Mit ‘Jason Statham’ getaggte Beiträge

Als der Profikiller Arthur Bishop (Jason Statham) den Auftrag erhält, seinen väterlichen Freund und Mentor Harry McKenna (Donald Sutherland) umzubringen, fragt er nicht lang nach: Das Geschäft ist hart. Weil er aber dennoch ein schlechtes Gewissen hat, nimmt er Harrys Sohn unter seine Fittiche, den aufmüpfigen Steve (Ben Foster), und führt ihn in die Kunst des Daseins als Auftragsmörder ein. Doch der Zögling hat seine eigenen Vorstellungen von seinem Beruf, die Arthur in Schwierigkeiten bringen. Und dann findet er heraus, dass man ihn über die Gründe für Harrys Ermordung getäuscht hat …

Simon West interpretiert Michael Winners eisiges, misanthropisches Original aus dem Jahr 1972 als verführerischen Hochglanz-Actioner, dessen Protagonisten zwar annähernd die gleiche Geschichte durchleben wie ihre Vorbilder 40 Jahre zuvor, aber dennoch ein ganz anderes Problem haben: Waren Bronsons Bishop und Jan-Michael Vincents Steve zu „kalt“ für die Welt, sind sie in Wests Version eher zu „heiß“. Sie scheitern an ihrer persönlichen, emotionalen Involvierung in ihr Geschäft, das genau das Gegenteil erfordert: Distanz und Indifferenz. Das führt in der Version von 2011 fast zwangsläufig zu einer anderen tonalen Ausrichtung. West umschmeichelt vor allem Stathams Arthur mit einer Bewunderung für dessen coolen Professionalismus und Style, die mit Winners distanziertem, nüchternem Blick nur wenig gemein hat. Damit Arthur und Steve trotz ihres amoralischen Geschäfts noch als Helden durchgehen können, darf an der Verkommenheit ihrer Opfer bei West kein Zweifel bestehen: Auf der Abschussliste stehen Drogenbarone, Waffenhändler, dekadente, verfettete Religionsstifter mit Faible für junge Mädchen und skrupellose Verräter – ganz anders als im Vorgänger, in dem die Vergehen von Arthurs Zielpersonen im Hintergrund blieben, dafür aber die Gefühllosigkeit der Protagonisten überdeutlich zum Vorschein kam.

So mag man in THE MECHANIC 2011 ein wenig die Ambivalenz vermissen, doch dafür liefert West bei der Inszenierung der zahlreichen Actioneinlagen jene Meisterarbeit ab, die man auch von seinem Protagonisten erwarten darf. Minutiös getimt und immer mit dem Blick für das attraktiv schimmernde Detail schlängelt sich THE MECHANIC dem Betrachter entgegen, hypnotisiert ihn mit der Schönheit der Vision totaler Kontrolle über alle Unwägbarkeiten. Kein Vergleich zur der offensiv zur Schau gestellten Klobigkeit von Winners Film, der sich nicht etwa bewegt wie eine gut geölte und gewartete Maschine, sondern wie ein in todesähnlicher Routine erstarrter Profi. Jetzt stellt sich die Frage, was man lieber mag: Winners THE MECHANIC ist vielleicht der nachhaltigere Film, er schockiert mit der äußersten Konsequenz, mit der er seine alles andere als schöne Geschichte erzählt. Sein Film handelt von einem Sterben, das schon vor dem biologischen Tod einsetzt. Er stößt enorm ab, ist wie ein Schlag vor die Stirn. Wests Film scheint mir etwas naiver: Sein Arthur hat das Potenzial, aus seiner Existenz auszubrechen und das gelingt ihm am Ende auch. Er wird wahrscheinlich nie ein Durchschnittsbürger sein können, aber das Morden hat seinen Reiz für ihn wohl endgültig verloren. Er hat sich sein Leben in letzter Sekunde bewahren können. Das ist eine Jungsfantasie, die mit dem Leben und der Welt nicht so viel gemein hat. Aber sie sieht hier verdammt reizvoll aus.

Der ehemalige Rennfahrer Jensen Ames (Jason Statham) hat einen schlechten Tag erwischt: Erst verliert er seinen Job als Stahlarbeiter, wird dann mit einer lächerlichen Abfindung abgespeist und schließlich von der Riot Squad der herbei eilenden Polizei verprügelt. Doch das ist alles nichts gegen das, was noch kommen soll: Ein Eindringling ermordet später am Abend seine Frau, betäubt Jensen und lässt ihn als vermeintlichen Mörder von der Polizei aufgreifen. Jensen landet auf Terminal Island, einem Gefängnis für Schwerverbrecher, dessen Direktorin Hennessey (Joan Allen) regelmäßig ein Todesrennen veranstaltet, das an Millionen sensationsgeile User im Internet übertragen wird. Weil ihr bester Mann, ein Fahrer namens „Frankenstein“, tot ist, sind die Klickraten jedoch jüngst eingebrochen: Sie erwartet von Ames, das er in die Fußstapfen des Stars tritt …

Paul W. S. Anderson ist so intelligent, sich nicht in direkte Konkurrenz zu Bartels grandioser dystopischer Satire DEATH RACE 2000 zu begeben, auch wenn sein Film als offizielles Remake des Corman-Klassikers firmiert. Zwar behält er den postapokalyptischen Rahmen des Originals bei, ebenso natürlich die Idee eines Rennens auf Leben und Tod als Opium fürs Volk und die Namen der beiden Rivalen – Frankenstein und Machine Gun Joe –, adressiert hier und da wie das Original die Verrohung der Menschen durch eine stetig neue Sensationen aufbieten müssende Unterhaltungsindustrie (ist dabei natürlich durchaus selbstreflexiv), doch in erster Linie geht es ihm um den nackten physischen und kinetischen Thrill, um brachiale Action, starke Bilder und überlebensgroße Charaktere, deren Schicksal quasi Instant-Identifikationspotenzial bietet. Andersons DEATH RACE ist High-End-Adrenalinkino voller kerniger Typen, tougher Frauen, teuflischer Schurken, markiger One-Liner, feuriger Tode und berstenden Metalls, ein Film wie ein Hochgeschwindigkeits-Stahlmantelgeschoss. Keine Spur von dem skurrilen Humor, den absurden Designs und den Over-the-Top-Comic-Charakteren, die Bartels Film zu einem absolut eigenständigen und singulären Exploiter machten. DEATH RACE ist in Look, Style, Inszenierung und Dramaturgie ein Kind seiner Zeit, bedient sich außerdem bei den richtigen Vorbildern, allen voran natürlich George Millers einflussreichem THE ROAD WARRIOR. Was ihn von vergleichbaren Produktionen unterschiedet, ist, dass Anderson diesen Stil einfach besser draufhat als die meisten anderen (ich weiß, dass Anderson für viele ein absolutes No-Go ist, dazu ein anderes mal mehr) – und ihm mit Jason Statham der einzige Actiondarsteller der neuen Generation mit echtem Starpotenzial und einer sofort einnehmenden Persona zur Verfügung steht (und natürlich so geschmackssicher, Slim Thugs „Click Clack“ auf dem Soundtrack zu verwenden).

Wie Stallone gibt auch Statham den Underdog, einen ehrlichen Arbeiter, der viel einstecken kann, dann aber gnadenlos zurückschlägt, wenn man eine Grenze überschreitet. Im Gegensatz zu Sly, dessen Triumphe aber vor allem übermenschliche Willensakte sind, der Sieg von Matter over Mind, sozusagen, da bringt Statham Intelligenz, Witz und Raffinesse mit. Es ist eine Freude ihm dabei zuzusehen, wie er zunächst – bildlich gesprochen – mit angezogener Handbremse agiert, um dann plötzlich das Gaspedal durchzutreten und seine Gegner förmlich auffahren zu lassen. Er erinnert in dieser Eigenschaft sehr an den großen Steve McQueen, dem der große Auftritt mit Ballyhoo und Feuerwerk auch sehr zuwider war, der aber nie einen Zweifel daran ließ, das er alle Fäden stets fest in der Hand hatte. Es ist genau dieses Understatement Stathams, das der Schlüssel zu Andersons Erfolg ist, seinem potenziell kitschigen Ende Wahrhaftigkeit und Größe zu verleihen.

Doch auch wenn man kein ausgesprochener Statham-Fan ist wie ich: Die  wahnsinnigen Stunts und die rasant choreografierten Actionszenen, die DEATH RACE aufbietet und die ganz ohne CGI auskommen, sollten jeden Actionfreund begeistern. Viel zu lang hat man sowas nicht mehr gesehen, schon gar nicht in der hier gebotenen Größe und Klasse. Clevere Filmgucker schauen sich erst diese Granate an und legen dann das auch sehr hübsche Sequel nach.

Ich hatte ja anlässlich meines Kinobesuchs schon im vergangenen Jahr einen Text zu THE EXPENDABLES verfasst, (fast) pünktlich zur DVD-Veröffentlichung gibt es nun auf F.LM – Texte zum Film eine echte Rezension von mir. So viel vorab: Der Film gefällt mir immer noch, einige Kritikpunkte konnten sogar noch etwas revidiert werden.

Die Söldnertruppe „The Expendables“ um Barney Ross (Sylvester Stallone) erhält den Auftrag, die kleine im Golf von Mexiko gelegene Insel Vilena, die sich nach der Übernahme durch den amerikanischen Ex-CIA-Mann Munroe (Eric Roberts) in eine Militärdiktatur verwandelt hat, von ihren Unterdrückern zu befreien. Beim ersten Erkundungsgang, den Ross zusammen mit seinem Partner Lee Christmas (Jason Statham) unternimmt, kommt es zu einer ungeplanten Auseinandersetzung, mit dem Ergebnis, dass die Kontaktperson der „Expendables“, die Tochter von General Garza (David Zayas), in Gefangenschaft gerät und fortan um ihr Leben fürchten muss. Ross beschließt mit seinen Männern, die Mission wider besseres Wissen durchzuführen, um die Frau zu retten …

Ich hatte Angst vor diesem Film. Was vor zwei Jahren, als die ersten Gerüchte über die Besetzung dieses Films kursierten und klar wurde, dass Stallone tatsächlich vorhatte, dem Actionfilm der Achtzigerjahre ein Denkmal zu setzen, indem er alle seiner Protagonisten verpflichten oder gar reaktivieren wollte (zuerst sollte sogar Chuck Norris mitmachen), noch wie eine unerreichbare Utopie klang, war plötzlich und mit nur ein paar kleineren Abstrichen – neben Chuck Norris fehlt auch Jean-Claude Van Damme – Wirklichkeit geworden. Und wahr gewordene Träume sind bekanntlich nicht selten eine Enttäuschung. Der Trailer, der gegenüber dem unfassbaren ersten RAMBO-Teaser um nahezu alle Härten bereinigt war, schien meine Befürchtungen zu bestätigen: Verschwunden waren rohe Gewalt, diese ätzende Bitterkeit und allumfassende Tristesse, stattdessen sah das alles sehr gelackt und eher nach Neunzigerjahre-Spaßaction aus. Und somit nach genau dem, was ich definitiv nicht haben wollte. Jetzt, nachdem ich den Film gesehen habe, bin ich froh, dass ich mich vom Trailer nicht habe abhalten lassen, mir THE EXPENDABLES im Kino anzusehen: Ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal so rundum glücklich, ja, geradezu selig aus dem Kino gekommen bin. Mit diesem warmen Gefühl im Herzen, das man vielleicht verspürt, wenn man nach Jahren alte Freunde wiedergetroffen hat und es aller Befürchtungen zum Trotz tatsächlich wieder wie früher gewesen ist.

Dabei ist THE EXPENDABLES ganz bestimmt kein perfekter Film. Wollte man unbedingt den Vergleich zu Stallones letzten Werken ziehen, so würde er dabei wahrscheinlich schlechter abschneiden als diese: Ihm fehlen die ehrliche Melancholie von ROCKY BALBOA und die verzweifelte Wut von RAMBO und insofern ist der weiter oben einmal gefallene Begriff „Spaßaction“ gar nicht so verkehrt. Und die Action ist zwar ausufernd und brutal und  nimmt einen nicht unbeträchtlichen Teil der Spielzeit ein, wirkt aber trotzdem wie Beiwerk. THE EXPENDABLES ist trotz seiner exzessiven Gewaltdarstellungen beinahe unschuldig, er scheint nicht aus Schmerzen geboren, sondern mit souverän-lässiger Hand hingeworfen, er ist kein Film, der aus einem inneren Bedürfnis heraus gemacht werden musste, sondern einer, den Stallone einfach machen wollte und ihn dann förmlich im Schlaf gemacht hat: Sly ist hier spürbar zu Hause, er hat ein paar seiner alten Kumpels um sich versammelt, um sich selbst und den oft geschmähten Actionhelden die gebührende Ehre zu erweisen und natürlich um – und hier ist das ausnahmsweise mal keine hohle Phrase –  den Freunden des Genres „Dankeschön“ zu sagen. Was genau bedeutet das? THE EXPENDABLES ist trotz seiner Söldner-Protagonisten und obwohl es im Plot ziemlich umstandslos ums Töten geht, vor allem ein herzlicher Film: Mehr als die ausufernden Actionszenen bilden die Dialoge zwischen den Expendables und deren einzelne Charaktere sein Herz. Dolph Lundgren hat als der unfreiwillig auf die falsche Bahn geratene und zum Gegner übergelaufene Gunner eine wunderschöne Rolle – vielleicht die schönste des Films – abbekommen, die seine irgendwie immer etwas ausgemergelte, sehnige und geschundene Gestalt perfekt einsetzt. Und Mickey Rourke interpretiert den ehemaligen Expendable Tool, der sich nun ganz dem Tätowieren widmet, ganz entgegen dem alternden idiot savant in THE WRESTLER als weisen Schamanen, der sozusagen die Essenz des Films und seines Genres in Worte fasst: Der Actionheld muss dem Ruf seines Herzens folgen, um nicht innerlich zu sterben. Der hinsichtlich ihrer Allstar-Besetzung vielleicht spektakulärsten Szene des Films – jener, in der mit Stallone, Schwarzenegger und Willis die großen Drei des Actionfilms zusammentreffen – könnte man noch am ehesten den Vorwurf des nerdjerkings machen, aber auch sie wirkt nicht kühl kalkuliert, weil sie das einstige Konkurrenzverhältnis als auch die Bewunderung der drei Stars füreinander sinnvoll und geistreich in den Film integriert, ohne sich an ihrem bloßen Zusammentreffen zu berauschen. Die übergroßen blinkenden Gänsefüßchen des postmodernen Zitatekinos sucht man jedenfalls vergeblich, die Szene gliedert sich wunderbar in Rhythmus und Ton des Films ein, anstatt ihn zu zerreißen. Am herrlichsten ist aber das Ende, das alle Helden der Expendables wieder zusammenführt und klar macht, worum es hier geht: um Freundschaft, Gemeinsamkeit, Loyalität. Die eine Geste, die das m. E. besser verkörpert als der pathetischste Woo-Film, möchte ich hier nicht verraten. Ich habe gestrahlt in meinem Kinosessel und dieses Strahlen auch noch in die triste Welt vor dem Kino getragen. Am meisten gefreut habe ich mich aber über die Anwesenheit von Gary Daniels: Die wenigsten Zuschauer von THE EXPENDABLES werden ihn erkennen oder überhaupt wissen, wer das ist, aber er ist da. Sie sind alle noch da. Unersetzlich statt expendable.

EDIT, 16.02.2011: Auf F.LM – Texte zum Film gibt es mittlerweile auch eine DVD-Rezension.

Der FBI-Agent Crawford (Jason Statham) glaubt die Spur des mysteriösen Auftragskillers Rogue (Jet Li) wieder aufgenommen zu haben, der nach der Ermordung von Crawfords Partner Tom (Terry Chen) und dessen Familie vor drei Jahren spurlos verschwunden war. Rogue setzt seinerseits alles daran, die in San Francisco operierenden verfeindeten Clans des Triadenbosses Chang (John Lone – sieht mittlerweile aus wie eine Mischung aus Rex Gildo und Karel Gott) und des Yakuzaanführers Shiro (Ryo Ishibashi) gegeneinander auszuspielen. Welchen Zweck er damit verfolgt, gilt es für Crawford, herauszufínden …

Wieder einmal so ein Film, der sich nicht damit zufrieden geben will, einfach nur nette, ansehnliche Kurzweil zu bieten. WAR – der auf meiner NL-DVD ROGUE ASSASSIN betitelt ist – liefert inhaltlich kaum mehr als die üblichen Klischees. Da gibt es die toughen FBI-Buddies, die vor dem Zug in die Schlacht erst noch ganz tarantinoesk übers Rauchenaufhören scherzen, den Cop, der seine Trauer über den Tod des Partners damit kompensiert, dass er sich Hals über Kopf in den Job stürzt und sich so von seiner Familie entfremdet, bösartige asiatische Geschäftsmänner, die ihre archaischen Bräuche in die amerikanischen Großstädte getragen haben, und das kühl planende, unausrechenbare Phantom, das im Dienste der Auftraggeber zu stehen scheint, in Wahrheit aber nur auf eigene Rechnung arbeitet. Diese Ideenarmut ist an sich noch nicht verwerflich, vor allem nicht, wenn sie so virtuos inszeniert ist wie hier. Klar, Atwill greift mit beiden Händen in die Trickkiste, die ihm die moderne Postproduction so bietet, aber das Ergebnis sieht ungleich besser aus als bei anderen Vertretern des Neo-Action-Films mit seiner Schnittfrequenz für die hyperaktiven Zappelphilipps von heute. Atwill weiß, dass Actionfilme einen Rhythmus, den Wechsel von schnellen und langsameren Passagen braucht, um nicht per Hyperspeed im Stillstand zu enden, und so kracht es in WAR, wenn es denn krachen soll, auch richtig. Sehr schön ist auch der Schnitt geraten, der oft synkopisch angeordnet ist, den Bruchteil einer Sekunde zu früh oder zu spät ansetzt, und den Flow immer wieder leicht aufbricht, so das Interesse stets wachhaltend, ein allzu bequemes Versinken des Zuschauer verhindernd. Mit seinem nicht zu verachtenden Härtegrad knüpft WAR zudem fast an selige SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO-Zeiten an, nur dass er dessen Comichaftigkeit durch grimmigen Ernst ersetzt. Kurz: WAR hätte das Zeug dazu gehabt, wenn auch nicht zu den großen Actionmeisterwerken, so doch zumindest zu den beachtlicheren neuen Actionfilmen gezählt zu werden, zu den wenigen Glücksfällen, denen der Amoklauf der Form nicht jede Grundlage entzogen hat. Leider, leider wollte sich Atwill aber offensichtlich nicht damit zufrieden geben. Und was macht ein Regisseur/Drehbuchschreiber heute, wenn er seinen Stoff nicht mit echter Substanz aufladen kann? Richtig, er plottwistet sich haarscharf an der Logik vorbei, auf dass der Zuschauer nämlich wenigstens einen singulären Eindruck mit dem Gesehenen verbinden kann.

So endet WAR dann auch nicht mit einem akzeptablen Plottwist, sondern setzt im Versuch, diesen Glückstreffer noch zu übertreffen, noch einen weiteren oben drauf, der dann allerdings das ganze vorherige Geschehen völlig ad absurdum führt und aus einem guten Film einen unrettbaren Rohrkrepierer macht. Offensichtlich hat dieser Twist den Macher selbst etwas aus der Bahn geworfen, denn der Film endet danach so abrupt, dass man vermuten muss, er habe entweder einen Gehirnschlag erlitten oder sei Opfer eines Falls spontaner Selbstentzündung geworden. Man kann WAR nach diesem Twist – den ich hier für alle Neugierigen und Spoilerfaschisten nicht verraten werde – nicht nur nicht mehr ernst nehmen, man muss den Machern gar unterstellen, ihre Zuschauer 90 Minuten lang belogen zu haben. Vielen herzlichen Dank für soviel Aufrichtigkeit! Eigentlich ist es blöd, sich wegen weniger Sekunden einen ganzen Film verderben zu lassen, zumal man solcherlei Unfug doch längst gewohnt ist. Aber dieses Finale ist geradezu boshaft unvernünftig in seiner Ignoranz sich selbst gegenüber. Als hätten die Macher sich in einem Anflug von manischer Gekränktheit in der fixen Idee verrannt, ihr eigenes Werk zu zerstören. Hätte ich jetzt nicht schon so viel geschrieben, ich würde sagen, dass mir dazu die Worte fehlen.

Nach dem ersten, von Cory Yuen inszenierten TRANSPORTER-Teil, der – wenig überraschend – an die im Hongkong-Kino übliche Genrereduktion anknüpfte, und der Zwischenmahlzeit namens TRANSPORTER: THE MISSION, die dem ersten Teil nichts Wesentliches hinzufügen konnte (und wollte), öffnet Olivier Megaton mit seinem furiosen dritten Teil ein ganz neues Kapitel, vollführt gegenüber den Vorgängern einen kaum für möglich gehaltenen qualitativen Quantensprung und legt einen der besten Filme des vergangenen Jahres vor.

TRANSPORTER 3 teilt mit den ersten beiden Teilen den Ideenreichtum, das Gespür für Timing und den visuellen Witz, untermauert diese aber mit einem geradezu poetischen Fundament, das den Zirkelschluss von selbstreflexiver Ironie und Uneigentlichkeit hin zum neuen Ernst erst ermöglicht – und so einen Ausweg aus der Postmoderne-Sackgasse aufzeigt. Natürlich aktiviert Jason Stathams Frank Martin sofort Assoziationen zu James Bond oder Steve McQueens wortkargen Badass-Cops, doch beginnt sich die Figurauch dank Stathmas famosem, flexiblem Spiel zusehends von diesen Vorbildern zu emanzipieren. Der größte erzählerische Clou – neben den selbstverständlich furios choreografierten und inszenierten Actionsequenzen, deren komplexe Rhythmen man fast schon als „tanzbar“ bezeichnen möchte, sowie der herrlich ikonischen Fotografie – ist sicherlich die Aneignung des Transporter-Kodex durch den Feind: Frank Martin agiert nach einem strengen Regelsystem, von dem er niemals abweicht. Erst dieses System schweißt ihn mit seinem Werkzeug – dem Auto – zu der perfekt funktionierenden Einheit zusammen, die ihm seinen Lebensunterhalt einbringt. In TRANSPORTER 3 wird Martin von seinem Feind nun ganz wortwörtlich mit seinem geliebten Vehikel vereint: Ein an seinem Handgelenk befestigter Zünder verbietet ihm, sich von seinem Auto mehr als zehn Meter zu entfernen. Das bietet nicht nur Anlass für fesselnde Verfolgungsjagden – Martin muss seinen gestohlenen Wagen mit einem BMX-Rad durch Straßenverkehr, Fabrikhallen und Hinterhöfe verfolgen, um die Entfernung nicht zu groß werden zu lassen und so zu sterben –, sondern leitet auch einen Reifeprozess, ein Umdenken in ihm ein: Als sein freiwillig aufgestellter Kodex für ihn plötzlich zum Zwang wird, muss er sich von ihm lösen und neu erfinden.

Diese Neuerfindung des Actionkinos peilt auch Megaton mit seinem Film an. Den Erfolg zu verkünden, wäre angesichts des lockeren Tons von TRANSPORTER 3 vielleicht noch übertrieben, festzustellen bleibt aber, dass viele vermeintlich visionäre zeitgenössischen Filme gegen das Feuerwerk, dass hier abgebrannt wird, reichlich alt aussehen. (Die Spitze gegen AVATAR verkneife ich mir jetzt nur, weil ich ihn noch nicht gesehen habe.)

Chev Chelios (Jason Statham) ist gerade aus einem Flugezug gestürzt und aus mehreren Tausend Metern auf den Asphalt geprallt, aber mitnichten tot. Deshalb kratzen ihn auch die Mitglieder der chinesischen Mafia vom Boden: Ihr Chef steht vor einer Herztransplantation und weil er von der enormen Widerstandsfähigkeit von Chelios gehört hat, will er nun dessen Herz haben. Als Chev nach erfolgter Operation mit einem künstlichen Herzen aufwacht und man sich als nächstes an seinem Gemächt vergreifen will, befreit er sich und macht sich auf die Suche nach dem echten Organ. Doch dabei kommt ihm die neue Pumpe immer wieder in die Quere, weil sie regelmäßig neu aufgeladen werden muss …

Als ich über den ersten Teil geschrieben habe, hatte ich anscheinend einen etwas humorlos-verkniffenen Tag. Inhaltlich stehe ich zwar immer noch hinter meinem Text von damals, dennoch würde ich CRANK heute wohl etwas anders bewerten oder aber zumindest einen anderen Ansatz wählen. Natürlich ist das eine ziemlich krude Jungsfantasie, die Neveldine und Taylor da zusammengedrechselt haben, aber doch eine, die durch ungebremste Wildheit und einen ungebrochenen Gestaltungswillen besticht. Nach CRANK: HIGH VOLTAGE würde ich sogar soweit gehen, den Regisseuren zu unterstellen, ein avantgardistisches Meisterwerk abgeliefert zu haben. Von vorn bis hinten ist ihr Film mit visuellen Effekten, kreativen Inszenierungseinfällen und stilistischen Experimenten so vollgestopft, dass Oliver Stones NATURAL BORN KILLERS dagegen wie ein Vertreter des Neorealismus aussieht. Erstaunlich ist, dass CRANK: HIGH VOLTAGE  dabei absolut homogen bleibt, seine Verfremdungseffekte dem Zuschauer nicht vor den Kopf stoßen, sondern im Gegenteil dazu führen, ihn tiefer in den Film hineinzuziehen. CRANK: HIGH VOLTAGE ist Körperkino vom Feinsten, ein sinnlicher Rausch, eine Adrenalinspritze ins Herz, eine Operation am offenen Hirn. Der Actionheld wird in einer letzten Übersteigerung – und schließlich Verwerfung – der Körpermaschinen des Actionfilms auf die Aspekte des Maschinellen reduziert: Der Körper ist das vom Helden quasi getrennte Werkzeug, das gewartet werden muss, damit es reibungslos funktioniert. Jason Statham ist brillant als Chev Chelios, der Mann, der selbst gegen den Tod eine Kneipenschlägerei beginnen würde und seinem ihm nun nicht mehr uneingeschränkt gehorchenden Körper nur noch einen immens starken Willen entgegenhalten kann. Ihm zur Seite steht der unter dem „Full-Body-Tourette „-Syndrom leidende Venus (Efren Ramirez), der immer wieder von unvorhersehbaren Krampfanfällen geschüttelt wird und gerade deshalb zum unberechenbaren Kämpfer wird. Es ließe sich anhand der beiden CRANK-Filme sicherlich ein fruchtbarer Diskurs zum Thema „Körper im Actionfilm“ führen, ich möchte es an dieser Stelle beim Hinweis belassen und auf die großartige Sequenz hinweisen, in der sich der Kampf zwischen Chelios und seinem Gegner in eine Balgerei á la GODZILLA verwandelt: Menschen tragen Gummimasken und zerstören die sie umgebende Pappmaché-Landschaft, in der auch kleine erschrocken guckende Plastikpassanten nicht fehlen dürfen. CRANK: HIGH VOLTAGE mag man mancherorts vorwerfen, er betreibe nichts als Effekthascherei und täusche mit seinem formalen Feuerwerk nur über die Einfalt des Scripts hinweg. Das ist falsch. Wer genau hinsieht, wird einen immens pointierten Actionfilm erkennen, der hinsichtlich seiner Verfremdungseffekte Maßstäbe setzt und Kino als das zelebriert, was es sein soll: als überwältigende Bilderflut. Mich hat er komplett weggespült.