Mit ‘Jackie Earle Haley’ getaggte Beiträge

Der versoffene, heruntergekommene Ex-Baseballspieler Morris Buttermaker (Walter Matthau) soll ein Team in einer kalifornischen Jugendliga trainieren. Das Geld nimmt er gern, die Arbeit aber nicht besonders ernst. Erst nach einer demütigenden ersten Niederlage fühlt er sich bei der Ehre gepackt, sieht sich in der Verantwortung, die ihm unterstellten Kinder – alles andere als Sportskanonen – wieder aufzurichten. Mithilfe seiner talentierten Stieftochter Amanda (Tatum O’Neal) und dem juvenile delinquent  Kelly (Jackie Earle Haley) formt er aus dem mitleiderregenden Haufen einen Meisterschaftskandidaten, sehr zum Missfallen des überambitionierten Konkurrenztrainers Roy Turner (Vic Morrow) …

DIE BÄREN SIND LOS dürfte eine meiner frühesten Fernseherinnerungen sein, allerdings nicht die Filmversion, die ich gestern tatsächlich zum ersten Mal gesehen habe, sondern die Serienfassung von 1979, in der Jack Warden in die Rolle des Trainers Buttermaker schlüpfte und auch ein kleiner, noch nicht drogenabhängiger Corey Feldman mitwirkte. Diese Serie bedeutete nach zwei Sequels (ohne Beteiligung von Matthau) und einem Rip-off namens HERE COME THE TIGERS das Ende der kommerziellen Ausschlachtung von Ritchies Erfolgsfilm bis zu Linklaters Remake aus dem Jahr 2005. Mit den rudimentären Erinnerungen, die ich an die Serie noch habe, war THE BAD NEWS BEARS schon eine kleine Überraschung.

Der Film ist nämlich gar nicht so leicht und unbeschwert wie ich das erwartet hatte, die Unzulänglichkeiten der kleinen Baseballer werden weitaus weniger ausgeschlachtet, als man das aus vergleichbaren Filmen kennt, und statt von unschuldigem Slapstick wird der Film von einer sehr greifbaren, melancholischen Stimmung dominiert, die ihn – trotz des geringen Alters seiner kindlichen Protagonisten – als Coming-of-Age-Film markiert. Das goldene Licht der südkalifornischen Sonne verzerrt die Bilder ins leicht Unwirkliche, der ganze Film ist in einem dämmrigen Zwielicht angesiedelt, das schon den Beginn einer neuen, weniger unschuldigen Zeit heraufbeschwört. Ritchie hat ernste Absichten: Er zeigt, wie das in den USA vorherrschende Leistungs- und Erfolgsdenken Außenseiter überhaupt erst produziert, wie von Ehrgeiz zerfressene Eltern ihre Kinder aus egoistischen Motiven zu Höchstleistungen antreiben, wie sie „Versagen“ sanktionieren, Individualismus verdammen, ihren Kindern jeglichen nicht auf ein Ziel gerichteten Spaß austreiben und sie so schon früh auf die Rücksichtslosigkeit konditionieren, die allein zum Erfolg verhilft. Wie blinde Profit- und Gewinnsucht selbst noch die Beziehungen zu den eigenen Kindern bestimmt, ein Klima geschürt wird, in dem der Schwächere nicht Zuwendung und Hilfsbereitschaft, sondern Spott, Demütigung und im äußersten Fall sogar Gewalt erntet und jeder, der nicht mitmacht bei diesem Wettkampf, als ewiger Verlierer abgestempelt wird.

So muss selbst der chronische Gammler Buttermaker, der eine potenzielle Gattin samt dazugehöriger Stieftochter vertrieben, eine Baseball-Karriere in den Wind geschossen hat, sich mit armseligen Jobs über Wasser hält und in seinem stets mit einer Kühltasche voller Bier ausgestatteten Auto zu wohnen scheint, irgendwann bemerken, dass er vor lauter Erfolgswillen seine Ideale vergessen, seine eigenen Interessen über die seiner Schützlinge gestellt hat. Es ist der Moment seines Umdenkens, der den eigentlichen Triumph des Films einleitet: Am Ende, just in dem Moment, in dem er die Chance hat, mit seinen Bears den Titel zu gewinnen, allen Spöttern zu beweisen, was er kann, setzt er die schwächsten Spieler ein, gibt jenen eine Chance, die nie eine hatten. Die knappe Niederlage fühlt sich an wie ein Sieg, weil sie auch ein Bekenntnis zu Solidarität und Freundschaft ist – durchaus nicht selbstverständlich für das oft reaktionäre Sportfilm-Genre, das auf den finalen, zählbaren Erfolg als deutlichsten Ausdruck der Entwicklung seiner Figuren selten verzichten mag. In THE BAD NEWS BEARS kann „Sieg“ nur bedeuten, das System mit seinen eigenen Waffen zu schlagen: Indem man die Niederlage zum Triumph umdefiniert, den Pokal in den Dreck wirft, die leeren Respektbekundungen des Gegners als leere Phrasen und sprachliches Mittel der Unterdrückung bloßstellt und ihnen mit der gebührenden Verachtung entgegentritt. Ritchie geht es nicht um staatstragende Ideologie und Volkserbauung: Er weiß, dass das Leben hart ist und die Kindheit ebenso kostbar wie oft auch traurig und deprimierend; dass die Welt der Erwachsenen und der Kinder immer mehr in Konflikt miteinander geraten (er hat sich auch in THE ISLAND mit dem Druck auseinandersetzt, der Kindern von ihren Eltern auferlegt wird). In der emotional am stärksten nachwirkenden Szene ohrfeigt Roy Turner seinen eigenen Sohn auf dem Platz, weil dieser einen Fehler gemacht hat. Ein Sieg der Bears hätte nach dieser Szene kein Happy End mehr sein können.

Detective Sean McKinney (Robert Davi) ist am Boden zerstört, als sein Protegé, die wegen ihrer eigenwilligen Methoden schon mehrfach in die Schlagzeilen geratene Polizistin Katie Sullivan (Gretchen Becker), bei einem Einsatz so schwer verwundet wird, dass nur noch der Hirntod diagnostiziert werden kann. Aufgrund manipulativ geschnittener Filmaufnahmen zweier erfolgssüchtiger Nachrichtenreporter sieht es zudem so aus, als habe Katie eine Unschuldige erschossen. Diese Geschichte beschäftigt jedoch nicht nur McKinney, sondern auch den von den Toten auferstandenen Matt Cordell (Robert Z’Dar), der in der Polizistin eine Seelenverwandte erkennt und ihr zu Hilfe eilt …

Hatte ich bei MANIAC COP 2 zunächst noch Probleme, die sich erst bei einer Zweitsichtung weitestgehend auflösten, machte ich mit MANIAC COP 3 genau die umgekehrte Erfahrung: Am Freitag direkt nach Teil 2 gesehen, gefiel er mir zunächst besser, schien er der interessantere, spannendere und abwechslungsreichere Film zu sein; eine Einschätzung, die ich korrigieren muss, nachdem ich auch diesen Film der Nachprüfung unterzogen habe. Gelang es Cohen und Lustig mit dem zweiten Teil noch, ein gängiges Handlungsmuster des Copfilms mit den Mitteln des Horrorfilms zu überspitzen, ohne dabei jedoch den Rahmen des Glaubwürdigen ganz zu verlassen, so ist Teil 3 mit seinen Voodoo- und Wiederauferstehungsritualen ganz eindeutig dem Bereich des Fantastischen zuzuordnen und büßt damit einiges an Wirkungskraft ein. Die Idee mit der seelenverwandten Polizistin, die Cordell vor der postmortalen Zerstörung ihres Rufs bewahren will, ist eigentlich sehr schön und verleiht dem Film emotionale Schwere: Als hoffnungsloser Fall in einem Krankenhausbett vor sich hin vegetierend ist Katie Sullivan die Seele des Films, doch weiß Lustig nicht so recht, wie er diesen nachhaltigeren Strang des Films mit dem eher formelhaften und auch irgendwie albernen Slasherplot verknüpfen soll. So kollidieren die deutlich schwarzhumorigen und gallig-satirischen Elemente des Films – bitterer Höhepunkt in dieser Hinsicht ist ein Dialog zwischen dem Chefarzt des Krankenhauses (Robert Forster) und einem fiesen Politiker (Paul Gleason), in dem ersterer letzterem gegen ein paar Baseballkarten verspricht, die Kate am Leben erhaltenden Maschinen abzuschalten – mit dem menschlichen Kern des Films und die eh schon nicht rundlaufende Geschichte wird dann noch zusätzlich von einem zombiefizierten Cordell gestört. Wenn der Zombiecop einen zynischen Chirurgen mit einem Defibrillator bis aufs Dach des Krankenhauses verfolgt und dort mit Stromstößen umbringt oder einen frechen Punk in die Luft wirft, um ihn dort wie ein Kunstschütze zu durchlöchern, fühlt man sich eher an die späten Einträge der FRIDAY THE 13TH-Reihe erinnert als an Lustigs/Cohens düstere Selbstjustiz-Saga. Was man MANIAC COP 3 nicht absprechen kann, sind auch diesmal wieder eine erstklassige Besetzung und einige exzellente Feuerstunts: Die finale Verfolgungsjagd mit einem brennenden Maniac Cop am Steuer ist ein Highlight, dem man aufgrund des eingegangenen Risikos gern nachsieht, dass sie ein bisschen zu lang geraten ist.