Mit ‘Isaac Florentine’ getaggte Beiträge

Überraschungen, die das Leben versüßen: ACTS OF VENGEANCE war auf meiner Amazon-Prime-Watchlist gelandet, weil er nach exakt jener Art actionlastigem, griffigem Timewaster aussah, die ich mir zwischendurch gern verabreiche – und entpuppte sich dann zu meiner überaus großen Freude als relativ aktueller Film des DTV-Action-Papstes Isaac Florentine. Zwar sollte man nicht mit der Hoffnung auf eine mit UNDISPUTED II, UNDISPUTED III oder NINJA vergleichbare Glanzleistung des Regisseurs an ACTS OF VENGEANCE herantreten, aber als angenehm grimmiges Alterswerk des doch ziemlich in Vergessenheit geratenen Antonio Banderas mit Regisseursbonus obendrauf ist das Teil eine durchaus würdige Eröffnung für den stimmungsvollen Herrenabend.

Wie der Titel erkennen lässt, haben wir es hier mit einem Rachefilm zu tun, der sich weitestgehend auf bewährte (zugegebenermaßen etwas müde) Klischees und Mechanismen verlässt, um seine Geschichte in Gang zu bringen, aber auch mit einigen eigenen Ideen und kleinen Schlenkern und Verzierungen aufwartet, um die Sache auch für Leute interessant zu halten, die bereits sämtliche Variationen dieses Stoffes gesehen haben. ACTS OF VENGEANCE ist natürlich kein bahnbrechender Martial-Arts-Reißer und auch kein Stunt-Spektakel, sondern eher ein düsterer Thriller, aber wenn es ans Eingemachte geht, sieht man die versierte Handschrift des Urhebers. Banderas, dessen kurze Karriere als Actionheld in Filmen wie DESPERADO, THE 13TH WARRIOR oder THE MASK OF ZORRO bereits gute 20 Jahre zurückliegt, ist vielleicht etwas zu klein und mit 59 Jahren auch nicht mehr der Jüngste, aber er kommt in seinen Fights tatsächlich ziemlich überzeugend rüber (Florentine zeigt sich in diesem Interview als nachhaltig begeistert von Banderas‘ Fähigkeiten). Ich finde es ja immer ziemlich cool, wenn einstige Hollywood-Stars im Karriereherbst in solchen kleinen, direkt für die Scheibe oder Streamingportale produzierten Ballerfilmen auftauchen und man merkt, dass das echte Menschen mit Ecken und Kanten und keine wandelnden Marketingkampagnen sind. Und andersrum profitiert ein Film wie ACTS OF VENGEANCE natürlich ungemein vom Charisma und vom Können, das jemand wie Banderas ohne Zweifel in die Waagschale zu werfen hat. Demnächst also bitte UNDISPUTED V mit Tom Cruise und Denzel Washington!

Vorerst bleiben wir aber bei ACTS OF VENGEANCE, dessen Protagonist, der windige Rechtsanwalt Frank Valera (Antonio Banderas), zu Beginn Frau und Tochter verliert. Wie das so ist, hat er eine Verabredung mit seiner Familie platzen lassen, weil er im Büro aufgehalten wurde, und dann zu Hause vergeblich auf ihre Rückkehr gewartet, denn sie wurden in einer schäbigen Gegend ermordet und dann in einen Graben geworfen. Die Polizei hat keinerlei Hinweise und stellt die Ermittlungen bald ein. Frank gibt sich selbst die Schuld am Tod seiner Liebsten, stürzt sich erst in den Suff und dann in Underground-Cage-Fights, bei denen er sich bereitwillig verdreschen lässt. Als er auf der Straße von einem Zuhälter attackiert und mit dem Messer verwundet wird, stürzt er in das Schaufenster einer Buchhandlung. Das Taschenbuch, mit dem er seine Blutung stoppt, entpuppt sich als Marc Aurels „Meditationen“, das großen Eindruck auf ihn macht und dazu bringt, ein Schweigegelübde abzulegen und seinen Körper für den Rachefeldzug gegen die Killer zu stählen. Eine Krankenschwester hilft ihm (Paz Vega) dabei, den Mörder zu finden der natürlich ein persönliches Motiv hat: Vor Jahren erlitt er dasselbe Schicksal wie Frank und musste miterleben, wie der Mörder seiner Tochter auf freien Fuß gesetzt wurde, weil Frank eine Freispruch auf Basis eines Formfehlers erwirkte.

Die Story ist wirklich nichts besonderes, es sind die kleinen Details, die den Film ausmachen: der Voice-over von Frank/Banderas zum Beispiel, der tolle Sachen sagt wie „Good things happen to you, if you just shut the fuck up for two or three minutes“. Frank gesteht gleich zu Beginn, dass er in seinem Job viel zu viel geredet habe und das meiste davon sei leider niemals wirklich wichtig gewesen, nicht annähernd so wichtig wie das „I love you“ für Ehefrau und Kind. Er wird nicht direkt als unsympathisch gezeichnet, aber er hat sich in seinem Beruf nie von der Moral leiten lassen, sondern immer nur auf den Erfolg geachtet. Sein Schwiegervater – der kürzlich verstorbene Robert Forster in einem fiesen Gastauftritt – sagt ihm auf der Beerdigung seiner Tochter und Enkelin deutlich, was er von Frank hält, und verabschiedet sich mit den Worten, er wolle nie mehr ein verdammtes Wort von Frank hören – Frank kommt diesem Befehl dann später bereitwillig nach. In der Trauer über den Tod seiner Familie merkt er nämlich. wie sinnlos das ganze Gerede war, mit dem er sein Geld verdient hat, wie leer und falsch es zum Teil war, aber vor allem, wie viel Zeit es ihm gestohlen hat, die er besser mit seiner Familie verbracht hätte. Also beschließt er zu schweigen, bis er den Mörder gestellt hat, und dieses Schweigen verändert seine ganze Wahrnehmung der Welt: Plötzlich kann er Dinge hören, die ihm vorher entgangen waren. Anstatt sich hinter Worten und Sätzen zu verschanzen, handelt er. Es wird keine große Sache aus seinem Schweigen gemacht, auch von der Krankenschwester nicht, die die Tatsache, dass er ihr nur mit Blicken, Gesten oder Kopfbewegungen antwortet, einfach akzeptiert. Es spielt auch in der Handlung keine wichtige Rolle: Der Moment, in dem er vor der Wahl steht, sein Schweigen zu brechen oder nicht, bleibt etwa aus. Es ist einfach eine schöne Idee, die Franks Wandel, aber auch seine Besessenheit widerspiegelt.

Mehr als ein typischer Selbstjustizfilm, in dem die Motive des Protagonisten ebenso hinterfragt werden wie der Sinn der Rache überhaupt, ist ACTS OF VENGEANCE ein Film über die Trauer und was sie mit dem Menschen macht. Franks Trauer richtet sich in Form von Zorn erst gegen sich selbst, dann gegen den noch unbekannten Täter (auch diese Entwicklung ist auf seine Aurel-Lektüre zurückzuführen). Sein Widersacher ist nicht etwa ein mieser Punk, sondern ein Mann, der exakt die gleiche Erfahrung machen musste wie Frank und der mit seiner Trauer im Grunde genommen sehr ähnlich umgeht, sie aber nicht gegen den Täter richtet, sondern indirekt gegen den Mann, der ihm Gerechtigkeit verwehrte, ndem er ihn dasselbe spüren lässt. Für Florentine hatte ACTS OF VENGEANCE möglicherweise kathartischen Charakter, denn er verlor seine Gattin Barbara, die vor BOYKA: UNDISPUTED IV mit Krebs diagnostiziert worden, während der Dreharbeiten zu ACTS. Eine Widmung am Ende macht deutlich, dass dieser Film, der vielleicht auf den ersten Blick wie eine kleinere Auftragsarbeit anmutet, wahrscheinlich persönlicher ist als einige seiner „großen“ Hits.

 

 

 

 

Sechs lange Jahre mussten wir auf die Fortsetzung zu UNDISPUTED 3: REDEMPTION warten. Eine elend lange Zeit, in der sich das damals noch florierende DTV-Actionkino stark verändert hat. Das Ende von Blockbuster Video und der Aufstieg von Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon Prime Video haben dem klassischen DTV-Film den Gar aus gemacht. Konnten sich Freunde des Actionfilm eine Zeit lang über regelmäßige, tolle Veröffentlichungen freuen, darunter solche Masterpieces wie UNIVERSAL SOLDIER: REGENERATION oder UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING, war auf einmal Schicht im Schacht. Einer der Haupt-Leidtragenden neben dem Fan selbst: Isaac Florentine, der in den 2000er-Jahren zu einem der wichtigsten Action-Auteurs avancierte und anscheinend nichts falsch machen konnte, im Jahrestakt tolle Filme herausbrachte. Zuletzt war damit Feierabend und für BOYKA: UNDISPUTED IV, die heißersehnte Fortsetzung der Reihe um den russischen MMA-Fighter Juri Boyka, wurde dann sogar überraschenderweise ein anderer Regisseur verpflichtet. Würde auch diese Reihe den Weg in die Belanglosigkeit antreten?

Ich freue mich, diese Befürchtung zerstreuen zu können, auch wenn der neueste Teil nicht ganz an die beiden Vorgänger heranreicht. An Todor Chapkanov hat es nicht gelegen: Wie ich aus vertrauenswürdiger, gut informierter Quelle weiß, ist BOYKA: UNDISPUTED IV Florentines Film durch und durch – und das sieht man. (Der vermeintliche „Wechsel“ auf dem Regiestuhl hatte eher buchhalterische Gründe). Wem der immer noch nicht ganz überwundene Brauch, Actionszenen via Schnitt und Wackelkamera zu „authentifizieren“ und zu dynamisieren – was für ein Blödsinn – auf die Nerven geht, der darf frohlocken: Die Fights in BOYKA: UNDISPUTED IV sind wunderbar übersichtlich, in langen Totalen aufgelöst, in der die Artistik und Power der verschiedenen Kämpfer perfekt zum Ausdruck kommen. Dann und wann wird die Geschwindigkeit für besonders spektakuläre Sprünge und Combos heruntergefahren, nur um sofort wieder hochgepitcht zu werden – ein Florentine-typischer Kniff, der nichts von seiner Wirkung eingebüßt hat. Und blutig ist das alles: Hier gibt es kein CGI-Blut, es wird, dem dreckigen Sujet entsprechend, rotes Kunstblut in der Gegend rumgerotzt, dass es nur so spritzt.

Die Story ist einfach, greift den quasireligiösen Erlösungsaspekt, dem auch die beiden vorigen Teile schon verpflichtet waren, erneut auf und begleitet den Protagonisten auf seiner Reise, die ihn zwar immer wieder in die Scheiße führt, ihn aber zumindest spirituell zum Märtyrer reifen lässt. Auf dem Weg zum ersehnten Profikampf muss er nur noch einen Gegner besiegen. Das gelingt ihm zu gut: Das große Ziel vor Augen, schlägt er deinen Konkurrenten tot. Vor dem Turnier, auf das er seit Jahren hinarbeitet, reist er zurück nach Russland, um Alma (Teodora Duhovnikova), die Witwe des Toten, um Vergebung zu bitten. Doch natürlich kommt es anders: Alma, die ein Jugendheim leitet, wird vom fiesen Gangsterboss Zourab (Alon Aboutboul) in dessen schmierigem Etablissement eingesetzt, um ihren Schulden abzuarbeiten – natürlich hofft das Ekelpaket insgeheim darauf, sie auf seine Bettstatt zerren zu können. Boyka verpflichtet sich, in Zourabs Arena anzutreten und Alma so freizukaufen. Wird ihm das gelingen? Und zwar rechtzeitig, um seine große Chance wahrnehmen zu können?

Man ahnt schon früh, dass es damit nichts wird: Dieser Boyka ist nicht für schnöden sportlichen Erfolg gemacht, sondern dazu verdammt, immer wieder durch die Hölle zu gehen, um am Ende einen lediglich moralischen Triumph feiern zu können. Dürfen wir uns als nächstes auf einen weiteren Knastfight-Film freuen? Das Ende legt das sehr nahe, auch wenn es vielleicht an der Zeit scheint, diesen Boyka in den Ruhestand zu schicken. Adkins, der sonst zwar immer sehr sympathisch, aber auch etwas blass agiert, blüht als russischer Kampfkoloss merklich auf, aber seine Figur bietet nicht gerade endlose Möglichkeiten, sie weiterzuentwickeln. Inhaltlich ist das neueste Sequel ein bisschen trister als der bunte, comichafte Vorgänger: Die immergleichen, reichlich eindimensionalen Ostblock-Kotzbrocken geben sich die Klinke in die Hand und machen BOYKA: UNDISPUTED IV zu einer Übung in runterziehendem Misanthropismus. Es fehlt ein bisschen der Lichtstrahl im Dunkel, Farbe, vielleicht auch etwas Witz. Der mit Bane-artigem Maulkorb ausgestattete, hünenhafte Endgegner hätte sich in diese Richtung entwickeln lassen, aber auch der wird lediglich als humorloser Kraftprotz inszeniert. Es regieren Schmerzen, Leid, Schuld, Sühne, russische Akzente und Knasttattoos.

Ich will nicht meckern: BOYKA: UNDISPUTED IV ist eine würdige Fortsetzung, die niemandem, der die bisherigen Teile mochte, ernsthaft missfallen dürfte. Florentine beweist erneut, was er kann und warum der Actionfilm ihn dringend braucht. Aber nach dieser langen Pause hätten ruhig ein wenig mehr Kreativität und Herzblut ins Drehbuch fließen dürfen. Andererseits: Wie viel wäre davon überhaupt im fertigen Film gelandet? Das Budget zu BOYKA: UNDISPUTED IV war dem Vernehmen nach geradezu lachhaft gering und erlaubte – auch im preiswerten Bulgarien – keine großen Sprünge. Vielleicht sollten wir alle einfach dankbar dafür sein, dass es diesen Film überhaupt gibt, anstatt nach dem Haar in der Suppe zu suchen.

 

close-range-poster-01Während die Welt gespannt auf BOYKA: UNDISPUTED IV wartet, haut Isaac Florentine mal kurz dieses Teil raus: Ein 80 Minuten kurzer Neo-Western für drei Millionen Dollar, der wirkt wie ein kurzes, aber intensives Stretching vor dem nächsten harten Fight – ein bisschen wie John Hyams‘ DRAGON EYES, der auch eher eine Fingerübung vor dem bahnbrechenden UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING war.

Eine Story gibt es nicht, lediglich die Skizzierung eines Konflikts: Colton McReady (Scott Adkins) befreit seine Nichte Hailey (Madison Lawlor) aus den Fängen des mexikanischen Kartellbosses Garcia (Tony Perez). Dass sie dort gelandet ist, ist die Schuld ihres Stiefvaters, eines jämmerlichen Kleinkriminellen (Jake La Botz). Zurück auf der heimischen Ranch ist klar, dass Garcia und seine Männer auf den Vergeltungsschlag nicht lange warten werden: Colton verschanzt sich mit Hailey und seiner Schwägerin Angela (Caitlin Keats) und wartet auf die Ankunft der Killer …

Die Gestaltung der Titelsequenz, der Score und das Setting evozieren Western-Assoziationen, die Florentine aber kaum weiter ausbaut, die Einblendung der Namen von Garcias Killern ist eine Spielerei, die wie das Überbleibsel eines früheren Drehbuchentwurfs anmutet. CLOSE RANGE ist eine auffallend schmucklose Angelegenheit, der ungesüßte Trockenkeks aus der Notration im Rucksack des Soldaten, ein präzise gesetzter Blattschuss. In den kurzen, knapp gehaltenen Fights, um die Florentine seinen Film gebaut hat, sieht man aber, warum er von vielen als einer der derzeit besten Action-Regisseure angesehen wird, warum er und Adkins zusammengehen wie Erdnussbutter und Marmelade: Keiner inszeniert Martial-Arts-Kämpfe so physisch und rasant wie Florentine, keiner bewegt sich so ökonomisch und geradlinig wie Adkins. In den besten Momenten von CLOSE RANGE schaut man einer gut geölten Maschinerie beim reibungslosen Funtionieren zu.

Und dann ist der Spuk auch schoon wieder vorbei. CLOSE RANGE ist schon ziemlich geil, auch wenn  wenig Fett an den durchtrainierten Muskeln hängt. Das ist nichts, was man mit dem Zungeschnalzen des Genießers zu sich nimmt, eher was den kurzen Energieschub zwischendurch. Wird Zeit, dass Florentine nachlegt. Dann darf es auch gern wieder etwas mehr sein.

MV5BMTA5MjI3NTE5NzleQTJeQWpwZ15BbWU4MDc2Mjg5ODAx._V1_SX640_SY720_Es ist noch gar nicht lang her, da habe ich hier regelmäßig von einer neuen Welle aufregender Actionfilme geschrieben, die aus dem DTV-Bereich auf die heimischen Bildschirme schwappten und den geneigten Betrachter mit sich fortrissen in eine Zeit, als das Actionkino noch Körperkino war, reine Kinetik, und kein mit allen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln aufgeblasener Eventkinoquark. Doch wie das mit Wellen so ist: Irgendwann brechen sie, branden an der Küste und was nicht im Sand versickert, das rollt zurück ins Meer. In den letzten beiden Jahren ist nicht viel aufregendes passiert im Actionfilm. Vielleicht war UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING tatsächlich der von mir beschworene Endpunkt, wenn auch auf ganz andere Art und Weise als gedacht. Der Erfolg der EXPENDABLESFilme dürfte bei dieser Entwicklung ein nicht zu unterschätzender Faktor gewesen sein: Für viele seiner Stars brachte er eine neue, ungeahnte, breite Form der Aufmerksamkeit, die Chance, vor der Rente noch einmal Kasse zu machen, die sie nicht mehr für künstlerisch anspruchsvolle Actionfilme „vergeuden“ wollten. Dolph Lundgren hat sich nach drei herausragenden Filmen (THE MECHANIK, MISSIONARY MAN, ICARUS) bedauerlicherweise aus dem Regiegeschäft zurückgezogen und fällt mit mäßiger Quality Control bei der Projektwahl in alte Muster zurück. Jean Claude Van Damme scheint noch nicht so recht zu wissen, wo er hin will, was er mit dem zurückerlangten Ruhm anfangen will, Steven Seagal ließ auf das späte Karrierehoch (URBAN JUSTICE, PISTOL WHIPPED, DRIVEN TO KILL, THE KEEPER) mit MAXIMUM CONVICTION prompt den Rückschlag folgen, und auf den Befreiungsschlag von Steve Austin wartet man auch noch, nachdem er mit DAMAGE großes Potenzial offenbarte. Die Actionhelden von einst werden nicht jünger, die Erben stehen nicht gerade Schlange und den Actionregisseuren gehen die geeigneten Darsteller aus. Scott Adkins, vielleicht noch am ehesten so etwas wie ein Nachfolger, fehlt das darstellerische Profil und die Persönlichkeit, um es mit den Stars von einst aufnehmen zu können. Auf John Hyams neuesten Film warten wir seit zwei Jahren, potenziell interessante Leute wie Roel Reiné oder William Kaufman sind abhängig von dem, was sich ihnen anbietet, und Isaac Florentine, einer der wichtigsten Auteurs des neuen Actionfilms, erlaubte sich mit ASSASSIN’S KISS eine kleine Pause von der superreduzierten Retro-Action (zumindest nach dem, was ich gelesen habe, denn gesehen habe ich ihn noch nicht). Das alles ließ den Eindruck entstehen, der Actionfilme befände sich in einer unerwarteten Krise. Kann der mit Spannung erwartete NINJA 2: SHADOW OF A TEAR daran etwas ändern?

Die vorweggenommene Antwort lautet: Ja und nein. Inszenatorisch bedeutet er für Isaac Florentine eine Rückkehr zur alten, gewohnten Stärke. Die Kampfszenen, von denen es etliche gibt, sind selten übermäßig spektakulär, dafür aber wunderbar choreografiert, mit großem Gespür für Bewegung und Geschwindigkeit in Szene gesetzt, traumhafte Körperstudien, in denen dem Zuschauer nichts verborgen bleibt, die aber trotzdem ihr Mysterium bewahren. Die Sachlichkeit und Dynamik, die in diesen Fights zum Ausdruck kommt, zeichnet den ganzen Film aus. Ohne ein Gramm Fett, perfekt austrainiert, jeder Muskelstrang scharf definiert, schreitet er unaufhaltsam voran, ohne Pausen, ohne Umwege, ohne selbstverliebte Schlenker, und kommt so zu großer Klarheit. Aber ein bisschen ist das auch sein Problem: Es bleibt nicht irrsinning viel hängen von NINJA 2: SHADOW OF A TEAR, es fehlt ihm sowohl der Sinn für das wenn auch nicht ornamentale, so aber doch authentifizierende Detail, als auch eine das ganze überragende Vision. Florentines Reduktionismus stand in Filmen wie THE SHEPHERD, UNDISPUTED 2 oder UNDISPUTED 3: REDEMPTION stets auch im Dienste einer Freilegung von verschütteter Bedeutung. Das zentrale Drama trat durch seine Behandlung glasklar hervor und konnte wieder seine ganze Wirkung entfalten. Vielleicht versucht er das auch hier: Seine Geschichte – ein aufs nackte Gerüst reduzierter Racheplot – erlaubt sich genau einen Twist zum Finale, aber genau das wirkt hier inkonsequent. Nicht nur, weil man diesen Twist von Anfang an kommen sieht, sondern weil er etwas liefern soll, was vorher versäumt wurde. Der Schmerz seines Protagonisten wird durch Florentines Entblätterung eben nicht fühlbar, er gerinnt zum reinen Plotvehikel. Was ich ebenfalls, vielleicht noch mehr, vermisst habe, sind die kleinen poetischen, cartoonesken Einfälle. Das Comichafte, was noch NINJA auszeichnete ist hier zugunsten grimmiger Ernsthaftigkeit gewichen. Und beglückende, beinahe rührende Szenen wie jene aus UNDISPUTED 3: REDEMPTION, in der der Freund dem Helden ein Blümchen aus dem Dreck pflückte, um damit seine Verletzung zu heilen, gibt es hier auch nicht zu entdecken. Die Idee der superökonomischen Thrillmaschine stößt hier an ihre Grenzen.

Letzten Endes ist das Jammern auf hohem Niveau: NINJA 2: SHADOW OF A TEAR ist rein von seiner Dynamik her betrachtet, wahrscheinlich der beste reine Actionfilm seit Hyams Überfilm UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING (der seinerseits natürlich sehr viel mehr war als ein reiner Actionfilm), und handwerklich reicht Florentine in den USA derzeit keiner das Wasser, wenn es um die Inszenierung von Martial-Arts-Fights geht. Aber man ist von dem Mann bislang nun einmal sehr verwöhnt worden und deshalb vermisse ich hier einfach den letzten Kick, das Neue, das, was über sein bisheriges Schaffen hinausragt. Sein neuester Film ist ein wunderbarer Arschtritt, rasant, temporeich, schön anzusehen. Aber emotional hat er bei mir fast gar nichts ausgelöst. Die leise Enttäuschung kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht verhehlen.

Im fiktiven Ex-Sowjetstaat Muldonia schwingt sich der schurkische General Rafendek (Eli Danker), ein ehemaliger bosnischer Warlord, mit willkürlichen Erschießungen der Zivilbevölkerung zum Despoten auf, dem selbst der Präsident nichts mehr entgegenzusetzen hat. Als Rafendek eine US-amerikanische Journalistin in die Hände fällt und er diese Gelegenheit nutzt, die Freilassung muldonischer Gefangener zu fordern, wird das  fünfköpfige Sondereinsatzteam um Major Don Harding (Marshall Teague) eingeschleust, um die Geisel zu befreien. Vor Ort treffen sie auf den SAS-Agenten Talbot (Scott Adkins), der nach der Ermordung seines Partners auf eigene Faust gegen den Schurken vorgeht …

Nach dem eher kleinen und insgesamt etwas ruhigeren COLD HARVEST kommt mit SPECIAL FORCES nun die Actionbreitseite aus dem Hause Florentine: In knapp 95 Minuten wird viel kaputt gemacht und noch mehr getötet, respektive gestorben. Zumindest nach erstem Ansehen fällt es mir dann auch ein bisschen schwer, Tiefschürfendes oder Erhellendes zum Film zum Besten zu geben: Die Story ist denkbar knapp gehalten und bedarf eigentlich keines weiteren Kommentars – wenngleich Florentine sich natürlich hier und da Details zur Personencharakterisierung erlaubt, die ich in meiner kurzen Inhaltsanagabe oben weggelassen habe. SPECIAL FORCES mutet ein bisschen wie die Modernisierung solcher Kriegsfilmklassiker wie THE DIRTY DOZEN oder THE GUNS OF NAVARONE an: Filme, in denen der Weltfrieden von der Einsatz- und Opferbereitschaft, dem Kampfgeist und der Tollkühnheit einiger Profis abhängt. Der Fokus liegt ganz klar auf den diesmal breit angelegten Actionsequenzen, die dann auch besonders überwältigend ausgefallen sind: Ohne jeglichen neumodischen Schnickschnack erreicht Florentine einen Immersionsgrad, der mich ziemlich gesmasht hat auf meiner bequemen Couch im gut beheizten Wohnzimmer und mir das aufpeitschende Gefühl gab, unter Dauerbeschuss muldonischer Soldaten zu stehen. Wer sich beim zeitgenössischen Actionkino darüber aufregt, dass man vor lauter Kameragewackel nichts mehr erkennt, sich wünscht, dass eine Einstellung auch mal länger als drei Sekunden gehalten würde, und eine wirklich ausgefeilte Chroreografie vermisst, die es ermöglicht, das Geschehen nachvollziehen zu können, zu verstehen, wer da von wo auf wen schießt, der findet hier Linderung, ohne dabei auf irgendetwas verzichten zu müssen. Florentines Kampfinszenierungen wirken bei aller Stilisierung immens realistisch: Über diese Zuschreibung würde zwar wahrscheinlich jeder, der sich mal in einem echten Kampfeinsatz befand, herzhaft lachen, aber das ist ja nicht die Frage. Fakt ist, dass man bei der Betrachtung den Eindruck hat, dass es so sein könnte. Gerade der Shootout vor dem großen Showdown, als die Helden in einem Wald von der feindlichen Armee gestellt und unter Beschuss genommen werden, toppt so ziemlich alles, was ich in dieser Richtung in diesem Jahr gesehen habe (und ich gucke viele Actionfilme). Die Spielerei eines GAMER, der größten technischen Aufwand betreibt, um in seinen Actionsequenzen so auszusehen wie ein Egoshooter, wirkt im Vergleich zu SPECIAL FORCES gleich nochmal so albern, weil ihm die traditionellen Mitteln der Filmtechnik ausreichen, um dem Zuschauer viel überzeugender zu suggerieren, part of the game zu sein.

Wer indes Martial-Arts-Kämpfe wilden Ballereien vorzieht, muss bei SPECIAL FORCES auch auf nichts verzichten, sondern dürfte im Gegenteil von einem orgasmischen Glücksgefühl ins nächste fallen. Die Anwesenheit von Scott Adkins allein garantiert hier für spektakuläre Fights, die wohl höchstens noch von Hongkonggrößen á la Corey Yuen besser inszeniert würden. Und wenn dann nach 90 Minuten die letzten Überlebenden das Happy End begehen, ist es auch wieder Zeit für typische Florentine-Breitwand-Gefühle: Der Soldat, der zu Beginn noch den Trennungsbrief seiner Gattin betrauern musste, darf die gerettete Journalistin in die Arme schließen, und Harding, der alte Haudegen, lächelt wissend und sagt, er wisse schon, warum er diesen Job mache. Sein Blick geht nach links, zur Wand des Helikopteers in dem er sitzt, die Kamera folgt seinem Blick und fängt einen kleinen Sternenbanner-Aufkleber ein. Patriotismus kann schön sein, Actionfilmegucken scheint mir noch die bessere Alternative. Zumindest so lange Florentine Filme wie SPECIAL FORCES dreht. Meisterwerk.

In nicht allzu ferner Zukunft: Nach einem Kometeneinschlag liegt die Welt in Trümmern, eine gigantische Staubwolke sorgt für ewige Nacht und außerdem wird das Überleben der Menschheit von einer rätselhaften Seuche gefährdet. Doch ein Heilmittel ist in Sicht: Sechs Menschen erweisen sich Träger eines Gens, das sie gegen die Seuche immun macht. Fünf von ihnen werden dummerweise vom Schurken Little Ray (Bryan Genesse) getötet, lediglich Christine (Barbara Crampton) kann fliehen, nachdem sie die Ermordung ihres Mannes Oliver (Gary Daniels) beobachtet hat. Bald trifft sie Olivers Bruder Roland (Gary Daniels) wieder, der sich mittlerweile als Kopfgeldjäger verdingt. Und der muss sie nun gegen seinen alten Jugendfeind Little Ray, der mittlerweile herausgefunden hat, was es mit der entkommenen Christine auf sich hat, beschützen …

Über Isaac Florentine habe ich hier schon mehrfach geschrieben (siehe THE SHEPHERD: BORDER PATROL, NINJA, UNDISPUTED 3: REDEMPTION). COLD HARVEST ist einer seiner früheren, ausschließlich für den Videomarkt produzierten Filme und auch wenn man daher ein paar produktionsbedingte Abstriche machen muss, zeigen sich auch hier schon die großen Qualitäten des Regisseurs: visueller Einfallsreichtum, ein ausgesprochenes Talent für dramatische Pointierung und natürlich sein unnachahmliches Können hinischtlich der Inszenierung und Chroreografie von Actionszenen. Florentine inszeniert seinen Endzeitfilm als Western, was zwar aufgrund der Parallelen zwischen beiden Genres kein besonders neuer Einfall sein mag, in der hier gebotenen Konsequenzaber trotzdem ziemlich einzigartig und vor allem ansehnlich ist. So duellieren sich die Figuren mit altmodischen Revolvern, tragen rote Halstücher, Chaps und Stiefel, prügeln sich durch abgeranzte Saloons und hinterlassen ihr Konterfei auf Steckbriefen im Sheriff’s Office. Die Enge der Settings (begünstigt durch die Abwesenheit von Sonnenlicht) korreliert nicht nur mit der einer Westernstadt, sie trägt auch dazu bei, dass COLD HARVEST insgesamt sehr intim wirkt; was wiederum einen interessanten Kontrapunkt zur Tragweite der hier – und im Endzeitfilm allgemein – dargestellten Vorgänge bildet. Die Apokalypse in COLD HARVEST lässt sich durchaus als Privatapokalypse lesen: Alles Geschehen gruppiert sich um das Viereck Roland/Oliver, Little Ray und Christine: selbst der Handlungsort ist deren alte Heimatstadt und der zwischen ihnen ausgetragene Konflikt letztlich einer, der schon in der gemeinsamen Jugend schwelte. Das ist eine überaus reizvolle Idee, die dem über die Jahre in Chiffren, Klischees und Konventionen erstickten und hermeneutisch längst ausgedeuteten Endzeitfilm eine ganz neue Perspektive abgewinnt. Florentines Inszenierung unterstreicht diese Invertierung: Sein emotional nachhaltigstes Bild findet er nicht in der Darstellung universellen Leids, sondern im Close-up auf Christines Gesicht, als diese der Ermordung ihres Mannes beiwohnen muss. So wundert es auch kaum, dass sich COLD HARVEST gegenüber anderen Filmen des Regisseurs eher ruhig ausnimmt. Es gibt ein paar kurze, aber dafür brillant gefilmte Martial-Arts-Fights, die meines Erachtens belegen, dass Florentine der derzeit beste Actionregisseur auf diese Planeten ist: Selbst einfache und für sich genommen unspektakuläre Bewegungen erhalten durch seine Inszenierung eine ungemeine Power, weil er einfach weiß, wo er die Kamera zu platzieren hat, wann er zu schneiden hat, wie er seine Sets ausleuchten muss und wann ein hübscher Soundeffekt angebracht ist. Da kann man als Actionfan nur davorsitzen und staunen. Gegen Ende nimmt COLD HARVEST dann fast eine Wendung zum Märchenfilm, die vielleicht ein bisschen zu viel des Guten ist, aber eigentlich nur konsequent, schließlich lässt sich Florentines ganzes Oeuvre als Suche nach dem jeweils klarsten, unmissverständlichsten Bild verstehen. Wenn der Bösewicht – Bryan Genesse in einer grandiosen Darstellung als pompous bastard Little Ray, der ein bisschen wie ein Hugh Jackman des B-Films rüberkommt – am Schluss tot ist, Christine und mit ihr – wahrscheinlich – auch die Menschheit gerettet ist, dann ist es nach dieser Logik des klarsten Bildes nur folgerichtig, dass auch die Sonne wieder aufgeht. Man mag das kitschig finden. Ich finde es wunderbar.

Nachdem der verurteilte Mörder und Kampfsportler Uri Boyka (Scott Adkins) in Teil 2 zum Krüppel geschlagen wurde, fristet er sein Dasein mit dem Toilettenschrubben in einem heruntergekommenen russischen Knast. Mit seinem erfolgreichen Comebackkampf, den er dem Knastfight-Veranstalter Gaga (Mark Ivanir) abringt, qualifiziert er sich für ein groß angelegtes Turnier, in dem die besten und härtesten Knastfighter der ganzen Welt gegeneinander antreten. Nach einigen Streitereien freundet sich Boyka dort mit dem großmäuligen Amerikaner Turbo (Mykel Shannon Jenkins) an. Beide werden sich noch brauchen, denn was sie nicht wissen: Das Turnier ist von den Veranstaltern fingiert, der Sieger steht schon fest und alle anderen Teilnehmer sollen den Austragungsort nicht lebend verlassen …  

Auf Isaac Florentine ist Verlass: UNDISPUTED 3: REDEMPTION braucht zunächst ein bisschen Zeit, um auf Touren zu kommen, schraubt sich dann aber erneut in Sphären empor, die zurzeit kaum ein Actionregisseur erreicht. Die Kampfsequenzen sind wieder einmal von beeindruckender Musikalität und Virtuosität und der von Florentine bekannte Kniff, blitzartig zwischen Zeitlupe und Zeitraffer zu wechseln, ist längst nicht nur schnöde Augenwischerei wie bei so vielen Regisseuren, sondern macht die Zweikämpfe tatsächlich „lesbar“, arbeitet förmlich die ihnen innewohnende Grammatik heraus. Sieht man einmal davon ab, dass Florentine für UNDSIPUTED 3: REDEMPTION auf die bereits in etlichen Filmen herausgearbeitete Turnierkampf-Schablone zurückgreift und diese mit den ebenfalls etablierten Subplots anreichert – die Selbstüberwindung des Protagonisten, die Freundschaft zwischen den ungleichen Rivalen, die Un- bzw. Übermenschlichkeit des Bossfighters, die illegalen Machenschaften der Veranstalter -, für seine Verhältnisse also sehr viel Erzählung in kurzer Zeit anhäuft, bleibt er sich in seiner Strategie, den Actionfilm zum Tableau für kraftvolle, ja beinahe religiös anmutende Bilder und einen existenzialistischen Reduktionismus zu nutzen, treu. Gerade das ja zurzeit bei so vielen Autoren des neuen Actionkinos so beliebte brutalkapitalistische Russland liefert ihm dafür den perfekten Hintergrund, vor dem er seine krass zugespitzten moralischen Fabeln entwickeln kann. Hier ist ein Menschenleben nichts wert, muss es demzufolge mit roher Gewalt verteidigt werden. Jeder ist käuflich und korrumpierbar, Werte existieren nur in Form von Zahlen auf dem Kontoauszug. Und Boyka ist ebenso Produkt dieser Welt, wie er gleichzeitig ein jeden gesellschaftlichen Kontextes beraubtes Individuum ist, ein auf den bloßen Körper, die nackte Existenz reduzierter Kämpfer, der sich seines Wertes deshalb nur im Zweikampf mit einem Gegener vergewissern kann und der deswegen gerade nicht käuflich ist. Gott habe ihm ein einziges Talent mitgegeben – zu kämpfen – und dass müsse er immer wieder unter Beweis stellen, um zu wissen, dass er jemand sei, sagt er einmal. Dieser doch recht pessimistisch-resignative Blick auf die Welt erfährt jedoch durch die Anwesenheit des Amerikaners Turbo eine Horizonterweiterung: Für ihn gibt es nämlich noch etwas jenseits der Gefängnismauern: seine Kinder. Und deshalb eben auch Hoffnung: Das Regime der Turnierveranstalter kann durchbrochen werden, eine Freundschaft zwischen Kontrahenten entstehen und auf Boykas abgehärmtem, kantigem Gesicht am Ende tatsächlich ein befreites Lachen erstrahlen, das die „Erlösung“ aus dem Titel verkündet und den Weg in eine bessere Zukunft freiräumt.

Es ist eine einfache Botschaft, die sich Florentine nicht scheut, entsprechend abzulichten. Nur ist das eben keine Einfalt, sondern Aufrichtigkeit. In einer Szene, in der Boyka und Turbo zusammen in einem Steinbruch schuften und sich Boyka mit Schmerzen das verkrüppelte Knie hält, fällt der Blick der Kamera auf eine zwischen den grauen Steinen wachsende Blume – ein einsamer Farbfleck in einer unwirtlichen Welt, die nur aus Schweiß, Dreck und Blut besteht. Doch dabei bleibt es nicht: Turbo reißt sie aus, gibt sie Boyka und fordert ihn dazu auf, sie zu pressen und das austretende Öl auf sein Knie zu reiben, um die Schmerzen zu lindern. Ich habe noch nie etwas Schöneres in einem Actionfilm gesehen.