Mit ‘Héctor Olivera’ getaggte Beiträge

Der Amerikaner Cliff Adams (John Schneider) arbeitet als Pilot für den kolumbianischen Drogenboss Reyes (Federico Luppi), der die Militärpolizei auf seiner Seite weiß. Tatsächlich steht Cliff aber im Dienste der DEA und versucht, dem Verbrecher das Handwerk zu legen. Die Reporterin Janet Meade (Kathryn Witt), pikanterweise seine Exfreundin, sowie der Demokrat Vilalba (Juan Vitali) stehen ihm in seinem Kampf bei …

Einer von vielen kleinen, aber dennoch mit guten Production Values ausgestatteter Actionfilme, die in den Achtzigern in die Kinos kamen oder wenigstens in den Videotheken landeten. COCAINE WARS, in Deutschland unter dem Titel AMERICAN SCORPION auf VHS erschienen, ist einer von ihnen: In seinen Actionszenen etwas unspektakulär, aber dafür an Originalschauplätzen gedreht und gleichermaßen mit guten Darstellern besetzt wie mit einem Drehbuch ausgestattet, das die ganze Story durchaus authentisch erscheinen lässt. Dreh- und Angelpunkt des Films ist aber John Schneider, der als Cliff eine Riesenshow abzieht: Der ehemalige „Duke of Hazzard“ rennt mit zauseliger Struwwelmähne, buschig ausgewachsenem Schnauz und ausgelatschten Nikes rum, hat ständig eine Kippe in der Fresse und verliert Coolness und große Klappe auch dann nicht, wenn er von Reyes‘ Schergen mit Elektroschocks behandelt wird. Ihm zusehen zu können, ist schon die halbe Miete. Das übersieht man auch gern, dass COCAINE WARS mit der Action eher sparsam umgeht. Eigentlich kracht es erst zum Showdown so richtig, aber mich hat das gestern nicht gestört, weil der Film trotzdem gut Tempo macht. Selbst wenn nicht pausenlos rumgeballert wird, ist doch immer irgendwas los. Es ist einer dieser Filme, bei denen man Lust bekommt, eine Fluppe zu rauchen und Schnaps aus der Pulle zu saufen.

Mir hat das gut gefallen. Klar, einen Teil seines Charmes verdankt COCAINE WARS der Tatsache, dass es einfach herrlich ist, diese alten Videothekenfilme heute in HD-Qualität sehen zu können, sich darüber zu freuen, dass man überhaupt die Gelegenheit hat, solchen Kram lang nach Überschreitung des Verfallsdatums zu Gesicht zu bekommen. Und wenn solches Comfort Food einem dann auch noch einen John Schneider beschert, der seine Rolle vereinnahmt, als wäre er geboren worden, sie zu spielen, dann ist das schon mehr als genug. Irgendwie geil.

Am Tag der Hochzeit zwischen der schönen Amethea (Lana Clarkson) und dem blonden Engel Argan (Frank Zagarino) wird das idyllische Dörfchen der beiden vom bösen König Zohar (Tony Middleton) und seinen Schergen überfallen, der blonde Argon und einige weitere Bewohner in die Stadt verschleppt, wo sie in Gladiatorenkämpfen verheizt werden sollen. Amethea schart ihre Freundinnen um sich, die sich gerade noch verstecken konnten, und macht sich mit ihnen auf den Weg, um ihren Argon zu befreien. Ein paar Rebellen, die Zohar loswerden wollen, helfen den Mädels …

BARBARIAN QUEEN ist der mit einigem Abstand debilste Film, den ich in letzter Zeit gesehen habe und das will angesichts solch illustrer Konkurrenz wie THE HORROR OF PARTY BEACH, THE TERROR WITHIN, DON’T GO NEAR THE PARK, EVILS OF THE NIGHT, THE DARK POWER oder ALIEN OUTLAW schon was heißen. Ich habe dann auch vom Plot nicht allzu viel mitbekommen, weil ich vom unfassbaren Dekor des Films schlicht weggeblasen wurde. Aber eins nach dem anderen: Der Film beginnt mit einer Einstellung der blümchenpflückenden Schwester Ametheas, Taramis (Dawn Dunlap), der von zwei Bösewichtern sogleich mal beherzt an die Milchtheke gelangt und dann Schlimmeres angetan wird. Schnitt zum Barbarendorf, das ein wenig an das Insel-Setting aus dem Spencer/Hill-Film CHI TROVA UN AMICO, TROVA UN TRESORO erinnert und in dem sich auch die Schlümpfe unter Garantie pudelwohl fühlen würden. Die gut gelaunten Wilden tragen fesche Wildlederlendenschurze mit topmodischen Fellapplikationen und Stirnbändern, die nicht nur erkennen lassen, dass der vermeintlich den Achtzigerjahren zuzuordnende Aerobic-Trend bereits in einem Land weit vor unserer Zeit florierte, sondern auch, dass der Barbarenlook, den uns Filme wie CONAN, THE BARBARIAN als „authentisch“ verkaufen wollten, niemals existierte. Schon damals legte man nämlich großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres und wusste in der Mode verschiedenste kulturelle Einflüsse miteinander zu einem einzigartigen Look zu verquicken.  

Die Barabarenqueen von Welt war modebewusst und verfügte über ein angeborenes Talent für Styling und einen untrüglichen Instinkt für die heißesten Styles. Amethea, Estrild (Katt Shea), Taramis und Tiniara (Susana Traverso) sind in jeder Lebenslage perfekt angezogen und verfügen über alle nötigen Basics, um auch beim Übergang von subtropischen in gemäßigte Zonen mit nur wenigen Handgriffen ihr Outfit anzupassen. Kein Wunder, denn ihr Stamm, das sieht man schon auf den ersten, oberflächlichen Blick, scheint zu ahnen, dass Sauberkeit und Ordnung die wichtigsten Tugenden auf dem Weg zur Zivilisation sind. Der Sand, auf dem ihre perfekt lotrecht erbauten Basthütten stehen, ist fein geharkt, appetitlich auf einer Picknickdecke drapierte Früchte laden zu einem Picknick im Sonnenschein ein und sattgrüne Palmwedel schmücken das Haus der zukünftigen Braut, die in der Betonbadewanne (!), die in ihrer kleinen Hütte steht (!!!) noch flugs ein Schaumbad nimmt (!!!), damit sie porentief rein ist, wenn sie ihren Argan in die Arme schließt. Wie viel den Damen Reinlichkeit bedeutet, wird spätestens klar, wenn Ametheas Gesicht von der beschwerlichen Reise verschmutzt ist und Estrild ein geistesgegenwärtig hervorgeholtes Taschentuch mit Speichel befeuchtet, um die Barbarian Queen zu säubern (I’m not making this shit up!). Die Filmwissenschaft ist sich einig, dass dieser Reinlichkeitssinn pathologische Züge trägt, die auf eine tief sitzende Tramatisierung hindeuten: Olivera setzt das in der genannten Taschentuchszene dadurch ins Bild, dass beide Damen an einem Fluss stehen, sich jedoch erst mit ihrer eigenen Spucke säubern, bevor sie sich zum Wasser hinunterbeugen. Ein gespaltenes Verhältnis zu Körperflüssigkeiten haben sie also immerhin nicht, was ihnen noch zugute kommen soll. In der Stadt des bösen Zohar angekommen, verkleiden sich die drei als züchtige Zofen und werden beim Versuch, in des Königs Burg zu gelangen, festgenommen. Amethea landet in der Folterkammer, wo ihr der derangierte Folterknecht mit seiner Erfindung – einem von der Decke hängenden Eisenarm (?) – so lange an den Nippeln herumspielt, bis sie es kaum noch aushalten kann. Beherzt nimmt er sie noch an Ort und Stelle, hat jedoch nicht mit der Schließmuskelkraft der Dame gerechnet, die ihm in einem Akt des Willens erst den Schniepel abklemmt und ihn dann in das bereitstehende Säurebecken schubst.  

Ich habe jetzt ehrlich gesagt vergessen, wie der Film weiter- und ausgeht. Aber solche inhaltlichen Details – so viel sollte nach meiner kleinen Beschreibung klar geworden sein – sind für den Genuss dieses beknackten Films völlig unerheblich. Wer vier wie aus dem Ei gepellten Bimbos dabei zusehen möchte, wie sie als tapfere Kriegerinnen durchzugehen versuchen, ist bei BARBARIAN QUEEN am Ziel seiner feuchten Träume angelangt. Vor allem für Frauen, die die Schnauze voll haben von SEX & THE CITY und sich nach etwas mehr Fantastik sehnen, ohne dabei auf Mode und Styling verzichten zu wollen, ist dieser Film gemacht. Oder für Mädchen, die insgeheim von einer Barbaren-Barbie träumen, die sie nach Herzenslust kämmen, schminken und in die neueste Wildledermode hüllen können, auf dass sie vom Barbaren-Ken hemmungslos durchgeorgelt wird. Beiden Zielgruppen dürfte auch die Spielzeit des Films zusagen: Nach 69 Minuten beginnen die Credits zu rollen, sodass noch genug Zeit für eine ausgedehnte Shoppingtour bleibt, die nach der Vielzahl erhaltener modischer Anregungen auch unerlässlich ist. Oh, ein lustiger Dialog fällt mir noch ein: Estrild hält eine soeben durch Folter verstorbene Rebellin im Arm und weint bitterlich: „I gave her water!“ Amethea (röstend): „You did what you could.“ Das reicht, im Gegensatz zu einem Film wie BARBARIAN QUEEN, nicht immer.