Mit ‘Jean-Claude van Damme’ getaggte Beiträge

THE EXPENDABLES hat mich vor etwas mehr als zwei Jahren wahnsinnig glücklich gemacht: Ein richtig guter Film war er trotzdem nicht. Die Freude darüber, die alten Recken nach teilweise entbehrungsreichen Jahren in einem großen Actionfilm vereint zu sehen, überdeckte die milde Enttäuschung darüber, dass Slys Film kein großes „Fuck You!“ an die modernen Sitten und Gebräuche des Actionkinos darstellte, sondern weitestgehend dessen fragwürdigen ästhetischen Rahmenbedingungen verpflichtet war. Dass THE EXPENDABLES verglichen mit anderen Großproduktionen dennoch beinahe bescheiden rüberkam – was Viele ihm ankreideten –, er nicht versuchte, das Rad neu zu erfinden oder Michael Bay und Konsorten in Sachen Megalomanie zu überbieten, fand ich sehr angenehm. Es passte zur Altersmüdigkeit seiner Darsteller, zu ihrem Wissen, dass der eigene Mythos längst gesichert ist. Niemand von ihnen musste irgendwem noch irgendwas beweisen. Bei THE EXPENDABLES 2 ist die Unschuld weitestgehend verloren: Die Freude über das Wiedersehen, das schöne Gefühl, den alten Helden bei ihrer verdienten Ehrenrunde zujubeln zu dürfen, weicht hier dem Eindruck, dass das alte Eisen den angekündigten Ruhestand gern noch ein paar Jahre nach hinten verschiebt, wenn die große Kasse winkt. THE EXPENDABLES war ein Geschenk, THE EXPENDABLES 2 ist im Grunde Business as usual. THE EXPENDABLES war Black Sabbath einmalig wiedervereint mit Ozzy, THE EXPENDABLES 2 ist die xte Tournee der greisenhaften Rolling Stones. Der Film schmälert schon durch seine bloße Existenz rückwirkend den Liebesdienst, den Sly seinen Fans mit Teil 1 erwiesen hat. Und er wirft teilweise sogar die Frage auf, ob er wirklich verstanden hat, was einen guten Actionfilm auszeichnet, was Fans am Genre und seinen Protagonisten lieben und was am ersten Teil gelungen war.

THE EXPENDABLES handelte seine Action-Set-Pieces fast pflichtschuldig ab, war dafür immer ganz bei sich, wenn er seinen wettergegerbten Helden dabei zusah, wie sie sie selbst waren. Mehr als irgendwelche Stunts oder Effekte sind es die kleinen Momente, die sich bei mir eingebrannt haben: Stallone und Rourke im nachdenklichen Zwiegespräch, die Sorge Jet Lis um sein finanzielles Auskommen, Dolph Lundgrens fall from grace und seine finale Wiederaufnahme im Kreis der Kameraden. Dass ich hier die Namen der Darsteller verwende und nicht die ihrer Rollen, ist zwar meiner Faulheit zuzuschreiben, bei IMDb nachzuschauen, macht aber dennoch Sinn: THE EXPENDABLES bediente den Wunschtraum eines jeden Fans, dass seine Helden (oder etwa die Mitglieder der Lieblingsband) auch privat die dicksten Kumpels sind, in ihrer Freizeit miteiander rumhängen und in Erinnerungen schwelgen, Anekdoten austauschen, sich necken und aufziehen, aber immer für einander da sind. Außergewöhnlich an diesem Film war nicht die Allstar-Besetzung, sondern seine fast unverschämte Relaxtheit. Der generische Plot um Eric Roberts und seine Bananenrepublik hat beim Ehemaligentreffen fast gestört.

Nun also THE EXPENDABLES 2: Die Vermarktungslogik ließ vermuten, dass gegenüber dem Vorgänger vor allem quantitativ zugelegt wird. Und so ist es dann auch: Die Cameos von Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger wurden zu Nebenrollen ausgebaut, Chuck Norris darf einen Gastauftritt absolvieren, Jean Claude Van Damme den Schurken spielen, die Rolle des obersten Henchman, die im Vorgänger Steve Austin zufiel, übernimmt nun Scott Adkins. (Zu meinem Bedauern wurde Gary Daniels nicht adäquat ersetzt. Dabei hätten sich Lorenzo Lamas, Billy Blanks, Roddy Piper, Sasha Mitchell oder Jeff Speakman sicherlich über einen Anruf gefreut und wären wahrscheinlich zu Fuß zum Drehort gelaufen. Na gut, Billy Blanks vielleicht nicht, der dürfte als Tae-Bo-Guru mehr Geld gescheffelt haben als mit allen seinen Filmen zusammen.) Diese personelle Auftstockung wird aber bei genauem Blick schon dadurch relativiert, dass Jet Li bereits nach gut 20 Minuten aus dem Film verschwindet. Ein Fehler, weil es auch sein Rapport mit Dolph Lundgren war, der dem Vorgänger Herz und Seele verlieh. Und Lundgren, der eigentliche Star und emotionale Kern von THE EXPENDABLES, wird hier als hohler Comic Relief verheizt. Randy Couture und Terry Crews waren schon im ersten Teil nur Randfiguren und werden noch mehr marginalisiert. Die Szenen, die das Team bei den gemeinsamen Plauderstündchen zeigen, vermisst man schmerzlich. Gerade, weil sie auch hier wieder genau jene Momente markieren, in denen der Film die Seele offenbart, an der es ihm sonst an allen Ecken und Enden mangelt. Die Actionszenen wurden ausgebaut, sie sind länger, blutiger und auch spektakulärer, zudem – eine der wenigen echten Verbesserungen gegenüber dem ersten Teil – deutlich übersichtlicher und kohärenter inszeniert, aber sie füllen nicht die Lücke, die da sonst klafft.

Wie auch THE EXPENDABLES wird auch sein Sequel voreilig als Eighties-Revival-Action, als Dienst am Fan des guten alten Actionkinos der Achtziger bezeichnet. Das traf schon auf Teil 1 nur bedingt zu (stilistisch hatte er mit den Actionfilmen der Achtziger rein gar nichts zu tun), hier geht es vollkommen an der Sache vorbei. THE EXPENDABLES 2 ist genauso am Reißbrett entworfenes Produkt wie so viele Filme, die man sonst mit dem Arsch nicht anschauen würde. Die Ausnahme ist, dass hier Leute mitspielen, von denen man dachte, dass sie es besser wüssten. Das große Ärgernis des Films ist seine unerträgliche Selbstreferenzialität, mit der er sich eben gerade nicht an die Cracks wendet, an Menschen, die das Werk Stallones, Schwarzeneggers, Norris‘, Lundgrens oder Van Dammes in- und auswendig kennen, es studiert haben und innig lieben. Die hohlen Zitate, die da vor allem Schwarzenegger in einem fort in den Mund gelegt werden, sind genau jene Zeilen, die zu bejubeln man die Quelle gar nicht mehr kennen muss, weil sie längst in den Fundus der Popkultur eingegangen sind. Wie einfallslos und ahnungslos muss man sein, wenn man ein von Arnie geäußertes „I’ll be back“ als Pointe in einer Multimillionen-Dollar-Produktion verkauft, die sich als Oldschool-Action versteht? Wenn man ihn Bruce Willis ein „Yippiekayay“ entgegnen lässt? Das hat nichts mit Ehrerbietung oder Metahumor zu tun (und mit Insiderwitz noch viel weniger), das ist einfach nur miserables Handwerk. Ein Armutszeugnis, ehrlich gesagt. Chuck Norris‘ Auftritt wäre eine schöne Sache gewesen, wenn man sich wenigstens ein bisschen Mühe gegeben hätte, ihn halbwegs sinnvoll in die Handlung zu integrieren. So latscht er in den Film rein, weil er auch noch mitmachen muss und verwandelt ihn in eine härtere Variante von HOT SHOTS. Es hätte nur noch der Schwenk auf das mitfilmende Kamerateam gefehlt, die Entfremdung wäre dadurch kaum stärker ausgefallen.

Solcherlei Stückwerk, die unkreative, ohne Sinn für eine übergeordnete Dramaturgie erfolgte Aneinanderreihung zotiger Gimmicks zerstört dann auch den Effekt, den die gelungeneren Szenen ohne jeden Zweifel hätten haben können. Jean Claude Van Damme hat eine traurig unterentwickelte Schurkenrolle abbekommen, aber er reißt den Film in jeder seiner Szenen an sich. Er muss dafür nicht mehr tun, als anwesend zu sein und sein in den letzten zehn Jahren ausgeprägtes Eisgesicht hinter einer coolen Sonnenbrille zu verbergen. Er sieht aus wie die Muse eines Avantgarde-Künstlers, wie die Gestalt aus einem Kraftwerk-Video: unantastbar, kantig, androgyn, geil. Dem Affentheater, zu dem der Film in den letzten 20 Minuten verkommt, setzt er Arroganz, Selbstbewusstsein und Kaltschnäuzgkeit entgegen. Auch Scott Adkins nutzt seine Mini-Chance und bekommt die Gelegenheit, seinen bewährten Yuri-Boyka-Akzent in einer Hollywood-Produktion unterzubringen (vielleicht der einzig echte In-Joke des Films, schon deshalb, weil er kaum jemandem aufgefallen ist – so ähnlich wie Gary Daniels im Vorgänger). Nur Stallone kann da mithalten. Sein kurzatmig ausgestoßenes „Track him, find him, kill him!“ ist einer der raren Gänsehautmomente des Films. THE EXPENDABES 2 sollte eigentlich voll von solchen Momenten sein, aber die Prioritäten lagen leider woanders.

Der Text ist jetzt etwas schärfer geworden, als ich das vorhatte. Es ist mir tatsächlich genetisch unmöglich, THE EXPENDABLES 2 nicht doch irgendwie zu mögen, aber die Erkenntnis, dass die unantastbaren Helden nicht nur nicht unfehlbar sind, sondern auch noch unter massiven Geschmacksverwirrungen leiden, ist ziemlich schmerzhaft. Ich wollte einen anderen THE EXPENDABLES 2 als diesen. Einen, der ohne dämlichen Humor auskommt, einen, der seine Recken nicht insgeheim zu Clowns degradiert. Einen der mir nicht ständig – wink-wink, nudge-nudge – zuzwinkert und sich mit mir verbrüdern will, indem er mir Witze erzählt, die ich schon kenne. Einen mit Herz und Seele und nicht nach zielgruppenorientierter Marktanalyse zurechtoptimierten Eventklumpen. Ich muss mich wohl damit abfinden, dass ich damit einer Minderheit angehöre. Und ich bin durchaus kompromissbereit. Das Problem an THE EXPENDABLES 2 ist nicht in erster Linie, dass er etwas macht, was ich nicht wollte. Sondern dass er das, was er macht, schlecht macht.

Der großartige John Hyams war hier auf diesen Seiten schon mehrfach Thema: Mit UNIVERSAL SOLDIER: REGENERATION, DRAGON EYES und vor allem UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING hat er drei Filme vorgelegt, die das Actiongenre von Grund auf verändert haben. Aber noch mehr: Er hat drei Filme von einer Kraft geschaffen, die an die ganz großen Meister des Fachs erinnert – Kubrick, Noe, Lynch, Cronenberg, Tarkovskij, Woo, Zulawski, Deodato, Cameron kommen einem unweigerlich in den Sinn, wenn man verfolgt, wie er das Schicksal des untoten Soldaten Luc Devereaux inszeniert. Auf Critic.de widmen sich in den nächsten Tagen verschiedene Autoren dem noch überschaubaren, aber kaum noch unterschätzbaren Werk. Darunter neben meiner Wenigkeit so verehrte Kollegen wie Jochen Werner, der wunderbare Film-Euphoriker Sebastian Selig sowie mein einstiger Mit-Himmelhund Marcos Ewert. Die Retrospektive rundet ein Interview mit John Hyams höchstselbst ab, zu dem ich auch ein paar Fragen beisteuern konnte. Hier findet sich der Einleitungstext, hier mein Essay zu UNIVERSAL SOLDIER: REGENERATION und Sebastians Text zu UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING. Viel Vergnügen!

Als der Fremdenlegionär Léon Gaultier (Jean Claude Van Damme) erfährt, dass sein Bruder schwerverletzt in einem Krankenhaus in L.A. liegt, tritt er die Flucht an. Von Afrika führt ihn die Reise nach New York: Völlig mittellos und ohne Papiere trifft er Eldridge (Harrison Page), der Bare-Knuckle-Straßenfight organisiert und in Léon gleich ein großes Talent erkennt. Auch die schwerreiche Cynthia (Deborah Rennard) sieht sofort, wie viel Geld sie mit dem schweigsamen Kämpfer machen kann und überredet Léon zu weiteren Kämpfen in L.A. Dort angekommen, muss Léon zunächst erkennen, dass er zu spät kommt: Sein Bruder ist tot, alle Bemühungen, dessen Witwe und Tochter zu helfen, prallen am Stolz der Dame ab. Unterdessen plant Cynthia, ihren Goldesel hereinzulegen und haben die Spürhunde der Fremdenlegion die Witterung aufgenommen …

Neben BLOODSPORT ist A.W.O.L.  – was für „Absent without leave“ steht und natürlich Léons Flucht aus der Fremdenlegion meint – wahrscheinlich der beste, rundeste Film aus Van Dammes Frühphase (wenngleich ich den avantgardistischen CYBORG ebenfalls sehr verehre). Die Plotline klingt zunächst nach dem Drehbuchkurs „Actionfilme für Anfänger“, überrascht dann aber damit, dass es für Léon mitnichten darum geht, den ermordeten Bruder zu rächen: Man wisse weder, wer die Übeltäter seien, noch welche Motive sie hatten, berichtet der Arzt dem bestürzten Protagonisten – der diese Auskunft nicht zum Anlass nimmt, gleich mit dem ganzen Gesocks aufzuräumen, sondern sich seiner Schwägerin und seiner Nichte zu widmen. A.W.O.L. trägt eindeutig melodramatische Züge und in seiner Gegenüberstellung von (leicht romantisiert dargestellter) Armut und Dekadenz erinnert er an ein Sozialmärchen: Es gibt eine Szene, in der Léon bei einem Spaziergang durch sein Viertel eine Art Hinterhof entdeckt, der von in Lumpen gehüllten Bettelfamilien bewohnt wird, bei der man sich in die Zeit der Depression zurückversetzt fühlt.

Das ist überhaupt ein gutes Stichwort, denn auch wenn A.W.O.L. in der damaligen Gegenwart angesiedelt ist, wirkt der Modus der Erzählung wesentlich älter. Wie die Krankamera zu schwelgender Musik die maroden Straßenzüge abfährt, auf denen geschäftiges Treiben herrscht, Léon sein Leben dafür aufs Spiel setzt, seiner Nichte ein Fahrrad kaufen zu können und der brave Eldridge seinem Schützling nicht mehr von der Seite weicht, weil er in ihm das Potenzial sieht, das er bei sich selbst nicht verwirklichen konnte, ist der Stoff, aus dem auch Charles Dickens seine Epen gewoben hat. A.W.O.L. bleibt seinem eigentlichen Genre zwar weitestgehend treu, bietet in regelmäßigen Abständen immer wieder Kämpfe auf und hat für den Showdown auch einen ganz besonders fiesen Oberboss parat, den es plattzumachen gilt, doch dieses ganze Bareknuckle-Sujet ist im Grunde austauschbar. Lettich etablierte mit diesem Film einen Teil der Van-Damme-Persona, der diesen zumindest in der ersten Hälfte seiner Filmkarriere auszeichnete: Er ist der gutherzige (sein Kampfname – und Alternativtitel des Films – ist hier auch „Lionheart“) Familienmann, der durch vergangene Schicksalsschläge vom rechten Weg abgekommen ist und nun Abbitte leisten muss. Der Status als Fremdenlegionär ist dann auch sein ganz persönliches Fegefeuer. Jeder Kampf, den er schlägt und der ihm seinem hehren Ziel näherbringt, ist immer auch eine Erinnerung daran, was er sich einst zu Schulden kommen ließ. A.W.O.L. erzählt die Geschichte dieser Wiedergutmachung mit viel Pathos, aber auch Empathie. Klingt blöd, aber A.W.O.L. ist ein Weihnachtsfilm für Kerle. Schön.

https://i2.wp.com/tarracocinema.com/images/jmovies/img_pictures/The%20hard%20corps.jpgDer Army-Veteran Philippe Sauvage (Jean Claude Van Damme) wird vom Ex-Schwergewichtsweltmeister und millionenschwerem Unternehmer Wayne Barclay (Raz Adoti) als Bodyguard engagiert: Der Schwerverbrecher Terrell Singletery (Vic Leacock), zu dessen Verurteilung Barclay entschieden beigetragen hatte, ist aus der Haft entlassen worden und sinnt auf Rache. Zunächst muss Sauvage aber ein neues Sicherheitsteam zusammenstellen und weil Barclay jungen Leuten aus seinem Gym eine Chance geben will, handelt es sich dabei durchweg um Amateure. Gerade als er eine schlagkräftige Mannschaft hat, gibt es Probleme mit Barclay. Dem wurde nämlich gesteckt, dass Sauvage im Irak ein Massaker unter Kindern angerichtet habe, nervlich am Ende und unberechenbar sei …

Einer der besseren Van-Damme-Filme der 2000er: Es sind vor allem die sympathischen und interessanten Charaktere, die den Unterschied machen. Van Damme gibt einen jener gebrochenen, brüterischen, desillusionierten Profis, mit denen er sich in den vergangenen Jahren zurück an die Spitze gespielt hat: einen Soldaten, der die Bilder von Tot und Elend und von seinen eigenen Fehlern nicht mehr los wird. Es ist die soziale Ader seines neuen Arbeitgebers, die ihn das Leben wieder mit etwas anderen Augen sehen lässt: Raz Adoti spielt den Ex-Boxweltmeister, der die Rolle des positiven Role Models für junge Menschen aus sozial schwierigen Verhältnissen mit Bravour erfüllt, Vivica A. Fox die patente Schwester, die für seine Geschäfte verantwortlich ist – und am Ende ein Pärchen mit Van Damme bildet. Ein Kreis weiterer Vertrauter ergänzt das Bild einer eingeschworenen Familie, die sich gegen die unerwartete Gefahr zur Wehr setzen müssen. Diese Gefahr wird von Leacock als offenkundige Anspielung auf den ehemaligen Death-Row-Labelmogul und Gangsterboss Suge Knight überaus wirkunsgvoll interpretiert: Endlich mal wieder ein Schurke, den man so richtig hassen kann. Diese Figurenkonstellation ist es also in erster Linie, die mich bis zuletzt mitgehen ließ, auch wenn der Gesamterfolg wieder einmal durch merkwürdige Drehbuchentscheidungen gefährdet wird.

Auch hier wird die für einen soliden Actionfilm allemal ausreichende Story nämlich mit kleineren Schlenkern und Subplots angereichert, die in der Kürze der Zeit eher stören, als wirklich etwas zum Gesamtgelingen beizutragen. Als es plötzlich darum geht, ein Team von Bodyguards zusammenzustellen und auch noch auszubilden, dachte ich, der Film verwandle sich nun in eine Art DANGEROUS MINDS für Bodyguard-Anwärter, doch dann wird dieser Strang auch schon wieder fallengelassen: Offensichtlich handelt es sich bei den Azubis allesamt um Naturtalente. Die kurzfristige Akzentverschiebung führt aber dazu, dass die eigentliche Geschichte aus dem Blick gerät: Schurke Singletery verschwindet für längere Zeit aus dem Film, und am Ende geht dann alles ein bisschen zu schnell. Schade, denn mit ein bisschen mehr Struktur hätte THE HARD CORPS das Zeug zu einer richtig wohltuenden Ausnahmeerscheinung innerhalb des doch recht homogenen Genres des DTV-Actionfilms gehabt. Zwischen den ganzen superdüsteren, supernihilistischen Ostblockfilmen bildet er mit seiner Botschaft von Nächstenliebe, Heilung und Toleranz einen überaus angenehmen und positiven Kontrapunkt.

 

 

https://funkhundd.files.wordpress.com/2012/12/0b6b5-second2bin2bcommand2b20062bhindi2bdubbed2bmobile2bmovie2bposter2b1.jpgMoldawien: Die Anhänger des ehemaligen kommunistischen Präsidenten Kirilov planen einen Staatsstreich gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Amirev. Die Stimmung auf den Straßen ist aufgeheizt, ein Bürgerkrieg droht auszubrechen. Der amerikanische Botschafter ruft daraufhin den hochrangigen Navy-Offizier Sam Keenan (Jean Claude Van Damme) zu Hilfe. Er soll Amirev aus seinem belagerten Regierungspalast befreien und in der amerikanischen Botschaft in Sicherheit bringen, bis die Armeen des Präsidenten und der USA eintreffen. Das erweist sich als überaus schwierige Aufgabe, denn die Putschisten bringen erst Keenans Geliebte, die Journalistin Michelle Whitman (Julia Cox), in ihre Gewalt und sind dann auffallend gut über die Pläne der Belagerten informiert …

Nach den doch etwas blutleeren und mittelmäßigen THE QUEST und THE ORDER ist SECOND IN COMMAND Labsal für meine nach Action dürstende Seele. Simon Fellows, der später mit UNTIL DEATH maßgeblich daran beteiligt war, einen neuen, ernsteren, gebrocheneren Van Damme zu etablieren, inszeniert SECOND IN COMMAND als Hybrid aus Neo-Western (THE ALAMO wird referenziert, das Setting erinnert ebenfalls an ein belagertes Fort, der Belagerungsplot natürlich nicht zuletzt an Carpenters Western-Hommage ASSAULT ON PRECINCT 13) und hyperrealistischem Kriegsfilm im Stile von Ridley Scotts BLACK HAWK DOWN. Die Kamera muss einiges mitmachen, immer wieder wird vermeintlich „echtes“ Material eingeschnitten, die monotone Farbgebung und die in zahlreichen DTV-Actionern erprobte marod-barocke Kulisse Bukarests tut das Ihrige, den Zuschauer mitten in ein umkämpftes Krisengebiet zu holen. Und auch die ernsten Mienen der Politiker, Staatsbeamten und Soldaten, ihr sachlich-technischer Jargon, machen deutlich, dass es hier nicht um Heldentaten oder körperliche Selbstverwirklichung geht.

Die Western-Allusionen – wunderschön etwa der immer gleiche Blick auf den Straßenzug vor der Botschaft, der im Laufe des Films zusehends verwüsteter aussieht – helfen, wenn auch nur ein bisschen, das Geschehen etwas auf Distanz zu halten: Es ist doch nur ein Film. Ein überraschend sehenswerter, wie ich hinzufügen möchte, auch wenn ich die Zeiten vermisse, als „Spaß“ und „Action“ noch nicht so unvereinbar waren, wie sie das heute oftmals zu sein scheinen. Es gibt wirklich nicht allzu viel in SECOND IN COMMAND, an das man sein Herz hängen könnte, das die Stimmung heben würde. Die militärische Effizienz und Nüchternheit, mit der das Gemetzel begangen wird, muss befremden, teilweise gar abstoßen. Alles ist bleich, kaputt und ein Leben außerhalb des Krieges und der Zerstörung gibt es für keinen einzigen der Beteiligten. Eine merkwürdige Form der Unterhaltung ist das schon.

untitled-3Rudy Cafmeyer (Jean Claude Van Damme), ein professioneller, auf kostbare historische Artefakte spezialisierter Dieb, erhält einen Notruf von seinem Vater, einem Kunsthistoriker. Bei einem Besuch in Jerusalem ist dieser von Mitgliedern einer radikalen Splittergruppe der Sekte „The Order“ entführt worden. Diese will einen Krieg zwischen Moslems und Juden anstacheln und beruft sich dabei auf apokryphe Schriften ihres Religionsstifters. Rudys Vater ist im Besitz dieser Schriften und sie prophezeien genau das Gegenteil von dem, was die Sektierer wollen: eine friedliche Revolution …

Jean Claude Van Damme wandelt auf den Spuren von Indiana Jones: Gleich zu Beginn entwendet er ein kostbares Fabergé-Ei aus einem Museum in Odessa und muss dazu zahlreiche Wachmänner und Polizisten austricksen, später bekommt er es in Jerusalem mit einer geheimnisvollen Sekte, mysteriösen Prophezeiungen, Karten auf Aramäisch, Weltberrschungsplänen, finsteren Gewölben und natürlich zahlreichen bösen Buben zu tun. Sheldon Lettichs uninspirierte, aber routinierte Regie, die spektakuläre Kulisse Jerusalems und das hohe Tempo des Films, der von einer Verfolgungsjagd zur nächsten hetzt, halten bei Laune, auch wenn THE ORDER insgesamt ein bisschen an einen dieser Fernsehfilme erinnert, in denen berühmte Blockbuster kopiert werden. Im Prolog, der während der Kreuzzüge angesiedelt ist – mit Van Damme als Kreuzritter – und die Ursprünge der Sekte mittels eines märchenonkelhaften Voice-overs erläutert, rechnet man gar damit, dass Ayman Abdallah oder Joachim Bublath im Anzug aus der Kulisse treten und zu einer neuen Folge von Terra X oder Galileo Mystery begrüßen.

Actionfreunden bietet THE ORDER nur wenig Grund zur großen Begeisterung. Handfeste Fights sind rar gesät, der Film lässt sich eher als Abenteuer- denn als Actionfilm bezeichnen. Und um als solcher richtig zu begeistern, fehlt etwas die Größe, der Wille zum Pomp und zur Epik. THE ORDER ist eine kleine Produktion und so ordentlich er auch gemacht ist: Das Historienspektakel ist eine Nummer zu groß für ihn. Am Ende löst sich das alles etwas unbefriedigend in einem handelsüblichen Showdown auf, der in dieser Form in jeden Film gepasst hätte. Und ob man wirklich glaubte, noch eine Fortsetzung hinterherschieben zu können, wie der Schlussgag suggeriert? THE ORDER ist ganz OK, definitiv kein schlechter Film, aber eben auch nichts, was zu Begeisterungsstürmen hinrisse. Am meisten hat mich das Wiedersehen mit Brian Thompson, dem „Nightstalker“ aus COBRA, gefreut. Er ist hier als schurkischer Sektenführer mit dem schicken Namen Cyrus Jacob ganz in seinem Element.

 

https://i0.wp.com/images.weltrecords.de/img/cover/000/000/196/000000196871.jpgEin greisenhafter Mann namens Chris Dubois (Jean Claude Van Damme) schlägt ein paar Ganoven in die Flucht, als sie eine Bar ausrauben wollen. Dem verblüfften Barkeeper erzählt er seine Geschichte: In den 20er-Jahren führt er eine Bande diebischer Kinder an, landet auf der Flucht vor der Polizei als blinder Passagier auf einem Schiff nach Thailand, wird von dem verschlagenen Adligen Lord Dobbs (Roger Moore) aus der Gefangenschaft befreit und auf die Muay-Thai-Insel gebracht, wo er in der Kunst der gleichnamigen Kampfkunst unterrichtet wird. Als er Dobbs später wiederbegegnet, hat er einen Wunsch: Er will am Ghan-gheng teilnehmen, einem Martial-Arts-Turnier, an dem die besten Kämpfer der Welt teilnehmen. Mit der Aussicht auf die Siegesprämie, einem Drachen aus massivem Gold, überredet er Dobbs, ihn zu begeiten. Dobbs‘ Assistent Smythe (Jack McGee), die Journalistin Carrie Newton (Janet Gunn) und der Schwergewichtsweltmeister Maxie Devine (James Remar), selbst zum Turnier eingeladen, begleiten sie …

THE QUEST erzählt die gleiche Geschichte wie BLOODSPORT, jener pseudobiografische Film über den realen Martial Artist Frank Dux, der sich bei einem illegalen asiatischen Turnier an die Weltspitze gekämpft haben will, verlegt sie aber in die Zwanzigerjahre und in das Genre des Abenteuerfilms. Das erweist sich zunächst als gute Idee: Mit viel epischem Drive startet der Film in New York, begibt sich dann auf hohe See, offeriert Roger Moore in einem wunderbaren Besetzungscoup als charmanten Gentleman-Gauner und verbindet die Turniergeschichte schließlich noch mit Elementen des Heist Movies. Die Production Values sind sehr ordentlich, die Kulissen auch deshalb sehr schön anzusehen, weil man Period Pieces dieser Art nicht allzu oft geboten bekommt, und JCVD ist, so scheint es, mit dem Herzen dabei. Leider nimmt er sich vor lauter Spektakel aber nicht genug Zeit, seine Charaktere atmen zu lassen, dem Plotverlauf ein paar auflockernde Schlenker zu gestatten: Im Bemühen, alles in 90 Minuten Film unterzubringen, hetzt THE QUEST im Schweinsgalopp vorüber und mehr als einmal fühlte ich mich, als hätte ich etwas ganz Entscheidendes verpasst. Es vergeht mal mehr, mal weniger Zeit zwischen zwei Szenen, ohne dass man das erkennen könnte, an anderer Stelle scheinen für die Entwicklung des Film wichtige Passagen zu fehlen. Der Rhythmus ist also mehr als holprig und ließ mich vermuten, dass hier mehrfach großzügig die Schere angesetzt worden ist. Einen entsprechenden dagingehenden Hinweis habe ich aber nicht gefunden.

Vielleicht hat Van Damme sich tatsächlich einfach übernommen mit THE QUEST. Dafür spricht auch, dass der Teil des Films, in dem er sich eigentlich am meisten zu Hause fühlen müsste, eben das Turnier im letzten Drittel, am uninspiriertesten daherkommt. Seine Inszenierung ist auch vorher bestenfalls zweckdienlich, aber das wird eben durch einen sichtbaren Enthusiasmus wettgemacht, der während der Fights am Schluss weitestgehend fehlt. Die Teilnehmer bleiben allesamt bloße Folien, ohne große Dramaturgie wird Kamof um Kampf bis zum vorhersehbaren Ende aneinandergereiht. Das hat Newt Arnold, Regisseur von BLOODSPORT und auch nicht gerade als größter Actionregisseur aller Zeiten bekannt, damals deutlich besser hinbekommen. So muss ich Jean Claude Van Damme zugutehalten, dass seine bislang einzige Regiearbeit zwar viel besser ist als ihr Ruf, aber auch deutlich erkennen lässt, warum er keinen weiteren Film nachlegte. Enthusiasmus und Herz allein reichen leider nicht. Aber diese Besetzung von Roger Moore, die ist echt klasse.