Mit ‘Jason Statham’ getaggte Beiträge

Über den wesentlichen Unterschied zwischen Michael Winners THE MECHANIC und Simon Wests Remake, dessen Fortsetzung dies ist, hatte ich damals bereits ausführlich geschrieben. Der deutsche Regisseur Dennis Gansel setzt die von West eingeschlagene Richtung fort, interpretiert Stathams Profikiller Arthur Bishop als James-Bond-Variation, die es in der Ausübung ihres Berufes von einem exotischen Schauplatz zum nächsten verschlägt. Dabei stehen ihm nicht nur ein gestählter Körper, ein planerisches Mastermind und Hightech-Equipment und ein Drehbuch zur Seite, das sich einen guten Einfall nicht von der Realität kaputtmachen lässt, sondern auch die schöne Jessica Alba als damsel in distress und love interest.

Die Handlung lässt sich schnell zusammenfassen: Der Profikiller Bishop wird von seinem alten Weggefährten und heutigen Schurken Crain (Sam Hazeldine) beauftragt, drei Männer umzubringen. Als Druckmittel dient ihm die schöne Human-Rights-Aktivistin Gina (Jessica Alba), die er in seine Gewalt bringt, nachdem Bishop sich in sie verliebt hat. Seine Zielpersonen sind der auf einer Gefängnisinsel eingeknastete Warlord Krill (Femi Elufowoju Jr.), der Milliardär Cook (Toby Eddington) sowie der Waffenhändler Max Adams (Tommy Lee Jones).

MECHANIC: RESURRECTION bietet nette Kurzweil für zwischendurch, die dank der erlesenen Schauplätze sehr ansehnlich, aber inhaltlich auch ein bisschen flach geraten ist. Ethische Grundfragen, die angesichts Bishops Beruf eigentlich angebracht wären und zum Standard des Profikiller-Films gehören, stellt der Film gar nicht mehr, ergötzt sich stattdessen recht unreflektiert an Lifestyle und Technikgedöns und schützt sich und sein Publikum vor Gewissensbissen, indem er keinen Zweifel daran lässt, dass Bishops Opfer absolute Dreckschweine sind, die den Tod mehr als verdient haben. Was ich ja durchaus legitim für einen auf die Affekte abzielenden Actioner finde: Schade nur, dass er seinen drei Schurken nicht mehr Zeit einräumt und ihre Abservierung dem mit allen Wassern gewaschenen Protagonisten kaum eine Mühe abverlangt. Die Infiltration einer Gefängnisinsel samt folgender Annäherung an den von etlichen Meuchelmördern beschützten Schwerverbrecher hätte ja allein als Stoff für einen Hochspannungsthriller gereicht, hier wird das innerhalb von 15 Minuten abgefrühstückt. Der Mord an Cook dreht sich vor allem um das architektonische Gimmick eines hoch über Sidney freischwebenden Swimming Pools, was zwar ein visuell ziemlich cooler Einfall ist, aber die Ausschaltung des Bösewichts dann auch wieder vergleichsweise Einfach macht. Demgegenüber verwendet das Drehbuch ziemlich viel Zeit auf das Geschäker zwischen Bishop und Gina und den Aufbau einer Liebesbeziehung, die jederzeit als reines Plotvehikel erkennbar ist.

MECHANIC: RESURRECTION ist schon ein besserer Vertreter des modernen, großbudgetierten Actionfilms: Er zeigt Stil (auch wenn die frühen Szenen in Rio mit ihrer komischen Tiefen-Unschärfe furchtbar aussehen), ist gut besetzt und ausgestattet, bietet in den Actionszenen den nötigen Rumms und Wumms auf, hat Tempo und läuft gut rein. Nur nachdenken sollte man über all das nicht. Es handelt sich um einen reinen Gebrauchsfilm, eine schöne Oberfläche, hinter der sich kaum etwas verbirgt.

William Goldmans Drehbuchadaption seines eigenen Bestsellers „Heat“ war damals ein sogenanntes „hot property“ in Hollywood und wurde mit Burt Reynolds – der eine Gage von satten zwei Millionen Dollar dafür erhielt – in der Hauptrolle verfilmt. Was ein Hit und ein Comeback für den alternden Star hätte werden sollen, geriet zum Fiasko, das gleich mehrere Regisseure verschliss, von der Kritik verrissen wurde, sein Publikum meilenweit verfehlte und etliche Gerichtsprozesse nach sich zog. Rund 30 Jahre, nachdem HEAT an den Kinokassen unterging wie ein Stein, nahm sich Simon West des Stoffes an und siehe da: In dieser Fassung macht die Geschichte, die im ersten Anlauf fürchterlich konfus zwischen Thriller und Komödie hin und her pendelte, endlich Sinn.

Inhaltlich unterscheiden sich die beiden Filme dabei überraschenderweise überhaupt nicht. Die Dialoge wurden etwas überarbeitet, dem Star und heutigen verbalen Gepflogenheiten angepasst, das Finale etwas modifiziert, aber wer beide Filme wie ich innerhalb kurzer Zeit sieht, erlebt mehr als nur den ein oder anderen Wiedererkennungseffekt: die Szenenfolge ist absolut identisch, selbst Details wie die als Messer verwendete Kreditkarte oder die angedrohte Kastration blieben unverändert. Überraschenderweise hat man dennoch einen völlig anderen Film vor sich: Er ist stilistisch und tonal aus einem Guss und was vorher einfach nicht recht zusammenpassen wollte, ist nun kaum noch voneinander zu trennen. Was wieder einmal zeigt, wie  schwierig, wenn nicht gar unmöglich es für den Außenstehenden ist, das Versagen eines Filmes an einem Aspekt festzumachen. Nach HEAT hätte ich gewiss eine Teilschuld beim Drehbuch gesucht, doch WILD CARD beweist ziemlich nachdrücklich, dass es daran eben nicht lag. Was HEAT mehr als alles andere fehlte, war Identität, eine verbindende Vision und Idee: kein Wunder bei einem Film, dessen Regiestuhl zum Zentrum einer „Reise nach Jerusalem“ wurde.

Simon West besetzt den zwischen Gangstern, Zockern und Nutten festsitzenden, von einem ruhigen Leben am Mittelmeer träumenden Privatdetektiv Nick Wild mit Jason Statham, der eine ganze Karriere auf diesen Haudraufs aufgebaut hat, die dunkle Geheimnisse und eine schwere Last mit sich herumtragen und immer wieder ihrer eigenen Gutmütigkeit zum Opfer fallen (die beiden hatten bereits für THE MECHANIC und THE EXPENDABLES 2 miteinander gearbeitet). Das ist schon einmal eine gute Wahl: Reynolds war anno 1986 einfach viel zu eitel, um die melancholischen Untertöne, die der Film braucht, glaubwürdig hinzubekommen (vielleicht verlor er auch irgendwann das Interesse an dem Film, der sich schnell als Schuss in den Ofen erwies), für Statham ist die Melancholie ein Teil seiner Persona. Der andere wesentliche Unterschied ist der Style, den West mitbringt: Er betont nicht die billige Künstlichkeit der Zockermetropole, sondern ihren verführerischen Glanz und schafft so nicht nur einen sehr elegant aussehenden Actioner, sondern macht auch nachvollziehbar, was seinen Helden überhaupt dort hält. Die Fights sind von zupackender Härte, dank der überaus kompetenten Choreografie von Corey Yuen aber auch sehr flüssig und deutlich spektakulärer als das, was der bereits etwas hüftsteife Reynolds zum besten gab. Letztlich sind das alles einzelne Facetten, die sich so zusammenfassen lassen: West hat eine Vorstellung davon, worum es in WILD CARD geht, und eine Idee, wie er das umsetzen möchte.

Letzten Endes wird es wahrscheinlich auch an individuellen Präferenzen liegen, welchen Film man besser findet: HEAT ist ohne Frage grittier, schmutziger als Wests Version, in seiner Unentschlossenheit als Kunstwerk vielleicht auch spannender. Für mich steht außer Frage, dass WILD CARD den Vorgänger weit in den Schatten stellt – ihn so aber letztlich auch nachträglich rehabilitiert. Ich verstehe ihn jetzt besser.

Das Poster mit dem Star Spangled Banner, dem furchtsam/hoffnungsvoll in die Ferne blickenden Pärchen von Papa und Töchterlein nebst bärtigem Schuft im Funkenregen sowie der Frage „How far would you go to protect your home?“ lässt Schlimmes befürchten, das sich dann zum Glück aber nicht bewahrheitet. HOMEFRONT ist ein angenehm bodenständiger Actioner, wie er heute, wenn überhaupt, eigentlich direkt auf Heimkino-Medien veröffentlicht oder gestreamt wird, und das Poster verrät die Ratlosigkeit, die die Marketingabteilung angesichts dieses aus der Zeit gefallenen Films ergriff. Wie zum Teufel sollte man das Ding bewerben, um Menschen dazu zu motivieren, an der Kasse ein Ticket zu lösen und zwar in solcher Menge, dass nicht nur die Produktionskosten von 22 Millionen wieder reinkämen, sondern auch noch ein schöner Gewinn? Also entschied man sich für die Patriotennummer, auch wenn der Film mit der suggerierten Bedrohung für die USA of A rein gar nichts zu tun hat.

HOMEFRONT, dessen Drehbuch von keinem Geringeren als Sylvester Stallone geschrieben und ursprünglich als RAMBO-Sequel erdacht worden war, beginnt wieder einmal mit Statham in Langhaarperücke – wie auch schon HUMMINGBIRD – als Mitglied einer Rockergang, die fett im Meth-Geschäft steckt. Doch natürlich ist er in Wahrheit ein Undercover-Cop und am Ende des actionreichen Prologs erschießt er den Sohn des Anführers Danny T (Chuck Zito), der daraufhin in den Bau wandert. Schnitt in die Gegenwart, in der Phil Broker, wie er nun heißt, irgendwo in Louisiana lebt und sich dort mit seinem neunjährigen Töchterchen Maddy (Izabela Vidovic) vom Tod der Ehefrau/Mutter erholt. Der Plot kommt in Gang, als Maddy einem Bully mit vom Papa erlerntem Kampfwissen die Fresse poliert und damit den Zorn der Eltern des Bullys (Kate Bosworth & Marcus Hester), eines fiesen Redneck-Pärchens, auf sich und den hinzugezogenen, eigenbrötlerischen Papa zieht. Zur Sippe der beiden gehört auch „Gator“ (James Franco), ein lokaler Krimineller mit Ambitionen im Meth-Business, der sich für sie der Sache annimmt und dabei Einblick in Brokers Vergangenheit erhält. Er kontaktiert den einsitzenden Danny T, der seine Killer zu Broker nach Hause schickt …

Ein bisschen STONE COLD, ein bisschen Redneck-und-Hillbilly-Action im Stile von WALKING TALL, ein bisschen herzige Papa-und-Tochter-Dynamik und erstklassige Production Values sind die Zutaten, die HOMEFRONT für mich zu einer kleinen, feinen und vor allem unerwarteten Überraschung machten. Die Regie übernahm Gary Fleder, der vor rund 20 Jahren kurzzeitig mal als hoffnungsvolles Talent galt, als er erst den Tarantino-Klon THINGS TO DO IN DENVER WHEN YOU’RE DEAD inszenierte und kurz darauf den prestigeträchtigen KISS THE GIRLS. Mit der ganz großen Hollywood-Karriere wurde es nichts, der Mann arbeitet heute überwiegend fürs Fernsehen, aber für einen Timewaster wie HOMEFRONT, der keine inszenatorische Inspiration benötigt, sondern in erster Linie professionelles Management und sauberes Handwerk, ist er der richtige Mann. Auch die Action – eigentlich nicht seine Spezialität – kommt fett, zupackend und physisch (die Cinematography stammt von Theo van de Sande, der u. a. für BLADE oder THE MARINE sowie für etliche Adam-Sandler-Filme verantwortlich zeichnet). Er lichtet die Bayous Louisiana, die maroden Kleinstädte und Werkstätten sowie die schillernde Metropole New Orleans in tollen Bildern ab und rennt damit bei mir, der ich ein Faible für Südstaatenromantik habe, offene Türen ein. In der größten Actionsequenz, dem Überfall der Killer auf Brokers Haus, kommt richtig Stimmung auf, wenn der Held die Bösewichter beherzt mit der Pumpgun umnietet, dass sie meterweit fliegen, Arme und Beine bricht oder mit dem Messer Hauptschlagadern durchtrennt. Man erkennt in der Zeichnung Brokers und in der Anbahnung des Konfliktes tatsächlich Stallones Handschrift wieder – der Loner mit dem guten Herzen und der gewalttätigen Vergangenheit, der in der Emigration auf dem Land einfach nur in Ruhe gelassen werden will, aber immer wieder Ärger bekommt, ist ja eine Persona, die Stallone in seiner langen Karriere immer wieder verkörperte – und kann HOMEFRONT zudem deutlich als Vorstufe des aktuellen RAMBO: LAST BLOOD betrachten, in dem der Elitesoldat ja auch sein Heim vor anrückenden Drogengangstern verteidigen muss.

Das berühmte Tüpfelchen auf dem i ist die Besetzung des Films: Statham ist kein Stallone und hat das Manko, dass er nicht genug Pizazz mitbringt, um die sagen wir mal „durchschnittlichen“ Filme, in denen er meist mitspielt, aufzuwerten, aber als Papa, der keinen Ärger will, aber ihn magisch anzuziehen scheint, ist er super. Als Schurke gibt James Franco eine überzeugende Darbietung, auch wenn er leider keinen großen Schlussfight bekommt und eher durch feige Gemeinheiten und miese Pläne auffällt. Aber er trägt seinen Teil dazu bei, dass ich bei der Sichtung regelmäßig die Faust in der Tasche ballen musste. Winona Ryder, einst Schwarm und Muse der Generation X, bevor ein Ladendiebstahl-Skandal die Karriere versaute, spielt die von Gator manipulierte Biker-Braut und wertet eine Rolle auf, die sonst eher zum Wegwerfen-Part hätte geraten können. Das gleiche gilt für Clancy Brown, der den besorgten Sheriff spielt. Der eigentliche Hingucker ist aber Kate Bosworth als drogenabhängige Redneck-Mama, einen Part, in den sie sich offensichtlich mit methodacterischer Verve stürzte, und in dem sie – abgemagert, verhärmt, biestig – kaum wiederzukennen ist. Die Darstellerin sollte eigentlich mit ihrem Part als Lois Lane in Singers missratenem SUPERMAN RETURNS zur attraktiven Leading Lady aufsteigen, aber ihre Leistung kam leider nicht gut an und sie „verschwand“ in der Folge in kleineren, weniger populären Filmen. Hier jedenfalls holt sie das Optimum aus ihrer Nebenrolle heraus, der Stallones Drehbuch einen schönen Arc verlieh. Ihr merkt schon: Mir hat HOMEFRONT besser gefallen, als ich es verargumentieren kann. In Stathams durchwachsener Filmografie definitiv ein Gewinner.

 

 

Die Hoffnung, HUMMINGBIRD könne den betäubend öden SAFE übertreffen – nicht gerade ein Ding der Unmöglichkeit – flackerte nur kurz auf. Zwar ist Knights Film ein bisschen anspruchsvoller und weniger generisch, aber letztlich auch eher langweilig in seiner aufgesetzten, von sich selbst überzeugten Dramatik. Action gibt es außerdem fast gar nicht, ätsch.

Jason Statham spielt mal wieder den vom Schicksal gebeutelten harten Kerl mit weichem Kern, der hier auf den Namen „Joey“ hört. Nach einem traumatischen Einsatz in Afghanistan hat er seine Familie verlassen und ist daraufhin in der Gosse gelandet, wo er zu Beginn des Films von zwei Kleinkriminellen verdroschen und ausgeraubt wird und dabei seine Freundin, eine junge, ebenfalls obdachlose Frau verliert. Auf der Suche nach ihr landet er in einer teuren, leerstehenden Loftwohnung, deren Besitzer sich für mehrere Monate im Ausland befindet. Joey nutzt die Bleibe für eine Rundum-Erneuerung: Er schneidet sich die Zottelhaare, rasiert sich, wäscht sich und kleidet sich neu ein, er schwört dem Alkohol ab, beginnt zu trainieren und besorgt sich einen Job als Küchenhilfe in einem China-Restaurant. Weil dessen Inhaber schnell Joeys Talent als Rausschmeißer bemerkt, gibt er ihm einen Job als Schuldeneintreiber. Die Reichtümer, die Joey so anhäuft, spendet er der Nonne Cristina (Agata Buzek), die Obdachlose in einer Suppenküche versorgt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte, gleichzeitig will Joey auch noch einen perversen Frauenmörder aus dem Bänkermilieu zur Strecke bringen, der auch seine Freundin auf dem Gewissen hat.

Die Storykonstruktion um die begrenzte Gnadenfrist, in der der Obdachlose ein ganz normaler Mann sein und sein Karma ausgleichen kann, ist ganz hübsch und Statham voll in seinem Element, aber HUMMINGBIRD verliert sich dann leider im aufgesetzten Religionskitsch komplett mit Mauerblümchen-Nonne, die im Kontakt mit dem harten, aber geläuterten Typen endlich ein bisschen Lebenslust atmen darf. Natürlich gerät sie über die Freundschaft mit dem charmanten Tough Guy in eine Sinnkrise, liebäugelt sogar mit der Beendigung ihres Vertragsverhältnisses mit dem Allmächtigen, belässt es dann aber bei dem einen Schwips sowie dem symbolischen One-Night-Stand mit ihrem gutmütigen Verehrer.

Mir ist diese tragische Liebesgeschichte recht schnell auf die Nerven gegangen, zumal sie von Knight ohne Subtilität, dafür aber mit viel Plakativität dargeboten wird. Warum es nicht reicht, dass Joey der Nonne hilft, er sich darüber hinaus auch noch in ihre engelsgleiche Unschuld verlieben muss, habe ich nicht verstanden. Gut, auf dem Papier mag das vielleicht Sinn ergeben haben, der fertige Film wird jedesmal hart ausgebremst, wenn sie auftritt und von ihm umgarnt wird, dabei vor Scham errötend. Knight schwebte wahrscheinlich so eine Mischung aus Capra und Noir vor, mit der Buzek in der Audrey-Hepburn-Rolle und Statham als Bogey, aber ihm fehlt das Fingerspitzengefühl, um seine märchenhafte Prämisse mit dem nötigen Maß an Zauber aufzuwerten. Der Wunsch war Vater des Gedanken.

Ein Film, über den man nicht allzu viele Worte verlieren muss und es deshalb auch nicht tun sollte: Jason Statham ist Luke Wright, ein Ex-Elite-Krieger/Cop turned Cage Fighter, der zum Beschützer eines kleinen chinesischen Mädchens wird, das ein Mathegenie und im Besitz einer Safekombination ist und deshalb von chinesischen Triaden, der Russenmafia und korrupten Bullen quer durch Manhattan gejagt wird.

Boaz Yakin, der das Script zum Dolph-Lundgren-PUNISHER sowie zum Eastwood-Film THE ROOKIE beisteuerte, sein beachtliches Regiedebüt 1994 mit FRESH feierte,  Denzel Washington in REMEMBER THE TITANS inszenierte und nebenbei noch Zeit fand, HOSTEL und HOSTEL 2 zu produzieren, ist sicher ein fähiger Mann, aber auch er kann diesem generischen Actioner kein Leben einhauchen – was angesichts der Tatsache, dass er selbst das Drehbuch lieferte, schon ein bisschen schwach ist. Für SAFE reiht er ein Klischee ans nächste, versäumt es dabei völlig, auch nur ansatzweise in die Tiefe zu gehen und seinen Figuren und Vorgängen jene Konturen zu verleihen, die einem Film erst eine eigene Identität geben. Die kompetent gemachten, außerdem ziemlich ruppigen Actionsequenzen verpuffen, der völlig überzogene Bodycount gerät dem insgesamt so umambitionierten und anonymen Film eher zum Nachteil. Die Redensart „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“ kommt einem unweigerlich in den Sinn. Aber auch sonst gibt es einige fragwürdige Entscheidungen: Nachdem der Held zu Beginn in einem gefixten Cagefight, den er eigentlich verlieren sollte, seinem Gegner nicht nur nicht unterliegt, sondern diesen auch noch totschlägt, revanchiert sich die Mafia mit der Ermordung seiner Ehefrau. Die Gattin wird nie gezeigt, weder lebendig noch tot, und der Drehbuchkniff, dem Protagonisten mit ihrer Ermordung einen Schlag zu verpassen, kommt einem so nicht nur noch leerer vor als er ohnehin schon ist, der Schachzug wirkt auch irgendwie zynisch und abgeschmackt.

Es gab in dem ganzen, zunehmend egaler werdenden Spektakel exakt eine wirklich gelungene Szene, eine witzige Idee, die mir ein herzhaftes Lachen entlockte: Weil sie seine Hilfe benötigen, müssen die korrupten New Yorker Cops widerwillig mit dem verhassten Ex-Kollegen zusammenarbeiten und der nutzt ihre Abhängigkeit weidlich aus. Als er sie trifft, drücken sie ihm ein Päckchen in die Hand, das er offensichtlich im Vorfeld von ihnen angefordert hat. Es entpuppt sich als Sandwich, das Wright genüsslich und in aller Ruhe auspackt und vor ihnen verspeist, während sie fast platzen vor Wut, aber natürlich nichts tun können. Genau solche Ideen braucht ein Actionfilm, der nicht mit einer originellen Story, fetten Effekten, visueller Brillanz oder exzeptionellen Stunts aufwarten kann, vor allem aber ist Hauptdarsteller Statham von solchen Details abhängig: Wenn er sie bekommt, funktioniert er als Held, ansonsten wirkt er schnell gelangweilt und durchschnittlich – eben genauso wie hier über weite Strecken. Er ist kein Schauspieler, der einen durchschnittlichen Film allein kraft seiner Präsenz aufwertet, vielmehr passt er sich dem Niveau an.

SAFE zeigt eindrucksvoll, das gutes Handwerk allein nicht ausreichend ist. Yakins Film übertrifft viele DTV-Actioner hinsichtlich seiner production values um Längen, aber ihm fehlt einfach jegliche Inspiration oder auch nur dieses gewisse Maß an Wahnsinn und Verschrobenheit, die ihn aus der Masse herausragen ließen. Langweiliger Durchschnitt, du hast einen Namen. Und der ist tatsächlich vielsagend. Dass ein Actionfilm „sicher“ ist, ist ganz gewiss das letzte, was man von ihm erwartet.

 

 

 

Wahnsinn, meine Gattin und ich habe es tatsächlich mal wieder in einen aktuellen Film ins Kino geschafft!

Etwas ganz Ähnliches kann man auch über THE MEG sagen, den Riesenhaifilm um den aus einem tiefen Schlummer geweckten Urzeithai Megalodon. Der Film nach einem Roman von Steve Alten sollte bereits vor über zehn Jahren gedreht werden – damals war Jan de Bont als Regisseur im Gespräch – und schlingerte ca. zwei Jahre lang durch die „development hell“, bevor New Line beschloss, das Projekt auf unbestimmte Zeit auf Eis zu legen (hier die entsprechende Nachricht dazu). Haifisch-Film-Fans wie ich dürfen nun frohlocken, denn der in mehrerer Hinsicht reanimierte Hai ist besser, als man es eigentlich erwarten durfte.

Die Handlung ist mehr oder weniger unwichtig: Ein vom unsympathischen Millionär Morris (Rainn Wilson) finanziertes Forschngsteam hat herausgefunden, dass die tiefste Stelle im Meer tatsächlich noch tiefer liegt als angenommen. Der Boden des Mariannengrabens ist nämlich gar kein Boden, sondern eine Art Nebelschicht, unter der sich ein völlig unerschlossenes Ökosystem befindet. Doch das erste Team, das sich in die unbekannten Tiefen begibt, wird sogleich von etwas sehr, sehr großem attackiert und liegt nun hilflos auf dem Meeresboden. Hinzugezogen wird der Rettungstaucher Jonas Taylor (Jason Statham): Der ist nicht nur der Ex-Mann der verunglückten Lori (Jessica McNamee), er hat seinen Job eigentlich an den Nagel gehängt, seitdem er bei der Bergung eines Atom-U-Bootes mit etwas sehr, sehr Großem konfrontiert, danach aber für verrückt erklärt wurde …

Das Wichtigste an einem Film um einen Monsterhai sind natürlich die Haiszenen selbst, die tricktechnisch sehr gut gelungen sind und viel Abwechslung bieten: Es gibt diese ominösen Bilder, in denen sich das Monster langsam aus dem Dunkel des Meeres schält, plötzliche Attacken, kurz vor der Kamera zuschnappende Mäuler, überraschende Sprungangriffe, Asichten der aus der hungrigen Ego-Perspektive, Blicke von oben, die das Ungetüm in voller Größe zeigen, und immer wieder die bedroliche Rückenflosse. THE MEG funktioniert als eine Art Best-of filmischer Haiattacken: Wer sich in den vergangenen 40 Jahren mit gefräßigen Meeresbewohnern und Unterwasser-Expeditionen im Film beschäftigt hat, wird naturgemäß einiges wiedererkennen. Die Ausgangssituation erinnert etwas an Camerons THE ABYSS und wartet mit einem schönen Panorama des neuen Lebensraumes auf. Das Hickhack auf der Forschungsstation kennt man natürlich aus Harlins DEEP BLUE SEA, manche Aufnahme zitiert den seligen JAWS 3-D. Später, wenn es auf die Jagd nach dem Monster geht, erkennt man die Spielereien mit Harpune und Haikäfig aus Spielbergs Klassiker JAWS wieder und sogar der oft verlachte ORCA wird referenziert. Und am Ende, wenn sich der Hai dem beliebtesten Urlaubsstrand der Welt nähert, wird manche JAWS-Einstellung nahezu eins zu eins übernommen.

Dem großen Vorbild kann Turteltaub erwartungsgemäß nicht das Wasser reichen: THE MEG ist Monsterfilm-nach-Zahlen und er begnügt sich damit, bekannte Situationen zu modifizieren und quantitativ einen draufzusetzen: Spielbergs Hai war sechs Meter lang, der Meg misst 20 Meter. Auch die Charaktere sind nicht mehr als hingeworfene Folien, die man sofort in die schon offene Schublade stecken kann und ihre kleinen Problemchen interessieren wirklich niemanden. Aber die Schauspieler machen das beste aus dem eng gesteckten Rahmen und sorgen dafür, dass man am Ball bleibt. THE MEG ist eigentlich eine mit viel Geld aufgeblasene Videopremiere (wenn es sowas denn noch gäbe) und es freut mich immer wieder, wenn solcher Käse mit viel Geld zum Summer-Event-Movie aufgeblasen wird, insofern hat er eh einen Bonus bei mir. Aber auch ohne diesen hätte ich gestern meinen Spaß gehabt.

Nach Sichtung der siebten oder sechsten Beitrags des derzeit wahrscheinlich erfolgreichsten Action-Franchises überhaupt, hatte ich mich – auch in Verteidigung der Filme, die von Kostverächtern leider immer noch gemieden werden, obwohl seit Teil 5 konstant Großes geleistet wird – zu der Aussage hinreißen lassen, dass es in ihnen „um Menschen“ gehe. Ich gebe zu, dass das eine großzügige Interpretation ist: Die coolen Bros und Sistaz um Dom Toretto (Vin Diesel) sind nun alles andere als facettenreiche Charaktere mit augefeilter Psychologie, zumindest wenn man die Maßstäbe eines Dramas an sie anlegt. Trotzdem bezog die Reihe ihren Charme ganz wesentlich aus dem Miteinander der Figuren, der Beziehung, die sie zueinander pflegten. Wie da immer wieder „Familie“ thematisiert wurde, mit der obligatorischen Versammlung zum Grillen am Schluss, bei dem „Papa“ Dom es sich nie nehmen ließ, das Tischgebet zu sprechen, war natürlich reichlich konservativ, die Männerkumpeleien und Broisms mitunter eher peinlich für Menschen, die sich auch mit Grausen an die „lustigen“ Späße in Gemeinschaftsumkleiden erinnern, aber innerhalb des F&F-Kosmos wirkte das Ganze eben echt, hatte die Betonung von Loyalität und Freundschaft etwas zutiefst Liebenswertes. Dieser Aspekt der Serie kulminierte mit dem Tod von Darsteller Paul Walker, der während der Dreharbeiten zum siebten Teil verunglückt war und in einer tränentreibenden Schlussmontage verabschiedet wurde. Das war nicht gerade zurückhaltend inszeniert, aber das überbordende Pathos fühlte sich dennoch ehrlich an. Das Franchise hatte einen plumpen Charme entwickelt, dem zumindest ich mich längst nicht mehr entziehen konnte.

Diese Entwicklung war nach einem holprigen Einstand nicht unbedingt zu erwarten gewesen (der lange Zeit beste Teil der Reihe, Lins TOKYO DRIFT, verzichtet gänzlich auf das heute nicht mehr wegzudenkende Figureninventar) – und der mittlerweile achte Teil wirft die Frage auf, wie lange der mit FAST 5 begonnene Lauf noch fortgesetzt werden kann. Für THE FATE OF THE FURIOUS nimmt F. Gary Gray auf dem Regiestuhl Platz, der bisher mit solider, aber auch etwas altmodischer Thrillerware auf sich aufmerksam gemacht hatte. Die Action ist nicht mehr ganz so elegant wie zuvor, dafür tatsächlich noch absurder: Der kreative Höhepunkt ist der Amoklauf hunderter von Cipher (Charlize Theron) per Computerhack übernommener Pkw, die nun wie eine blecherne Flutwelle fahrerlos durch die Straßen Manhattans jagen und schließlich sogar vom Himmel fallen; deutlich beknackter dagegen der Showdown, bei dem sich die Schnellen und Furiosen mit ihren Boliden auf dem russischen Packeis gegen ein Atom-U-Boot behaupten müssen, das sich unter ihnen befindet. Doms Special Move scheint es in diesem Film, bei rasendem Tempo mid-air aus seinen Fahrzeugen zu springen, ohne sich dabei auch nur eine Schramme zuzuziehen, am Ende überlebt er sogar die Explosion des besagten U-Boots, weil seine Wahlfamilie rechtzeitig eine Wagenburg um ihn herum aufbaut, die ihn vor der Feuersbrunst abschirmt. Is klar. Inhaltlich setzt Gray die Strategie fort, den Kreis der „Familie“ um einstige Kontrahenten zu erweitern: Nach dem FBI-Agenten Hobbs (Dwayne Johnson) gehört nun auch Deckard (Jason Statham) dazu, der zuletzt noch erbittert bekämpft worden war. Dahinter mögen in erster Linie kommerzielle Erwägungen stehen, aber während in den letzten Jahren selbst Kinderfilme immer wieder verlässlich auf Krieg und Konflikt hinauslaufen, finde ich es sehr schön, wie der kameradschaftliche Spirit von Doms Familie immer größere Kreise zieht.(Und Stathams Schwanzvergleich mit Johnson sind einer der Höhepunkte des Films.)

Leider ist THE FATE AND THE FURIOUS ein bisschen zu geschäftig, um von der beschriebenen Liebenswürdigkeit wirklich profitieren zu können. Alles wirkt etwas pro forma, hingeworfen. Gray hetzt von Set-Piece zu Set-Piece und der Film büßt dabei an Seele ein. Ich habe auch das Gefühl, dass der Verlust von Walker dem Franchise weitaus schwerer wiegt, als man das vielleicht angenommen hat. Neben dem immer etwas tumb wirkenden Diesel und den Karikaturen von Ludacris, Tyrese und Dwayne Johnson fungierte er nicht nur als Identifikationsfigur, sondern auch als Herz und Anker: Er war ganz wesentlich dafür verantwortlich, dass das Franchise bei aller PS-getriebenen Absurdität die Bodenhaftung nie ganz verlor. Ohne ihn fehlt etwas: THE FATE AND THE FURIOUS fühlt sich nicht mehr ganz so unverwechselbar an wie die Vorgänger, ohne den bisherigen Kontext ist die Action nur leerer Krawall, der zwar viel Spaß macht, aber auch relativ flüchtig an einem vorbeischießt. Mag sein, dass man der Meinung war, den Fans der Reihe ginge es in erster Linie um Autostunts, aber das wäre ein verhängnisvoller Fehlschluss. Ich hoffe, dass man für den kommenden Teil eine Lösung findet, wie man die durch Walkers Tod gerissene Lücke füllen kann.