Mit ‘J. S. Cardone’ getaggte Beiträge

the slayer (j. s. cardone, usa 1982)

Veröffentlicht: Oktober 30, 2017 in Film
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THE SLAYER ist ein Mysterium. Zum ersten Mal lief mir die Film bei einem England-Urlaub über den Weg, wo er in einer VHS-Horror-Reihe als ehemaliger „Video Nasty“ und Kultfilm angepriesen wurde. Doch trotz meiner unablässigen Lektüre von Nachschlagewerken zum Thema hatte ich von THE SLAYER noch nie gehört. Noch heute ist der Titel eher unterrepräsentiert und das, obwohl mit J. S. Cardone doch ein einigermaßen bekannter Name hinter ihm steckt, der Film über gute Production Values und einige happige Effekte verfügt, mit seiner rätselhaften Atmosphäre in Bann schlägt und schlicht eigenständig und eigenartig ist. Wenn ich jetzt hier anfinge, den Film zu beschreiben, würde er sich wahrscheinlich furchtbar öde anhören, aber Cardones Verbindung von Frühachtziger-Splatter und elliptisch-enigmatischem Mysteryfilm funktioniert tatsächlich ganz hervorragend.

Zwei Pärchen treten zu einem Wochenendtrip auf einer verlassenen Insel an: die neurotische Künstlerin Kay (Sarah Kendall) und ihr Ehemann David (Alan McRae) sowie Kays Bruder Eric (Frederick Flynn) samt Gattin Brooke (Carol Kottenbrook). Kay wird seit ihrer Kindheit von Traumvisionen heimgesucht und fühlt auf der Insel sofort eine rätselhafte Bedrohung. Die scheint sich zu bestätigen, als David mitten in der Nacht spurlos verschwindet …

Der markige Titel lässt es nicht unbedingt vermuten, aber THE SLAYER ist weniger ein bluttriefender Vertreter des Stalk n‘ Slash-Kinos seiner Zeit, sondern kommt deutlich subtiler daher. Die Effekte sind, wie schon erwähnt, nicht von schlechten Eltern, aber Cardone lässt seinen Film nie zur Gewaltorgie verkommen. Das Tempo ist eher gedrosselt, die morbide Inselatmosphäre sinkt ganz langsam ein, es sind zunächst die Spannungen unter den Freunden – die Leichenbittermiene von Kay und ihr Gerede über Visionen und Gefahren ruiniert den anderen schon nach kurzer Zeit die Laune -, die für Turbulenzen sorgen. Es wird nie wirklich klar, was genau da nun eigentlich vor sich geht, wer der titelgebende „Slayer“ ist und was sein Motiv sein könnte. Auch der Epilog reicht nur etwas nach, was vorher bereits einer der Charaktere erzählt hatte. Wie auch seine Protagonistin von einer nicht näher zu fassenden Angst in Bann geschlagen wird, legt sich über den Zuschauer ein eiskalter Hauch vager Ahnungen und unguter Gefühle. THE SLAYER ist einer der raren Horrorfilme, die verstanden haben, dass lückenlose Erklärungen und Logik Feinde des Schreckens und der Furcht sind und den Betrachter lieber mit seinen Fragen sowie einer Handvoll albtraumhafter Bilder allein lassen. Schön ist außerdem, dass sich Cardone jeden Firlefanz verkniffen hat: Es gibt keinerlei Anbiederungen an ein jugendliches Horrorfilm-Publikum, THE SLAYER ist durch und durch erwachsen und selbstbewusst genug, sein Ding ohne Fehltritte durchzuziehen. Wer ein Spektakel erster Güte erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. Man sollte sich auf THE SLAYER wirklich einlassen, diese ungemütliche Atmosphäre langsam einsinken lassen wie die nasse Kälte bei einem Novemberspaziergang und aufhören, Fragen zu stellen. Das ist die beste Voraussetzung, THE SLAYER als einen wirklich originellen Genrefilm in sein Herz zu schließen.