Mit ‘Jai Courtney’ getaggte Beiträge

Teil 5 des Terminator-Franchises hat wie die vorangegangenen beiden Teile vor allem damit zu kämpfen, dass James Cameron seinerzeit mit THE TERMINATOR und T2: JUDGEMENT DAY zwei (sehr unterschiedliche) Filme schuf, die sofort zu Klassikern avancierten und ihre jeweilige Dekade beinahe idealtypisch verkörperten: Düstere, technikskeptische No-Future-Apokalypse für die Eighties, lautes, schnelles, großes, ironiedurchsetztes und zynisches Popcorn-Spektakel für die Nineties. Vor allem letzterer war damals ein Game Changer ersten Ranges, der Film, der einen Paradigmenwechsel und eine neue Epoche computergenerierter Effekte einläutete. Selbst, wenn man von den nachfolgenden drei Teilen der Reihe enttäuscht ist oder war, so muss man doch einräumen, dass es nahezu unmöglich scheint, heute noch etwas von vergleichbarer revolutionärer Bedeutung zu schaffen. Die Effekte von Alan Taylors TERMINATOR GENISYS sind teilweise beeindruckend, das Sounddesign ähnlich wie im Vorgänger TERMINATOR SALVATION eine Klasse für sich, trotzdem sind das nur kleine Details, deren Stellenwert nicht vergleichbar ist mit den Morphing-Effekten um den T-1000 vor beinahe 25 Jahren. Das fällt beim neuesten Eintrag umso stärker auf, als er den direkten Vergleich nicht scheut, sondern ihn aktiv sucht: TERMINATOR GENISYS erzählt die Geschichte von THE TERMINATOR zunächst noch einmal aus der Perspektive des Zeitreisenden Kyle Reese (Jai Courtney), streift dabei ikonische Szenen wie die Konfrontation des Terminators mit den Punks vor dem Planetarium, nimmt dann aber eine Abzweigung. Sarah Connor (Emilia Clarke) und der Terminator (Arnold Schwarzenegger) sind in ihrem Kampf gegen Skynet mittlerweile selbst zu versierten Zeitnavigatoren geworden, sodass es gleich mehrere alternativ laufende Zeitstränge gibt, die sich ständig überkreuzen und etwa dazu führen, dass der Terminator gegen sein altes Selbst kämpfen muss. Am Ende scheint die Zukunft mit der Zerstörung Skynets und ihres neuesten Produkts Genisys gerettet, aber mit Kenntnis der Reihe weiß man, dass es in einer Welt, in der man jederzeit in die Vergangenheit reisen kann, um die Dinge retroaktiv zu ändern, keinerlei bleibenden Gewissheiten mehr gibt. Man könnte sagen, dass die TERMINATOR-Reihe in ihrer ständigen Wiederbelebung und Neuninterpretation des Alten, dem leeren Versprechen einer nun endgültigen „Auflösung“ und der gleichzeitigen inhärenten Unmöglichkeit einer solchen das ultimative Hollywood-Produkt geworden ist. Genisys ist Skynet ist Hollywood.

So wie der Technologiekonzern sich in TERMINATOR GENISYS längst nicht mehr mit der Konstruktion waffenstarrender Kampfroboter zufrieden gibt sondern mittels des titelgebenden Programms via Internet alle relevanten Bereiche des menschlichen Lebens zu kontrollieren sucht, ist Film ja längst nur noch ein Bestandteil des Markenstrebens der Studios. Solange die Marke Gewinn abwirft, wird es also neue Filme geben und dank des den Kern der TERMINATOR-Urerzählung bildenden Zeitparadoxons ist das nächste Update (der Begriff macht hier noch mehr Sinn als anderswo) gewissermaßen schon eingebaut. Kyle Reese kann am Ende nach gelungener Weltrettung im pathetischen Brustton der Überzeugung sagen „The future is not set“, auf das Potenzial geschichtsumwälzender Handlungen anspielen, aber die Ironie entgeht ihm dabei. Denn wenn die Zukunft nicht feststeht, ist ja auch der nun errungene Sieg nur vorübergehend. Was hindert die Maschinenmenschen eines alternativen Zeitstrangs daran, die nun „echte“ Zukunft durch Eingreifen in ihre Vergangenheit wieder rückgängig zu machen? Wir werden es im nächsten Teil sehen.

Die verständliche Kritik an TERMINATOR GENISYS stieß sich genau daran: Dass auch dieser neueste Teil wie so viele andere Sequels und Reboots der vergangenen Jahre die altbekannte Geschichte nicht fortsetzte, sondern lediglich noch einmal von vorn erzählte, er lediglich als ständige Spiegelung der Vorgänger funktioniere und nicht als eigenständiges Werk. Das ist nicht verkehrt, verkennt aber die Tatsache, dass genau dieser Charakter schon in THE TERMINATOR angelegt war. Vordergründig malte Camerons Film eine apokalyptische Endzeitvision um Maschinen, die die Weltherrschaft an sich gerissen und die Menschen versklavt hatten, aber im Kern ging es immer um die Frage danach, inwieweit wir wirklich unseres eigenen Glückes Schmied sind – und um eine Liebes- und Familiengeschichte. Der Scope der Serie, die sich über mehrere Jahrzehnte und verschiedene nebeneinander laufende Zeitstränge erstreckt, nichts weniger als die Zukunft der Menschheit und der Erde verhandelt, mag gewaltig erscheinen: Tatsächlich ist sie von beinahe kammerspielartiger Intimität, kreist beständig um einen Kern von vier Personen, die mit jedem Teil eine neue Fassette ihrer Beziehung zueinander ergründen. Es war natürlich die eindrucksvolle Gestalt Schwarzeneggers, die den Betrachter von THE TERMINATOR zuerst in ihren Bann schlug, wie er da als perfekte Verkörperung einer emotionslosen, aber unaufhaltsamen Maschine durch den Film walzte, aber als ich ihn mir zuletzt angeschaut habe, stellte ich fest, dass das Herz des Filmes in jener kurzen Sequenz schlägt, in der sich Sarah und Reese erst einander annhähern, sich dann schließlich in Erfüllung ihres Schicksals auf einem Bett niederlassen, um das Kind zu zeugen, das später einmal die letzte Hoffnung der Menschen werden wird.

In TERMINATOR GENISYS wird diese durch die Zeit reichende, ihre Achsen krümmende Liebe wieder thematisiert, der Film mit der Komplettierung des Paares durch den von Sarah mittlerweile liebevoll „Pops“ genannten Terminators und des ebenfalls in die Vergangenheit reisenden John Connors (Jason Clarke) endgültig zum Familienfilm – der aber nicht ohne das obligatorische schwarze Schaf auskommt. Die Aufgabe, mit der zukünftige Sequels sich verstärkt zu beschäftigen haben werden, ist eine Justierung der Zeitstränge, die eine Vereinigung aller Familienmitglieder erlaubt. Erst wenn das gelungen ist, ist die Welt – möglicherweise? – tatsächlich gerettet.

Ich wiederhole mich: In den letzten Jahren ist dem klassischen Actionkino Hollywoods vom DTV-Actioner der Rang abgelaufen worden. Wer gute Action um kernige Alleingänger und Einzelkämpfer sehen wollte, der war mit dem Griff zur DVD-Premiere meist besser bedient als mit dem Gang ins Kino. Regisseure wie Isaac Florentine, John Hyams, Roel Reine oder William Kaufman zeigten mit ihren Filmen, dass ein großes Budget nicht alles ist, dass man viele budgetbedingte Defizite durch eine saubere Inszenierung und vor allem ein für das Gelingen von Actionszenen so wichtiges gutes Raum- und Bewegungsverständnis wettmachen kann. Statt mit aufgedunsenen Plots um Aufmerksamkeit zu heischen, konzentrierten sie sich auf das Wesentliche: kurze knackige Storys, um einen markanten Konflikt zentriert, garniert mit harten Fights und sauber choreografierten Action-Set-Pieces. Viele von ihnen zog es für diese Filme in den Ostblock, dahin, wo Arbeitskräfte und Drehgenehmigungen günstig sind, die Settings Geschichte atmen, alteuropäischer Barock einträchtig neben sozialistischen Altlasten und den prunkvollen Protzbauten des neuen Turbokapitalismus existieren, und einen eindrucksvollen Backdrop abgeben. Muss man es da nicht als den ultimativen Zirkelschluss begreifen, dass der neueste Beitrag der schwächelnden DIE HARD-Reihe sich nun auf die Spuren jener neuen, preisgünstigen Actonfilme begibt? Eben jene Reihe, deren erfolgreicher Startschuss einst maßgeblich zur Veränderung des klassischen Actionkinos hin zum Eventfilm und damit– auf Umwegen – erst zur oben beschriebenen Renaissance der DTV-Action beigetragen hatte.

Dafür, dass die Existenz eines neuen DIE HARD-Films ein Event sein sollte, kommt John Moores viertes Sequel aufreizend flüchtig daher. Die Spielzeit liegt bei rund 100 Minuten, die bis zum Anschlag vollgepackt sind mit Explosionen, Ballereien und Verfolgungsjagden. Da bleibt nur wenig Platz für eine Story: John McClane (Bruce Willis) erfährt, dass sein Sohn in Russland im Bau sitzt und möglicherweise die Todesstrafe erwartet. Sofort begibt er sich nach Moskau und stolpert auf der Suche nach Filius Jack (Jai Courtney) mitten in eine Straßenschlacht. Der Gefangene Komarov (Sebastian Koch) soll gegen den Politiker Chagarin aussagen und der hetzt seine Schergen auf ihn, um ihn in seine Gewalt zu bringen. Jack, ein CIA-Agent, kommt die Aufgabe zu, ihn dem Zugriff der Ganoven zu entziehen und mitten hinein in seine Bemühungen platzt der Papa, dem er nach schweren Konflikten entflohen ist. Nun müssen sich Papa und Sohnemann zusammentun, um den Tag zu retten …

An dieser kurze Inhaltsangabe sollten Kenner und Liebhaber der Serie um John McClane schon erkennen, was mit dem neuesten Eintrag alles falsch ist. Aber ich möchte zuvor auf die gelungeneren Aspekte des Films eingehen: Der Reduktionismus des Films, der gleich nach seiner Mini-Exposition mit dem Showdown beginnt ist durchaus sympathisch. Anstatt im vollen Bewusstsein seines Eventcharakters auf die Pauke zu hauen und den Zuschauer mit In-Jokes, Selbstreferenzen oder ähnlichen Mätzchen zu nerven, gibt es hier einfach 100 Minuten lang auf die Zwölf. Und die Action-Sequenzen sind größtenteils sehr ansehnlich geraten. Herausragend sicherlich die Verfolgungsjagd durch Moskau, bei der Autos auf ausgesprochen kreative Weise zu Schrott verarbeitet werden. Und Moskau liefert einen attraktiven Schauplatz der ansprechend in Szene gesetzt wird. Auch das Mit- und Gegeneinander der beiden Hauptfiguren zählt zu den positiven Seiten eines Films, der besser unter einem anderen Namen vermarktet worden wäre. Und hier sind wir dann bei der Kehrseite der Medaille: Die bisherigen Teile der Reihe – auch der viel gescholtene vierte – gaben sich viel Mühe, eine Situation aufzubauen, in der McClane die Rolle des Helden wider Willen zukam. Die Tagline „John McClane is back in the wrong place at the wrong time“ fasst das Problem des DIE HARD-Helden perfekt zusammen. Von den anderen Actionhelden seines Jahrzehnts unterschied sich McClane dadurch, dass er gar kein Held sein wollte. Ihm reichte das Dasein als einfacher Polizist mit einer kleinen Familie. Aber das Schicksal warf ihn beharrlich in Situationen, in denen mehr von ihm verlangt wurde. Der Erfolg von DIE HARD (und seinen Sequels) rührt von einer Verwandtschaft des Zuschauers mit McClane: Mit seinem Hadern und Jammern über die Situationen, in denen er sich wiederholt ohne eigenes Verschulden befindet, ist er eine perfekte Identifikationsfigur. Und weil er durch und durch durchschnittlich ist, wiegen seine Triumphe umso schwerer. Es gibt in fast allen Filmen den Moment, in dem der zunächst nur vom Pflichtbewusstsein ausgebremste Unwille in kamaikazehafte Lust umschlägt, in dem McClane bemerkt, dass sein Körper ein Flummi ist, dem nichts etwas anhaben kann und den er demzufolge immer wahnsinnigeren Tests unterzieht. Das sind die Momente, in denen die Materie über den Geist siegt und der mit Ehe- und Alkoholproblemen kämpfende McClane zu sich findet.

 

In A GOOD DAY TO DIE HARD gibt es nichts davon. Freiwillig geht McClane nach Moskau, sofort stolpert er ins Chaos, sofort fällt die Entscheidung, mitzumischen. Da gibt es kein Zögern, kein Hadern und keine Angst mehr, stattdessen: „Let’s go kill some motherfuckers!“ Na klar, all die vergangenen Abenteuer, mit denen McClane ja auch zu einer nationalen Berühmtheit aufstieg, werden ihre Spuren hinterlassen, sein Ego möglicherweise aufgeblasen und ihn in den Glauben versetzt haben, er sei unsterblich. Aber wenn das so wäre, müsste das thematisiert werden. Es gibt aber keinerlei schlüssige, vom Film gelieferte Erklärung dafür, warum McClane sich plötzlich anhört wie Sylvester Stallone in THE EXPENDABLES 2. Man muss zu dem Schluss kommen, dass keiner der Verantwortlichen sich Gedanken darüber gemacht hat, was die DIE HARD-Filme überhaupt ausgezeichnet hat. Auch der Vater-Sohn-Konflikt, eigentlich ja ein dankbares erzählerisches Mittel, dem Zuschauer die Figuren menschlich näher zu bringen, wird hier einfach so dahingestellt. Screenwriting 101. Was man mitgenommen hat aus den Vorgängern, das ist dieser oben erwähnte Flummi-Aspekt. Nachdem McClane im Vorgänger auf einem Düsenflieger reiten durfte, hängt er hier an einem außer Kontrolle geratenen Hubschrauber. Aber diese selbstmörderischen Aktionen verursachen längst keine Schmerzen beim Helden mehr, sie sind lediglich business as usual für McClane, der in diesem Film ein Superheld ist, einer der nach Moskau fliegt, um Ärsche zu treten, während er früher nicht einmal einen Streifenpolizisten davon überzeugen konnte, seinen Wagen nicht abzuschleppen.

Fazit: A GOOD DAY TO DIE HARD ist kein schlechter Film, aber er trägt den falschen Titel. Als TAKEN 2 und mit Liam Neeson besetzt, wäre er ausgezeichnet – und besser als das tatsächlich existierende Sequel dieses Namens.