Mit ‘Jayne Mansfield’ getaggte Beiträge

Nach ERCOLE E LA REGINA DI LIDIA verabschiedete Steve Reeves sich von der Rolle des Herkules: Er hatte den Eindruck, dass er seinen Darbietungen nichts mehr hinzuzufügen hatte. Dem Peplum blieb er aber dennoch erhalten, zum Beispiel in den beiden SANDOKAN-Filmen von Umberto Lenzi, wie Leser meines kleinen Blogs wissen. Den dritten HERKULES-Film, LA VENDETTA DI ERCOLE, mit Mark Forest in der Titelrolle, konnte ich leider nicht in nicht Augenkrebs verursachender Qualität ausfindig machen, weshalb ich gleich zu Nummer vier springe: Bragaglias GLI AMORI DI ERCOLE, in dem Mickey Hargitay den Halbgott an der Seite seiner damaligen Gattin gibt, Busenwunder Jayne Mansfield.

Hargitay, der 1955 den Titel „Mr. Universum“ errungen hatte, bringt gegenüber dem holzfällerartigen Reeves eine jungenhaft-überschwängliche Qualität mit, die gut zu Bragaglias Film passt. Er beginnt mit der Ermordung von Herkules‘ Gattin durch den gemeinen Licos (Massimo Serato). Der Mann will Herkules‘ Zorn anstacheln, um in der Folge seine Königin Deianira (Jayne Mansfield) vom Thron zu stoßen und ihn selbst zu besteigen (den Thron, nicht Herkules). Zunächst bringt er dafür aber auch noch Deianiras Verlobten um und schiebt Herkules diesen Mord in die Schuhe. Der nimmt die Fährte des wahren Mörders auf, besiegt im Vorbeigehen einen dreiköpfigen Drachen und landet schließlich im Reich der Hexe Hippolyta (Jayne Mansfield), die ihm in Gestalt Deianiras den Kopf verdreht.

GLI AMORI DI ERCOLE geizt nicht mit Schauwerten, von denen der Drache natürlich der schönste ist: Gut, ein bisschen fühlt man sich an die Geisterbahn erinnert, wie das Monstrum da mit seinen Köpfen wackelt, mit den Augen rollt und mechanisch ein kleines Flämmchen spuckt, ohne wirklich von dem sich an ihm abarbeitenden Herkules Kenntnis zu nehmen. Aber dennoch muss man die Handarbeit, die in die Konstruktion des Drachen gegangen ist, honorieren. Wie ich überhaupt den oft gehörten Vorwurf, die Pepla seien „billig“ nicht so recht nachvollziehen mag: Der betriebene Aufwand ist ziemlich hoch, von den Kostümen bis hin zu den elaborierten Bauen und toll ausgestatteten Sets. Wem da nicht die Augen übergehen, dem ist eigentlich kaum zu helfen oder er ist von den maximal perfektionistischen, aber eben auch lebloseverdorbenn CGI schon. Wenn am Schluss dann auch noch ein behaarter Affenmann auftritt, ist das Glück eigentlich perfekt. Der tollste Einfall sind aber definitiv die verwunschenen Ex-Liebhaber von Hippolyta, die als knorrige Baumwesen ein trauriges Dasein auf einem Stück Ödland fristen und noch ein bisschen bluten, wenn man ihnen ein Ästlein abknickt.

Insgesamt wird die mit REGINA eingeschlagene Richtung von Bragalia mit AMORI fortgesetzt, was bedeutet, dass die zugrundeliegenden Mythen lediglich noch eine motivische Basis liefern, von der aus dann wild in alle möglichen Richtungen fantasiert wird. Interpretiert man Herkules‘ Gesichtsausdruck richtig, dann kann er selbst kaum glauben, was ihm da alles widerfährt und dem Zuschauer geht es ganz ähnlich. Ein beknackter Einfall reiht sich an den nächsten, das alles wird in quietschbunte Bilder mit ebensolchen Kostümen verpackt. Den Vogel schießt gewiss Leicos ab, dessen Frisur und lilafarbener Jumpsuit auch Eighties-Hardrock-Gniedelgöttern wie Yngwie Malmsteen oder Steve Vai gut zu Gesicht bzw. Schritt gestanden hätten, aber Herkules‘ meterbreite Lederhosenträger sind auch nicht verkehrt. Jayne Mansfield hat demgegenüber deutlich mehr an und ist vollends ausgelastet mit der Aufgabe, nicht vorn über zu fallen. Alles in allem eine sehr runde Sache.

Rockwell Hunter (Tony Randall) arbeitet als Texter in einer Werbeagentur und ist es gewöhnt von den Entscheidungsträgern regelmäßig missachtet und geringgeschätzt zu werden. Als seine Firma um einen wichtigen Kunden kämpft – den Hersteller eines Lippenstifts –, kommt Hunter jedoch der entscheidende Einfall: Als Werbeträgerin soll die gerade aus Liebeskummer in New York weilende Diva Rita Marlowe (Jayne Mansfield) engagiert werden. Mit viel Eigeninitiative gelingt es Rockwell tatsächlich, Marlowe zu gewinnen. Doch dafür muss er als ihr persönlicher Liebhaber fungieren: Es stellt sich heraus, dass der Hollywoodstar ganz genau weiß, wie man das Interesse der Öffentlichkeit gewinnt. Rockwells ordentliches Leben steht bald völlig auf dem Kopf …

Nach THE GIRL CAN’T HELP IT arbeitete Tashlin zum zweiten Mal mit der üppigen Jayne Mansfield zusammen und nutzte ihre Kunstfigur für eine bissige, aber niemals gemeine Komödie über Lebenskonzepte, Materialismus, Gier und Erfolg. Rock Hunter ist dem Erfolg auf den Fersen, nichts wünscht er sich sehnlicher als endlich den Schlüssel zum exklusiven Waschraum der Executives zu erhalten – hier lässt sich schon erahnen, dass der Traum vom Erfolg reichlich leer ist. Als er plötzlich als Liebhaber der Marlowe zur Berühmtheit wird, muss er jedoch schnell erkennen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt: Seine Verlobte beginnt sich zu verändern, um seiner neuen Flamme Konkurrenz zu machen (herrlich, wie sie die spitzen Kiekser der Mansfield imitiert und auf hohen Hacken mit Tippelschritten durchs Büro stöckelt), er kann kaum noch die Straße überqueren, ohne von hysterischen Teens verfolgt zu werden, und in der Chefetage seiner Firma angelangt, stellt er fest, dass das alles nicht das ist, was er eigentlich wollte. Das ist zugegebenermaßen alles nicht neu, von Tashlin (der das Drehbuch nach einem Bühnenstück selbst adaptierte) aber so dicht gewoben, von den Darstellern, allen voran Jayne Mansfield und Tony Randall, so brilliant gespielt, dass man bereit ist WILL SUCCESS SPOIL ROCK HUNTER? seine „Lebe dein Leben!“-Botschaft wirklich abzunehmen. Mit seinem Thema von Konditionierung und Verführung durch Werbung ist Tashlins Film auch heute noch erstaunlich zeitgemäß. Erstaunlich, wie wenig sich das Spiel von Publicity und Showmanship in den letzten 50 Jahren tatsächlich verändert hat. Als Sahnehäubchen obendrauf gibt es einen kurzen Gastauftritt von Groucho Marx als Ritas ewige Flamme George Schmidlapp. Essenziell!

Der Musikagent Tom Miller (Tom Ewell) wird von dem ehemaligen Gangsterboss Fats Murdock (Edmond O’Brien) engagiert, um dessen Geliebte, die betörende Jerri Jordan (Jayne Mansfield), zum Star zu machen. Nachdem Tom mit ihr bleibenden Eindruck in der Szene hinterlassen hat und die Saat für weitere Schandtaten bereitet hat, muss er feststellen, dass Jerri überhaupt nicht singen kann und auch überhaupt kein Interesse daran hat, berühmt zu werden. Dafür wächst das gegenseitige Interesse aneinander aber ins Unendliche. Der Ärger ist vorprogrammiert.

Grandios! Viel mehr gibt es zu dieser fabelhaften Komödie von Frank Tashlin eigentlich nicht zu sagen. Schon die Eröffnung mit der „Einstellung“ des Bildformats und der Farbe sowie des Tons ist ein gelungener Auftakt, auf den Tashlin ein in dieser Form sicherlich einmaliges Gag- und Musikfeuerwerk folgen lässt. Die witzigsten Szenen hat eindeutig O’Brien als vulgärer und cholerischer Gangsterboss abbekommen, der seine Knasterfahrungen in zahlreichen schwachsinnigen Songtexten festgehalten hat und am Schluss seinen idiotischen Hit „Rock around the Rock Pile“ intonieren darf. Aber auch Tom Ewell, der nur ein Jahr zuvor in THE SEVEN YEAR ITCH den Reizen der Monroe hilflos ausgeliefert war, und sich  sich hier nun der nicht weniger beeindruckenden Mansfield gegenüber sieht, die als Jerri Jordan so viel lieber Hausfrau wäre, anstatt Popstar zu werden, darf sein komisches Talent voll ausspielen. Die Überraschung des Films war für mich aber eindeutig Frau Mansfield, die ich eher als Sternchen mit üppigem Dekolleté und makabrem Abgang (siehe CRASH) abgeheftet hatte, die hier aber einiges an schauspielerischem Geschick offenbart und vor allem unendlich sympathisch wirkt. Abgerundet wird dieser Augenschmaus von einem Film – man wird fast berauscht von den kräftigen Farben, in die Tashlin seine Sets und Schauspieler hüllt – durch die Gastauftritte zahlreicher seinerzeit populärer Rock’n’Roller und Musikstars wie etwa Little Richard, Fats Domino, Gene Vincent, Julie London, Eddie Cochran, Eddie Fontaine, The Platters und vielen anderen. Frank Tashlin offenbart sich einmal mehr als echtes Komödiengenie, dessen Animationsvergangenheit ihn in der Rezeption leider immer etwas einseitig abstempelt. Ständig wird das Cartooneske seiner Komödien betont, seine Bildkompositionen damit zum reinen Gimmick herabgewürdigt, ganz so, als sei Film keine Kunstform, in der die Visualität im Vordergrund stünde. Mit THE GIRL CAN’T HELP IT beweist er durchaus noch einiges mehr: Ein herausragendes Timing und ein beachtliches Einfühlungsvermögen. Riesenfilm! Meisterwerk! Ansehen! Sofort!