Mit ‘Hip-Hop’ getaggte Beiträge

LascarsDie beiden Banlieue-Bewohner Tony Merguez (Vincent Cassel) und Joe (Izm) wollen eigentlich in den Urlaub nach Santo Rico. Irrtümlich habe sie jedoch das falsche Ticket gelöst und stehen so vor dem Problem, ihren Traumurlaub neu finanzieren zu müssen. Lösung naht: Joe verpflichtet sich, beim Richter Santiepi eine Sauna einzubauen – nicht zuletzt, weil er mit dessen Tochter Clémence (Diane Kruger) anbändeln möchte –, Tony nimmt dem brutalen Dealer Zoran (Gilles lelouche) fünf Kilo Haschisch ab, das er verkaufen will. Natürlich gibt es reihenweise Schwierigkeiten: Joe zerstört das halbe Haus des Richters und Tony verliert das Dope, hat somit bald Zoran im Nacken und muss sich zudem mit seiner Freundin herumschlagen, die sich als Polizistin entpuppt …

LASCARS ist ein Animationsfilm, der von seiner Mischung aus expressiv gezeichneten Figuren und im 3D-Verfahren animierten Hintergründen lebt, von den dank der ausgezeichneten Sprecher sehr lebendig und authentisch rüberkommenden Figuren und den skurrilen und witzigen Situationen, in die er seine Charaktere treibt. Der fett pumpende Hip-Hop-Soundtrack tut sein übriges und so bietet LASCARS witzige Unterhaltung, die sich vom US-Animatiosneinerlei wohltuend abhebt und lediglich einige kleine Durchhänger aufzuwesien hat.

Ashtray (Shawn Williams) wird von seiner Mutter zu seinem Vater nach South Central geschickt, weil sein dort lebender Vater ihm beibringen soll, ein Mann zu werden. Das Leben in der „Hood“ bietet aber viele Sackgassen und falsche Abzweigungen auf diesem Weg, vor allem, weil Ashtrays bester Freund Loc Dog (Marlon Wayans) ein Gangbanger ist, wie er im Buche steht …

Die Wayans-Brüder liefern mit DON’T BE A MENACE eine Parodie im Stile der ZAZ-Komödien ab, die sich inhaltlich vor allem an BOYZ N THE HOOD und MENACE II SOCIETY orientiert. Wie auch in den ähnlich gelagerten Wayans-Werken – die Blaxploitation-Verarsche I’M GONNA GET YOU SUCKA! und die SCARY-MOVIE-Filme sind zu nennen – schwankt die Qualität der Pointen erheblich zwischen geschickter, cleverer Parodie und plumpem Klamauk. Die surreale Qualität eines AIRPLANE! erreichen die Wayans-Brüder eigentlich nie, ihre Filme bleiben stets den engen Grenzen des Debilhumors verpflichtet. Im vorliegenden Fall stellt sich zudem das Problem, dass das parodierte Genre schon vorher durch Klischees und Überzeichnungen geprägt war, dem durch die Hebung auf eine Metaebene nur wenig Neues hinzugefügt wird. Dennoch stellt DON’T BE A MENACE wie m. E. der zu Unrecht verpönte SCARY MOVIE einen der gelungeneren Vertreter eines eh problematischen Subgenres dar. Viele der Gags zünden einfach: Die an BOYZ N THE HOOD angelehnte einleitende Erklärung, dass jeder zehnte schwarze Jugendliche in seinem Leben mindestens einen „Growing-up-in-the-Hood“-Film durchsitzen müsse und jeder fünfte davon noch im Kino erschossen würde, legt die Messlatte für Späteres schon recht hoch, weitere Volltreffer beinhalten den Vater, der jünger ist als sein Sohn, die Erklärung des love interests Dashiki, ihr Name sei „suaheli for ‚doggystyle'“, oder der frisch aus der Haft entlassene Toothpick, der seine Knastgewohnheiten nicht ablegen kann und weiterhin alles mit Zigaretten bezahlen will. Leider gibt es auch allzu vordergründige Zoten (die breakdancende Oma) und vor allem das krasse Overacting von Marlon Wayans benötigt mehrere Sichtungen, bis man es witzig finden kann. Viele neue Erkenntnisse ringen die Wayans-Brüder dem Hood-Film nicht ab. Die wichtigste – das Ghetto ist nicht (nur) der Ort als der er im Film gezeichnet wird – hatte man vielleicht schon vorher, die andere – man solle den Klischees ruhig mit dem ihnen zukommenden Humor begegnen – ist aber auch schon nicht verkehrt in der Rezeption eines Filmgenres (und eines gesellschaftlichen Problems), die zwischen den Paradigmen „rassistische Ressentiments“ und „übertriebene Political Correctness“ neutralisiert zu sein scheint.

murda muzik (lawrence page, usa 2004)

Veröffentlicht: August 20, 2008 in Film
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Fresh (Big Noyd) lebt in den Queensbridge Housing Projects, wo es wenig Hoffnung auf ein besseres Leben gibt. Mit Drogengeschäften hofft er, sich den Ausweg zu erkaufen, doch der Konflikt mit rivalisierenden Banden fordert immer wieder Tote. Als Fresh von seinen Kumpels Havoc und P (= Mobb Deep) die Chance erhält, auf einer ihrer Platten zu rappen, will Fresh aus dem Drogenverkauf aussteigen …

Direct-to-DVD-Hip-Hop-Filme haben einen einzigen Zweck: Sie fungieren als Promotion für die Platten ihrer Protagonisten und als deren Selbstdarstellungsplattform – was in einem traditionell sehr visuell geprägten Genre wie Hip-Hop nicht unwichtig ist. Diese Filme mit normalen filmischen Maßstäben zu messen, scheint von daher sinnlos und vor allem unfair. Formal ist MURDA MUZIK nämlich eine Zumutung: Dramaturgie, Schauspielerleistung, Bildkomposition und Ton sind allesamt unterdurchschnittlich bis miserabel und lediglich Alibi für den Soundtrack. Im Gegensatz zum ungleich peinlicheren, unfreiwillig komischen KILLA SEASON von Cam`Ron ist MURDA MUZIK aber kein Versager auf ganzer Linie, was zum einen an der marginal besseren technischen Umsetzung liegt, vor allem aber daran, dass man nicht den Eindruck hat, Zeuge der Ghettofantasien eines 14-jährigen weißen Vorstadtkindes zu sein, was einen halbwegs unironischen Zugang ermöglicht. Klar, gemessen an den Vorbildern ist MURDA MUZIK ein Offenbarungseid. Der Versuch, sich mittels eines Voice-Overs in der ideellen Nähe eines Scorsese zu platzieren, muss scheitern, vor allem, wenn jegliche echte Reflexion über das Gezeigte ausbleibt und lediglich als Plotkatalysator fungiert. Dennoch: Die Bilder aus den Housing Projects schaffen einen Eindruck vom Alltag in einem US-amerikanischen Ghetto, wie auch der Rest des Films – gerade wegen seiner Verfehlungen – relativ „authentisch“ wirkt. Mit am interessantesten sind dann auch die Szenen, in denen man die Kamera einfach mal mitlaufen ließ: Mobb Deeps Grillparty, Big Noyd im Studio, P bei einem Videoshooting. Was diese Szenen spannend macht, ist jedoch weniger die Erfüllung eines rein voyeuristischen Fanboy-Bedürfnisses, sondern der Kontrast, der zwischen den vom Film und den Lyrics evozierten Bildern entsteht. Wenn P als Voice-over-Kommentator in gewohnter Rapper-Diktion über eine Party spricht („shit was wild“) und man dazu die unspektakulär-harmlosen Bilder von Männern in einer Bar sieht, vermag das doch einige misconceptions über das ach so glamouröse Leben eines Rappers aufzulösen, das nicht zuletzt von Videoclips suggeriert wird. Diese Authentizität (die von mir natürlich auch nur vermutet, aber nicht bewiesen werden kann) macht aus MURDA MUZIK dann auch so etwas wie das afroamerikanische Pendant zu Doku-Soaps á la DIE FUSSBROICHS: Wenn man den in ihrem restringierten Code parlierenden Protagonisten so zuhört, erkennt man aber relativ schnell, das Realitätsnähe im Film nur bedingt wünschenswert ist, meist vor allem Fremdscham hervorruft. Als Fan der Musik ein ernüchterndes Erlebnis, aber deswegen nicht minder faszinierend. Neben den genannten Mobb Deep und Big Noyd sind außerdem Nas und Cormega in winzigen Rollen zu sehen.

boyz n the hood (john singleton, usa 1991)

Veröffentlicht: August 11, 2008 in Film
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South Central L. A. in den frühen Neunzigern: Auf den Straßen tobt das Verbrechen, dem vor allem die männlichen schwarzen Jugendlichen zum Opfer fallen. In diesem Chaos lebt Tre (Cuba Gooding jr.) bei seinem Vater Furious (Laurence Fishburne), der versucht, seinem Sohn Werte und Verantwortung beizubringen. Mit Erfolg – bis Tres bester Freund Ricky (Morris Chestnut) erschossen wird. Nun bringt ihn die Freundschaft zu Rickys kriminellem Bruder Doughboy (ice Cube) in Gefahr …

In einer Zeit, in der die Rassenproblematik in den USA auf einen neuen, späten Höhepunkt zusteuerte – die L. A. Riots im darauffolgenden Jahr -, traf der gerade 23-jährige Regisseur John Singleton mit seinem aufrüttelnden Blick auf die US-amerikanische Ghettowirklichkeit genau ins Schwarze – und löste heftige Tumulte in den Kinos aus. Tatsächlich ist sein Film von einem gerechten Zorn erfüllt, der von dem treffend benannten Furious Styles verkörpert wird, der Tre und Ricky im Stile eines schwarzen Bürgerrechtlers über die Zustände in den Ghettos aufklärt, ihnen Fakten und Perspektiven bietet. Der geniale Schachzug von Singleton ist jedoch ohne jeden Zweifel die Besetzung des jungen Doughboy mit Ice Cube, der als populärster Rapper dieser Zeit als wichtiges und lautes Sprachrohr der unterprivilegierten Jugend fungierte und hier den Grundstein seiner heute erfolgreichen Karriere als Schauspieler und Produzent legte. Er bringt Authentizität, Autorität und – das ist mir erst jetzt, bei der xten Sichtung in 16 Jahren aufgefallen – eine ebenso verstörende wie mitleiderregende Mischung aus kaltblütigem Killer und traurigem Kind mit, die der zentralen Frage des Films nur zugute kommt: Was ist das für ein Land, das seiner Zukunft beim gegenseitigen Abschlachten zusieht?  Was N.W.A. im selben Jahr auf ihrem kongenialen Album „Efil4zaggin“ mit brachialer Ehrlichkeit zum Ausdruck brachten, nämlich, dass eine ganze Generation vor lauter Langeweile, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit zu brutalen Mördern degeneriert, das „übersetzt“ Singleton gewissermaßen für die breite Masse und liefert damit einen Film ab, der sich auf dem Papier liest wie eine müde Sozialpädagogikstunde. Ein Schicksal, vor dem ihn allerdings die famos aufgelegten Schauspieler retten, die ihren folienhaften Charakteren ein Höchstmaß an Leben einflößen. Das macht BOYZ N THE HOOD auch heute, in einer Zeit, in der er nicht mehr die Aktualität besitzen mag, die er damals hatte (um das genau zu beurteilen, müsste man allerdings die Verbrechensstatistiken der USA studieren), zu einem immens packenden, erschütternden und bewegenden Film, der in seiner Humanität einfordernden Haltung absolut unmissverständlich und kompromisslos bleibt.

beat street (stan lathan, usa 1984)

Veröffentlicht: August 7, 2008 in Film
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Kenny (Guy Davis) lebt in der Bronx und träumt von einer Karriere als DJ. Sein Freund Ramon (Jon Chardiet) und sein jüngerer Bruder Lee (Robert Kirkland) sind als Sprayer und B-Boy ebenfalls voll in die aufkeimende Hip-Hop-Kultur involviert. Bei einer Party lernen sie Tracy (Rae Dawn Chong) kennen, die als Komponist und Choreograf am New Yorker College unterrichtet. Sie ist von Lees und Kennys Fähigkeiten sofort begeistert und will ihnen die Gelegenheit geben, sich zu präsentieren …

BEAT STREET wurde u. a. von Harry Belafonte produziert und stellt den wohl „saubersten“ Beitrag zur Mitte der Achtziger entstandenen Reihe von Hip-Hop-Filmen dar. Bezog WILD STYLE seinen Reiz aus seiner Authentizität, trumpften KRUSH GROOVE mit Prominenz auf und die Cannon mit ihrer typischen Mischung aus Trash und Glamour, so setzt Regisseur Stan Lathan auf dramaturgische und inszenatorische Ausgewogenheit, die sich aber letztlich in klischierten Handlungsverläufen und Personenkonstellationen niederschlägt. Tanz- und Musikeinlagen wechseln sich so mit vorhersehbaren Handlungs- und Dialogpassagen ab, die von den Schauspielern aber dennoch glaubwürdig umgesetzt werden. Der größte Verdienst des Films ist wahrscheinlich aber, dass er mit dem MCing, DJing, B-Boying und der Graffiti-Kunst alle Aspekte der Hip-Hop-Kultur würdigt und die Bedeutung der noch jungen Kultur für das Leben der Jugendlichen in den ärmeren Stadtteilen New Yorks herausstreicht. BEAT STREET zeigt wie WILD STYLE eine Bronx, die eher an einen Kriegsschauplatz denn an einen Ort, an dem Menschen leben, erinnert und in der die „Burners“ von Ramon, seine gigantischen Murals auf Mauern und Zügen, ihrem Schöpfer wie auch den Betrachtern die einzige Möglichkeit zur Flucht bieten. BEAT STREET nimmt die Bedürfnisse und Ängste seiner Protagonisten ernst und zeigt die Kreativität als wichtiges Mittel zur Selbstfindung, kann das bürgerliche Korsett aber dennoch nie ganz ablegen. Der Sprayer Ramon muss am Ende, als seine Jagd nach dem weißen Zug (das Bild ist ebenso schön wie plump) endlich vom Erfolg gekrönt wurde, im Zweikampf mit einem verfeindeten Sprayer einen unsanften Tod finden, das große Abschlusskonzert, mit dem sich Kenny um einen Plattenvertrag bewirbt, artet in eine große Frieden, Freiheit, Einigkeit predigende Veranstaltung aus, die Dank der vielen Gäste – u. a. Grandmaster Melle Mel & The Furious Five – an das ein Jahr später folgende We-are-the-World-Benefiz-Grauen erinnert und die vorhergegangenen 90 Minuten geschickt unterminiert. Es ist vielleicht ungerecht, aber man kann die Botschaft von BEAT STREET auch so verstehen: Wenn der Schrei der rappenden, sprayenden, breakdancenden Jugend erhört und ihre Bedürfnisse erfüllt werden, dann wird sich auch Hip-Hop als kurzlebiger fad entpuppen und wir haben alle wieder unsere Ruhe. Trotz dieser Kritikpunkte bietet BEAT STREET Kurzweil und Nostalgie und ist für Hip-Hop-Historiker aufgrund von Auftritten des genannten Melle Mel, Afrika Bambaataa, Kool Herc, Doug E. Fresh, den Treacherous Three sowie diversen Breakdance-Crews unverzichtbar.

krush groove (michael schultz, usa 1985)

Veröffentlicht: August 4, 2008 in Film
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Russell (Blair Underwood) ist der Manager von Run-DMC, bei denen auch sein Bruder Run (himself) mitwirkt. Gleichzeitig betreibt er das kleine Label Krush Groove, dessen Platten dank des neuen Hits von Run-DMC plötzlich reißenden Absatz finden und so das Interesse zahlreicher großer Plattenfirmen weckt. Eine große Popkarriere scheint greifbar, aber dnn gibt es Streit zwischen den Brüdern …

KRUSH GROOVE paraphrasiert die Erfolgsgeschichte von Russell Simmons, der mit der Hilfe seines Freundes Rick Rubin (der wie der echte Simmons auch selbst mitspielt) Def Jam, das erfolgreichste Hip-Hop-Label der Welt, aus der Taufe hob. Schultz, der KRUSH GROOVE nach einer Idee von Simmons inszenierte, erzählt diese Geschichte mit den üblichen fiktiven Zutaten (Finanz- und Beziehungsprobleme) garniert als unterhaltsame Nummernrevue, die nie einen Zweifel daran lässt, worum es hier eigentlich geht: um Musik. So kommen zahlreiche der damals aktiven Rap-Kräfte in nie abreißender Folge zum Einsatz. Neben Run-DMC erlebt der Zuschauer die Fat Boys – deren Karriere der zweite Handlungsstrang gehört -, Kurtis Blow (mit tropfenden Jheri Curls), den blutjungen LL Cool J, New Edition und Sheila E. in Aktion, wobei durchaus streitbar ist, ob letztere in diesem Film überhaupt etwas verloren hat. Sheila E. war eines der kurzzeitig erfolgreichen Protegés („A Love bizarre“ wird im Film intoniert) des Herrn Prince, hatte aber weder mit Rap noch mit der New Yorker Musikszene etwas zu tun und wirkt somit als Rapperin befremdlich bis deplatziert. Grund für ihre Anwesenheit war ihr Vertrag mit der Produktionsfirma Warner und die Tatsache, dass man unbedingt ein Love Interest für Russell brauchte. Diesen typischen Beispiels für Studio-Bullshit zum Trotz geht KRUSH GROOVE aber als weit gehend ehrliche Sache durch, deren enormes Tempo zu einer vergnüglichen, von süßer Nostalgie durchzogenen Sichtung beiträgt. Und die Qualität der Musikeinlagen steht hier selbstredend nicht zur Diskussion.

belly (hype williams, usa 1998)

Veröffentlicht: August 2, 2008 in Film
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Sincere (Nas) und Tommy „Buns“ Bundy (DMX) haben sich mit Raubüberfällen Luxus und Wohlstand erworben. Doch während Sincere mehr und mehr den Ausstieg aus dem Leben des Verbrechers sucht und sich nach dem Sinn seines Daseins fragt, ist Buns ganz der Macht des Dollars erlegen. Er will den nächsten Schritt machen: Und das bedeutet, in den Drogenhandel einzusteigen. Er kontaktiert Lennox (Louie Rankin), einen mächtigen jamaikanischen Drogenkingpin …

Die Voraussetzung dafür, BELLY etwas abgewinnen zu können, ist das Wissen um die Herkunft seines Regisseurs: Hype Williams ist einer der meistbeschäftigten und stilprägendsten Videoclip-Regisseure überhaupt und hat seit den frühen/mittleren Neunzigerjahren unzählige Hip-Hop- und RnB-Videos mit einem unverwechselbaren Look veredelt. Charakteristisch für diesen Look ist u. a. der exzessive Einsatz des Weitwinkelobjektivs. Seine berühmteste Arbeit dürfte wohl der von MAD MAX: BEYOND THUNDERDOME inspirierte Clip zu 2Pacs „California Love“ sein, seinerseits eines der absoluten Meisterwerke dieser noch recht jungen Kunstform. BELLY ist Williams‘ erster und bislang auch einziger Spielfilm und mehr noch als bei anderen Clipregisseuren, denen der Wechsel zum Film gelungen ist, sieht man ihm seine Herkunft jederzeit an, ja macht es eigentlich mehr Sinn, ihn als langes Musikvideo denn als Spielfilm zu betrachten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mit Nas und DMX, aber auch mit Nebendarstellern wie T-Boz, Method Man und AZ, zahlreiche Musiker auftreten, mit denen Williams bereits für Videoclips zusammenarbeitete und die eine Hauptattraktion des Films darstellen. Attraktionen: Symptomatisches Phänomen für den ganzen Film. Begegnet man BELLY nämlich mit Ansprüchen an Handlung, Dramaturgie, Schauspielerleistung und Plausibilität, muss das Urteil vernichtend ausfallen. Die Handlung verliert sich nach etwa der Hälfte der Spielzeit und wird trotz ihres epigonalen Charakters vollkommen unnachvollziehbar (was auch an dem Slang liegt, in dem überwiegend gesprochen wird), die Figuren bleiben eindimensionale Schablonen und jeder Versuch, ihnen Leben einzuhauchen, wird von der plumpen, vordergründigen Inszenierung unterminiert. Wenn BELLY in den letzten 30 Minuten auch noch die Transformation vom materialistischen Crimefilm zum elevation predigenden Lehrstück versucht, muss das demzufolge vollkommen in die Hose gehen, und auch der plump gescriptete und von Nas mit nicht einmal der Hälfte der Ausdruckskraft seiner Raps intonierte Voice-over stellt eine schwere Bürde dar. Aber dann sind da diese edel glänzende Oberfläche, der absolute Stilwille, der Drang, auch die unwichtigste Szene noch in ein edles Licht zu tauchen und mit ungewöhnlichen Perspektiven zu adeln, die es einem schwer machen, BELLY rundheraus zu verdammen. Zumal er in dieser Diskrepanz zwischen Form und Inhalt mehr erzählt als seinem Regisseur vermutlich bewusst war. Williams gelingt es nämlich überhaupt nicht, eine Außenperspektive einzunehmen, von der aus seine Botschaft und seine Kritik erst ihre Glaubwürdigkeit bezögen. Er ist in derselben Welt gefangen wie seine Protagonisten, eine Welt materieller Statussymbole und anachronistischen Revierverhaltens. BELLY ist soetwas wie der schwarze AMERICAN PSYCHO, wenn dieser von seinem Titelhelden Patrick Bateman inszeniert worden wäre. Hochgradig fragwürdig, sehenswert aus allen nur denkbaren falschen Gründen.

Nur kurz hat man das Gefühl, dass BELLY ein richtig guter Film werden könnte, nämlich während des unglaublichen, ca. dreiminutigen Intros, das – wäre es ein Videoclip – ganz da oben neben „California Love“ stünde. So bleibt am Ende ein fragwürdiger Film, der aber – wie auch schon FEAR OF A BLACK HAT – als Zeitdokument funktioniert und von einer Zeit erzählt, als der Ostküsten-Hip-Hop eine kommerzielle Macht war und ein mittelmäßig talentierter, aber mit unbeschreiblichem Charisma ausgestatteter DMX Schlagzeilen mit seiner Musik machte und nicht mit seinen schwachsinnigen Konflikten mit dem Gesetz …