Mit ‘Jeannot Szwarc’ getaggte Beiträge

Es ist mal wieder Zeit für einen Megaflop: Produzent Ilya Salkind hatte große Pläne mit seinem SUPERMAN-Franchise und nach drei erfolgreichen Filmen stand ihm der Sinn nach Expansion und World Building. Wie sollte ihm das besser gelingen als mit einem Spin-off um Supermans Cousine Kara, besser bekannt unter den Namen „Supergirl“, die ihr Comicdebüt im Jahr 1958 gefeiert hatte? Mit einem im Stil der SUPERMAN-Filme hochkarätig besetzten und mit vielen Special Effects gepflasterten Blockbuster würde er die blonde Schönheit mit den langen Beinen einem nach mehr Stoff dürstenden Publikum präsentieren und dann in der Folge für die spektakuläre Familienzusammenführung auf der Leinwand sorgen. So oder ähnlich dachte er sich das wohl: Die Verweise auf den berühmten Cousin, der leider gerade verhindert ist, sind so zahlreich, dass sie dem berühmten Wink mit dem Zaupfahl ähneln, mit Marc McClure war zwar der „echte“ Jimmy Olsen mit von der Partie, aber bei dem handelte es sich nunmal auch um eine Figur, wegen der nun wirklich niemand ins Kino ging. SUPERGIRL ging phänomenal baden und spielte in den USA gerade mal ein Drittel seines üppigen 40-Millionen-Budgets ein. Nicht nur verpasste es den Plänen Salkinds einen heftigen Dämpfer, es trieb den Produzenten in den Ruin und zwang ihn dazu, die Rechte am SUPERMAN-Franchise an die Cannon zu verkaufen, die mit dem schier unfasslichen SUPERMAN IV: THE QUEST FOR PEACE die Ehre hatten, den letzen Nagel in den Sarg zu hämmern und das mit großem Ethusiasmus taten.

Was war schief gegangen? Zunächst einmal hatte Salkind das Interesse des Publikums an einem SUPERGIRL-Film maßlos überschätzt. Die Figur war, soweit ich das als Nichtexperte nach flüchtiger Recherche sagen kann, schon in ihrer Printinkarnation von nur mäßiger Popularität, mit sehr kurzlebigen selbstbetitelten Heftreihen in den Jahren 1972 bis 1974 und 1982 bis 1984. Dass die Menschen in die Kinos rennen würden, nur um einen weiblichen Superman-Verschnitt sehen zu dürfen, war höchst zweifelhaft und erwies sich dann ja auch tatsächlich als Trugschluss. Salkind versäumte es darüber hinaus, der Figur ein schärferes eigenes Profil zu verleihen. Sie ist im fertigen Film nicht viel mehr als ein Superman „für Mädchen“: Der ganze Film ist langsamer, legt ein größeres Gewicht auf eine zärtliche Liebesgeschichte, hat keinen wirklich interessanten Gegner für seine Heldin und nur äußerst sparsame über den Film verteilte Action. Die Spieldauer von 130, im Director’s Cut gar 140 Minuten, gestaltet sich so als ausgesprochen zäh: Es gibt ein paar nette, angenehm naive und an die Comictradition der Fünfzigerjahre erinnernde Momente, aber der Film weiß diese Ansätze nicht zu einer erfolgreichen Strategie auszubauen. Er entwickelt keinerlei erzählerischen Flow oder gar so etwas wie Spannung. In seinen Effektsequenzen wirkt er wie eine abgespeckte, langsamere, unspektakulärere Version der SUPERMAN-Filme: Warum hätte sich jemand das ansehen sollen, wenn er „the real deal“ haben konnte – oder etliche andere, aufregendere Filme?

Hinzu kommt, dass das alles fürchterlich steif wirkt: Die Energie, mit der Richard Lester komische oder actionreiche Sequenzen choreografierte, geht Jeannot Szwarc – bestenfalls ein solider Handwerker – leider völlig ab. Das Drehbuch ist schon nicht das Gelbe vom Ei, reiht eine statische, geschwätzige Szene an die nächste, und Szwarcs Regie macht alles noch lahmer und gestelzter. Faye Dunaway hockt als böse Hexe Selena zusammen mit ihrer Freundin Bianca (Brenda Vaccaro), deren Funktion rätselhaft bleibt, zusammen in ihrer Bude und schmiedet böse Pläne, die sie dann in den letzten 15 Minuten endlich in die Tat umsetzt. Der britische Schwarzmagier Nigel (Peter Cook) fungiert als ebenfalls biederer Einflüsterer für die Schurkin, Jimmy Olsen flirtet mit Supergirls Schulfreundin Lucy (Maureen Teefy), die Heldin selbst mit dem markigen Ethan (Hart Bochner). Peter O’Toole knüpft als Zaltar an die im ersten SUPERMAN mit Marlon Brando begonnene Tradition hoffnungslos überqualifizierter Schauspieler an, die es schaffen, in sinnlosen Wegwerfrollen richtig schlecht auszusehen. In der ersten Hälfte nimmt SUPERGIRL mit seinem College-Sujet die HARRY POTTER-Filme vorweg, bevor er sich dann dazu entschließt, diesen Strang komplett fallenzulassen. Supergirl selbst bleibt in der Darbietung von Helen Slater ebenfalls blass: Weder bekommt man Einblick in ihren Charakter, noch entwickelt sie so etwas wie körperliche Präsenz. Sie ist ein hübsches Gesicht mit langen Beinen dran. Nicht uncharmant, aber als Identifikationsfigur oder auch nur als Projektionsfläche für das Zuschauerinteresse gänzlich ungeeignet. Um es kurz zu machen: SUPERGIRL ist irrsinnig langweilig.

Zum Abschluss noch etwas anderes: Vor einiger Zeit habe ich hier WONDER WOMAN besprochen, über den im vergangenen Jahr heftig gestritten wurde. Die einen hielten ihn für eine Sternstunde des feministischen Films, die anderen diese Ansicht für maßlos übertrieben. In meinem Text äußerte ich Versändnis für erstere Perspektive: In der derzeitigen US-amerikanischen Mainstream-Filmlandschaft kann man es durchaus für einen wichtiges und erfreuliches Ereignis halten, wenn eine Multimillionen-Dollar-Produktion um eine weibliche Heldin gestrickt wird, die sich dann mit Mitteln behaupten darf, die üblicherweise den Männern vorbehalten sind. Dass die Messlatte nicht wirklich hoch lag, ist zwar klar, sollte m. E. aber den positiven Ansatz nicht gänzlich in den Schatten stellen. Man bedenke: WONDER WOMAN hätte tatsächlich auch wie SUPERGIRL aussehen können, ein Superheldinnen-Film, dessen Protagonistin wenig mehr sein darf als ein rotbäckiges Mädchen zum Anhimmeln, das stets etwas verloren und treudoof ins Leere schaut, lustig mit den Zehen in ihren roten Lackstiefeln wackelt und im entscheidenden Moment die Einflüsterungen eines väterlichen Freundes benötigt, um sich mit moderatem Körpereinsatz behaupten zu können. Wenn man sich dieses Supergirl so anschaut, möchte man es doch am liebsten in die Küche schicken.

 

bugBUG wurde produziert vom großen Showman William Castle – letzter Akt eines ereignisreichen Lebens – und handelt deshalb auch nicht von irgendwelchen Käfern, sondern – wie es der deutsche Titel in einem typischen Fall von Spielverderberei vorwegnimmt – von Feuerkäfern, also von kleinen Krabblern, die in der Lage sind Büsche und Haare, aber auch Autos und Häuser in Brand zu setzen. Schön bescheuert, aber jetzt kommt die große Überraschung: Diese Idee wird nämlich nicht etwa für einen absurden Tierhorror-/Katastrophenfilm-Quatsch ausgeschlachtet, sondern von Regisseur Jeannot Szwarc als ernstes Wissenschaftlerdrama mit deutlichen Ambitionen Richtung Psychogramm inszeniert. Das ist an sich schon wieder so kurios, dass man BUG dafür lieben muss, auch wenn der Film selbst einem leider nicht allzu viele Gründe dafür liefert.

Nach einem Erdbeben bricht in einer Kleinstadt in der Wüste eine tiefe Erdspalte auf, die eine bislang unbekannte Käferart zu Tage fördert. Die äußerlich an Schaben erinnernden Käfer sind größer, schwerer und kräftiger als vergleichbare Insekten, komplett regungslos und verfügen außerdem über die Fähigkeit, Feuer zu machen. Der Lehrer und Wissenschaftler James Parmiter (Bradford Dillman) untersucht die Tiere und findet heraus, dass die Atmosphäre an der Erdoberfläche tödlich für sie ist. Es gelingt ihm, ein Exemplar in einer Druckkammer am Leben zu halten und daraus eine neue Käfergattung zu züchten, die mit ihm in einer Art telepathischen Beziehung steht …

BUG beginnt zunächst typisch für einen Tierhorrorfilm der Siebziger, eines Subgenres, das in enger Verbindung zum zur selben Zeit reüssierenden Katastrophenfilm steht. Nach dem initialen Erdbeben werden die seltsamen Käfer entdeckt, die auch sogleich die ersten Toten fordern, woraufhin der Protagonist eingeschaltet wird. Der Weg scheint vorgezeichnet: Die Käfer bedrohen Stadt und Bevölkerung, bis dem Helden endlich einfällt, wie man die Krabbeltiere beseitigen kann. Doch es kommt alles ganz anders. Eine echte Bedrohung geht von den Tieren nie aus, außer Parmiter und einigen wenigen anderen Nebenfiguren bekommt gar niemand überhaupt mit, was da draußen vor den Toren der Stadt kreucht und fleucht. BUG entwickelt sich vielmehr zum Kammerspiel, folgt den Forschungen Parmiters, der selbst nie in Gefahr ist, aber sich in eine echte Besessenheit hineinsteigert, nachdem seine Frau den Tierchen zum Opfer fällt. Von diesem Moment an steht die zerrüttete Psyche Parmiters im Mittelpunkt, der für seine Züchtung zum Alphakäfer avanciert, dem die Insekten in der bizarrsten Szene des Films Liebesbotschaften an die Wand schreiben. Natürlich fällt er am Ende genau dieser Besessenheit zum Opfer: Er stürzt in die Erdspalte, aus der die Feuerkäfer einst nach oben gekrabbelt waren und die sich nun wieder schließt.

Der Mut von Jeannot Szwarc, diesen Stoff so zu inszenieren, wie er das getan hat, muss bewundert werden. Statt auf Knalleffekte und kreischende Feuerkäfer-Opfer setzt er auf Suspense und eine düstere, unangenehme Atmosphäre, die nicht zuletzt das Resultat von Charles Fox‘ Elektronikscore ist, der etwas an die Geräuschkulisse in Computerzentralen preisgünstiger Science-Fiction-Filme erinnert: Es fiebt, tütet, klimpert und klackert, dass einem dabei ganz schwurbelig wird. Parmiters geistiger Verfall wird einigermaßen glaubwürdig herausgearbeitet und wenn er am Ende sieht, wie sich seine Schöpfung aus den Tiefen der Erde erhebt, könnte das auch seinem Wahn entspringen. Als Psychothriller ist BUG also um Längen effektiver als als Horrorfilm. Das ändert aber leider nichts daran, dass die Prämisse und ihre Umsetzung hochgradig albern sind und der Film darüber nie so ganz hinwegzutäuschen vermag. Wenn Menschen angesichts einiger verienzelt herumsitzender Käfer in panische Schreiattacken ausbrechen oder ganz einfach unfähig sind, sich die Biester vom Körper zu wischen, sich stattdessen lieber verbrennen lassen, dann überträgt sich der „Schrecken“ einfach nicht auf den Betrachter. Und je länger der Film dauert, je klarer es wird, dass es nicht zur großen Käferapokalypse kommen wird, umso mehr fragt man sich auch, was das Ganze eigentlich soll. Um bei Parmiters Niedergang wirklich mitgehen zu können, müsste man sich mehr für sein Forschungsobjekt interessieren. Aber das sind einfach ein paar dämliche Schaben, deren Faszinationspotenzial sich dem Nicht-Käferenthusiasten nicht wirklich erschließen mag.

In der Theorie finde ich BUG also total super, praktisch habe ich mich während der 95 Minuten aber überwiegend königlich gelangweilt.

 

Das unweigerliche Sequel zum Megaerfolg von Spielbergs JAWS ließ naturgemäß nicht lange auf sich warten, doch die Besetzung des Regiestuhls mit dem Franzosen Jeannot Szwarc, der zuvor lediglich durch Fernseharbeiten „aufgefallen“ war, macht zusammen mit der Abwesenheit eines großen Costars (die Nebendarsteller Lorraine Gary und Murray Hamilton werden als Ersatz für Shaw und Dreyfuss aufs Poster gehievt) schon im Vorhinein den zu erwartenden Klassenunterschied deutlich. JAWS 2 ist dementsprechend eher mittelmäßig gut beleumundet: Es ist eben ein typisches Sequel, bei dem es in erster Linie darum ging, die Kuh zu melken, bevor die Zuschauer merkten, dass ihre Milch schon leicht ranzig schmeckte. Weder der erzählerischen noch der inszenatorischen Finesse, die den Vorgänger zum Instant-Klassiker machten, weiß die Fortsetzung auch nur annähernd etwas entgegenzuhalten, stattdessen gibt es mehr Haiaction, durch die jugendliche Schar potenzieller Opfer eine nur scheinbar größere Fallhöhe (der Kenner durchschaut die Strategie und weiß, dass nicht allzu viele der Blagen sterben dürfen) und eben mehr vom selben. Ich unterhalte zu JAWS 2 eine ähnlich sentimental aufgeladene Beziehung wie zum ersten Teil und finde den Film auch heute noch durchweg unterhaltsam und schwungvoll, würde ihm außerdem jederzeit zugutehalten, dass ihm einige tolle Momente gelingen: wie der einsame Brody nach seinem peinlichen Amoklauf am Strand beim Einsammeln der leeren Patronenhülsen Hilfe von seinem kleinen Sohn erhält, die Entwicklung eines Fotos, das aus Brodys Verdacht Gewissheit werden lässt, die schöne Tina leichenblass, zitternd und zusammengekauert in ihrem Boot, die Rettung Seans durch die Freunde seines älteren Bruders. Langweilig ist JAWS 2 definitiv nicht und wer ein Faible für Haie und Tierhorror hat, wird hier auf handwerklich ansprechendem Niveau bedient.

Dennoch lässt sich nicht verleugnen, dass es den Machern nicht gelungen ist, die erzählerischen Herausforderungen, die das Sequel bereithielt, zu meistern. Mehr noch, sie haben vor der Aufgabe schlichtweg kapituliert. Wer will es ihnen verübeln? Es ist einfach nicht glaubwürdig, dass ein Ort, an dem es eigentlich gar keine weißen Haie geben dürfte, innerhalb weniger Jahre zum zweiten Mal von einem besonders monströsen Exemplar der Gattung heimgesucht wird, egal, welche Erklärungsversuche man bemüht. Die Idee Brodys, der „neue“ Hai könne von seinem Vorgänger „gerufen“ worden sein und nun Rache für den Tod seines Artgenossen nehmen wollen, wird glücklicherweise nicht weiter ausgeführt, aber umso rätselhafter ist es, dass diese eine Dialogzeile überhaupt im Film verbleiben durfte. So wirkt es, als wollten sich die Autoren lediglich gegen den berechtigten Vorwurf der Idiotie absichern. Damit es überhaupt zur erneuten Katastrophe kommen kann, müssen sich außerdem alle Figuren auf eine Art und Weise idiotisch verhalten, die suggeriert, dass sie an akutem Gedächtnisverlust leiden. Am schlimmsten hat es ohne Frage Brody selbst erwischt. Der hätte nach der Logik des ersten Teils eigentlich zum souveränen Helden heranreifen müssen, nachdem er sich dort seinen Ängsten erfolgreich gestellt hatte, stattdessen ist er nun zum totalen Neurotiker und Weichei mutiert, der einen Schwarm Blaufische für einen Hai hält, wüst am Strand herumballert, nicht einmal ein Funkgerät bedienen kann und wahrscheinlich auch an der Fischtheke am Supermarkt jederzeit mit einem Haiangriff rechnet. Seine Paranoia streicht Szwarc durchaus heraus, aber am Ende sind es doch wieder die ignoranten Politiker, die Schuld an allem haben, bloß weil sie das unscharfe Bild, das Brody ihnen vorlegt, nicht als eindeutigen Beweis akzeptieren wollen – mit einigem Recht, möchte man sagen. Letztlich fällt das alles nicht wirklich ins Gewicht, weil JAWS 2 als Kintopp wunderbar funktioniert und mit seinem inflationär ins Bild gerückten schwimmenden Schreckgespenst fast schon als nautischer Slasherfilm bezeichnet werden muss. Ich konnte mir gestern das Grinsen mehrfach kaum verkneifen: Es ist einfach saukomisch, wie der Hai die ziellos herumtreibenden Jugendlichen mit sadistisch zu nennender Freude, herausragendem Timing und feinem dramaturgischem Gespür von einer Panikattacke in die nächste jagt. Fast schade, dass er keine passende Eishockeymaske gefunden hat.