Mit ‘James Franciscus’ getaggte Beiträge

Der Vietnamkrieg liegt in den letzten Zügen und amerikanische Diplomaten verhandeln erfolglos mit Nordvietnam, um die Freilassung amerikanischer Kriegsgefangener zu erwirken. Eine Spezialeinheit der CIA, die Black Tigers unter der Leitung von Major John T. Booker (Chuck Norris), erhält daraufhin den Geheimauftrag, einige Kriegsgefangene zu befreien. Doch die Mission endet im Desaster: Im angeblichen Gefangenenlager warten ausschließlich nordvietnamesische Soldaten, die die Black Tigers dezimieren, der Hubschrauber, der die Agenten abholen soll, kommt nicht. Fünf Jahre später steht der Politiker Conrad Morgan (James Franciscus), der einst die Verhandlungen führte, vor einem großen Karriereschritt Richtung späterer Präsidentschaft, als die verbliebenen Black Tigers nach und nach Mordanschlägen zum Opfer fallen. Auch Booker ist in Gefahr und versucht verzweifelt, seine alten Kumpane zu warnen und das Komplott aufzudecken …

GOOD GUYS WEAR BLACK gehört noch zur Frühphase des Norris’schen Schaffens, als der Actionfilm noch kein eigenes etabliertes Genre war, sondern lediglich die Summe verschiedener aktionsbetonter Genres darstellte. Ted Post, der viel fürs Fernsehen arbeitete und dessen bekanntesten Werke wahrscheinlich die jeweils zweiten Teile zur Dirty-Harry- und Planet-der-Affen-Reihe sind – MAGNUM FORCE und BENEATH THE PLANET OF THE APES –, inszeniert die Geschichte um den Verrat eines karrieregeilen Politikers an seinen eigenen Leuten dann auch als eher gemächlichen und vor allem enorm geschwätzigen Agententhriller, der nie wirklich in die Gänge kommt. Die wenigen Actionszenen sind kurz und aufgrund der statischen Szenenauflösung selten spektakulär: Der einsame Höhepunkt des Films ist ein beherzter Sprungkicks Norris‘ durch die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos auf den Brustkorb des Fahrers. Ansonsten wird viel geredet und durch die Gegend gefahren, ohne dass dabei auch nur annähernd so etwas wie Spannung aufkäme. Die verzweifelten Versuche, Norris als romantischen Held aufzubauen – man stellt ihm die junge, hübsche Anne Archer zur Seite –, zeigen zudem, dass man noch nicht so richtig wusste, wo die Stärken und Schwächen des Hauptdarstellers lagen. GOOD GUYS WEAR BLACK ist als Zeitzeugnis nicht ganz uninteressant, aber vor allem ziemlich langweilig.

Das ist zumindest insofern schade, als der Film inhaltlich einen Vorläufer solcher Actionklassiker wie MISSING IN ACTION oder RAMBO: FIRST BLOOD PART II darstellt, der durch seine dialoglastigere Anlage das Feld thematisch absteckt, das dann später vor allem bildgewaltig beackert wurde. Die verbale Auseinandersetzung zwischen Booker und Morgan kurz vor Schluss bringt all das auf den Punkt, was später gar nicht mehr gesagt werden musste. Die USA konnten es nur so weit bringen, weil sie es in ihrer Geschichte immer wieder verstanden haben, die Schwachen auszunutzen, sich stets auf den Patriotismus seiner Bürger verlassen konnten, die den Worten ihrer politischen Führer blind zu folgen bereit waren. Leider versäumt es Post, aus dieser durchaus brisanten Erkenntnis einen ebenso brisanten Film zu machen: GOOD GUYS WEAR BLACK ist harm- und belanglos, das verbrecherische Treiben wirkt nie erschreckend und skandalös, sondern eher läppisch und lediglich gespielt – ganz wie in einer Vorabendserie. So bleibt neben dem oben erwähnten Kick vor allem ein Bild hängen, das eher unfreiwillig das Versagen des Filmes widerspiegelt: Chuck Norris in himmelblauem Skianzug und dazu passender Bommelmütze. Dafür hat sich das Durchleiden von GOOD GUYS WEAR BLACK dann durchaus gelohnt.

Der Zeitungsreporter Carlo Giordani (James Franciscus) und der erblindete ehemalige Journalist Franco Arno (Karl Malden) tun sich zusammen, um Nachforschungen in einem mysteriösen Kriminalfall anzustellen: Nachdem in der Klinik von Professor Terzi eingebrochen wurde, fällt einer der dort beschäftigten Wissenschaftler einem Mörder zum Opfer. Weitere Tote folgen. Hat die Mordserie etwas mit den in der Klinik stattfindenden Versuchen zu tun, ein „Verbrechergen“ zu identifizieren?

Dario Argentos zweiter Spielfilm beginnt als viel versprechende Ausarbeitung der in seinem Debüt L’UCCELLO DALLE PIUME DI CRISTALLO angestellten Überlegungen zu Wahrnehmung und Erinnerung: Die Rolle des Sam Dalmas wird hier auf gleich zwei Figuren verteilt – Giordani und Arno –, deren unterschiedliche Fähigkeiten ihre jeweiligen Handicaps ausgleichen. Es ist vor allem der blinde und somit nicht auf den im Vorgänger als fehleranfällig und unzuverlässig identifizierten Gesichtssinn angewiesene Arno, der die beiden auf die richtige Spur bringt. Er enttarnt den Unfall eines Wissenschaftlers als Mord, weil er weiß, wie wichtig oft gerade das ist, was sich außerhalb des Gesichtsfeldes zuträgt: Das Foto, das zeigt, wie der arme Mann vor einen heranrauschenden Zug stürzt, war beschnitten, das vollständige Bild zeigt deutlich, dass er gestoßen wird: ein Detail, das noch nicht einmal dem Fotografen selbst aufgefallen war, der sich bei der Bearbeitung des Fotos ganz auf das Opfer konzentriert hatte.

Diesen sehr spannenden Aspekt des Films – das Mehr-Sehen im Weniger-Sehen sozusagen – vernachlässigt Argento danach leider zusehends (Arno, die eigentlich interessanteste Figur des Films, verschwindet fast für eine halbe Stunde), um sich auf die absurden Verwicklungen seiner Murder Mystery selbst zu konzentrieren. Unzählige Verdächtige werden eingeführt und etliche falsche Fährten gelegt – wie das im Giallo so üblich ist –, und leider verliert sich IL GATTO A NOVE CODE dabei. Die geradezu umstürzlerischen neuen Erkenntnisse, die an der Klinik gewonnen wurden, sind kaum mehr als ein schöner McGuffin: Bei allem, was Argento da thematisch in die Waagschale wirft, der Zeit, die er sich lässt, seine Geschichte zu erzählen, erschien mir der Film erstaunlich trivial und flach. Man mag berechtigtermaßen einwenden, dass Gialli nun in erster Linie pulpiges Entertainment sind und nicht dazu da, Reflexionen über das Dasein anzuregen; und dass es bei Argento doppelt leicht fällt,  über diese höchst einfachen (Lästerer würden vielleicht sogar sagen: dummen) Geschichten hinwegzusehen, weil er sich wie kein Zweiter darauf versteht, sie kunstvoll zu erzählen – und dabei dann quasi auf Umwegen die tieferen Sinnebenen jenseits des Plots aufzudecken. Doch auch (oder gerade) in dieser Hinsicht empfand ich IL GATTO A NOVE CODE gestern als eher langweilig.

Vielleicht ist er auch einfach nur deutlich subtiler als seine anderen Filme, vielleicht müsste ich ihn noch häufiger sehen, um eben jene Feinheiten zu erkennen, nach denen ich gestern vergeblich Ausschau gehalten habe. Ich habe diesmal einfach die spektakulären Set Pieces vermisst, diese Argento-Momente, in denen die Leinwand/der Bildschirm ein Eigenleben zu entwickeln beginnt, sich die Form vom Inhalt emanzipiert und sich die Bilder einfach unnachgiebig ins Hirn fräsen – und mich stattdessen mehr und mehr gelangweilt. Na klar, es gibt wieder etliche schöne Subjektiven und auch einige dezent ungewöhnliche Regieeinfälle, gerade die konfrontational inszenierten Morde mit ihren fast subliminalen Augen-Close-ups stechen natürlich hervor, ebenso wie der spektakuläre finale Liftsturz des Mörders, aber andere Szenen – etwa jene in der Gruft – hielten nicht, was ich mir von ihnen versprochen hatte. Vielleicht auch nur ein Problem der Erwartungshaltung, denn ich hatte wirklich große Lust auf diesen Film, den ich (wie übrigens die gesamte Tier-Trilogie) noch nicht kannte. So muss ich diesmal leider zu dem Schluss kommen, dass ich L’UCELLO DALLE PIUME DI CRISTALLO sehr viel besser und vor allem pointierter, zwingender, stringenter fand als den irgendwie umständlichen, nie ganz zu sich findenden IL GATTO A NOVE CODE. In QUATTRO MOSCHE DI VELLUTO GRIGIO werde ich vorsichtshalber mit etwas gedämpftem Enthusiasmus gehen.