alder) ein: Ersterer verdreht der frechen Tankwärtin Christine (Margitta Scherr) den Kopf, die stets ihr voll aufgedrehtes Radio dabei hat und die Spießer des Ortes mit „heißer Jatz-Musik“ in den Wahnsinn treibt (letzterer nutzt seinen Dr. jur. um als vermeintlicher Arzt an den Gliedmaßen rumzufummeln, aber darum geht es hier nicht). Mit Entsetzen nimmt Gus zur Kenntnis, dass es keinen einzigen Ort in ganz Thomaskirchen gibt, wo junge Leute ihren Spaß haben können, und verspricht, an diesem unhaltbaren Zustand etwas zu ändern: Ein großes Musikfestival soll her, und während die Betonköpfe im Stadtrat noch darüber streiten – ein besonders verklemmter Zeitgenosse bezeichnet die Jugendlichen gar als „Untermenschen“ – trudelt Rolf in seiner Heimat ein, mit der vornehmen Doris (Hannelore Auer) im Schlepptau („Mein Bikini verliert im Wasser die Form!“), um Birgit eifersüchtig zu machen.

Dieses Sammelsurium aus sich überkreuzenden Plots und Subplots bietet, wie es in diesem Genre Usus ist, immer wieder reichlich Gelegenheit, die Darsteller in spontane Gesangsdarbietungen ausbrechen zu lassen oder auch musikalische Gäste anzukarren, damit es etwas Abwechslung gibt, und die sattsam bekannten Zoten und Verwechslungsspielchen anzuschieben. Das alles ist nicht neu und schon gar nicht originell, aber Billian inszeniert mit deutlich mehr Verve als sein anämischer Kollege Grimm den schon genannten WENN DIE MUSIK SPIELT AM WÖRTHERSEE und Lust an der – zwar verborgenen, aber doch unübersehbaren – Schweineigelei. Es geht natürlich niemals richtig zur Sache, aber es lässt sich kaum übersehen, dass ÜBERMUT IM SALZKAMMERGUT wesentlich körperlicher ist als andere Vertreter des Genres, etwa wenn Protagonistin Birgit in einer Szene mit einer wildgewordenen Sau ringt. Der kämpferische Unterton, der in Grimms Film zugunsten der großen Schlussharmonie gemildert wird, steigert sich hier zum deutlich vernehmbaren Schlachtgesang: Die ätzenden Lustfeinde werden dann auch nicht bekehrt, sondern konsequent mit Pauken und Trompeten vertrieben, auf dass sie nie mehr wiederkommen. Jetzt bin ich auf Billians ICH KAUF MIR LIEBER EINEN TIROLERHUT gespannt.

Irrungen, Wirrungen: Manfred Reiner (Thomas Alder), Angestellter einer Plattenfirma, erhält den Auftrag, an die Adria zu reisen und dort den Schlagerstar Cherry Davis (Hannelore Auer) zu einer Vertragsunterzeichnung zu überreden. Seine Strategie, die selbstbewusste Dame durch Missachtung auf sich aufmerksam zu machen, scheitert allerdings daran, dass die ihren alten Schwarm Rick Tanner (Rex Gildo), seines Zeichens ebenfalls Schlagersänger, wiedertrifft. Andere Sorgen hat Frank Hilman (Gus Backus), Sohn des Hotelbesitzers Robert Hilman (Harry Hardt): Sein strenger Papa hält nämlich gar nichts von seiner neuen Freundin und Ehefrau in spe Michaela (Andrea Scherr), weshalb diese sich ihm inkognito annähern will, um ihn von ihrer Eignung zu überzeugen. Inkognito ist auch Hilman selbst unterwegs, folgt er doch der Beschwerde von Cherry Davis über den mangelhaften Hotelservice, den ihr Portier Pizzanini (Fritz Korn) angedeihen lässt. Pizzanini wiederum hält den Hochstapler Felix Glücklich (Gunther Philipp) für seinen Chef, der sich infolgedessen alle Freiheiten erlauben darf. Und als wäre das noch nicht Verwechslunspotenzial genug, gibt sich die Telefonistin Gerti Brückner (Vivi Bach) als Michaela aus, verdreht so Manfreds Kollegen Peter (Kurt Liederer) den Kopf und treibt den guten Frank in die Fänge der Eifersucht …

Nachdem Ernst Hofbauer die Kongressteilnehmer im Sommer mit HOLIDAY IN ST. TROPEZ verzückte, wurde diesmal der direkte Nachfolger – ebenfalls aus der erprobten Feder von Hans Bilian – kredenzt, mit kaum geringerem Erfolg. Die damals wie heute publikumswirksame Mischung aus sonniger Urlaubskulisse, stimmungsvoller Schlagerkost, beeindruckendem Staraufgebot, haarsträubenden Verwechslungen und irrwitzigem Slapstick hätte wahrscheinlich auch in handwerklich weniger inspirierter Ausführung gezogen, unter Hofbauers temporeicher Regie verzaubert sie abwechselnd die Sinne, überrascht mit originellen, die Formel biegenden Einfällen oder raubt dem Zuschauer fast den Atem mit ausufernden Slastick- und Actionchoreografien. Nur hier darf man etwa erleben, wie der Schlagersänger (und Eiskunstlauf-Olympiasieger) Manfred Schnelldorfer seinen Hit „Deine schönen blauen Augen“ als mitfühlender Taxifahrer nicht etwa einer holden Dame, sondern seinem sichtlich verdutzten Fahrgast Gus Backus vorsingt, die Heteronormie der braven deutschen Komödie mutig durchbrechend. Überhaupt diese zahlreichen Musiknummern: Sie werden nicht etwa lieblos runtergekurbelt, sondern sind mit sichtbarer Liebe choreografiert und abgelichtet. Keine Toilettenpausen also, sondern den umwerfenden Charme ganz wesentlich prägende Momente, in denen TAUSEND TAKTE ÜBERMUT tatsächlich ganz bei sich ist. Gus Backus rockt das Haus mit seiner lässig weggetanzten Musicalnummer genauso endlos cool wie der Italiener Peppino Di Capri, dessen Körper von seinem Bubblegum-Rock’n’Roll konvulsivisch-ekstatischen Zuckungen unterworfen wird. Und eine Gesangsnummer von Hannelore Auer und Rex Gildo endet geradezu traumhaft poetisch in einem Tanz auf dem menschenleer und regennass in der Morgendämmerung schlummernden Markusplatz. Auf der eher körperlichen Seite beweist Gunther Philipp wieder einmal, dass er vielleicht einer der ersten deutschen Actionstars war, lässt seinen beachtlichen Brustkorb anschwellen und führte alle Stunts sichtbar selbst aus. Noch nicht einmal der in jeder Hinsicht kolossale Ady Berber kann es mit ihm aufnehmen, muss in der finalen Verfolgungsjagd, die dem eh schon turbulenten Film noch die Krone aufsetzt, im Gegenteil viel einstecken.

Der Schlagerfilm muss gewohnheitsmäßig viel Häme einstecken, auch von Menschen, die Musikfilmen grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen. Wirklich verwundern tut das nicht, bedenkt man, wie einfach es sich deutsche Lustspielregisseure in der Regel mit diesem Genre machten, in welche Niederungen der geneigte Zuschauer hinabsteigen musste. Die Siebzigerjahre haben dem Genre mit ihren grienend durchs Bild schreitenden und schmalzige Weisen absondernden Betonfrisuren jede Respektabilität ausgetrieben und sind bis heute unauslöschliches Stigma. Nicht das erste einst erfolgreiche Genre, dass die deutsche Filmindustrie gnadenlos runtergewirtschaftet hat. Hofbauer zeigt mit TAUSEND TAKTE ÜBERMUT, was der deutsche Schlagerfilm ursprünglich einmal war und weiterhin hätte sein können, hätte man mehr Mühe, Können, Inspiration und Kreativität hineingesteckt, anstatt die Kuh mit möglichst wenig Aufwand zu melken.

Wer will, kann sich TAUSEND TAKTE ÜBERMUT hier in voller Länge anschauen.