Mit ‘J. Eddie Peck’ getaggte Beiträge

51cpse3nfzlAls erster Film außerhalb des offiziellen Programms landete in der ersten Kongressnacht zu meiner überaus großen Freude dieser berüchtigte Film im Player, der sich sofort meiner vollen Aufmerksamkeit gewiss sein konnte. Die Geschichte zu LAMBADA geht so, zumindest in Kurzfassung: Ende der Achtzigerjahre war die Cannon dank ihrer über die Jahre betriebenen aggressiven Produktionsweise und zunehmend ausbleibender Erfolge pleite, eine der spannendsten Hollywoodgeschichten zu Ende. Zu Ende war aber auch die Freundschaft zwischen den Cannon-Chefs Menahem Golan und Yoram Globus, die sich beide nicht nur einzeln wieder aufrappelten, sondern sofort den anderen als größten auszuschaltenden Konkurrenten wahrnahmen. Globus, der sich den Namen „Cannon“ gesichert hatte, glaubte als erster das kommerzielle Potenzial des neuesten Modetanzes zu erkennen und forcierte die Produktion von LAMBADA, damit er schnellstmöglich in die Kinos kam, um noch vom vermeintlichen Craze zu profitieren. Golan wollte an diesem lukrativen Geschäft auch teilhaben und tat es ihm gleich. In nur wenigen Wochen trieb er sein Konkurrenzprojekt THE FORBIDDEN DANCE – den Namen „Lambada“ durfte er nicht verwenden, wohl aber hatte er Globus den gleichnamigen Song weggeschnappt, der den kurzlebigen Lambada-Trend initiiert hatte – innerhalb weniger Wochen vom Drehbuchentwurf bis hin zur Fertigstellung und brachte es tatsächlich am selben Tag in die Kinos. Ein wahrer Geniestreich: Denn so nahmen sich die beiden Produzenten auch noch gegenseitig potenzielle Zuschauer weg. Beide Filme floppten massiv und verschwanden genauso schnell wie die Lambada-Welle.

Globus engagierte für seinen LAMBADA Regisseur Joel Silberg, der der Cannon mit dem Breakdancefilm BREAKIN‘ einst einen Riesenhit beschert hatte und somit für die Umsetzung prädestiniert war. Technisch gibt es an dem rasant geschnittenen und daäquat fotografierten Film wenig zu meckern, inhaltlich nimmt er aber so ziemlich jedes Fettnäpfchen mit, in das man treten kann. Hauptfigur des Filmes ist der süße Mathelehrer Kevin Laird (J. Eddie Peck), der „der Neue“ an einer High School ist, deren Direktor überaus rigide Moralvorstellungen vertritt. Mit seinem Softielächeln und den halblangen blonden Haaren erobert er sofort das Herz der frechen Sandy (Melora Hardin), die ihrem Freund Dean (Ricky Paull Goldin) eben erst wegen ständiger Flirtereien mit anderen Mädchen den Laufpass gegeben hat. Als sie mit ihren Freundinnen eines Nachts in einer Underground-Disco im hispanischen barrio einläuft, in der sich Latino-Kids zu heißen Rhythmen heftig schwitzend aneinander reiben, traut sie ihren Augen kaum. Und als sie dann noch ihren Mathelehrer im geilen Lederoutfit zwischen ihnen entdeckt, ist es ganz um sie geschehen. Es stellt sich heraus, dass Laird – eigentlich ein gebürtiger Mexikaner, der von amerikanischen Eltern adoptiert wurde – seine angeborenen Tanzkünste nutzt, um das Vertrauen der Einwandererkinder zu gewinnen und ihnen in nächtlichen Unterrichtsstunden zu einem Schulabschluss zu verhelfen. Die Avancen Sandys passen ihm da gar nicht in den Kram: Nicht nur, weil Laird verheiratet ist, sondern auch, weil der spießige Direktor auf keinen Fall etwas von seinem Nebenjob erfahren darf.

LAMBADA ist zu allererst einmal ein wahres Inferno grausiger Frühneunziger-Scheußlichkeit, voller beanstandenswerter Frisuren und Mode, aber auch einer höchst fragwürdigen Auffassung davon, was so als „cool“ oder „sexy“ gelten darf. Kevin Laird, der als begehrenswerter Supertyp und second coming of Christ gefeiert wird, sich in seiner Geheimidentität als „Blades“ Nacht für Nacht mit Lederjacke, Bandana, Ohrring und heißem Ofen als Rebell verkleidet, während Frau und Kind ohne ihn zu Hause rumhängen müssen, würde von Frauen heute wahrscheinlich eher mit Fackeln und Mistgabeln anstatt mit entfesseltem Lustkreischen und entblößte Brüsten gejagt werden. Aber Hauptanlass für Gelächter und ungläubige Blicke sind die komplett irren Handlungsdetails: Die unablässigen Exkurse in die euklidische Geometrie, die der Film in den Unterrichtsszenen auf Dialogebene vollzieht, sind vollkommen hirnrissig und unverständlich, der sozialkritische Subplot um die Überbrückung der Kluft zwischen Arm und Reich, Amerikanern und Migranten wirkt hoffnungslos aufgesetzt in seinem klebrigen Pathos. Versuche in Humor scheitern kläglich, Statt Erotik gibt es entweder aalglatte Schmierigkeit oder hyperaktives Gerödel. Die unangenehm übermotivierten Jungdarsteller, wahrscheinlich koffein- und anerkennungssüchtige Tanzakademieabsolventen, lösen mit ihrem affektierten Gehabe vor allem Aggressionen aus, während man sich angesichts der butterweichen Makellosigkeit des Helden schnell nach einer Schlammpackung sehnt. Wenn er am Ende den Latinokids zum Abi verholfen hat – sogar der minderbemittelte Ramone (Adolfo Quinones) hat die Mathematik begriffen – und eine flammende Rede über Toleranz und Völkerverständigung, hält im gerührten Auditorium die Augen feucht werden und sich haarsträubend eindimensionale Nebenfiguren in den Armen liegen, ist das nur der Gipfel eines Films, der mich in seiner Penetranz ein wenig an einen kleinen Hund erinnert hat, der sich einem unablässig am Bein reiben will. Großartig, unverzichtbar und, wie ich eben erst mitgeschnitten habe, tatsächlich auf Blu-ray verfügbar. Die Welt ist gut.

Das „Magnet Project“ erlaubt es Schülern aus sozial schwachen Familien auf eine Eliteschule zu gehen, so auch dem freundlichen Danny (J. Eddie Peck). Natürlich gefällt das nicht allen Eliteschülern: Ein Anstieg der Kriminalität auf dem Campus wird sofort den ungeliebten Neuen in die Schuhe geschoben und ein Campus-Wachtrupp namens „Sentinels“ ins Leben gerufen, der vom Millionärssohn Randy (John Stockwell) angeführt wird. Die Methoden der Sentinels sind mehr als fragwürdig, aber der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben. Bis ein Teilnehmer des Magnet Project tot aufgefunden wird …

DANGEROUSLY CLOSE, vom B-Movie-Titan Pyun für die selige Cannon inszeniert, ist zunächst mal ein Fest für alle Achtzigerjahre-Fetischisten: Gleich zu Beginn gibt es eine dieser geilen Scheinwerfer-im-Nebel-Gegenlicht-Aufnahmen, ohne die ein Genrefilm damals einfach nicht auskam, der Soundtrack ist gespickt mit Hochkarätern von Depeche Mode, Robert Palmer, Fine Young Cannibals über T.S.O.L. und die Lords of the New Church bis hin zu Black Uhuru, neben den genannten Darstellern gibt es ein Wiedersehen mit RETURN OF THE LIVING DEAD-Star Thom Mathews und dem späteren Bondgirl Carey Lowell – hier noch mit einem überaus attraktiven Rest von Babyspeck – und inhaltlich vereint der Film zwei der dominierenden Themen seines Jahrzehnts: Selbstjustiz und Klassenkampf. So wendet sich der verschlagene Randy an den zurückhaltenden Danny (seines Zeichens Redakteur der Campuszeitung), weil er dessen Gewogenheit braucht, um seine Sentinels aus dem Fokus des Interesses zu ziehen, und genau weiß, dass er diesen mit seinem materiellen Besitz leicht beeindrucken und gefügig machen kann. Zwischen beiden beginnt ein Spiel um Macht und Verführung, das darüber hinaus mehr als nur latent sexuell konnotiert ist: Ein gerade im Kontext des Selbstjustizplots ziemlich reizvoller Aspekt.

Leider, leider wird dieser interessanteste Teil der Handlung, nachdem er ausführlich aufgebaut wurde, in der zweiten Hälfte des Films aus mir unerfindlichen Gründen zugunsten einer konventionellen, unspektakulären Abwicklung fallen gelassen. Die Beziehung zwischen Randy und Danny wird plötzlich aufgelöst und geht in eine „normale“ Rivalität über, die aber auch erst im Showdown ausagiert wird. Nichts, was in der ersten Hälfte angerissen wird, scheint in der zweiten noch eine Rolle zu spielen und das ist ziemlich schade, weil DANGEROUSLY CLOSE durchaus das Potenzial zu einem kleinen Klassiker gehabt hätte. So kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, jemand habe mehr abgebissen als er zu kauen in der Lage war. Ich vermute die Wurzel des Übels beim Drehbuch, aber das ist natürlich schwierig zu sagen. Pyuns Film landet so letztendlich doch nur beim leicht gehobenen Durchschnitt: Man kann sich DANGEROUSLY CLOSE durchaus ansehen kann, ohne sich ärgern zu müssen, aber der bittere Geschmack der Enttäuschung bleibt doch.