Mit ‘Harry Dean Stanton’ getaggte Beiträge

In einem ranzigen Motel in der Mojave-Wüste verschanzt sich May (Kim Basinger) vor ihrem zurückkehrenden Liebhaber, dem Cowboy Eddie (Sam Shepard), der sie einst mit einer anderen Frau betrogen hatte. In einer aufgeheizten Nacht prallen die beiden nun wieder aufeinander, versuchen, sich selbst zu behaupten und erliegen dabei doch wieder nur dem anderen. Es ist eine komplizierte Beziehung und der „alte Mann“ (Harry Dean Stanton), der die beiden neugierig beobachtet, weiß auch warum: Er ist nämlich ihr gemeinsamer Vater …

FOOL FOR LOVE basiert auf einem Stück von Hauptdarsteller Sam Shepard, ist somit die dritte Theateradaption Altmans in Folge (nach COME BACK TO THE FIVE AND DIME, JIMMY DEAN, JIMMY DEAN, STREAMERS und SECRET HONOR) und außerdem einer jener Filme, mit denen die Cannon Mitte der Achtzigerjahre ihre Ambitionen, zu den großen Studios aufzuschließen, zementierte und sich einen neuen Ruf als cinephile Produktionsfirma aufzubauen suchte: Neben Altman drehten seinerzeit auch Barbet Schroeder, John Cassavetes, John Frankenheimer, Andrey Konchalovskiy und Jean-Luc Godard für die Cannon. Dass die Pläne für die Cannon zumindest mittel- bis langfristig nicht aufgingen, muss ich hier nicht mehr erwähnen, wohl aber, dass FOOL FOR LOVE auch den qualitativen Schlingerkurs, den Altman in den Achtzigerjahren fuhr, nicht beenden konnte. Ich muss eingestehen, dass ich seinen Film nicht besonders konzentriert verfolgt habe und meine Meinung daher eher vorläufigen Charakter hat – auch wenn ich definitiv nicht vorhabe, mir FOOL FOR LOVE in Bälde nochmal anzusehen.

Shepards Stück, für das er sich hinischtlich seines Settings und der Figuren aus dem Fundus des Film Noir bedient, zeichnet das emotionale Porträt einer heißblütigen Hassliebe, die ihre Wurzeln in der Vergangenheit und dem egoistischen Lebenswandel des gemeinsamen Vaters hat, der zwei Beziehungen gleichzeitig führte und mit beiden Frauen Kinder zeugte, die sich schließlich ineinander verliebten. Leider wirkte das Ganze auf mich vor dem Hintergrund des bis zur Abstraktion stilisierten Settings jedoch gar nicht aufgeheizt, sondern eher blutleer und konstruiert. Das Hauptproblem ist für mich die fehlenden Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern: Zwar kennt man solche White-Trash-Paare wie Eddie – Typ: kerniger, unnachgiebiger Macho – und May – Typ: heilige Hure des Trailerparks – zu Genüge aus anderen Filmen, um ihre Beziehung sofort zu akzeptieren, aber über diese Konvention hinaus scheint es nur wenig zu geben, was die beiden aneinander bindet. Möglicherweise ist das aber auch gerade der Punkt des Films: Aufgrund ihrer Vergangenheit ist es ihnen unmöglich, eine Entscheidung gegen den anderen und für ihr eigenes Wohl zu treffen. Aber um das als tragisch und demzufolge Mitleid oder Sympathie für die Figuren zu empfinden, müssten diese einem in ihrem Leid ja irgendwie plausibel gemacht werden. Und das gelingt meines Erachtens nach gar nicht:  Vielleicht liegt das aber auch nur an meiner Abneigung für Shapard (die mir erst jetzt wirklich bewusst geworden ist) und der Tatsache, dass ich bei Kim Basinger nie weiß, ob sie eine miese Schauspielerin ist, oder ob ihre scheinbare Unbeholfenheit tatsächlich nur gespielt ist. So lief der Film an mir vorbei, ohne dass mir klar geworden wäre, warum ich diese Geschichte interessant und erzählenswert finden sollte. Filmisch betrachtet bekommt Altman die bei STREAMERS unübersehbaren Probleme besser in den Griff, profitiert dabei von seinem Setting, der Cinematografie von Pierre Mignot (mit dem er auch bei den anderen oben genannten Theateradaptionen sowie bei O.C. AND STIGGS zusammengearbeitet hatte)  und dem stimmunsgvollen Country-Soundtrack. Wenn ich etwas Positives über FOOL FOR LOVE sagen sollte, dann, dass er unleugbar über eine sehr dichte Atmosphäre verfügt, der aber leider der schrecklich egale Inhalt entgegensteht. Einfach nicht meins, sowas soll’s geben.

Andie Walsh (Molly Ringwald) lebt mit ihrem arbeitslosen Vater (Harry Dean Stanton) allein, seit die Mutter/Ehefrau sie verlassen hat. Von den reichen Kids auf ihrer Schule wird sie gedemütigt oder ganz geschnitten, bis Blane (Andrew McCarthy) des Weges kommt. Die sich anbahnende Liebe trifft jedoch auf Widerstand: Andies bester Freund Duckie (Jon TWO AND A HALF MEN Cryer), der selbst schwer verknallt in Andie ist, ist zutiefst verletzt und Blane wird vom eklen Schnösel Steff (Kevin Spader) unter Druck gesetzt. Werden die beiden den Klassendünkel überwnden können?

Howard Deutch inszeniert ohne größere Eingebungen eine moderne Aschenputtel-Variante nach einem mitelprächtigen Drehbuch von John Hughes, in der Molly Ringwald eine auf der Einkommensachse gespiegelte Version ihres BREAKFAST CLUB-Charakters gibt. Die Klassenkampf-Thematik, die in den Achtzigerjahren oft adressiert wurde – siehe hier etwa (den viel, viel besseren) TUFF TURF oder auch DANGEROUSLY CLOSE –, wird von Hughes allerdings eher plump behandelt: Man könnte den Film auch jeden wirtschaftlichen Subtextes entblättern und auf die beliebte Unterteilung in coole Jocks und geschmacksverirrte Nerds zurückgreifen, an der Geschichte würde sich nicht viel ändern. Vielleicht käme PRETTY IN PINK sogar ein bisschen besser weg, denn der Arm-gegen-Reich-Konflikt nimmt teilweise arg polemische Züge an und zeigt, dass die feinen Differenzierungen John Hughes‘ Ding nicht waren. Ringwald gibt die altersweise Unschuld vom Lande mit für wenig Geld selbst genähten Klamotten, James Spader versieht den Snob mit der Subtilität einer Abrissbirne (und erinnert im Style etwas an einen wohlerzogenen Sonny Crockett) und der arme Andrew McCarthy ist zwischen den Fronten gefangen und braucht im dritten Akt dann mal die obligatorischen zehn Minuten Bedenkzeit, nach denen das Happy End für einen beziehungserfahrenen Mittdreißiger dann nicht mehr ganz so aussichtsreich erscheint. Immerhin ist PRETTY IN PINK aber recht kurzweilig, hat ein paar inspirierte Momente (ein abendlicher kurzer Spaziergang von Andie und Blane ist in wunderbares Licht gehüllt), mit Duckie einen sympathischen Loser und einen feinen Soundtrack voller Achtzigerperlen. Nicht ärgerlich also, durchausganz hübsch, aber abseits von Nostalgie aber auch recht egal.