Mit ‘James Burrows’ getaggte Beiträge

Um einen Mord in der Schwulenszene von L.A. aufzuklären, sollen der Frauenheld Benson (Ryan O’Neal) und der homosexuelle Schreibtischbeamte Kerwin (John Hurt) als verdeckte Ermittler ins Milieu eingeschleust werden: als schwules Pärchen. Benson ist zunächst alles andere als begeistert, doch Kerwins Qualitäten als Hausmann überzeugen ihn schließlich. Als Benson während seiner Ermittlungen mit einer attraktiven Fotografin zusammenarbeitet, riskiert er mehr als nur seine Tarnung und die harmonische Beziehung zu Kerwin: Die junge Frau scheint nämlich in die Morde verwickelt zu sein …

PARTNERS – in Deutschland unter dem damals typischen Titel ZWEI IRRE TYPEN AUF HEISSER SPUR vermarktet – ist eine leichte, seichte Krimikomödie, die sich aber auf äußerst charmante, wenn auch nicht gänzlich klischeefreie Art mit dem Thema „Homophobie“ auseinandersetzt. Man könnte den von Francis Veber (der mit seinem Drehbuch zu LE CAGE AUX FOLLES maßgeblich dazu beigetragen hat, schwule Themen im Mainstreamkino zu etablieren) gescripteten Film auch als massentaugliche, kommerzielle Version von Friedkins CRUISING bezeichnen: Während der Protagonist dort über seine Ermittlungen in der New Yorker Schwulenszene immer mehr mit seiner eigenen Homophilie konfrontiert wird, lernt der Vorzeigehetero Benson hier nicht nur, dass nicht jeder Schwule ihm sofort an den süßen Hintern will, sondern darüber hinaus auch die Vorzüge des homosexuellen Lebens zu schätzen, für das er zunächst nur Abscheu übrig hat – fast so, als befürchtete er, er könne sich bei Kerwin anstecken. Der ganze Einsatz wird für Benson zu einer Art Therapie (während CRUISING eher vom Sturz in eine Krise erzählt): In der Verkleidung des leicht verfügbaren Homosexuellen, mit Trägershirt, Stirnband und Workerboots, erfährt er am eigenen Leib, was es mit sexuellen Übergriffigkeiten auf sich hat und wird unfreiwillig auf seine weiblichen Züge gestoßen. Nachdem ihm der schwule Besitzer eines Motels, das von männlichen Pärchen frequentiert wird, unter dem Tisch ganz selbstverständlich das Gemächt liebkost, ist Bensons spätere Reaktion erstaunlich: Nun wisse er, wie schrecklich es für eine Frau sein müsse, die von den Männern stets als „fair game“ betrachtet werde, immer damit rechnen müsse, einen „freundschaftlichen“ Klaps auf den Hintern zu bekommen, ohne sich darüber beschweren zu dürfen.

Ich habe letztlich mit meinen Freund Robert, dessen Movie Store in Düsseldorf ich hier schön häufiger lobend erwähnt habe und der mir auch PARTNERS ans Herz gelegt hat, darüber diskutiert, ob es eher produktiv oder hinderlich ist, vor der Betrachtung eines Films allzu viel über ihn in Erfahrung gebracht zu haben. Wir sind natürlich zu keiner Einigung gekommen, aber PARTNERS ist in meinem Fall ein Beispiel dafür, wie der vorige Kontakt mit einem Verriss zu einer eher günstigen Beeinflussung geführt hat. Der erste IMDb-Rezensent zu diesem Film bezeichnet ihn als homophob, klischeehaft, ja geradezu hasserfüllt. Und selbst wenn ich zugeben würde, dass einige der Figuren die Vorstellungen des Spießbürgers bestätigen, so finde ich doch, dass Burrows sehr gemäßigt und sensibel mit seinem Thema umgeht. Schon die Besetzung mit Hurt zeigt das: Auf schwule Rollen abonniert, ist er doch weit davon entfernt, die hysterische Superschuchtel zu geben. Sein Kerwin ist sensibel und effeminiert, natürlich ein begnadeter Hausmann, der bereitwillig die Rolle der Eheefrau einnimmt, aber Hurt ist durch und durch glaubwürdig darin, verleiht Kerwin jenes Maß an Würde, das solchen Figuren oft eben nicht zugestanden wird. Auch die Darstellung der Szene finde ich durchaus differenziert: Nachdem das Thema einmal etabliert ist, geht Burrows sehr selbstverständlich damit um. Die wenigen grellen Gags, die sich der Film vor allem zu Beginn erlaubt – das Auto, das die Polizei Benson und Kerwin zur Verfügung stellt, ist ein pinkfarbener VW Käfer, dessen Hupe eine alberne Melodie trötet –, scheinen mir außerdem weniger Schwule zu diffamieren, als vielmehr das Bild, das Heteros von ihnen haben, bloßzustellen.

PARTNERS, der heftig floppte und von O’Neal später angeblich als „Fehler“ eingestuft wurde, ist bestimmt kein großer Film: Das versucht er auch gar nicht zu sein. Aber er stellt für meine Begriffe einen rundweg gelungenen Versuch dar, ein eher oberflächliches Publikum mit einem Damals-noch-Tabuthema zu konfrontieren (das heute überkommene Genre der Krimikomödie bot ja immer eine beliebte Schablone, um solche in ein Unterhaltungsgewand zu kleiden), die der Gesellschaft inhärente latente Homophobie aufzudecken: Gerade der Polizei stellt Burrows in dieser Hinsicht alles andere als ein gutes Zeugnis aus. Doch PARTNERS ist tatsächlich viel mehr als nur ein Film über Homosexuelle und Homophobie: Er beschäftigt sich mit unterschiedlichen Männerbildern und Beziehungsmodellen, ist somit auch für monogam lebende, tolerante Heteros wie mich ein Gewinn.