Mit ‘Helmut Fischer’ getaggte Beiträge

ZÄRTLICHE CHAOTEN II, der Film, den sich das deutsche Publikum selbst zuzuschreiben hat, weil es den Vorgänger zum Hit machte. In einem sehr, sehr unerwarteten Anflug von Ambition und Fantasie eröffnet der wieder von Gottschalk gescriptete Film in der Zukunft des Jahres 2043, wo Frank Nordmann (Thomas Gottschalk) von seinem Radio mit Nachrichten über die neueste Schönheitsoperation von Michael Jackson und den 75- Geburtstag von Boris Becker geweckt wird (man ahnt da schon, dass „Ambition und Fantasie“ dann doch nur in mikroskopischen Dosen vorhanden waren), sich dann per Fernbedienung einen Hamburger macht, das Bett zusammenfalten und von einem kegelförmigen Helm die Morgenhygiene besorgen lässt. Mit einem an einen Golfwagen erinnernden Gefährt begibt er sich an die Arbeit im Patentamt, wo ihm und seinem Kollegen Prielmayer (Helmut Fischer) der fiese Chef Dr. Kneitz (Georg Marischka) im Nacken setzt. Die neueste Erfindung eines nervtötenden Dauerkunden (Jochen Busse), eine Zeitmaschine, bringt Nordmann und Prielmayer auf eine Idee: Sie wollen nach Gran Canaria ins Jahr 1988 reisen, wo Kneitz einst gezeugt wurde, und seine Mutter am Beischlaf hindern. Weil die Zeitmaschine aber immer alle Menschen erfasst, die gerade anwesend sind, nehmen sie aus Versehen auch die Reinigungskraft Ronny (Michael Winslow) mit, der zur falschen Zeit den Raum betritt. Auf Gran Canaria angekommen, machen sie eine schöne Brünette (Deborah Shelton) als Kneitz‘ Mama aus, an die sich Nordmann sofort ranschmeißt. Der Plan scheint also voll aufzugehen, doch was die Zeitreisenden nicht wissen, ist dass ihnen eine Verwechslung unterlaufen ist: Am Ende ist ihr Chef ein Schwarzer, der Ronny wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Höhö.

Schon der erste Teil nutzte seine lieblos hingeklöppelte Geschichte nur als fadenscheiniges Alibi für mehr oder weniger zusammenhängende Sketche, die dummerweise selten lustig waren. Im zweiten Teil wird diese „Erfolgs“-Strategie beibehalten, mit dem Unterschied, dass nun auch die Prämisse komplett idiotisch ist. Die Freude über den Größenwahn, der nötig ist, um unter den gegebenen Vorzeichen tatsächlich eine Science-Fiction-Komödie zu machen, weicht schnell der Ernüchterung, wenn man merkt, dass andere Dinge wichtiger waren als wenigstens ein Hauch von visionärer Vorstellungsgabe. So beginnt der übliche haarsträubende, geisttötende Mumpitz bereits nach nur kurzer Exposition just in dem Moment, in dem die Protagonisten auf der Urlaubsinsel gelandet sind. Das Bedürfnis, sich der Epoche entsprechend zu kleiden, mündet in eine ausgedehnte Modenschau mit zum Erbrechen absurder Sommerkleidung, in der sich offenkundig nur Gottschalk wohlfühlte. Der Mann kann bekanntlich alles tragen und tut das ja auch. So läuft er dann während des restlichen Films rum wie ein gescheiterter Rhönradturner, der von der demenzkranken Mutter eingekleidet wird. Der Gipfel der Dreistigkeit ist, dass wir glauben sollen, er könne so tatsächlich die ziemlich leckere Deborah Shelton abgreifen, die ein paar Jahre zuvor noch in De Palmas BODY DOUBLE mitgewirkt hatte. Zu sehen, wie die selbstverliebte Supernase ihre in den Bikini gehüllten Gardemaße befingert, ist genug, um einem die Zornesröte ins Gesicht zu treiben. Ich bin mir sicher, dass bei Gottschalks hier zum Ausdruck kommenden Omnipotenzwahn noch nicht einmal Koks im Spiel war, was ihn noch unerträglicher macht, als er ohnehin schon ist. Und es ist bezeichnend, dass die US-Schauspielerin, sicherlich nicht die Größte ihres Fachs und wohl vor allem wegen ihres Aussehens bekannt geworden, ihre drei männlichen Kollegen in punkto Charme und Natürlichkeit nicht nur an, sondern gleich durch die Wand spielt. Die beste Szene des Films hat dann auch sie, gemeinsam mit einem gewohnt selbstironischen David Hasselhoff, was mir als Hauptdarsteller und Drehbuchautor zu denken gäbe. Winslow und Fischer machen sich auffallend rar und man möchte sie dazu beglückwünschen. Harald Leipnitz, dessen Urteilskraft ihn hier nach dem Vorgänger zum zweiten Mal im Stich ließ, hat dafür mein vollstes Mitleid, anders als die knapp eine Million verlorener Seelen, die sich vom Grauen des ersten Teils nicht hatten abschrecken lassen und auch für diese filmische Prostatauntersuchung ihre Karte an der Kinokasse lösten. Andererseits: Ich habe mir die DVD ja auch gekauft, ich dummes Schwein.

 

zaertliche_chaoten_dEine „romantische Komödie“, geschrieben von Thomas Gottschalk, das ist tatsächlich so krank und pervers, wie es sich anhört. Ricky (Thomas Gottschalk), Walker (Michael Winslow) und Schmidgruber (Helmut Fischer) fliegen vom Set des neuen Winnetou-Films – Hauptdarsteller: Pierre Brice, Regie: Harald Leipnitz –, wo sie als Old Shatterhand, Soundmann und Caterer versagt haben. Auf der Heimfahrt begegnen sie der Blondine Rosi (Dey Young), die völlig hilflos neben ihrem liegengebliebenen 2CV steht. Die drei sind sofort hin- und weggerissen von der dümmlich-netten Dame und machen ihr fortan den Hof, betrachten das gleichzeitige Buhlen als eine Art Wettbewerb, den sie vor ihr noch nicht einmal verheimlichen. Rosi schaltet mitnichten die Polizei ein, um sich die drei Stalker vom Leib zu halten, sondern findet ihr Verhalten offensichtlich ganz normal und sogar „süß“. Nach einer gemeinsam durchsoffenen Nacht, bei der die Freunde eine Art „Nichtangriffspakt“ abschließen, heuern sie im Schlosshotel am Wörthersee an, wo sie bald eine Nachricht von ihrer Holden bekommen: Sie ist schwanger und hat keine Ahnung, wer der Vater ist. Die Drei entscheiden, Rosi bis zur Entbindung gemeinsam zu unterstützen, dann soll der Schuldige für den „Vertragsbruch“ von den beiden anderen verdroschen werden. Doch bis dahin sind noch viele Hürden zu nehmen, weil unqualifizierte Vollhonks auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade gefragt sind …

ZÄRTLICHE CHAOTEN ist, wie oben erwähnt, der (gleichermaßen spektakulär wie kläglich gescheiterte) Versuch einer leichten romantischen Komödie, der deutlich von dem französischen 85er-Erfolgsfilm TRES HOMMES ET UN COUFFIN inspiriert ist (dessen US-Remake THREE MAN AND A BABY im selben Jahr wie ZÄRTLICHE CHAOTEN in die deutschen Kinos kam). Dem traditionellen Rollenverständnis und dem Schmelz dieses Genres setzen Gottschalks analphabetisches Drehbuch und Gottliebs mechanistische Regie aber ein geradezu soziopathisches Liebesverständnis und puren Autismus entgegen, der die Sexfilme eines Jürgen Enz wie aufrichtige Sozialdokumentationen erscheinen lässt. Wie die drei Hauptfiguren vom Fleck weg ihr Herz an diese durch und durch langweilige Person verschenken, dann miteinander in einen offenen Wettbewerb um sie treten, bei dem die Auserwählte, überglücklich über die Zuneigung dreier verhaltensgestörter Komplettversager, auch noch mitspielt, ist schon befremdlich genug, aber die typischen LISA-Film-Beigaben setzen dem ganzen noch die Kotkrone auf. Mit dem „Umzug“ ins bekannte Schlosshotel beginnen die episodischen Zoten mit ihrem berückend simplizistischen Humor, den popkulturellen Referenzen – der damalige Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff ist Teil einer besonders blöden Slapstick-Nummer – und den wahllos hineingeworfenen Gimmicks. Der beste Wortwitz ist Gottschalks Kommentar zu einem alten Paar Turnschuhe, das er im neuen Quartier der Freunde findet: „Turnschuhe gebraucht, Marke: Gorgonzola“. Aber was will man auch von einem Film erwarten, der ein One-Trick-Pony wie Michael Winslow zu seinem „Star“ macht? Der Amerikaner hatte seine Masche 1987 bereits in vier POLICE ACADEMY-Filmen ausgereizt und darüber hinaus nicht viel zu bieten. Neben einem Antischauspieler wie Gottschalk sieht er freilich immer noch wie die schwarze Reinkarnation Robert DeNiros aus, aber das Lustigste an ZÄRTLICHE CHAOTEN ist eigentlich der indignierte Gesichtsausdruck von Helmut Fischer, der mit zunehmender Resignation vergeblich versucht, seine Würde zu bewahren.

Die finale Pointe schlägt dem Fass dann endgültig den Boden aus: Es stellt sich heraus, dass die brave Rosi in jener alkoholberauschten Nacht mit ihren drei Verehrern nicht etwa nur von einem, sondern gleich von allen dreien begattet wurde. Mit viel Goodwill könnte man das ja als Ja zu einem nicht-traditionellen Familienbild und zur polygamen Beziehung werten, aber damit täte man diesem Film, bei dem Harry Nilssons anästhesiertes Liebesbekenntnis „Without you“ in Dauerschleife rotiert, entschieden zu viel des Guten. Man weiß nicht, ob die Masterminds hinter dem Film schier zu blöd waren, um die eindeutige Implikation hinter ihrem genialen Plottwist zu bemerken, oder ob nicht doch eher Gottschalks eigenes höchst konservatives Rollenbild dahintersteckt: Für die Dreifach-Befruchtung einer betrunkenen Frau durch drei verschiedene (miteinander befreundete) Männer in einer Nacht hätten Rechtsanwälte sicherlich einen passenden strafrechtlich relevanten Begriff parat, der ironischerweise auch beschreibt, was ZÄRTLICHE CHAOTEN mit dem Zuschauer anstellt. Kein Wunder, dass das Offensichtliche nicht ausgesprochen wird, denn in Rosis dumpfer Dankbarkeit, Empfänger eines lupenreinen Gangbangs geworden zu sein, spiegelt sich ja auch die schafherdengleiche Blödheit des deutschen Publikums, das in Scharen ins Kino rannte und dafür sogar mit einer Fortsetzung belohnt wurde. ZÄRTLICHE CHAOTEN ist so vollkommen idiotisch und bescheuert, dass man ihn sich als Bewohner dieses Landes wenigstens einmal angesehen haben muss. Empfindsame Seelen sollten jedoch Abstand von der Sichtung nehmen oder sich dafür wenigstens qualifizierten Beistand suchen.