Mit ‘Henry Winkler’ getaggte Beiträge

Scott Voss (Kevin James) geht seinem Beruf als Biologielehrer nur noch mit äußerst gemäßigtem Einsatz nach. Das ändert sich, als er erfährt, dass der liebenswerte Musiklehrer Marty Streb (Henry Winkler) kurz vor dem Aus steht, weil die Schule Geld einsparen muss. Weil er insgeheim weiß, dass Marty einer der wenigen Lehrer ist, die ihren Job verdient haben, nimmt er sich vor, das Geld aufzubringen, um seinen Job zu retten. Dummerweise fällt ihm dafür keine bessere Lösung ein, als sich als MMA-Kämpfer zu verdingen. Mithilfe des ehemaligen Fighters Niko (Bas Rutten) wirft sich Scott in den Ring – und hat nach einigen Schwierigkeiten tatsächlich Erfolg …

Der unsportliche Normalo, der sich einer anscheinend selbstmörderischen und unlösbaren körperlichen Aufgabe stellt: eine beliebte Komödienformel, die etwa Will Ferrell meisterlich anzuwenden verstand. Auch Kevin James verdankt seinen Ruf der sympathischen Interpretation des treudoofen Durschnittstypen mit gelegentlichen delusions of grandeur und ist somit eigentlich prädestiniert dafür, zur Freude des Publikums von gefährlichen Kampfgiganten verdroschen zu werden. Leider mag sich HERE COMES THE BOOM aber nicht damit begnügen, die Schadenfreude seiner Zuschauer zu bedienen und seine Prämisse bis auf den letzten Tropfen zu melken. Klar, es gibt ein paar dankbare Gags, die Coraci – einer von Adam Sandlers Stammregisseuren – gern mitnimmt, aber viel lieber möchte er ein warmherziges Drama abliefern, das wieder einmal erzählt,  das man alles schaffen kann, wenn man nur will, dass es wichtig ist, Ideale zu haben und seinen Träumen zu folgen, anstatt immer nur realistisch zu sein. Über die neue Herausforderung wird Scott zu einem besseren, motivierteren und natürlich auch bei den Kids beliebteren Lehrer, er hilft dem nerdigen Philippino-Mädchen, das von seinem Papa gezwungen wird, die Musik aufzugeben, um ihm in seinem Restaurant zu helfen, er kriegt die heiße Schulkrankenschwester Bella Flores (Salma Hayek) und gewinnt am Ende natürlich gegen jede Chance einen Profikampf in Las Vegas, während die ganze Schule ihm von der Tribüne aus zujubelt. Was eine herrlich blöde kleine Komödie für die intellektuelle Unterschicht hätte sein können, wird unversehens zu einem ausgesprochen aufgeblasenen und unangenehmen aufdringlichen Vehikel, das sich viel zu ernst nimmt, dafür, dass es lediglich Altbekanntes wiederkäut, reichlich verlogene Augenwischerei betreibt und Meisterschaft lediglich im Knöpfchendrücken erlangt. Leid tut es mir vor allem um Bas Rutten, der hier wirklich toll ist als liebenswerter, kantiger Immigrant. Wann immer er die Szene betritt, erlangt der Film die Lockerheit, die man sonst weitestgehend vermisst.

Bobby Bouchet (Adam Sandler) ist ein sympathischer Einfaltspinsel. 31 Jahre alt, lebt er immer noch mitten in den Bayous bei seiner überfürsorglichen Mama (Kathy Bates), die alle ihrer Meinung nach schädlichen Einflüsse von ihm fernhält und so sein Erwachsenwerden verhindert. Mit großer Akribie und Zufriedenheit widmet sich Bobby seinem „Beruf“ als Wasserträger beim örtlichen Footballteam, wo er geduldig die Schmähungen der Sportler erträgt, für die er nur ein Dummkopf ist. Als er bei den seit Jahren sieglosen „Mud Dogs“ landet, wendet sich das Blatt für Bobby jedoch unerwartet. Der verzweifelte Trainer (Henry Winkler) entdeckt nämlich ein bislang verborgen gebliebenes Talent Bobbys: Wenn er provoziert wird, legt er die Zielstrebigkeit und Durschlagskraft einer Zielsuchrakete an den Tag. So wird er vom Wasserträger zur unersetzlichen Waffe der Mud Dogs, die mit ihm von Sieg zu Sieg eilen. Seine neue Popularität ist jedoch nicht nur Bobbys Mama, sondern auch den Gegnern ein Dorn im Auge …

THE WATERBOY war in den USA ein veritabler Hit und wurde von mir und meinem guten Freund Rolf damals überaus neugierig in den Videorekorder geworfen, als er in einer örtlichen Videothek frühzeitig als NTSC-Tape zur Verfügung stand. So hatten wir das damals in Ermangelung an O-Ton-Spuren noch nicht ganz so selbstverständliche Glück, den Film nicht in der grausamen deutschen Synchro ertragen zu müssen. Diese quälte Zuschauer des Filmes nämlich mit der Geschmacklosigkeit, „Richie“, den damals populären Prolotürken-Charakter des heute mit zahlreichen Fußballprominenz-Imitationen nervenden „Komikers“ Matze Knop, als Sprecher für Adam Sandlers idiot savant aufzubieten. (Ein absolut verachtenswerter Brauch übrigens, dessen wahrscheinlich hinrverbranntester Auswuchs die Erkan&Stefan-Synchro der spanischen CLEVER & SMART-Verfilmung ist: Der deutsche Zuschauer darf sich nun darüber wundern, warum zwei spanische Geheimagenten die ganze Zeit irgendwelche idiotischen Dönersprüche reißen. So kann man einen Film auch kaputtbearbeiten.) Gefallen hat mir THE WATERBOY damals trotzdem nicht: Zu albern und infantil erschien mir sein Humor damals, Sandlers Spiel als zu ausgestellt, zu wenig „naturalistisch“, zu grimassierend und clownesk. Die erneute Sichtung gut 15 Jahre später zeigt, dass das keineswegs ein Unfall war, sondern vielmehr Programm ist. THE WATERBOY ist ein modernes Märchen, in dem alles etwas größer und bunter ist, aber die im Märchen greifenden Mechanismen in das moderne Alltagsamerika überführt werden. Bobby lebt wie in einer kleinen Privatseifenblase, es ist, als schritte er durch den Spiegel, wenn er das anachronistische Holzhäuschen seiner Mama verlässt, um seinen Arbeitstag anzutreten.  Zuhause ist alles gut: Der Esel steht friedlich im Wohnzimmer, Mama tischt leckere hausgemachte Sumpfdelikatessen wie Schlange oder Baby-Alligator auf und bürstet ihrem Sohnemann die Haare, bevor der im Kinderpyjama zu Wrestlingübertragungen mit seinem Held „Captain Insano“ einschläft. Draußen fängt dann der Spießrutenlauf an: Schon während der Fahrt auf seinem kleinen Traktor muss sich Bobby anpöbeln lassen und diese Beleidigungsarie zieht sich durch seinen ganzen Alltag. Sandlers Amerika ist hier eher unfreundlich: Seine Bewohner sind schnell bereit, ihren niedersten Instinkten zu gehorchen, es regiert das Gesetz des Stärkeren und es nimmt nur wenig Rücksicht auf jene, die nicht zu den Schönen und Erfolgreichen gehören. THE WATERBOY erzählt zwar die eigentlich altbekannte uramerikanische Erfolgsgeschichte, gibt sich dabei jedoch keinen großen Illusionen hin. Pathos sucht man vergebens: Dass der tumbe Bobby zum Star wird, ist im System nicht vorgesehen, und was ihn letztlich dazu befähigt, sind Jahrzehnte der Demütigung und des aufgestauten Zorns.

Wie die meisten Filme Sandlers ist auch THE WATERBOY kein Gag-Dauerfeuerwerk, sondern vor allem etwa fürs Herz. Der Zuschauer wird nicht dazu eingeladen, sich über den Dummkopf kaputtzulachen, sondern mit ihm zu fühlen. Seine vermeintliche Dummheit ist nämlich gar kein Makel, sie ist letztlich Zeichen seiner Offenheit und Verwundbarkeit, die ihn in seiner gleichgeschalteten Welt zu etwas Besonderem macht. Es überspannt den Bogen tatsächlich nur unwesentlich, zu behaupten, THE WATERBOY sei ein Film gegen den Ökonomiewahn der sogenannten Leistungsgesellschaft. Talent, Engagement, Einsatzwille und Durchsetzungsvermögen sind nicht immer da zu finden, wo man sie am ehesten vermutet.