Mit ‘James Isaac’ getaggte Beiträge

JASON X wird immer einen Platz in meinem kleinen, schwarzen Herzen einnehmen. Ihn damals auf dem Fantasy Filmfest zu erleben, auf großer Leinwand, als Teil eines Publikums, für das der Film gewissermaßen gemacht war, war sicherlich der ideale Auftakt für eine lebenslange Liebesbeziehung. Dass damals eigentlich nicht mehr unbedingt mit einem neuen FRIDAY THE 13TH-Film zu rechnen war, trug zum Erfolg gewiss bei: Das letzte Sequel, JASON GOES TO HELL: THE FINAL FRIDAY, lag fast zehn Jahre zurück, und hatte sich durch ein gespaltenes Verhältnis zum eigenen Erbe ausgezeichnet, der immer wieder angeteaserte FREDDY VS. JASON schien noch weit davon entfernt, Realität zu werden. Als sich der Vorhang des Kölner Residenz-Kinos dann für JASON X öffnete, war das wie ein Traum, wahrgewordene Jungsfantasie. Unter den Voraussetzungen war es fast egal, wie der eigentlich Film tatsächlich ausfiel: Dass James THE HORROR SHOW Isaac jedoch genau den Partyfilm vorlegte, den ich mir insgeheim erhofft hatte (echten Horror erwartete ich angesichts der Jason-in-Space-Geschichte natürlich nicht), machte alle Relativierungen unnötig. 15 Jahre später von der Konserve im heimischen Wohnzimmer betrachtet, verliert JASON X naturgemäß viel von seinem damaligen Charme. Die CGI-Effekte und der allgemeine Look des Filmes sind nicht gut gealtert, das mit selbstreferenziellem Humor angereicherte Stalk’n’Slash ist über 85 Minuten etwas ermüdend, das ganze Projekt kein Stück auf Nachaltigkeit, sondern ausschließlich auf unmittelbar wirkende Schlüsselreize hin inszeniert. Aber das konnte man über die neun Vorgänger im Grunde genommen auch sagen und JASON X ist wahrscheinlich das beste Sequel, das man 21 Jahre nach dem ersten Teil und lang nach dem Überschreiten des Verfallsdatums der Reihe überhaupt machen konnte. Es gibt einige tolle Einfälle, die die ganze Absurdität des Franchises und die groteske Unverwüstlichkeit der Figur aufs Korn nehmen und ziemlich genau das einfangen, was Fans für „ihren“ Jason einnimmt: Die Idee mit dem bunkerähnlichen „Camp Crystal Lake Research Center“, in dem Wissenschaft und Militär Forschungen an dem Koloss vornehmen, ist so eine, der Gastauftritt von David Cronenberg als diabolischem Militärwissenschaftler, der seine Beratungsresistenz mit dem Leben bezahlt, eine weitere. Später wird eine Untersuchung des tiefgefrorenen und im Jahr 2455 aufgetauten Killers die Frage aufwerfen, wie jemand mit einem so kleinen Gehirn überhaupt funktionieren kann – eine Frage, die sich Dutzende von Jason-Opfern in schicksalhafter Verkennung der Tatsachen natürlich niemals selbst gestellt haben. Als Jason von einem Cyborg in Fetzen geschossen wird, wird er dank der therapeutischen Tätigkeit von Superameisen zum „Uber-Jason“ mit chromglänzendem Exoskelett, und eine wunderbare Hommage an die ersten Teile der Reihe konfrontiert ihn mit einer Holografie vom Camp Crystal Lake anno 1980, wo der Kraftprotz sogleich von zwei virtuellen Bikinimiezen zum Kiffen und vorehelichem Sex eingeladen wird, mit erwartbarem Ergebnis. Am lustigsten finde ich aber persönlich, dass sich die Menschen in rund 450 Jahren potenzieller Evolution rein gar nicht weiterentwickelt haben: Die Studenten an Bord des Raumschiffs, auf dem Jason sein blutiges Werk fortsetzt, sind genau so rotzblöd wie ihre Vorfahren, haben nur Gefummel und Sex im Kopf, und werden dann erwartungsgemäß Opfer des tödlichen coitus interruptus. Am Ende bringt der Klappskalli vom Crystal Lake eine ganze Raumstation zur Explosion, bevor er als machetenbewehrter Asteroid durchs All treibt, darauf wartend, dass er irgendwo einschlagen kann, am besten natürlich in einem Studentenwohnheim mit dummdreisten Teeniebratzen.

Nachdem Detective Lucas McCarthy (Lance Henriksen) den brutalen, vermutlich 100-fachen Serienmörder Max Jenke (Brion James) zur Strecke gebracht hat, ist er schwer traumatisiert und wird von Albträumen geplagt, das Familienleben leidet. Der Besuch bei der Hinrichtung des Killers soll leisten, was McCarthy dem Psychologen nicht zutraut: Ihn von allen Ängsten befreien. Doch es kommt anders: Jenke überlebt mehrere Stromstöße und nutzt seine letzten Atemzüge, um dem schockierten Polizisten persönlich zu drohen, ihm das Leben fortan zur Hölle zu machen. Tatsächlich wird McCarthy fortan vom untoten Killer heimgesucht und verliert gegenüber der ratlosen Familie immer häufiger die Fassung. Als der Freund von McCarthys Tochter schließlich tot aufgefunden wird, steht der hilflose Polizist plötzlich auch noch unter Mordverdacht …

THE HORROR SHOW erschien in Deutschland zu einer Zeit auf Video, in der ich gerade begann, meine nachmittägliche Freizeit zwischen den Regalen „meiner“ Familienvideothek zu verbringen. Auch zur Ausleihe dieses Films konnte ich meine Mutter eines Tages überreden, musste dann aber konsterniert feststellen, dass er in der deutschen Fassung einige Federn gelassen hatte. Diese speziell deutsche Form des erfolgsverhindernden Missmanagements setzte aber nur fort, was schon in den USA begonnen hatte: Der mit Lance Henriksen und Brion James exzellent besetzte Film begab sich thematisch ausgerechnet in Konkurrenz zu Wes Cravens beinahe zeitgleich erschienenem SHOCKER, hatte dem mit hitgespicktem Metalsoundtrack und postmodernem Teenieappeal daherkommenden Film – zudem selbst ein Flop – aber nichts Vergleichbares entgegenzusetzen. Wo Craven die Grenzen zwischen Horror, Komödie und Videoclip lustvoll und zielgruppengerecht verwischte (wahrscheinlich auch der Grund, warum ich den Film so beschissen finde), servierte Isaac einen düstereren, erwachseneren Horrorfilm, in dem die dem damaligen Zeitgeist entsprechenden Effekte und die zu jener Zeit obligatorischen Franchise-Bemühungen deutliche Irritationsmomente darstellen. So oft, wie hier der Name des Killers beschworen wird, er den Protagonisten aus dem Fernsehen oder als Gummitruthahn vom Essenstisch belästigt, kann man die Freddy-Krueger-Assoziationen nur schwerlich abschütteln. Das kann dem Film zwar keinen echten Schaden zufügen, beißt sich aber dennoch mit seinen Bemühungen um ernsten Thrill. Dann ist da noch dieser hoffnungslos nichtssagende Titel. Wie wenig man dem zu Recht vertraute, mag die Existenz der – allerdings kaum weniger einfallslosen – Alternativen HOUSE 3 und HORROR HOUSE belegen. Wer sollte sich von diesem Titel angelockt fühlen?

Vielleicht ist THE HORROR HOUSE aber auch dazu geschaffen, 20 Jahre after the fact wiederentdeckt zu werden. An ihm lässt sich gut nachvollziehen, welche Kluft zwischen den Achtziger- und Neunzigerjahren erst überwunden werden musste, um dem Serienkillerfilm zur nur zwei Jahre später sich neu entfaltenden kommerziellen Blüte zu verhelfen: Dass der Polizist das Drängen seiner Ehefrau, die Therapie zu verlängern, mit einer abfälligen Bemerkung ablehnt, verdeutlicht das Dilemma des Eighties-Helden, für den Traumata, Ängste und Neurosen Weiberkram sind und der es gewohnt ist, die Dinge durch Taten zu verändern. Er muss auf die harte Tour lernen, dass es Dinge gibt, die sich seinem Zugriff entziehen. THE HORROR SHOW kommt ihm insofern entgegen, als sein Schurke ihn nicht länger bloß als immaterielle Phobie heimsucht, sondern tatsächlich Gestalt angenommen hat: McCarthy wäre wohl verloren, wenn er die Ursache seiner Ängste nicht ein zweites Mal ins Jenseits schicken könnte. THE HORROR SHOW und sein Protagonist erinnern massiv an einen weiteren Serienkiller-Film seiner Zeit: das Chuck-Norris-Vehikel HERO AND THE TERROR. Auch dort hatte der Protagonist die Begegnung mit einem Mörder nicht ohne Schaden überstanden, auch dort begab er sich in Therapie, auch dort musste er seine Nemesis ein zweites Mal besiegen, sein Trauma durch Konfrontation beseitigen. Und auch dieser Film war ein kommerzieller Fehlgriff, der Norris dazu zwang, mit seinem nächsten Film wieder in gewohnte Gewässer zurückzukehren. THE HORROR SHOW ist der deutlich bessere, aber auch der weniger interessante Film von beiden. In HERO AND THE TERROR kann die Zerrissenheit im Sein nicht aufgelöst werden, sie affiziert den ganzen Film, der unentschlossen zwischen den Polen Actionfilm und Psychodrama pendelt. THE HORROR SHOW endet hingegen gänzlich unironisch mit einem Happy End, in dem auch das vermisste Familienkätzchen wieder auftaucht und auch den letzten Zweifel daran beseitigt, dass hier alles wieder im Lot ist. Der Film fällt selbst auf dieses Happy End herein, aber wir, die wir THE SILENCE OF THE LAMBS kennen, wir wissen natürlich, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor.