Mit ‘Ishirô Honda’ getaggte Beiträge

Godzilla mag der König des Kaijû Eiga sein, aber mein Herz schlägt für Kingu Kongu! Der Riesenaffe sieht in seiner japanischen Inkarnation so herzerwärmend derangiert aus – dümmlich-verschlafener Blick aus trüben Glubschaugen, Überbiss, unreine, krustige Affenhaut, Altherrenbusen und ein motten- und wanzenzerfressenes Fell, das bestimmt nach nassen Hund riecht -, das man ihn einfach liebhaben muss. Die Fortsetzung zu KINGU KONGU TAI GOJIRA ist für mich einer der schönsten Toho-Kaijû der Sechzigerjahre, ein einziges Wunderwerk, vollgestopft mit allem, was man an diesen Filmen immer schon toll fand: putzige Modellbauten, erwachsene Menschen in Gummianzüge, tolldreisten Ideen, einem schier wahnwitzigen Plot und dusseligen Dialogen in rasanter Folge.

Der böse Dr. Who (Hideyo Amamoto) will mithilfe eines dem Riesenaffen King Kong nachempfundenen Roboters ein wertvolles Mineral aus dem Erdreich unterhalb des Nordpols bergen, doch er hat die Rechnung ohne die magnetischen Ströme gemacht, die seine Erfindung kurzerhand lahmlegen. Schnell auf die Insel, die der echte Affe bewohnt, ein bisschen Ether auf den Dez geknallt und ab dafür. Am Nordpol prallen King Kong und sein Blechdouble aufeinander – und verlagern ihre Keilerei nach eine kurzen Plantscherei ins japanische Tokio. Die UN-Soldaten Carl Nelson (Rhodes Reason), Jiro Nomura (Akira Takarada) und Susan Watson (Linda Miller), in die sich King Kong ein bisschen verliebt hat, beobachten den Kampf …

Ganz ehrlich: Der Verlauf der Handlung hält nicht ganz, was der Aufbau verspricht. Aber das kennt man als Kaijû-Zuschauer ja schon. Am Ende läuft eben alles auf eine große Balgerei hinaus, bei der Pappkulissen zertrampelt werden, Plastikpanzer lustig in der Gegend herumkullern, zerrissene Stromleitungen Funken sprühen und erwachsene Darsteller an die kostümbedingten Grenzen der Mobilität stoßen. Das ist immer schön und herzig anzuschauen, aber nicht unbedingt spannend. Aufregendes ist der Weg, der bis dahin zurückgelegt wird. Der Stützpunkt des bösen Dr. Who ist ähnlich größenwahnsinnig wie die Behausungen der zur selben Zeit aktiven Bond-Schurken, seine faulige Kauleiste der Stoff aus dem die Albträume sind. Der Robokong hingegen macht einiges her und ist natürlich der Gipfel der Absurdität, den der Kaijû in den Sechzigerjahre erklomm. Auf Kongs Heimatinsel werden die Protagonisten unterdessen von dem obligatorischen alten Zausel willkommen geheißen, bevor sie einem Kampf zwischen King Kong und dem Gorosaurus, einem missgebildeten T-Rex mit Schunkelbirnensyndrom, beiwohnen dürfen. Richtig toll ist das Talent Hondas, Schauplätze die Tausende von Kilometern voneinander entfernt sind, in der Handlung wie Nachbarorte zu verbinden. Dr. Who fliegt mit einem Hubschrauber zu Kongs Insel (ohne einmal zu tanken) und entführt das Biest nur wenige Minuten, bevor Nelson und Co. dort aus New York eintreffen. Nelson, der Fuchs, weiß angesichts der zurückgebliebenen Kampfspuren sofort, was los ist: Das kann nur Dr. Who gewesen sein, „the international Judas“. Und wo könnte der wohl besser sein Unwesen treiben als am Nordol?

Das ist die Logik, nach der KINGU KONGU NO GYAKUSHÛ vorgeht – und wer wollte es ihm verübeln? Ein Film, der einen potthässlichen, zurückgebliebenen und unter Maul- und Klauenseuche leidenden Riesenaffen zu seinem erklärten Helden macht, muss sich nicht mit eitlen Details aufhalten, denn er hat alles, was es braucht. Ich finde es ein bisschen schade, dass dem Robokong nicht noch weitere Filmauftritte spendiert wurden, denn da wäre noch so Einiges möglich gewesen. So sollten wir aber alle dankbar sein für das, was wir haben und das Positive sehen: Immerhin konnte dem Blechaffen kein missratenes Sequel den Zauber stehlen. KINGU KONGU NO GYAKUSHÛ ist reine Kinomagie, die in der Szene zu sich kommt, in der King Kong mit dem Arsch voran ins Wasser des Nordpols hüpft.

Arbeiter in einem Bergwerk verunglücken unter mysteriösen Umständen. Bei Nachforschungen wird die Ursache der Unfälle entdeckt: riesige Käfer, sogenannte Meganulons. Kurz nach der Entdeckung der Krabbelviecher wird ein zweites Monster gesichtet, ein Rodan, ein an den Pteranodon erinnerndes Flugungeheuer. Aber auch der ist nicht allein …

Zwei Jahre nach dem Erfolg von Hondas GOJIRA schickte der Regisseur ein weiteres Riesenmonster in die Welt hinaus, diesmal in einem prächtigen Farbfilm. Der Name „Rodan“ (bzw. „Radon“ im japanischen Original, angelehnt an den PteRAnoDON) wurde hier noch als Gattungsbegriff verwendet, den gleich zwei der Flattermänner trugen. Im acht Jahre später entstandenen SAN DAIKAIJÛ: CHIKYU SAIDAI NO KESSEN  bezeichnete er dann nur noch einen Vogel, der gegenüber den Ursprungsmonstern eine ganze Nummer dämlicher aussah, nämlich ungefähr wie ein brauner Hühnerhabicht mit Gesicht zum Reinschlagen.

Hier lassen sich die Rodans ganz schön Zeit bis zu ihrem Auftritt, dafür gibt es die putzigen Meganulons, die die Bergarbeiter dezimieren und tricktechnisch gleichermaßen rührend wie toll anzusehen sind: Offensichtlich steckten auch hier Schauspieler in den detailverliebten Kostümen und mussten auf allen Vieren in der Gegen rumkrauchen. Was diese Käfer eigentlich mit dem Auftauchen der Riesenvögel zu tun haben, hat sich mir nicht ganz erschlossen: In einer Rückblende sieht man noch, wie ein gerade schlüpfender Rodan ein paar der für ihn winzigen Tierchen aufpickt und verschlingt, danach werden die Meganulons mit keiner Silbe mehr erwähnt. Stattdessen gibt es Vögelaction (höhö), die sich sehen lassen kann: erst ein Duell zwischen einem Kampfflugzeug und dem Tier hoch zu Luft, dann die typische Modellstadtvernichtung. Wie Rodan da mächtig Wind mit seinen Flügeln macht und so dafür sorgt, dass Häuser  einstürzen und Panzer wegfliegen, ist in der Tat ziemlich toll und man versteht auch, warum das Vieh für spätere Filmeinsätze reanimiert wurde – allerdings nicht, warum er in keinem seiner weiteren Auftritte auch nur annähernd an seine Frühform herankommt. Das Ende, in dem der Vogel in der Lava eines ausgebrochenen Vulkans verglüht, ist geradezu avantgardistisch in seiner distanzierten Langgezogenheit und rundet einen Kaijû ab, der sich von den GOJIRA-Filmen der Showa-Staffel (unter diesem Namen werden die ersten 15 Filme zusammengefasst) deutlich unterscheidet.

SORA NO DAIKAIJÛ RADON hat mich vor allem visuell an Hayao Miyazakis brillanten TONARI NO TOTORO erinnert: Das inmitten grün bewaldeter Hügel gelegene Bergbau-Dörfchen mit seinen bescheidenen Einwohnern, in dem Hondas Film spielt, sieht jedenfalls ganz ähnlich aus wie die Gegend, in der die kleine Satsuki den freundlichen Waldgeist trifft – und auch die Zeit passt ja ungefähr. Während die GOJIRA-Filme eher städtisch anmuten, zigarettenrauchende, perfekt frisierte Journalisten, kluge Wissenschaftler oder strenge Militärs aufbieten, ist SORA NO DAIKAIJÛ RADON bodenständiger, langsamer, erdiger und ruhiger. Ein Garant für Hochspannung ist Hondas Film nicht unbedingt, auch wenn Rodan in den Zerstörungsmodus schaltet, behält der Film seine rurale Unaufgeregtheit. Aber das macht eigentlich gar nichts: SORA NO DAIKAIJÛ RADON fließt mit großer Ruhe dahin wie das ländliche Leben seiner Bewohner, nimmt sich seine Zeit wie der außerirdische Monstervogel, der unter der Erde wartet, bis es Zeit ist, aus seinem Riesenei auszuschlüpfen. Und bis es soweit ist, kann man den Blick wandern lassen und sich fragen, welche Wunder da zwischen Himmel und Erde auf ihre Entdeckung warten.

Der letzte Beitrag der ersten GODZILLA-Reihe ist nicht nur ein Sequel zum unmittelbar vorangegangenen GOJIRA TAI MEKAGOJIRA, sondern auch die letzte Regiearbeit des großen Ishirô Honda. Er beschert dem Franchise einen versöhnlichen Abschluss, nachdem die unmittelbar vorangegangenen Teile  Ermüdungserscheinungen und konzeptionelle Ratlosigkeit nicht mehr verbergen konnten. MEKAGOJIRA NO GYAKUSHU erinnert wieder mehr an die frühen, naiven Monsterabenteuer mit Sci-Fi-Einschlag und muss sich nicht noch zusätzlich bei Kleinkindern und Pärchen anbiedern.

Nach den Ereignissen des Vorgängers versuchen Wissenschaftler die Trümmer des Mechagodzilla vom Meeresboden zusammenzuklauben, um ihn zu rekonstruieren, doch ihr U-Boot wird dabei von einem Monster, dem Titanosaurus, attackiert und zerstört. Den Titanosaurus hatte einst der mittlerweile verstorbene Professer Mafune entdeckt, der dafür aber nur Hohn und Spott erntete und in der Versenkung verschwand. Nun stellt sich heraus, dass er nicht nur quicklebendig ist, sondern auch mit außerirdischen Kräften paktiert, um sich mithilfe des Mechagodzilla an den Menschen zu rächen …

Die Story ist so herzhaft Banane, wie man das von der Reihe erwartet und der neue Titanosaurus, dessen Superpower das Windmachen mit seiner Schwanzflosse ist, sieht aus wie ein Riesenseepferdchen mit Wendehals und Schunkelbirne. Das sind schon einmal zwei Grundzutaten für ein putziges Vergnügen, das zwar mit den frühen GOJIRA-Filmen nicht mithalten kann, aber eben doch wieder angenehm naive Unterhaltung bietet. Zusätzliches Drama liefert der Subplot um das menschliche Hirn, das Mechagodzilla zum perfekten Funktionieren braucht und das ausgerechnet Professor Mafunes Töchterlein ihm geben soll. Aber wie gehabt ist das letztlich alles nur Vorgeplänkel für die ausufernde Schlacht der Monstren am Schluss, die noch einmal all das aufbietet, was man von Anfang an so geliebt hat. Man merkt es meinen Texten an: Wenn man über einen dieser Filme geschrieben hat, fällt es schwer, noch Neues über die anderen zu sagen. MEKAGOJIRA NO GYAKUSHU markiert gehobenen Godzilla-Film-Durchschnitt, was für seinen Status als Abschlussfilm nicht so verkehrt ist. Wer mehr wissen will, sollte ihn sich selbst anschauen.

Ende der Sechzigerjahre verzeichneten die Godzilla-Filme drastisch sinkende Zuschauerzahlen, mit dem Resultat, dass die Filme preisgünstiger wurden. Am zehnten Beitrag zur Reihe, GOJIRA – MINIRA – GABARA: ORU KAIJÛ DAISHINGEKI zeigt sich das ganz unverhohlen. Mit Material aus GOJIRA, EBIRA, MOSURA: NANKAI NO DAIKETTÔ und KAIJÛTO NO KESSEN: GOJIRA NO MOSUKO wird er überhaupt erst auf Spielfilmlänge gebracht, außer Godzilla, seinem nervtötenden Sohnemann Minilla und dem neuen, peinlichen Monster Gabara absolvieren alle anderen Kreaturen also lediglich Konservenauftritte.

Aber der Wunsch, Geld zu sparen, war nicht die einzige Maßnahme, die Toho vornahm, um sein Franchise zurück auf die Erfolgsspur zu bringen.Da Godzilla sowieso ein Held der Kinder war und auch die vorangegangenen Titel schon deutlich auf den Kindermarkt geschielt hatten, macht Honda in diesem zehnten Eintrag also endgültig ernst und präsentiert mit dem pausbäckigen Ichirô (Tomonori Yazaki) den ersten kindlichen Protagonisten der Reihe. Ichirô wird von den Kindern seiner Klasse gepiesackt und träumt sich deshalb auf die Monsterinsel, wo er sich mit Minira anfreundet. Minira hat wiederum ganz ähnliche Sorgen wie der kleine Ichirô: Er muss sich gegen Gabara behaupten, ein zweibeiniges Schuppenmonster mit blonder Punkfrisur und Katzengesicht. Und es kommt wie es kommen muss: Miniras Erfolg gegen Gabara ermutigt den kleinen Ichirô sich auch gegen seine Peiniger zur Wehr zu setzen. Happy End.

Kann sein, dass ich über GOJIRA – MINIRA – GABARA: ORU KAIJÛ DAISHINGEKI etwas Freundlicheres sagen könnte, hätte ich ihn mit meiner Tochter und meinem Sohn gesehen, die tatsächlich zur Zielgruppe gehören. Als „echter“ Godzilla-Film ist er nicht zu gebrauchen und mit Abstand der Tiefpunkt der Serie. Wahrscheinlich tut man gut, ihn gar nicht dazuzuzählen: Er wirkt eher wie ein Spin-off, ein Ableger fürs Fernsehen und in Deutschland, wo die Godzilla-Filme ja ebenfalls sehr erfolgreich im Kino gestartet wurden, kam er sogar erst vor wenigen Jahren auf DVD heraus. Andererseits kam dieser Gesinnungswandel, auch wenn er glücklicherweise nur von kurzer Dauer war, ja nicht aus dem Nichts: Von der ursprünglichen Horrorgestalt hatte sich Godzilla innerhalb von neun Filmen zum freundlichen Helfer der Menschen und gar zum Papa gemausert. Kein Wunder also, dass er nun sogar als Vorbild für Kinder hergenommen werden konnte, die im grellen Titellied sogar intonieren, dass wir keine Angst vor Monstern haben müssen, weil qualmende Fabrikschornsteine die eigentlichen Übeltäter sind. Das nennt man wohl 180-Grad-Wende und zeigt, welch seltsame Wege die Popkultur geht. Zum Glück für das Echsenmonster hatte das Experiment mit der Sesamstraßen-Variante keinen Erfolg. GOJIRA – MINIRA – GABARA: ORU KAIJÛ DAISHINGEKI bleibt ein Außenseiter, der debil grinsend am Rand steht.

Mit Ishirô Hondas Rückkehr auf den Regiestuhl werden der vollkommen entfesselte Infantilismus des Vorgängers auf ein goutierbares Maß zurückgefahren und dafür der zuletzt vernachlässigte Science-Fiction-Gehalt wieder erhöht. KAIJÛ SÔSHINGEKI erinnert damit wieder mehr an Filme wie SAN DAIKAIJÛ: CHIKYÛ SAIDAI NO KESSEN oder KAIJÛ DAISENSÔ, macht die liebgewonnenen Monster zu Instrumenten in einem intergalaktischen Kampf zwischen den Menschen und dem außerirdischen Invasorenvolk der Kilaaker. Die Handlung springt von Planet zu Planet und hält darüberhinaus die Neuerfindung der Monsterinsel parat, auf die die Menschheit alle Monster ins Exil geschickt hat und sie dort mittels technischer Apparaturen festhält. Eine gleichermaßen putzige wie logisch fragwürdige Idee, denn wenn man den Monstren bislang nicht einmal annähernd Schaden zufügen konnte, wie ist es dann überhaupt gelungen, sie gefangen zu nehmen? Klar, Erbsenzählerei, die angesichts des Tohuwabohus des Plots gleich doppelt kleinlich und verkrampft daherkommt, aber man wird ja wohl noch fragen dürfen! (Und den Film, in dem die Großwildjagd thematisiert wird, hätte sicher nicht nur ich gern gesehen.)

Was ist da los? Die Offiziellen schauen nicht schlecht, als die eigentlich auf der Monsterinsel gefangenen Monster Godzilla, Anguirus, Mandas, Baragon, Mothra (wieder in Raupengestalt) und Rodan die großen Weltmetropolen in Schutt und Asche legen. Auch die Wissenschaftler und Raumfahrer um Dr. Otani (Yoshio Tsuchiya) benehmen sich seltsam: Alle stehen sie unter dem Einfluss der bösen Kilaaker, die am Fuji eine Basis errichtet haben, von der aus sie die Erde erobern wollen. Die Herrschaft über die Monster und Menschen, die sie unter ihre Kontrolle gebracht haben, soll ihnen dabei helfen. Und als man ihnen auf die Schliche kommt, holen sie kurzerhand King Ghidorah zur Hilfe …

Mehr ist manchmal mehr: Das war wahrscheinlich die Devise für KAIJÛ SÔSHINGEKI, der nun so ziemlich alle Monster der bisherigen Filme sowie einige weitere aus anderen Kaijû zur ausgedehnten Keilerei zusammenbringt und ansonsten viel knallige Raketen-, Militär- und Weltraumaction aufbietet, damit es auch ja nicht langweilig wird. Es ist immer was los und wenn einem das geschäftige Treiben zu viel wird, kann man den Blick immer wieder über herzallerliebste Miniaturstädtchen, Raumstationen, Züge oder Papp-Skylines wandern lassen, die pittoresk im Licht der Studioscheinwerfer baden, während sie von erwachsenen Männern in schlecht sitzenden Gummianzügen plattgetrampelt werden. Die Godzilla-Kaijûs sind eigentlich reine Spielzeug- und Kinderfilme und als solche auch nur das Vorspiel für die Fortsetzungen im heimischen Kinder- und Jugendzimmer, wo für die Sammlung an Monster-Actionfiguren ebensolche Landschaften aufgebaut und gleich noch andere Spielsachen zweckentfremdet und eingemeindet werden. Deshalb sollte man von den Filmen selbst auch nicht zu viel erwaten: Eigentlich ist das immer der gleiche Quatsch, den man aber einfach liebhaben muss, sofern man sich einen Hauch Kindlichkeit bewahrt hat. So idiotisch, unlogisch, naiv und mitunter rammdösig inszeniert (Höhepunkt ist eine gut 30-sekündieg Szene, in der man voller Spannung zusehen darf, wie die Helden mit einem Laserstrahl auf einen außerirdischen Apparillo halten, bis er endlich kaputt geht) sie auch sind, sie sind mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit hingeworfen, Ausdruck einer sprudelnden Kreativität, die man nicht irgendwelchen faden Geschmäcklereien unterwerfen möchte. Hier wird einfach alles reingehauen, am besten auf einmal, und wenn es passt, dass die Außerirdischen auch noch in rot leuchtenden Untertassen herumsausen, dann macht man das eben, was soll der Geiz. Angesichts solchen Überflusses ist es dann auch zu verschmerzen, dass der Kampf der Monster gegen King Ghidorah eher antiklimaktisch ist. Was ist das überhaupt für eine Strategie: Der dreiköpfige Weltraumdrache hatte ja schon zuvor, im Kräftemessen mit Godzilla, Rodan und Mothra keine Chance, warum sollte er da gegen eine ganze Monsterarmee triumphieren? Aber das Schöne an diesen Kaijûs ist ja auch, dass sie ihrer übergeordneten Mythologie nur lose verpflichtet sind. In jedem Film geht einfach alles wieder von vorn los. Wie im Kinderzimmer am nächsten Tag.

Der fünfte Teil der Godzilla-Reihe ermöglicht Mothra den dritten Auftritt (nach MOSURA und MOSURA TAI GOJIRA), Rodan den zweiten (nach SORA NO DAIKAIJÛ RADON) und King Ghidorah, dem dreiköpfigen, armlosen Fettklops, den ersten. Godzilla kommt den Menschen zum ersten Mal zu Hilfe und zum ersten Mal verbündet er sich dafür auch mit anderen Monstern, wie das ab sofort gang und gäbe sein wird. So viel zum filmhistorischen Teil dieses Textes.

Hondas Film ist vergleichsweise komplex strukturiert: Es geht um rätselhafte Meteoriteneinschläge, aber auch um die Prinzessin (Akiko Wakabayashi) eines fiktiven Zwergstaates, die sich nach der Explosion ihres Flugzeugs als Außerirdische vom Planeten Venus, der von King Ghidorah vernichtet wurde und nun auf dem Weg zur Erde ist. Die beiden Zwergenmädchen von Mothras Heimatinsel tauchen auch wieder auf und rufen die Raupe herbei, um Godzilla und dem mittlerweile auferweckten Rodan im Kampf zur Seite zu stehen. Das ist alles sehr gefällig, quietschbunt und naturgemäß herrlich bescheuert, auch wenn die ganz große Begeisterung erst durch die Miniaturstadt-Zerstörungen der Monster und natürlich ihr hüftsteifes Gebalge hervorgerufen wird. Vor allem Rodan ruft mehr als einmal Mitleid hervor, sieht er doch aus wie ein gerupftes Suppenhuhn mit Triefauge und nicht gerade wie das ehrfurchtgebietende Supermonster, als das er dargestellt wird. Aber wie die drei Monster am Schluss sich zum Team gegen den Drachen vereinen und die Welt retten, die sonst hoffnungslos verloren wäre, ist schon herzig: Rodan nimmt Mothra auf den Rücken und während Godzilla King Ghidorahs Schwanz festhält, spuckt die Raupe ihre Seidenfäden auf ihn, die schließlich seine Niederlage herbeiführen. Toll ist aber auch der Zweikampf von Godzilla und Rodan, bei dem sie sich gegenseitig mit Steinen bewerfen und eine Art Tennis erfinden, das der arme Flattermann mangels Händen mit dem Kopf spielen muss. Autsch!

Wie der Vorgänger kollidieren die märchenhaften Plotelemente mit den Monsterszenen, wobei der Bruch hier nicht mehr ganz so hart ist: Alles läuft schon deutlich auf die große Schlacht hinaus und insgesamt wird den Monstern mehr Zeit eingeräumt. Und mit den Gangstern, die den Protagonisten das Leben schwer machen, ist auch der menschliche Teil des Konflikts etwas zupackender geraten – zwei der Übeltäter sehen aus wie japanische Antworten auf James Coburn und Xavier Naidoo! Wie ich schon im letzten Text sagte, ist es nicht ganz leicht, die Freude an diesem Quatsch in immer neue Worte zu kleiden. Die Godzilla-Kaijûs bieten einfach eine runde Mischung aus coolen Monstern, rührenden Effekten, sichtbarer Liebe und Leidenschaft, knalligen Farben und hoffnungslos hirnrissigen, oft haarsträubend pseudowissenschaftlichen Dialogen, die Spaß macht – selbst wenn es schwer ist, auch beim sechsten Mal noch große Begeisterung dafür zu zeigen. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf den nächsten.

 

Zumindest als Laie, der ich in Bezug auf den japanischen Kaiju Eiga nun einmal bin, ist es schon nach wenigen gesehenen Filmen alles andere einfach, noch etwas Neues oder gar Gehaltvolles über sie zu sagen, was man nicht vorher schon gesagt hätte. MOSURA TAI GOJIRA, zu dem ich nach KAIJÛ DAISENSÔ wie versprochen zurückspringe, ist genau das, was die zuletzt gesehenen Teile auch schon waren: niedlich, naiv, ebenso liebenswert wie liebevoll, bunt und infantil. Godzilla ist auch hier wieder eher der Gaststar, was ja auch schon der Titel belegt, der ihn ins zweite Glied rückt.

In MOSURA TAI GOJIRA wird das alles aber noch potenziert: Hondas Film ist wärmer, märchenhafter, traumgleicher, verspielter, zärtlicher – und das Auftauchen der Riesenechse markiert einen harten Bruch. Man könnte sagen, sie zertrampelt nicht nur Städte, Strommasten und Panzer, sondern auch den Film selbst, ohne ihm aber wirklich Schaden zufügen zu können.

Nach einem Sturm wird vor der Küste ein Riesenei gefunden, das sich zwei zwielichtige Geschäftsleute unter den Nagel reißen, um damit den großen Reibach zu machen. Zwei däumlingsgroße Mädchen bitten sie, das Ei zurückzugeben: Es gehört der Riesenmotte Mothra, die auf einer entlegenen Insel wohnt und darauf wartet, dass sie endlich sterben kann, um durch das Ei zu neuem Leben zu erwachen. Die beiden Zwergenmädels nehmen Kontakt zum Reporter Ichirô Sakai (Akira Takarada) und dem Wissenschaftler Nakanishi (Yuriko Hoshi) auf und bitten um Hilfe. Indessen wacht Godzilla auf und droht wieder einmal die japanische Zivilisation plattzumachen …

Mothra und die beiden kleinen Mädchen sind eine wahre Schau, die surrealen Bildkompositionen, in denen die beiden letzteren eingefangen werden, so hoffnungslos kitschig, dass einem das Herz schmilzt. Und wenn sich die Riesenmotte erhebt und durch die Lüfte segelt, wird man wieder ein kleines Kind, das mit weit geöffnetem Mund vor der Glotze sitzt und noch näher heranrutscht, bis die Nasenspitze fast das Glas berührt. Toll ist auch der Ausflug zu Mothras Heimatinsel, wo riesige, völlig blank geputzte Skelette eine Mahnung vor Atombombe und Radioaktivität abgeben sollen. Das funktioniert nicht so ganz, denn so lange die bunte Riesenmotte unterwegs ist, kann es unmöglich so richtig schlimm sein. Das ist übrigens auch der Film, in dem Godzilla am Ende von zwei knuffigen Riesenraupen besiegt wird. Was soll ich dazu noch sagen?

Ich nehme an, dass ich die Godzilla-Filme als Kind „naiver“ gesehen habe, aber auch mit acht wusste ich schon, dass sich da keine echten Monster balgen, erkannte, dass ihre Riesenfüße Modelleisenbahn-Landschaften zertrampelten. Im Unterschied zu anderen Filmen, die die Immersion benötigen, glaube ich, dass die Godzilla-Filme von diesem Wissen nicht entzaubert werden, sondern noch davon profitieren. Der Budenzauber, den sie entfachen, wird ja eigentlich noch viel geiler und wunderbarer dadurch, dass man weiß, dass da erwachsene Menschen in Gummikostüme stiegen, um sich dann in liebevoll gestaltenen Miniatur-Landschaften auf die Mappe zu hauen. Ich sehe in den Godzilla-Filmen eine große Utopie: Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn die Menschen ihren Frust dadurch abbauten, dass sie in die Rollen von kulleräugigen Monstern schlüpften und Plastikhäuser zertrampelten, anstatt sich an ihren Mitmenschen zu vergreifen. Infantilität kann auch befreiend wirken.

In meiner Godzilla-Werkschau mache einen kleinen Sprung ins Jahr 1965 – die übergangenen Filme 4 und 5 hole ich in Kürze nach – und widme mich KAIJÛ DAISENSÔ, dem sechsten Film der Reihe. Wie im zuletzt besprochenen KINGU KONGU TAI GOJIRA ist Godzilla auch hier eher eine Nebenfigur: Die herrlich abstruse Story dreht sich um eine Expedition zum Planeten X, wo die tapferen Atronauten Glenn (Nick Adams) und Fuji (Akira Takarada) auf eine intelligente, menschenähnliche Spezies von Außerirdischen treffen, die vom Monster Nummer Zero bedroht werden. Bei diesem handelt es sich um King Ghidora, den Godzilla im vorangegangenen Abenteuer besiegt hatte. Die Außerirdischen bieten einen Deal an: Sie holen sich zur Bekämpfung ihrer Nemesis die schlafenden Monster Godzilla und Rodan und überlassen den Menschen ein Heilmittel gegen Krebs. Freudig stimmen alle ein, doch dann müssen sie feststellen, dass die Außerirdischen mitnichten friedliebend sind: Sie wollen nichts anderes als die Erde unterjochen und dafür haben sie ja jetzt geeignete Waffen …

KAIJÛ DAISENSÔ fügt sich wunderbar ein in die Tradition des naiven Sechzigerjahre-Science-Fiction-Films, wie er in Europa etwa von Antonio Margheriti gefertigt wurde: Astronauten sind kernige Typen, die auch in der aussichtslosesten Situation nicht das überlegene Lächeln verlieren und zu Hause ein braves Mäuschen warten habe. Ihre Auftraggeber sind grübelnde Kittelträger, die mit nachdenklichem Blick auf piepende Kontrollbilsdschirme schauen und ansonsten alle Energie daran setzen, dem waffenstarrenden Übereifer stahlgesichtiger Militärs einen kühlen Kopf entgegenzusetzen. Die Außerirdischen sind Superhirne mit lustigen Brillen und Antennen auf dem Kopf, deren intellektuelle Überlegenheit natürlich Anlass für Skepsis bietet. Die Settings sind allesamt detailverliebte Eisenbahn-Modelllandschaften, durch die niedlich Modellautos tuckern. Und der Blick aus der Rakete auf die zurückgelassenen Monstergiganten offenbart zwei glubschäugige Püppchen, die mäßig überzeugend mit ihren Ärmchen wedeln: Ein wunderbarer Kontrast zu den Suitmation-Sequenzen, in denen sich übermotivierte Schauspieler auf die Mappe hauen und anschließend einen hüftsteifen Freudentanz aufführen.

KAIJÛ DAISENSÔ braucht eine Weile, um in Fahrt zu kommen, und wer ihn sich wegen Godzilla und der typischen Monsterbalgereien anschaut, ist vielleicht enttäuscht. Aber er bringt eine ganz eigene Qualität mit und funktioniert für Menschen, die mit den klassischen Kaijû Eiga nicht so viel anfangen können, möglicherweise sogar besser. Ich finde ihn mindestens genauso rührend und herzerwärmend wie die anderen Filme der Reihe und gestehe ihm darüber hinaus noch den Bonus einer originelleren Story zu.

Der dritte Godzilla-Film folgte nach einer siebenjährigen Pause und bedeutete auch für ein anderes berühmtes Monster der Filmgeschichte eine Rückkehr: KINGU KONGU TAI GOJIRA ist, wie der Titel andeutet, eigentlich eher ein King-Kong-Film mit dem Saurier als Schurken und zudem das erste Farbabenteuer des Riesengorillas. Nach den beiden eher ernsten Vorgängern vollzieht Regisseur Honda zudem endgültig den Wandel zum bunten Kindergeburtstag: KINGU KONGU TAI GOJIRA lässt einem das Herz aufgehen mit seinen liebevollen Modellbaulandschaften, den naiven Matte Paintings, einem von Lochfraß und Motten geplagten King Kong, der aussieht wie der Kulisse einer maroden Geisterbahn entsprungen, den Anleihen beim klassischen Abenteuerfilm und der Bonbon-Optik der frühen Sechzigerjahre. Es muss sich einfach um einen der schönsten Filme der Welt handeln.

Mr. Tako (Ichiro Arishima), Chef eines Pharmaunternehmens, ist entsetzt über die bislang getroffenen Marketingmaßnahmen. Als er von einer Insel hört, auf der ein Monster sein Unwesen treiben soll, will er es filmen und für Werbefilme benutzen. Während er und seine Leute sich auf den Weg zu der Insel machen, auf der auch einige buntgefederte Eingeborene leben, um dort den Riesenaffen King Kong anzutreffen und einzufangen, steht an anderem Ort Godzilla aus seinem eisigen Grab auf. Die beiden Giganten treffen sich und drohen in ihrem Duell Japan zu verwüsten …

KINGU KONGU TAI GOJIRA ist einfach herzallerliebst. Die (latent rassistischen) Szenen auf der Insel mit den klischiert gezeichneten Eingeborenen, die von Japanern mit blackface gegeben werden, wirken wie einem alten Pulproman entsprungen, der Angriff einer Riesenkrake ist effekttechnisch höchst fadenscheinig umgesetzt (nämlich mit einer echten Krake und ins Bild kopierten Statisten), aber trotzdem oder gerade deswegen wunderbar, und King Kong ist in genau demselben Maße herzerwärmend wie das Kostüm gammlig ist. Die Großaufnahmen seines schlecht animierten Gesichts mit den kullerigen Schielaugen sind herrlich und der Kampf zwischen ihm und dem sich wie ein übergewichtiger Vierjähriger mit zu kurzen Armen gebärdenden Godzilla ein humoristischer Höhepunkt. Schlichtweg herrlich sind die unzähligen Modellbau-Sequenzen: Wie da kleine Plastikpanzer und andere Fahrzeuge durch liebevoll gestaltete Miniaturstädte und -wälder kullern, ist Balsam auf CGI-geschädigte Herz, und das Finale, bei dem King Kong mit Ballons durch die Luft getragen und Godzilla quasi auf den Kopf geschmissen wird, treibt einem beinahe Tränen der Rührung in die Augen. Wer will angesichts solcher Schönheit und solchen Ideenreichtums noch über „den hässlichsten King Kong der Filmgeschichte“ lästern (selbst wenn er schlagkräftige Argumente hat)? Dieser King Kong macht solche Mängel durch ein großes Herz und Charakter wieder mehr als wett. Man muss nur den Riesenkrakenkampf hier mit dem langweiligen Gerangel in KONG: SKULL ISLAND zu vergleichen, um zu dem Schluss zu kommen, dass KINGU KONGU TAI GOJIRA ein Meisterwerk ist, nicht nur des Kaiju Eiga.

 

 

Wahrscheinlich sind die späteren, bunten Filme der GODZILLA-Reihe bekannter als das Original – zumindest hierzulande. Die Kaiju Eiga, die in den Sechziger- und Seibzigerjahren in den Toho-Studios und bei der Konkurrenz erschienen, erfreuten sich sowohl in Deutschland als auch in den USA großer Beliebhtheit und versüßten die Kindheit so manches Heranwachsenden. Am Rande bekam man dann vielleicht auch irgendwann mit, dass Ishirô Hondas erster GOJIRA und seine Titelkreatur eine Atombomben-Allegorie waren – was in den immer kindischer und absurder werdenden Sequels kaum noch eine Rolle spielte.

GOJIRA ist deutlich näher dran am klassischen Monsterfilm der Fünfzigerjahre, der ja auch in seiner US-amerikanischen Ausprägung als Reaktion auf die Entwicklung der Atombombe gelesen werden konnte/musste, aber atmosphärisch noch einmal etwas ganz anderes. Über weite Strecken widmet er sich dem Protagonistenpärchen Hideto (Akira Takarada) und der schönen Emiko (Momoko Kochi), der Tochter des Wissenschaftlers Professor Yamane (Takashi Shimura), der das Auftauchen des Monsters sofort mit den Atombombenversuchen im Pazifik in Verbindung bringt und mahnt, man möge damit aufhören. Emiko ist dem Erfinder Dr. Serizawa (Akihiko Hirata) versprochen, einem seit einem Unfall zurückgezogen lebenden Forscher, der ein Mittel erfunden hat, mit dem auch das Monstrum besiegt werden soll. Der einfach gestrickte Plot tritt gegenüber einer Atmosphäre der Trauer und eines niederdrückenden, greifbaren Schuldgefühls in den Hintergrund. Was später zu einer Art running gag wird, die Machtlosigkeit des Militärs gegenüber den verschiedenen Riesenmonstren, ist hier noch Anlass für echte Todesangst. Und die sandbox destruction, die nie länger als für einen Film Bestand hat, erinnert hier tatsächlich an den Kriegsfilm oder gar alte Wochenschau-Berichte.

Dass GOJIRA Ausdruck einer zutiefst gekränkten, gedemütigten und verunsicherten Nation ist, muss gar nicht ausformuliert werden. Ishirô Honda, der in den späteren Kaiju Eiga um keinen Jux verlegen war, zieht die Zügel an und zeigt seine angsterfüllten Protagonisten in lange gehaltenen, kontrastreichen Einstellungen, die ihre ganze Angst zum Ausdruck bringen. Godzilla walzt in einer ausgedehnten Sequenz durch Tokio, das er dem Erdboden gleichmacht, dabei auch keine Rücksicht auf die zwischen seinen Pranken herumlaufenden Menschen nehmend. Menschliche Opfer fordern die Monsterkämpfe in den Kaiju Eiga eigentlich nie, das ist hier anders. Und keine Szene bleibt so nachhaltig im Gedächtnis wie der Besuch in einem überfüllten Krankenhauses, in dem die zahllosen Opfer der Attacke – Kinder und Erwachsene gleichermaßen – behandelt werden. Wenn man weiß, worum es in GOJIRA tatsächlich geht, ist es unmöglich, diesen Film danach noch als gewöhnlichen Monsterfilm zu rezipieren, oder die weinenden Opfer als Schauspieler. GOJIRA ist mehr als das.

Am Ende aber triumphieren die Menschen über das Monster aus der Tiefe: Japan wird das Trauma der Atombombe überwinden, das ist die klare Botschaft. Und Ishirô Hondas Film hat dabei geholfen, mit den Mitteln der Kunst und des Science-Fiction-Films. Vielleicht lässt sich so erklären, wie aus dem Monster später ein Held werden konnte, der den vor neuerlichen Bedrohungen zitternden Menschen immer wieder zur Hilfe eilte – und zum Dank gar mit einer Statue in Tokio belohnt wurde: GOJIRA war die Konfrontationstherapie, die das Land damals brauchte, das Urviech verkörperte nicht nur die Atombombe, sondern auch ihre Überwindung. Und Godzilla wurde so vom Schreckgespenst zum Zeichen der Wiedererstarkung (interessant, dass der neue Film international den Untertitel „Resurgence“ trägt, was genau das bedeutet), dem man in immer wieder neuen Filmen seine Dankbarkeit erwies. Ich finde GOJIRA heute ja ein kleines bisschen ermüdend, aber man kann seine Bedeutung gar nicht hoch genug einschätzen. Und das nicht nur filmhistorisch.