Mit ‘Helmut Lohner’ getaggte Beiträge

Im Spessart gehen die Räuber um und Bürger, die den Wald durchreisen müssen, schlottern vor Angst. Die Kutsche des Barons Sperling (Günter Lüders), der mit seiner zukünftige Gattin, der Comtessa Franziska von Sandau (Lieselotte Pulver), unterwegs ist, gerät in einer Falle der Weggelager, was die Reisegesellschaft zur Einkehr in ein einsames Wirtshaus zwingt, wo sie schon von den Räubern erwartet werden: Die wollen die Comtessa entführen und ein saftiges Lösegeld von ihrem Vater, Graf Sandau (Herbert Hübner), erpressen. Der ebenfall im Wirtshaus wohnende Jüngling Felix (Helmut Lohner) springt ein, verkleidet sich als Comtessa und ermöglicht Franziska so die Flucht. Weil ihr Vater ihr die Auszahlung des Lösegelds aber verweigert, kehrt die burschikose junge Frau in Männerkleidung zurück und dient sich dem Räuberhautmann (Carlos Thompson) als Bandenmitglied an …

Kurt Hoffmanns Verfilmung eines Stoffes von Wilhelm Hauff ist ein Klassiker des deutschen Unterhaltungsfilms, der zwar alle Charakteristika zeigt, die man ihm auch ohne erweiterte Kenntnisse zuschreiben würde, aber auch gute 60 Jahre nach seiner Entstehung immer noch ein zauberhaftes Stück Kino – vorausgesetzt, man hat in seinem Herzen einen Platz für solch gänzlich unsubversiven, massentauglichen Eskapismus reserviert. Der farbenfrohen Umsetzung Hoffmanns, dem spritzigen Spiel der Darsteller, den tollen Settings und dem herrlich knarzigen Sujet konnte ich mich gestern nur schwer entziehen; auch wenn es für meinen Geschmack noch mehr Räuber und weniger romantisch-keimfreies Liebesgesäusel zwischen Franziska und dem braven Räuberhauptmann hätte geben dürfen. DAS WIRTSHAUS IM SPESSART läuft nach seinem stimmungsvoll-räuberpistoligen Anfang im dunklen, Tann und dem kellerartigen Wirtshaus, in dem dicken Runken Brot, Wurst und Wein in Zinnkrügen kredenzt werden, auf den Klassiker des deutschen Lustspiels hinaus: die Verwechslung von Männern und Frauen. Die Glaubwürdigkeit des Ganzen sollte man besser nicht zu streng hinterfragen: Wie ein zartes Geschöpf wie Lieselotte Pulver da von einem guten Dutzend schmutzdurchwirkter Räuber für einen Mann gehalten werden kann, bleibt ein Rätsel, das dem Vergnügen allerdings keinen Abbruch tut. Mehr, als sich bloß auf die Tatsache zu verlassen, dass Männer in Frauen- und Frauen in Männerkleidung der Gipfel der Witzischkeit sind, etabliert das Drehbuch nämlich einen immensen Drive durch gelungenen Sprach- und Wortwitz, erfindet zudem gerade aufseiten der vermeintlich Guten herrlich blasierte Karikaturen des Großbürgertums. Den Vogel schießt beinahe erwartungsgemäß Hubert von Meyerinck als Polizeimajor ab, der jeden seiner gebellten Befehle mit einem „zackzack!“ zu schließen pflegt, aber die anderen Figuren müssen nicht weit zurückstehen. Sehr schön etwa, wie dem Grafen Sandau passend zum tragischen Verlust seines schönen Geldes „Schwarzwurzeln mit trüber Soße“ angeboten werden.

Aber auch die eher aktionsbetonten Elemente stimmen: Vom Treiben im Räuberlager hätte ich, wie gesagt, gern mehr gesehen. DAS WIRTSHAUS IM SPESSART haut in der Zeichnung der Halunken in eine ganz ähnliche Kerbe wie „Robin Hood“, lässt sie gegenüber den geldgeilen Fatzkes aus der Oberschicht als ehrliche Träumer erscheinen, die vom Glück eben nicht begünstigt wurden. Das kulminiert in der Figur des Räuberhauptmanns, der nur durch einen dummen Zufall an seinen Posten kam und eigentlich selbst aus gutem Hause stammt, was dann auch die letzten Hindernisse auf dem Weg in Franziskas Herz beiseite räumt. Tja und wenn das alles noch nicht reicht, dann darf man sich über die Besetzung freuen, die neben den schon Genannten auch noch Hans Clarin, Ralf Wolter, Rudolf Vogel und Wolfgang Neuss auffährt. Perfekt für den Sonntagnachmittag.