Mit ‘James Shigeta’ getaggte Beiträge

121048Wenn fremde Elemente und Einflüsse, Humor und Dekonstruktion Einzug in den Genrefilm halten, ist das meist ein untrügliches Zeichen dafür, dass dieses in seine letzte, die sogenannte Dekadenzphase eingetreten ist. Umso erstaunlicher ist Enzo Peris Italowestern 3 PISTOLE CONTRO CESARE, der unter anderem einen Karateka und einen Hypnotiseur gegen einen Schurken antreten lässt, der sich selbst „Julius Caesar“ nennt, sich in edle Tuniken hüllt und am liebsten in der Gesellschaft schöner Mädchen in seinem luxuriösen Bad tummelt. Enzo Peris Film wurde nämlich keineswegs in den mittleren bis späten Siebzigerjahren gedreht, als der Italowestern seine letzten Atemzüge machte, auch nicht in den späten Sechzigern, als die erprobte Formel immer häufiger durch Ausflüge in den Bereich der Komödie aufgelockert bzw. erweitert wurde, sondern 1966, dem Jahr von Bruno Corbuccis DJANGO, dem großen stilprägenden Gamechanger und Superhit des noch jungen Genres, der für das, was danach kam, wahrscheinlich noch deutlich wichtiger war als Leones Dollar-Trilogie.

Inhaltlich weicht 3 PISTOLE CONTRO CESARE von DJANGO nicht allzu weit ab: Statt eines geheimnisvollen drifters, der in eine fremde Stadt einreitet und dort für Ordnung sorgt, sind es hier die drei Halbbrüder Whitaker Selby (Thomas Hunter), Lester Kato (James Shigeta) und Etienne Devereaux (Nadir Moretti), die in der Fremde ein Grundstückserbe antreten wollen, es dabei aber mit dem schurkischen Julius Caesar Fuller (Enrico Maria Salerno) zu tun bekommen, der nicht nur einst den Vater der drei umgebracht, sondern sich danach auch dessen Grundbesitz unter den Nagel gerissen hatte. Es kommt zur Auseinandersetzung zwischen den Helden und den Schergen des Bösewichts, bei der auch die hübsche Halbschwester Mady (Delia Boccardo) mitmischt.

So weit, so generisch. Was aber an Peris Film sofort auffällt, das sind die comicartigen Einsprengsel und Details: Whitaker trägt zwei Superrevolver bei sich, die auf Knopfdruck nicht nur zusätzliche Läufe ausfahren, sondern auch aus den Griffen feuern. Etienne kann seine Gegner mit einem hypnotischen Fingerzeig lähmen, Lester harte Handkantenschläge verteilen. Der echte Hingucker des Films ist aber Salerno als Caesar-Verehrer, der in seinem an den Rand einer Klippe gebauten Haus lebt wie ein Kaiser, sich entsprechend gewandet und über Leben und Tod seiner Feinde von oben herab per Daumensignal entscheidet. Man kann dieses Detail durchaus als Abschiedsgruß in Richtung des ehrwürdigen Sandalenfilms, des Peplums, verstehen, der vom Italowestern in der Gunst des Publikums abgelöst wurde: Ein „Duell“, das im Showdown von 3 PISTOLE CONTRO CESARE quasi nachgestellt wird und natürlich zugunsten der Westerner ausgeht.

Der nur wenig bekannte Film bedeutete am letzten Tag des Terza Visione einen mehr als gelungenden, weil enorm schwung- und humorvollen Einstand. Daran änderten auch die rund zehn Minuten nichts, die die vorgeführte deutsche Version gegenüber der Originalfassung einbüßen musste. Wahrscheinlich im Wunsche, dem Zuschauer mehr Western fürs Geld zu bieten, wurden gerade jene Szenen entfernt, in denen Salerno noch ein bisschen mehr auf die Tube drücken durfte. Man merkt nichts von den Kürzungen, das Narrativ bleibt von ihnen völlig unangetastet, das gewonnene Tempo ist gewiss nicht zu verachten, auch wenn man gewiss bedauern darf, nicht noch mehr von Salerno zu Gesicht zu bekommen. Und natürlich von Femi Benussi, die eine von Caesars Poolschönheiten spielt, in der deutschen Schnittfassung aber über eine winzige Statistenrolle nicht hinauskommt, bei der man sich fragt, warum sie überhaupt mit einem Rollennamen bedacht wurde. Im Original darf sie noch ein Liedchen zu Besten geben, das ich wirklich gern gehört hätte, denn wie sagt der Volksmund so weise: „Ein Lied von der Benussi, ist immer ein Genussi.“ 3 PISTOLE CONTRO CESARE bekommt von mir aber so oder so: ein Bussi.

THE CRIMSON KIMONO erzählt die Geschichte der kulturübergreifenden Freundschaft zweier Koreakriegs-Veteranen sowie einer sich entspinnende Dreiecksbeziehung im Gewand eines Krimis. Potenziell interessanter Stoff, den Fuller leider nicht in den Griff bekommt. Seine letzte Regiearbeit der Fünfzigerjahre ist gleichzeitig seine erste, die mich weitestgehend kalt gelassen – um nicht zu sagen gelangweilt – hat. Zu Beginn ist noch alles in Ordnung, denn wie vom zigarrekauenden Filmemacher geht es gleich in medias res: eine Striptease-Bar, in der die Tänzerin Sugar Torch (Gloria Pall) nach ihrem Auftritt in ihrer Kabine überfallen, halbnackt auf die Straße gejagt und dort schließlich erschossen wird. Leider verflacht THE CRIMSON KIMONO danach schnell und findet erst in der zweiten Hälfte sein eigentliches Thema, dem die Durchschlagskraft dank zweier eher persönlichkeitsarmer Hauptdarsteller aber verwehrt bleibt.

Charlie Bancroft (Glenn Corbett) und Joe Kojaku (James Shigeta), zwei Detectives im Dienste des LAPD, sind unzertrennliche Freunde, seit Joe Charlie im Koreakrieg mit einer Blutspende das Leben rettete. Die beiden sind Partner, arbeiten und leben zusammen. Die Ermordung einer Striptease-Tänzerin macht beide mit der Künstlerin Chris (Victoria Shaw) bekannt: Eine Bekanntschaft, die ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellen wird, denn beide verlieben sich in die Frau, aber nur einer wird sie am Schluss in die Arme schließen können.

Zu seiner Zeit war Fullers Film mit seiner Liebesgeschichte zwischen einem Japaner und einer Weißen bestimmt ein „heißes Eisen“. Beim heutigen Zuschauer kommt nur noch wenig von diesem tabubrechenden Potenzial an. Ein richtiger Außenseiter ist Joe nicht und auch, wenn die japanische Gemeinschaft ihren eigenen Traditionen verpflichtet bleibt, spielt Rassismus in Fullers Film eher eine untergeordnete Rolle. Wenn sich Joe und Charlie in einem Kendo-Duell gegenüberstehen, werden Sie von einträchtig nebeneinander sitzenden Japanern und weißen Polizisten angefeuert. Für Probleme sorgt eigentlich eher Joes Selbstbild – was den Vergleich zum kürzlich gesehenen LOVE IS A MANY-SPLENDORED THING herausfordert, der eine ähnliche Geschichte mit umgekehrten Vorzeichen erzählt: Er fühlt sich nicht wirklich heimisch in den USA, sondern als nie am Ziel ankommender Wanderer zwischen den Welten: Für die Japaner ist er ein Amerikaner, diese betrachten ihn jedoch immer noch als Asiaten. Als sein bester Freund verständlicherweise erbost auf Joes Geständnis, sich in Chris verliebt zu haben und sie heiraten zu wollen, reagiert, ist Joe es, der Charlie Rassismus unterstellt – was mehr als die Frau der Grund für das Zerbrechen ihrer langjährigen Freundschaft ist. Der Monolog, mit dem Joe Chris‘ Herz erobert, verrät ebenso viel über ihn wie über sie: In ihrem Bild einer Geisha im roten Kimono will er ein bislang unerfüllt gebliebenes Verlangen erkannt haben, ein sehnsüchtiges Warten auf etwas, das bislang noch nicht eingetreten ist. Er hat damit natürlich ihre Jungfräulichkeit – oder zumindest ihre Sehnsucht nach einer großen Liebe – durchschaut, aber mehr noch sein eigenes Verharren im Limbo zwischen zwei Identitäten beschrieben. Wie gesagt: Interessante Facettierungen, aus denen Fuller diesmal keinen guten Film gemacht hat. Der Krimiplot bleibt nichtssagendes Beiwerk und wird am Ende eher pflichtschuldig abgehakt. Richtig gefallen hat mir nur die stimmungsvolle Fotografie der Originalschauplätze. Nach so vielen Volltreffern verzeihe ich Fuller aber auch einen schwächeren Film.