Mit ‘Jason Robards’ getaggte Beiträge

Roger Cormans Film über eines der wichtigsten und blutrünstigsten Kapitel der Gangster-Ära ist auch eine der wenigen Regiearbeiten, die er für ein großes Studio ablieferte, ausgestattet mit einem großzügigen Budget von 2,5 Millionen Dollar und einem Drehplan, der ihm ausreichend Zeit ließ. Der „King of the Bs“ begriff das jedoch nicht etwa als Luxus, wenn man den Berichten traut: Er hielt das alles für enorme Verschwendung und gab am Ende sogar eine knappe halbe Million weniger aus als eigentlich budgetiert war. Aus heutiger Sicht kann man auch über den vollen Betrag nur schmunzeln: Zwar entstand THE ST. VALENTINE’S DAY MASSACRE ausschließlich in Studiokulissen (der nahtlose Übergang zwischen Kulissen und Matte Paintings allein ist schon ein Fest), trotzdem ist Cormans Film ein Ausstattungs-Overkill, der heute ein Vielfaches verschlingen würde.

Romantische Verklärung ist Cormans Sache aber nicht: Er bemüht einen dokumentarischen Tonfall für seine Inszenierung und versucht gar nicht erst, Spannung über den Ausgang aufzubauen. Paul Frees, „The man of thousand voices“ übernimmt die Voice-over-Narration, schaltet sich immer wieder ein, um Figuren einzuführen, Zeitsprünge zu erklären oder Kontext zu liefern. Das sowie die Tatsache, dass man den Ausgang der Geschichte ja bereits kennt, schafft eine gewisse Distanz: Es gibt kein Mitfiebern mit den Charakteren, die auch nicht unbedingt Mitleid oder Mitgefühl evozieren, lediglich dieses Kribbeln, das sich einstellt, wenn man sieht, wie die einzelnen Puzzleteile alle an den für sie vorgesehenen Platz fallen und sich zu dem Bild zusammenfügen, das man bereits kennt. Der von Corman gewählte Ansatz macht Sinn. Das titelgebende Ereignis ist, wenn auch von maßgeblicher historischer Bedeutung, ein eigentlich eher undankbares Sujet für einen Film: Das Massaker war nicht etwa eine wüste Schießerei zweier verfeindeter Banden, sondern er feiges Erschießungskommando, bei dem zudem überwiegend kleine Fische ins Gras bissen. Es richtete sich gegen Gangsterboss George „Bugs“ Moran (Ralph Meeker), einen erbitterten Rivalen von Al Capone (Jason Robards), der zum Zeitpunkt des Anschlags jedoch gar nicht anwesend war und mit dem Leben davonkam. Stattdessen starben Leute wie Johnny May (Bruce Dern), ein kleiner Automechaniker, oder Reinhardt Schwimmer (Mickey Deems), ein Optiker, dessen Verbindung zu den Gangstern eher lose war. Das großzügige Sterben und Morden ging danach noch eine Weile weiter, aber zum großen Vergeltungsschlag kam es nicht.

THE VALENTINE’S DAY MASSACRE ist kurzweiliger als er es eigentlich sein sollte: Es gelingt Corman einen Eindruck davon zu vermitteln, was für eine wilde Zeit das damals gewesen sein muss, als wild um sich ballernde Schwerverbrecher sich offene Kämpfe auf den Straßen Chicagos lieferten, in feinen Hotelsuiten große Geschäfte von Männern gemacht wurden, die tatsächlich nichts anderes als brutale Killer waren. Hervorstechend sind Jason Robards, der Capone als unberechenbaren Choleriker interpretiert, der nur die Stimme zu erheben braucht, um seine Untergebenen zum Schweigen zu bringen, und George Segal, der als Morans henchman Peter Gusenberg unerwartetes Talent für Psychopathen an den Tag legt. Wie es sich für einen Corman-Film gehört, ist natürlich auch Dick Miller dabei, als als Polizist getarnter Todesschütze, sowie Jack Nicholson, den ich aber nicht entdeckt habe. Weil es eine der hervorstechenden Eigenschaften aller am Geschehen involvierten Figuren ist, eher früher als später ins Gras zu beißen, treten viele der bekannteren Namen bereits wieder ab, bevor man sie richtig registriert hat: In Mininebenrollen gibt es u. a. John Agar sowie Regisseur Gus Trikonis zu sehen, dazu setzt sich die Besetzungsliste aus wunderbaren Charakterfressen und -darstellern wie Frank Silvera, Joseph Campanella, Richard Bakalyan, David Canary, Joe Turkel, Charles Dierkop oder Alex Rocco zusammen, um nur ein paar zu nennen. Dieser Aufzählungscharakter, den mein Text hier in den letzten Sätzen angenommen hat, verdeutlicht schon, was das Problem, aber eben auch die Stärke von THE ST. VALENTINE’S DAY MASSACRE ist: Emotional hinterlässt er nicht unbedingt Spuren, weil er eben eher eine bebilderte Geschichtsstunde darstellt. Aber ich wünschte mir, mein Geschichtsunterricht auf der Schule wäre nur halb so unterhaltsam, kurzweilig und reich an Höhepunkten gewesen …

Der Amerikaner Giff Hoyt (Charles Bronson) hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg in dem kleinen Nest Caboblanco an der peruanischen Küste niedergelassen und dort eine Bar eröffnet. Eines Tages kehrt Unruhe in dem verschlafenen Ort ein: Der britische Geheimdienst sucht vor der Küste nach einem gesunkenen Schiff, auf dem ein alter Nazischatz verborgen sein soll. Auch der alte Nazi Gunter Beckdorff (Jason Robards) hat großes Interesse an der Bergung und macht gemeinsame Sache mit dem Polizeichef Terredo (Fernado Rey). Als die junge Französin Marie Claire Alessandri (Dominique Sanda) auf der Suche nach ihrem Geliebten, der zur Besatzung des Schiffes gehörte, nach Caboblanco kommt, spitzen sich die Ereignisse zu. Und Giff steckt mittendrin …

Nach dem lustlosen LOVE AND BULLETS musste es zwangsläufig bergauf gehen in Bronsons Schaffen. Thompson orientiert sich für CABOBLANCO am Abenteuerfilm der Fünfzigerjahre, in dem kernige Typen vor exotischer Kulisse gegen undurchsichtige Finstermänner antreten, um Reichtum, vor allem aber das Herz einer schönen Frau zu erobern, und natürlich – wie man am Titel unschwer erkennen kann – an Michael Curtiz‘ Megaklassiker CASABLANCA: Das Kaff am anderen Ende der Welt, das dem Protagonisten als Utopie dient, die Kneipe, die das Zentrum aller interpersonellen Kontakte bildet, die Geschichte, die bis in die kriegerische Vergangenheit reicht, schließlich ein Nazischurke, ein korrupter Polizist und eine attraktive Frau – die Parallelen sind unverkennbar (die Trivia-Seite des Films in der IMDb käut die Gemeinsamkeiten ad nauseam wieder). Doch diese Referenzquelle verschafft CABOBLANCO gegenüber den zahlreichen Actionfilmen, Western und Thrillern, die die Filmografie Bronsons im Jahrzehnt zuvor bestimmten, auch eine Sonderstellung, die das Interesse des Zuschauers wachhält. Thompsons weiß vor allem die exzellente Fotografie von Álex Philips jr. (u. a. BRING ME THE HEAD OF ALFREDO GARCIA) für sich zu nutzen: Der Film ist sehr farbenfroh, ohne dabei comichaft oder künstlich zu wirken, vielmehr wird die tropische Schwüle hergehoben, die alle Empfindungen zu potenzieren scheint. Jerry Goldsmith komponierte dazu einen schwelgerische, weitschweifigen Score, der die schicksalhafte Tragweite der Vorgänge betont. Formal kann man CABOBLANCO also nicht ans Zeug flicken.

Leider wird die Geschichte dieser Gestaltung nicht gerecht. CABOBLANCO kommt über den Status einer Kopie nie hinaus, er hält den Betrachter immer auf Distanz, anstatt ihn ins Geschehen hineinzuziehen. Die Entscheidung, auf den großen Knall, das aufwändige Set Piece, den Showdown zu verzichten, mag in Anbetracht seiner Referenzpunkte goldrichtig sein: Auch CASABLANCA brauchte keine Verfolgungsjagd. Weil das Schicksal von Giff und Marie Claire aber nie so fesselt wie das von Rick und Ilsa, macht sich am Schluss, wenn CABOBLANCO mehr als unspektakulär beendet wird, doch die Enttäuschung breit. „Was sollte das alles?“, ist die Frage, die sich unweigerlich stellt. Natürlich muss nicht jeder Film die Welt verändern, aber ich vermisste dann doch den Enthusiasmus, die Freude der Macher daran, mir genau diese Geschichte jetzt, hier, auf diese Art und Weise zu erzählen. Und so aufregend ist die Mär um einen versunkenen Nazischatz dann doch nicht, dass ich aus reinem Goodwill bis zum Ende mitfiebern würde. Schade, denn die Idee war gar nicht so schlecht.

Das Projekt ist durchaus löblich: Gleichberechtigte amerikanische und japanische Filmemacher erzählen die Geschichte vom Angriff auf Pearl Harbor, indem sie jeweils ausschließlich die Aktionen ihrer Seite beleuchten und der Schnitt anschließend die so unabhängig voneinander entstandenen Filme chronologisch zu einem zusammenfügt. Das Ziel von TORA! TORA! TORA! ist es, eine faktentreue, unparteiische  und demnach sachliche Aufarbeitung der Ereignisse zu liefern, die zum Einstieg der Amerikaner in den Zweiten Weltkrieg führten. Dieses Ziel, das behaupte ich jetzt einmal, ohne über genauere Kenntnisse über den Pearl-Harbor-Angriff zu verfügen, wurde zwar erreicht, worüber man allerdings trefflich streiten kann, ist die Frage, ob ein solcher Ansatz für einen Spielfilm nicht tatsächlich eher bescheiden zu nennen ist. TORA! TORA! TORA! betreibt während seiner 140-minütigen Spielzeit einigen materiellen Aufwand, aber der buchhalterische Eifer, den er dabei an den Tag legt, mutet im Vergleich mit den für die ganze Welt gravierende Konsequenzen nach sich ziehenden Vorgängen, die er abbildet, merkwürdig kleinkariert an. Und dass der Film mit seinen bedeutungsvollen Treffen, hochoffiziellen Anlässen, ellenlangen strategischen Dialogen und der Katastrophenfilm-Dramaturgie nicht wenig an alte GODZILLA-Filme erinnert, lässt vielleicht erahnen, was hier schiefgelaufen ist.

Die ersten 90 Minuten behandeln den Vorlauf für den Angriff: die japanischen Überlegungen, die amerikanische Flotte aus der Luft anzugreifen und lahmzulegen, und das Versagen der zuständigen Behörden, die eingehenden Warnungen über einen bevorstehenden Angriff entweder richtig zu interpretieren oder an die richtige Stelle weiterzuleiten, auf der amerikanischen Seite. TORA! TORA! TORA! ist recht modern in seinem Verzicht, einen Bösewicht oder Schuldigen herbeizuzaubern, die Katastrophe vielmehr als das Resultat einer unglücklichen Verkettung von Fehlleistungen zu beschreiben – auch dass die Japaner ihre offizielle Kriegserklärung erst nach dem Angriff überbingen, ist auf eine solche zurückzuführen. Doch trotz dieser Ausrichtung ist TORA! TORA! TORA! von altem Schrot und Korn: Krieg ist eine Männerveranstaltung und nach einer Schlacht gibt es keine Toten zu betrauern, sondern vor allem die Überlegenheit der gegnerischen Taktik zu bewundern. Das mag auch davon begünstigt werden, dass die Kriegshandlungen hier ausschließlich von den immer noch dem Samurai-Ethos folgenden Japanern ausgehen, deren Szenen von Fukasaku und Masuda zudem in dieser gewohnt starren Form aufgelöst werden, die den zugrunde liegenden Traditionalismus und die Ritualisierung der japanischen (Militär-)Gesellschaft unschwer erkennen lässt. Aber auch Regieeinfälle wie jener, den Überraschungsmoment, als die japanische Fliegerstaffel ungestört über den amerikanischen Militärhafen fliegen kann, annähernd slapstickhaft in Szene zu setzen, spricht Bände für das Problem, das sich hinter dem lobenswerten Ansatz der „wertfreien“ Nacherzählung verbirgt: Wenn man Krieg nicht grundsätzlich kritisiert, verherrlicht man ihn. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es nichts.

TORA! TORA! TORA! ist in der unangenehm größenwahnsinnigen Mischung aus fehlgeleitetem Anspruch und megalomanischer Materialschlacht leider symptomatisch für das Schaffen Fleischers zu jener Phase. Er legte immer die stärksten Filme vor, wenn er von einer kleinen, aber packenden Geschichte ausgehen und diese dann mithilfe seines souveränen Umgangs mit der Technik und seines erzählerischen Gespürs ausformen konnte. Seine Stärke ist weniger ein brillanter analytischer Verstand als Empathie, die in breit angelegten Epen wie eben TORA! TORA! TORA! weitestgehend verschenkt ist: Fleischer hat weniger über die Welt, in der wir leben, zu sagen, als über die Menschen, die sie bevölkern. Er ist eher ein Charakter- als ein Themenregisseur, auch wenn es natürlich Themen gibt, die bei ihm immer wieder eine Rolle spielen. TORA! TORA! TORA! bringt aber seine schlechtesten Eigenschaften zum Vorschein: Fleischer scheint gegenüber überlebensgroßen Stoffen aus Respekt oder gar Ehrfurcht so sehr in Passivität zu verfallen, dass sein Film danach frei von jeglicher Persönlichkeit oder Energie ist.

Dass er sich zu einem Projekt wie TORA! TORA! TORA! dennoch hingezogen fühlte, ist indes verständlich: Als Hollywood-Player, der sich immer weiter nach oben arbeiten wollte, musste dieser Film, der zudem wieder einige logistische Herausforderungen mit sich brachte, interessant für ihn sein. Und die Aussicht, mit dem zuerst für die japanischen Szenen engagierten Akira Kurosawa zusammenarbeiten zu können, war wohl kaum weniger verlockend, als der Auftrag, einen historisch akkuraten, unvoreingenommenen, bilateralen Kriegsfilm zu inszenieren. (Fleischers Vorliebe, als Erzähler seiner Filme einen neutralen Standpunkt einzunehmen, habe ich schon mehrfach beschworen.) Der japanische Meister Kurosawa verscherzte es sich allerdings nach kürzester Zeit mit den Produzenten. Glaubt man den verschienen kursierenden Geschichten, so überzog er das Budget aus  nichtigen Beweggründen, besetzte die Rollen nicht mit Schauspielern, sondern mit Geschäftsleuten (von denen er im Gegenzug Gefälligkeiten erwartete) und verhielt sich auch sonst komplett unkooperativ und uneinsichtig. Man darf nach Ansicht dessen, was Fukasaku und Masuda vorlegten, aber durchaus spekulieren, dass Kurosawa mit dem fürchterlich dialoglastigen Drehbuch nichts anzufangen wusste.

Am Ende bleibt ein vor allem als Zeitdokument interessanter, aber eben auch enorm zwiespältiger und unproduktiver Film, der trotz aller „historischen Genauigkeit“ letztlich kaum seriöser erscheint als ein üppig bebildertes Geschichtsbuch aus dem Time Life-Verlag. Die rezeptorische Kluft verläuft dann auch ganz klar zwischen Historikern und Filmfreunden:  Die hohe IMDb-Wertung dürfte (nimmt man die verfügbaren Rezensionen als Beleg) auf Militärhistoriker zurückzuführen sein, die TORA! TORA! TORA! wegen seiner Genauigkeit gegenüber etwa Bays PEARL HARBOR als definitiven Pearl-Harbor-Film preisen, während Vincent Canby, Filmkritiker der New York Times, seinerzeit nur nüchtern diagnostizierte: „As history, it seems a fairly accurate account of what happened, although it never much bothers its head about why. As film art, it is nothing less than a $25-million irrelevancy.“ Das kann man so sehen.

Die USA in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts: Im beschaulichen Green Town, einer Kleinstadt in Illinois, kommt in einer Herbstnacht der geheimnisvolle Mr. Dark (Jonathan Pryce) mit seiner Kirmes an. Die beiden Schuljungen Will Halloway und Jim Nightshade erkunden nachts die bunten Zelte und Buden und kommen dahinter, dass Mr. Dark mit fremden Mächten im Bunde ist. Doch für einige der Einwohner Green Towns ist es da schon zu spät: Denn die Wünsche, die auf Mr. Darks Kirmes erfüllt werden, gehen für ihre Nutznießer meist nach hinten los …

SOMETHING WICKED THIS WAY COMES ist die Verfilmung des in den USA überaus beliebten gleichnamigen Romans des bedeutenden Science-Fiction- und Fantasy-Autoren Ray Bradbury. Veteran Jack Clayton, der mit THE INNOCENTS für den vielleicht besten Gothic-Horror-Film ever verantwortlich ist, machte aus dem epischen Stoff, der vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, aber auch von einer ergreifenden Vater-Sohn-Beziehung und einer auf eine harte Probe gestellten Kinderfreundschaft erzählt, einen aufwändigen, im vollen Bewusstsein von dessen metaphorischer Kraft inszenierten Fantasyfilm, der zwar in erster Linie auf ein kindliches Publikum zielt (der Film wurde von Disney produziert), aber auch Erwachsenen zu Herzen gehen dürfte, die sich einen Funken Kindlichkeit bewahrt haben. Die Geschichte des kleinen Will, dessen Vater (Jason Robards) an seinem hohen Alter und dem schwachen Herzen vor allem deshalb leidet, weil sie ihn von seinem Sohn von Geburt an „getrennt“ haben, dürfte empfindsame Gemüter kaum kalt lassen, zumal die Schauspieler ihre Rollen mit sehr viel Herzblut und Einfühlsamkeit interpretieren.

Die wunderschöne Ausstattung und der durchaus in Würde gealterte Effektzauber des Film tun ihr Übriges, sodass man auch über einige kleinere, nur kosmetische Schwächen hinwegsieht: Man merkt etwas, dass sehr viel Stoff in ein knappes Drehbuch gepackt wurde und wünscht sich während des Sehvergnügens manchmal, der Film würde sich ein wenig mehr Zeit nehmen, ausharren, und Gelegenheit zum Staunen und Verweilen geben. Gerade in der ersten Hälfte legt der Film ein enormes Tempo vor und überstürzt die Dinge geradezu. Dass die 95 Minuten am Ende wie im Flug vergangen sind, bedauert man zwar nicht wenig, doch scheint mir das letztlich ein Kritikpunkt zu sein, mit dem sich ausgesprochen gut leben lässt.

Rätseln muss man als deutscher Zuschauer vor allem, warum es dieser in jeder Hinsicht erstklassige Film mit Ausnahme einer Fernsehaufführung Mitte der Neunzigerjahre unter dem Titel DAS BÖSE KOMMT AUF LEISEN SOHLEN weder in die deutschen Kinos noch auf Video geschafft hat. Hier bleibt nur zu wünschen, dass der Film wiederentdeckt wird und vielleicht doch noch eine DVD-Auswertung hierzulande erfährt. Gerade wenn man bedenkt, welchen Einfluss Bradburys Roman auf die „Genreliteratur“ in den anglophonen Nationen – und somit natürlich auch auf Genrefilme – hatte, ist eine solche Veröffentlichung eigentlich überfällig: Stephen King beruft sich gleich in mehreren seiner Werke auf Bradburys Geschichte (am deutlichsten m. E. in „Needful Things“, der aus der Kirmes lediglich einen Kramladen macht) und auch in Barkers „The Hellbound Heart“ bzw. HELLRAISER lassen sich Parallelen finden (die Cenobiten sind lediglich eine sadomasochistisch verzerrte Version von Mr. Darks „Autumn People“). Abgesehen von solchen paratextuellen Verbindungen ist Clayton aber einfach ein wunderschöner, emotionaler Film gelungen, wie sie heute einfach nicht mehr gemacht werden und deshalb umso wertvoller sind. Ich hoffe jedenfalls, dass sich einige meiner Leser von diesem Text haben überzeugen lassen und sich schleunigst die RC-1-DVD zulegen.