Mit ‘Hulk Hogan’ getaggte Beiträge

Nur wenige Profiwrestler haben es geschafft, so berühmt zu werden wie Hulk Hogan und vor allem auch über ihre aktive Laufbahn einen gewissen Status zu wahren. Seinen ersten Profikampf trug er 1977 aus, in den Achtzigerjahren war er eine Art Popstar, wie auch sein Auftritt in ROCKY III belegt, noch in den Neunzigern zog seine „Hulkamania!“-Tour die Massen an – und nebenbei versuchte er es auch noch mit einer Filmkarriere. Die kam trotz einiger Versuche nie so richtig aus den Pötten, da hat Dwayne Johnson dann doch einige Nasenlängen Vorsprung, aber dafür erlangte Hogan zweifelhafte Popularität mit seiner Reality Soap und zählt zu jener Sorte Celebritys, die nie weit von einem Mikrofon der Regenbogenpresse entfernt sind.

MR. NANNY ist Hogans dritter eigener Spielfilm nach NO HOLDS BARRED und SUBURBAN COMMANDO und er knüpft konzeptionell ziemlich deutlich an Schwarzeneggers erfolgreichen KINDERGARTEN COP an. Wenn man sich nichts Witzigeres vorstellen kann als einen Hünen, der auf zu kleinen Stühlen sitzt, von Kindern gedemütigt wird oder mit Tütü herumläuft, muss man MR. NANNY in der Tat wenigstens einmal gesehen haben. Wenn man lediglich ein Herz für die bescheuerten Auswüchse der Popkultur hat, aber natürlich auch. MR. NANNY ist erstaunlicherweise gar nicht so scheiße, wie man sich das vorstellt, ein paar der Gags funktionieren sogar und zwar nicht trotz, sondern wegen Hogan, aber am Ende ist das ganze Dingen dann doch eher Durchschnitt.

Hogan ist Sean Armstrong, ein ehemaliger Catcher, der immer in Geldnöten ist und zudem ein solch gutes Herz hat, dass er seinem alten Manager Burt (Sherman Hemsley) immer aus der Patsche hilft, wenn der in Nöten ist – also ständig. Aktuell benötigt der Erfinder Alex Mason (Austin Pendleton) Hilfe: Ein Schurke namens Thanatos (David Johanson) hat es auf einen wertvollen Mikrochip abgesehen und der alleinerziehende Mason fürchtet um die Sicherheit seiner Kinder Alex (Robert Hy Gorman) und Kate (Madeline Zima), also engagiert er Armstrong als Bodyguard und Babysitter. Doch der tut sich schwer mit den beiden Satansbraten, denen ein Erziehungsberechtigter fehlt, der ihnen Grenzen aufzeigt.

Hogan bekommt im Verlauf des Films Bowlingkugeln auf den Kopf und Duschköpfe in die Fresse. Er stolpert über Drähte, stürzt Treppen hinab, wird im Fitnessraum gequält, unter Strom gesetzt und in einen Pool voller roter Farbe gestürzt. Mehr als einmal ist er kurz davor, alles hinzuschmeißen, doch er erlebt seinen Durchbruch, als er den Kiddies einmal zeigt, wer der Herr im Hause ist: Was sie von ihrem Daddy, der aus Angst vor Ablehnung immer lieb ist und „Ja“ und „Amen“ sagt, einfach nicht gewöhnt sind. Ab diesem Zeitpunkt entspinnt sich eine wunderbare Freundschaft, Armstrong tanzt im rosafarbenen Ballettanzug durchs Haus und trinkt mit abgespreiztem kleinen Finger Tee aus den winzigen Tassen von Kates Puppenstube. Der Schurke Thanatos hat eine verchromte Schädelplatte, klagt ständig über Migräne und zu seinen henchmen gehört ein Kraftprotz der deutsche Ein-Wort-Befehle bellt. MR. NANNY fängt richtig gut an und ich erwartete insgeheim schon ein kleines Highlight der Gaga-Komödie, doch dann nimmt der egale und austauschbare Plot immer mehr Raum ein und der Film versandet etwas in der Normalität der Familienkomödie. Hogan ist mit seiner Dreiviertelglatze, der buttergelben Mähne und dem Mongolenschnäuz eine Augenweide, wenn er mit den Augen rollt, bewusstlos umfällt oder mit elektrifizierter Haarpracht herumläuft, aber eher trist, wenn er die abgegriffene Botschaft des Films – etwa: „Kinder brauchen Liebe, aber auch eine Autoritätsperson“ – verkörpern muss. Wer will sowas sehen? Gibt es wirklich Menschen da draußen, die in einer Hulk-Hogan-Komödie nach Erziehungstipps suchen? Und vor allem: Solche Tipps? Ich hatte gehofft, ich könne durch die Sichtung meinen Leg Drop, Hogans berüchtigten Finishing Move, verbessern und diese Kunst an meine Kinder weitergeben, aber das war wohl nichts. Ich baue auf SANTA WITH MUSCLES, den ich als nächstes schauen werde.

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