Mit ‘Hans Billian’ getaggte Beiträge

hc3b6rigbiszurletztensc3bcndeUnter anderem wegen solcher Entdeckungen pilgere ich jetzt seit etwas über zwei Jahren nach Nürnberg. HÖRIG BIS ZUR LETZTEN SÜNDE ist ein Film, den es nach filmhistorischem Ermessen eigentlich gar nicht geben dürfte: Die im schwarzweißen Gewand des Noirs gehaltene Verbindung von Sex and Crime war 1970 stilistisch eigentlich schon ein paar Jahre zu spät, begeistert aber mit seiner sperrigen Actioninszenierung, seinen unverhohlenen Sexismen und einem Protagonisten, der als eines der größten Arschlöcher der deutschen Filmgeschichte gelten dürfte. Über 81 Minuten entfaltet sich hier ein Inferno der Niedertracht, das dem Zuschauer aber mit den wohlfeil dargebotenen Reizen seiner hübschen Darstellerinnen schmackhaft gemacht wird. Ein kleines, schmückendes Detail, das großes Staunen im Publikum auslöste, war die Selbstverständlichkeit, mit der die Frauen ständig „unten ohne“ herumlaufen. War das mal Mode, dass man zwar Pullover, aber keine Hosen trug?

HÖRIG BIS ZUR LETZTEN SÜNDE beginnt ohne viel Federlesen mit einem „todsicheren“ Banküberfall, der aber katastrophal in die Binsen geht. Nur einer von drei Bankräubern kann schwer verwundet mit der Beute entkommen, um deren Wiederbeschaffung es im Folgenden geht. Interesse an dem Zaster haben sowohl die Polizei als auch ein fieser Anwalt (Horst Naumann), dem alle Mittel Recht sind, die Knete in die Finger zu bekommen, und der auf dem Weg dahin keinen Frauenkörper unangetastet lässt. Wie lange HÖRIG BIS ZUR LETZTEN SÜNDE eine neutrale Haltung zu diesem Arschloch beibehält, gehört zu seinen faszinierendsten Elementen und macht den Film zu einer Art deutschem BAD LIEUTENANT, bei dem halt ein Anwalt die Rolle des Cops übernimmt. Die Figur reitet sich immer tiefer in die Scheiße und die moralische Sackgasse, verprellt nach und nach alle Figuren, die ihm die Treue halten, und bekommt am Schluss natürlich die gerechte Strafe. Bis dahin hat man als Zuschauer allerdings einen ziemlich heißen Ritt vor sich.

Da quartiert der Anwalt einfach mal so ein Mädchen im Appartement seiner Freundin ein, als dieses ihm beichtet, wegen Fahrerflucht mit Todesfolge gesucht zu werden. Es entpuppt sich natürlich als Gangsterbraut, die Informationen über den Verbleib der Beute beschaffen soll und dafür später eine lesbische Beziehung mit der Anwaltsfreundin eingeht, während deren feiner Lebenspartner kurzerhand die Witwe des Bankangestellten ehelicht, der den Räubern als Inside Man diente und sich im Knast erhängte. Die verschüchterte Dame wird vom Anwalt gnadenlos bearbeitet und ausgenutzt, nicht ohne dass der dabei auf seine Kosten käme natürlich. HÖRIG BIS ZUR LETZTEN SÜNDE spielt noch in einer Zeit, in der es gewissermaßen ein Kavaliersdelikt war, seiner Partnerinnen nach Strich und Faden zu betrügen oder ihnen auch schon mal den Handrücken durchs Gesicht zu ziehen, ja, in der sowas zum „Mannsein“ eigentlich sogar dazugehörte. Man kommt da aus dem Staunen wirklich nicht mehr raus und die schmucklos-raubeinig-rumpelige Inszenierung tut ihr Übriges, fängt jede Schweinerei mitleidlos und mit sadistischem Genuss ein. Höhepunkt ist wahrscheinlich ein höchst ungeschickt geführter Bitchfight zwischen den beiden „Lesben“: Den Schauspielerinnen mag es einfach nicht gelingen, den Eindruck von Ernst zu erwecken oder auch nur einen halbwegs realistischen Schlag auszuteilen. Dafür stolpern sie aber höchst dekorativ über alle herumstehenden Möbelteile und die Kamera hält gnadenlos drauf, berauscht vom sich vor ihr entfaltenden Spektakel. Diese Lust an der Gewalt, dem Tabubruch, der Regelverletzung, der Niedertracht zeichnet HÖRIG BIS ZUR LETZTEN SÜNDE aus und macht ihn so rasant. Es wird nicht viel Zeit mit Nettigkeiten verbracht, kurze Atempausen müssen reichen, dann geht es wieder zielstrebig und umweglos in die Jauche. Das habe ich so noch nicht gesehen. Ein Meisterwerk.

das_spukschloss_im_salzkammergutAuch bekannt unter dem Titel HOCHZEIT IM SALZKAMMERGUT, markiert dieser Film das Ende der lukrativen Schlagerreihe der Produktionsfirma Music House. Warum man nicht weitermachte, ist mir nicht bekannt, aber dieser letzte Eintrag zeigt doch schon überdeutliche Zerfallserscheinungen, wirkt ranzig und verzweifelt, wo vorangegangene Beiträge, wie etwa ÜBERMUT IM SALZKAMMERGUT, ICH KAUF MIR LIEBER EINEN TIROLERHUT oder TAUSEND TAKTE ÜBERMUT, noch sehr selbstbewusst mit viel Starpower inszenierte, bunt, schwungvoll und lebendig daherkommende Entertainmentbomben waren. Selbstbewusst ist SPUKSCHLOSS auch, aber anders: Man merkt dem Film in jeder Sekunde an, dass Billian und Olsen um die diversen Lackschäden und Rostflecken ihres Produkts sehr genau wussten. Anstatt sie zu kaschieren, werden sie aber augenzwinkernd mitinszeniert, alles andere wäre wahrscheinlich hoffnungslos gewesen.

Die „spektakulärste“ Sequenz des Films, der er seinen Namen verdankt und bei der die Akteure in Gruselmasken durchs Schloss geistern, wird bereits in der Titlesequenz verheizt und verpufft dann erwartungsgemäß bei ihrem zweiten Einsatz. Eine vollkommen unnötige, wahrscheinlich nachträglich hinzugefügte Rahmenhandlung existiert wohl zu dem einzigen Zweck, mit Hannelore Auer und Manfred Schnelldorfer noch zwei weitere „Stars“ im Film unterbringen zu können. Vielleicht hatte man gemerkt, dass mit Udo Jürgens als Hauptdarsteller kein Blumentopf zu gewinnen war: Das Drehbuch hat ihm nicht nur eine unmögliche Arschlochrolle verpasst, in der er seine Verlobte (Gertraud Jesserer) des „Größenwahns“ bezichtigt, bloß weil sie eigene Karrierepläne verfolgt, anstatt sich vom Schlagerzampano aushalten zu lassen, der Sänger agiert auch ohne jeden Witz und humoristisches Talent, das zuvor selbst ein Gus Backus an den Tag gelegt hatte. Auch mit kleineren Details, wie einzelnen Dialogzeilen, scheinen sich Billian und Olsen immer wieder von ihrem Werk zu distanzieren, etwa wenn die wunderbare Ruth Stephan in ihrer Rolle bemerkt, sie fühle sich wie in einer „Schlagerklamotte“. So gesehen spiegelt der ganze Plot um eine dilettantische Theaterproduktion, deren geringe Erfolgschancen durch das Auftauchen einer großen Schlagerrevue noch weiter minimiert werden, die missliche Lage wider, in der sich Music House anno ’66 offensichtlich befand. Kein Wunder, dass die Szenen um die Schauspielertruppe dann auch die schönsten sind, hingegen ein deutliches Krachen im Getriebe zu vernehmen ist, sobald die Schlagerfuzzis auftauchen. Da singen die „Candy Kids“, zwei brasilianische Kinder, ihren Hit „Bimmelbahn“ doch tatsächlich in einem Bus und Peggy March muss schon dreimal auftreten, um den Schein zu wahren. Nahezu jeder Gag geht baden und im supertristen Finale latscht das ganze Ensemble zu Musik aus dem Off über eine Wiese. Die seltsamste Szene hat aber Hannelore Auer, die als sie selbst mit Manfred Schnelldorfer im „Weißen Rössl“ einkehrt und dort von der Kellnerin einen Stapel Teller bekommt, weil sie doch so eine „begnadete Tellermalerin“ sei. Schade, dass es darüber keinen Film gibt.

en35733Kennt man andere deutsche Schlagerfilme der Sechzigerjahre, dann merkt man, nach welch rigidem Konzept diese anscheinend so frei fließend, lax und lebendig strukturierten Werke eigentlich gefertigt wurden. ICH KAUF MIR LIEBER EINEN TIROLERHUT, der dritte Spielfilm von Hans Billian, setzt sich mithin aus exakt den gleichen Elementen zusammen wie etwa Grimms WENN DIE MUSIK SPIELT AM WÖRTHERSEE, Billians Regiedebüt ÜBERMUT IM SALZKAMMERGUT oder Hofbauers TAUSEND TAKTE ÜBERMUT. Wie in Grimms Film gibt Hubert von Meyerinck einen großstädtischen Unternehmer, der einen Angestellten für einen Auftrag nach Österreich schickt: Der Hutfabrikant will den Tirolerhut groß ins Programm aufnehmen und braucht dafür die entsprechende Werbekampagne. War das in WÖRTHERSEE noch Eddie Arent, übernimmt diese Funktion nun Gus Backus, der auch in den beiden ÜBERMUT-Filmen agierte, genauso wie Hannelore Auer, die wieder für den Glamourfaktor sorgt. Aus SALZKAMMERGUT entlehnt man sich für TIROLERHUT die Idee mit dem großen Fest  – eine Modenschau mit Bikinischönheiten, die mit Tirolerhut posieren -, das von den städtischen Touristen geplant und von den einheimischen Sittenwächtern nach Kräften sabotiert wird. Gesäumt wird das von den typischen Liebesgeschichten, die sich mehrfach überkreuzen und immer wieder den Hauptplot verkomplizieren, und garniert mit Gastauftritten damals angesagter Schlagerstars, die ihre Hits zum Besten geben. So treten neben den ebenfalls musikalischen Hauptdarstellern Backus, Auer und Schnelldorfer erneut u. a. Peggy March, Peppino di Capri, Teddy Parker und natürlich Billy Mo auf, dessen Song Billians Film seinen Titel zu verdanken hat. Am Ende triumphiert die Lebensfreude über das Spießertum und gleich mehrere Bünde fürs Leben können geschlossen werden, ohne dass dabei die auch die Erbfolge im Kopf habenden Eltern verprellt werden müssten.

Welchen dieser Schlagerfilme man nun präferiert (wenn man ihnen denn überhaupt etwas abgewinnen kann), ist wahrscheinlich höchst arbiträr. WÖRTHERSEE fällt von den bisher gesehenen deutlich ab, ist einfach zu brav und zu wenig schwungvoll inszeniert. Die beiden ÜBERMUT-Filme zeichnen sich hingegen durch hohes Tempo und gelungene, mit viel Drive vorgetragene Slapstick-Einlagen aus, die das Können ihrer Macher erkennen lassen. TIROLERHUT ist ein bisschen schwächer: Man merkt ihm deutlich an, dass er gewissermaßen ein Epigone ist, der Versuch, ein Erfolgsrezept noch einmal zu wiederholen. Aber er macht trotzdem Spaß, vor allem dieser auch hier wieder deutlich zu Tage tretende „rebellische“ oder wenigstens antispießige Tenor, der zur gängigen Wahrnehmung dieser Filme deutlich im Widerspruch steht. Wenn die herrische Trude Ratschenkofer (Barbara Gallauner) die Frauen aus dem Schützenverein gegen die unsittlichen Pläne aufhetzt und diese verhärmten Weiber wütend ihre riesigen Schießprügel schwingen, kommt schon Freude auf. Mein persönliches Highlight neben dem mal wieder wunderbar skurrilen Auftritt des italienischen Buddy Holly Peppino di Capri ist aber gewiss die Schlagzeile „Brauchtums-Schmarotzer entehren unseren Tirolerhut!“.

uebermut_im_salzkammergutNach dem doch etwas drögen WENN DIE MUSIK SPIELT AM WÖRTHERSEE zeigt Lustmolch Hans Billian, wie’s geht mit dem Schlagerfilm. Der Generationenkonflikt wird konsequent ausgespielt und in den Mittelpunkt gerückt, die Jugend mit ihrer Vorliebe für Badespaß, körperbetonte Kleidung, Liebeleien und die unverzichtbare „Jatz“-Musik darf den Spießern nun ganz ohne Relativierungen zeigen, was sie von erhobenem Zeigefinger, überkommenen Anstandsregeln und Prüderie hält. Und sie ist dabei so erfolgreich, dass sie die gemäßigten Kräfte erfolgreich auf ihre Seite zieht, während die lustfeindlichen Ultraspießer zum Schweigen gebracht werden. Das Dörfchen Thomaskirchen darf danach als „befreit“ gelten. Dass Klein Martina, ein dickliches Rotzbalg mit Feuermelder-Gesicht, ihren „Hit“ „Immer dicker wird mein Papi“ zum Besten geben darf, muss man als Konzession an demokratische Grudnwerte verstehen.

Die Revolution beginnt indessen im Kleinen: Die fesche Birgit (Helga Sommerfeld) will nach eineinhalb Jahren Beziehung mit Rolf (Claus Biederstaedt) endlich dessen Eltern kennenlernen. Weil die aber einfache Bauern im Salzkammergut sind, die mit einem „Mannequin“ wie Birgit gewiss nichts anzufangen wissen, denkt der sich immer neue Ausreden aus. Selbst ist die Frau: Birgit reist kurzentschlossen selbst nach Österreich und heuert bei Rolfs Eltern als neue Magd an, um sich als patentes Mädel und geeignetes Eheweib anzudienen. Das sorgt für die zu erwartenden Schwänke, bei denen es selbstredend nicht bleibt, denn was ein echter Schlagerfilm ist, der gibt sich mit einem Handlungsstrang allein nicht ab. So trudeln dann bald schon Schlagerstar Gus Backus (Gus Backus) samt seinem Manager Fred (Thomas Alder) ein: Ersterer verdreht der frechen Tankwärtin Christine (Margitta Scherr) den Kopf, die stets ihr voll aufgedrehtes Radio dabei hat und die Spießer des Ortes mit „heißer Jatz-Musik“ in den Wahnsinn treibt (letzterer nutzt seinen Dr. jur. um als vermeintlicher Arzt an den Gliedmaßen rumzufummeln, aber darum geht es hier nicht). Mit Entsetzen nimmt Gus zur Kenntnis, dass es keinen einzigen Ort in ganz Thomaskirchen gibt, wo junge Leute ihren Spaß haben können, und verspricht, an diesem unhaltbaren Zustand etwas zu ändern: Ein großes Musikfestival soll her, und während die Betonköpfe im Stadtrat noch darüber streiten – ein besonders verklemmter Zeitgenosse bezeichnet die Jugendlichen gar als „Untermenschen“ – trudelt Rolf in seiner Heimat ein, mit der vornehmen Doris (Hannelore Auer) im Schlepptau („Mein Bikini verliert im Wasser die Form!“), um Birgit eifersüchtig zu machen.

Dieses Sammelsurium aus sich überkreuzenden Plots und Subplots bietet, wie es in diesem Genre Usus ist, immer wieder reichlich Gelegenheit, die Darsteller in spontane Gesangsdarbietungen ausbrechen zu lassen oder auch musikalische Gäste anzukarren, damit es etwas Abwechslung gibt, und die sattsam bekannten Zoten und Verwechslungsspielchen anzuschieben. Das alles ist nicht neu und schon gar nicht originell, aber Billian inszeniert mit deutlich mehr Verve als sein anämischer Kollege Grimm den schon genannten WENN DIE MUSIK SPIELT AM WÖRTHERSEE und Lust an der – zwar verborgenen, aber doch unübersehbaren – Schweineigelei. Es geht natürlich niemals richtig zur Sache, aber es lässt sich kaum übersehen, dass ÜBERMUT IM SALZKAMMERGUT wesentlich körperlicher ist als andere Vertreter des Genres, etwa wenn Protagonistin Birgit in einer Szene mit einer wildgewordenen Sau ringt. Der kämpferische Unterton, der in Grimms Film zugunsten der großen Schlussharmonie gemildert wird, steigert sich hier zum deutlich vernehmbaren Schlachtgesang: Die ätzenden Lustfeinde werden dann auch nicht bekehrt, sondern konsequent mit Pauken und Trompeten vertrieben, auf dass sie nie mehr wiederkommen. Jetzt bin ich auf Billians ICH KAUF MIR LIEBER EINEN TIROLERHUT gespannt.

10426273_742635962485528_839337234016154227_nSexuelle Entgleisungen in entgleisten Interieurs: So könnte man Hans Billians INTIME LIEBSCHAFTEN beschreiben, die Softcore-Variante eines Pornos namens INTIMES LUSTGEFLÜSTER. Was dann lediglich unterschlüge, dass die Menschen, die da in schaurig eingerichteten Häusern rumficken, als hätten sie keine oder aber eine ziemlich miserable Kinderstube genossen, ebenfalls ziemlich suboptimal aussehen. Vor allem die Männer, mit ihrer sich über Rücken und Haupt bis ins Gesicht fortgepflanzten Schambehaarung, dem vulgären Haifischgrinsen und dem syphilitischen Brunftgrunzen, stellen der Menschheit kein allzu gutes Zeugnis aus. Man muss ihnen allerdings fairerweise zugutehalten, dass es ihnen die Frauen verdammt leicht machen.

Der bumsende Irrsinn beginnt im Haus eines wohlhabenden Verlegers (Bruhargh!), der seine Freunde zu feuchtfröhlichen Orgien einzuladen pflegt, bei denen sie sich an seiner Gattin abreagieren dürfen, die er in einem desillusionierenden Amüsierschuppen aufgetan hat (später mehr dazu). Sie braucht das halt. Auch sonst ist ihm am Wohl seiner Mitmenschen gelegen und er scheut zu diesem Behufe weder Kosten noch Mühen: Bevor die eigene Gattin von seinen Gästen reihum in die Horizontale gebracht wird, karrt er zwei Sarkophage an, die ein altägyptisches Liebespaar beherbergen, das nach der gemeinsamen Enthüllung zu frivolem Leben erwacht und sein vor dreieinhalbtausend Jahren jäh unterbrochenes Liebesleben zur Begeisterung der Anwesenden wieder aufnimmt. (Die Erklärung, dass es sich bei den Mumien nur um vom Verleger engagierte Schauspieler handeln sollte, habe ich verpasst, war aber sehr erleichtert, als man mich später darüber aufklärte.) Allzu große Dankbarkeit erntet der Wohltäter für seine Freigiebigkeit aber nicht: Nach vollzogenem Erguss packen die Herren ihre Klamotten und begeben sich eilends nach Hause, wo dann die Gattinnen beglückt werden sollen, die überwiegend zum Zuschauen verdammt waren, denen das aber sehr gut gefiel. Nur der schönen Silvia ist die Lust vergangen, fand sie das Spektakel doch eher ekelhaft, und so verweigert sich ihrem Gatten. Der lässt sich indes nicht lumpen, ruft seine willige Kollegin herbei, die sich so benimmt, als bliebe ihr keine Wahl, fesselt die Ehefrau an einen Stuhl und liefert ihr dann eine weitere Darbietung. Und dann ist da natürlich der andere Verleger des Films, verkörpert vom smarten Peter Bond, der später Maren Gilzer am Glücksrad drehen ließ: Auch er bleibt bei der Orgie auf Distanz, hat sich aber in die biegsame Frau mit den enormen Nehmerqualitäten verguckt, die er aus ihrer Gefangenschaft befreien will. In seinem Büro berichtet sie ihm, wie sie sich einst vor alten zahnlosen Weltkriegsveteranen („Wir sind harmlose Lustmolche!“) auszog und gegen die schmale Gebühr von fünf Mark befummeln ließ. Der Film kommt hier zu seinem geschmackvollsten Dialog: „Boah, bist du aber eng!“ – „Ja, weiter geht’s nicht, danach kommt der Mageneingang.“, der innere Tiefen andeutet, wo die geistige Transzendenz schmerzlich fehlt.Ein weiterer Plotstrang dreht sich um ein junges Mädchen, das sich Sex mit einem Perversen erhofft, auf eine Anzeige in einer Wochenend-Ausgabe antwortet und so bei einem Sadisten landet, der sich allerdings lieber an der mitgekommenen Freundin vergreift und diese auf einem Glastisch durchorgelt, während sie zum Zugucken verdammt darunter liegt. Eine Erpressungsgeschichte gibt es auch noch, bevor der Film beim Finale in einem privaten Swingerclub seinem Ende entgegenejakuliert. Da schlief ich aber bereits den Schlaf der Gerechten, hinweggerafft von zwei vollen Tagen Kongressprogramm, Schlafentzug und Billians Kunst, äußerste Niedertracht als großen Spaß oder umgekehrt erscheinen zu lassen. Man muss für INTIME LIEBSCHAFTEN durchaus eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen, auch wenn er dank Billians ausgezeichnetem Timing nie zur quälenden Tortur wird. Wenn man will, gibt es tatsächlich irrsinnig viel zu entdecken, von potthässlichen oder auch nur rätselhaften Requisiten bis hin zu protzigem Villen-Interieur, das wahrscheinlich nach einer Mischung aus Polyboy, altem, erkalteten Zigarettenrauch und Kölnisch Wasser riecht. (Ob Billian selbst in einem dieser Mausoleen des Zierrats gelebt hat?) Auf dem Weg zum Glück muss man nur an diesen hässlichen Typen vorbeischauen und die verbalen Tiefschläge überhören, die in einer Tour abgefeuert werden, als sollten nur die Tapfersten zum Ziel vordringen. Ein Vorbild nimmt man dabei sich am besten an der nymphomanen Protagonistin, die die von zahnlosen Gichtkranken auf sie geworfenen Heiermänner begierig aufklaubt wie kostbare Perlen und sich in dem ranzigen Kellerloch, in dem sie auftritt, bewegt wie auf der Bühne des Moulin Rouge. Film wird nicht umsonst als make believe beschrieben. Und es gibt definitiv schlechtere (Des-)Illusionisten als Billian. Ich hätte mir bei dem ganzen Trockengerammel nur gewünscht, dass irgendwann mal ordentlich abgespritzt wird. Vergebens. Verzicht ist eine Softcore-Fassung.