Mit ‘Heidi Hansen’ getaggte Beiträge

kinderarzt_dr_froehlich_2Hannes Fröhlich (Roy Black) ist frischgebackener Arzt und wird von der biestigen Freundin sogleich in einer konservativen Klinik untergebracht. Mit seinen frischen Methoden erobert er zwar das Herz der kleinen Stefanie, erntet vom restlichen Personal aber nur Kritik. Das hier ist nicht der Ort für einen Freigeist! Wie gut, dass Hannes‘ WG-Mitbewohner Hansi (Hansi Kraus), ein angehender Künstler mit der Natur abgerungenem Flaumschnurrbart sich als Arzt ausgegeben und eine Stelle im schönen Österreich erschwindelt hat, die nun Hannes an seiner Stelle antreten kann. Auf dem Weg dorthin liest er die hübsche Eva (Heidi Hansen) auf, die eine Autopanne erlitten hat und im selben Ort wie Hannes als Apothekerin bei Dr. Guido Zwiesel (Georg Thomalla) anfangen soll. Im Schlepptau hat sie außerdem den stets schwachsinnig grienenden Peter, ihren kleinen Neffen, eine Halbwaise, deren Vater sich „irgendwo in Zentralafrika“ befindet. Als Hannes und Heidi gemeinsam an ihrem Ziel ankommen, sorgen beide sogleich für ein Brodeln der Gerüchteküche: Eine unverheiratete Frau mit einem Kind und einem vermeintlichen Liebhaber, das ist nun wirklich zu viel für ein braves Bergdorf.

Doch Hannes ist ein echtes Goldstück, der buchstäbliche Halbgott in Weiß, der überall, wo er auch hingeht, Herzen erobert, Liebe spendet und Frohsinn verbreitet. Die etwas seltsame Bewohnerschar – Dr. Zwiesel ist vollkommen konfus und inkompetent, setzt schon mal seine gesamte Zahnarztpraxis unter Wasser, derweil seine Schwester Thussy (Ermi Mangold) von der Apotheke aus versucht, die Katastrophen im Rahmen zu halten, der KFZ-Mechaniker Mathis (Rainer Basedow) hat ständig Zahnschmerzen, die Boutiquenbesitzerin Sibille (Tanja Gruber) steigt sofort dem jungen Arzt nach, derweil die strenge Praxishelferin Josefa (Ruth Stefan) und Vermieterin Fra Friedenreich (Ilse Hanel) die Einhaltung der Moral überwachen – ist seinem Charme hoffnungslos erlegen. Irgendwann kommt dann noch der geckenhafte Tenor Fritz Pfeiffer (Ralf Wolter) ins Örtchen, um in der Kirche das „Ave Maria“ zu singen, doch beim Anflirten der jungen Heidi holt er sich eine Dusche von Zwiesel und eine Erkältung ab, die einen Spontaneinsatz von Hannes erforderlich macht. Sein Lied verursacht die totale Kernschmelze und hat den Herrgott im Himmel bestimmt stolz gemacht, so es ihn denn gibt. Er rettet, das sollte nicht vergessen werden, auch noch den Tag, als die Kinder im örtlichen Heim erkranken und er herausfindet, dass alles, was sie zur Spontangesundung brauchen, ein wenig Tollerei auf grünen Bergwiesen und eine Exklusiv-Performance von „Schön ist es auf der Welt zu sein“ (ohne Anita) ist.

Aber das ist ja alles noch gar nicht der eigentliche Plot: Der dreht sich nämlich immer noch um die kleine Stefanie, die sich partout von keinem anderen Arzt als dem Hannes behandeln lassen will und sich gegen die Versuche des Krankenhauspersonals ähnlich rabiat zur Wehr setzt wie einst Regan gegen den lieben Gott. Moritz Morris (Eddi Arent) setzt nun alle Hebel in Bewegung, um ihren Lieblingsarzt ausfindig zu machen. Geld spielt keine Rolle, denn Stefanies Papa Max (Heinz Reincke) ist ein Millionendieb, der zwar mittlerweile hinter Gittern schmort, aber jede Menge Kleingeld hat. Schließlich erwirbt er mit seinem Geld ein österreichisches Schloss, in dem Hannes sein eigenes Sanatorium bekommt, wo nun auch Stefanie behandelt werden kann. Nicht allerdings bevor Heidi und Hannes sich das Ja-Wort gegeben haben. Vorher gibt es noch einmal kurz Aufregung, weil das kleine Peterle verschwunden ist. Er hatte eine Unterhaltung belauscht und deren Inhalt missverstanden, war im Glauben, Hannes sei tot, vor lauter Verzweiflung in eine Eishöhle gerannt, wo er aber gerettet werden konnte, bevor etwas Schlimmes passiert war. So ist der einzige Verlierer des Films der zu Hause gebliebene Hansi: Der sitzt in seiner Wohnung auf einem Berg von Stroh (?) und malt Pop-Art-Gemälde, die keiner kaufen will.

KINDERARZT DR. FRÖHLICH kann nicht von Menschen gemacht worden sein. In meiner Vorstellung ist er eine Waffe, produziert von einer der Menschheit feindlich gesonnenen außeriridischen Rasse, um die Invasion vorzubereiten. Der Plan war genial: Weite Teile des Erdballs sollten durch den Film entvölkert, die Menschheit in den Wahnsinn und schließlich in den kollektiven Selbst- und Massenmord getrieben werden, sodass die meiste Gegenwehr schon vor der Ankunft der außeriridischen Streitkräfte gebrochen gewesen wäre. Dummerweise scheiterte der Plan, denn die Außeriridischen hatten sich ausgerechnet das Deutschland der Siebzigerjahre als Missionsziel ausgesucht, nicht ahnend, dass Teufelszeug wie KINDERARZT DR. FRÖHLICH dort dem durchschnittlichen Geisteszustand und also dem Mainstream entsprach, von den Menschen mal eben so zwischen Blutwurstbrot und dem Wort zum Sonntag wegkonsumiert wurde. So verpuffte die Wirkung des tödlichen Werkes ebenso folgenlos, wie ein Tropfen Wassers sich mit einem Zischen in Luft auflöst, wenn er auf einen heißen Stein fällt. Die Menschen wurden durch die gnadenlosen, nicht abreißenden „Humor“-Attacken des Regisseurs „Dr. Kurt Nachmann“ (nee, is klar) keineswegs an den Rand der Zurechnungsfähigkeit und darüber hinweg gebracht, viel eher führte der hier zur Schau gestellte Wahnsinn sie aus dem negativen Bereich auf den normal ausgeglichenen Nullpunkt zu. Wer sich auch durch den millionenfachen Massenmord nicht aus der Lethargie reißen lässt, der braucht schon härteste Kaliber, um überhaupt auf dem normalen Durchschnittslevel anzukommen. Heute, aus der historischen Distanz, kann man sich KINDERARZT DR. FRÖHLICH wieder halbwegs gefahrlos nähern. Dennoch ist er nur gefestigten Charakteren zu empfehlen, sonst ist die Gefahr die von den seelischen Verkarstungen ausgeht, die er auslösen kann, kaum abzuschätzen.