Mit ‘JeeJa Yanin’ getaggte Beiträge

Was ist besser als ein Actionstar in einem Film? Logisch, fünf Actionstars. TRIPLE THREAT macht seinen quantitativen Überbietungscharakter schon im Titel transparent, ist aber so bescheiden, dabei zwei bis drei martialische threats zu unterschlagen. Zu den drei asiatischen Helden Tony Jaa (ONG-BAK, TOM YUM GOONG), Iko Uwais (THE RAID, THE RAID 2) und Tiger Chen (KUNG FU TRAVELER, MAN OF TAI CHI) gesellen sich außerdem als Schurken der derzeit omnipräsente Brite Scott Adkins sowie der stets verlässliche Michael Jai White. Und CHOCOLATE-Star Jeeja Yanin mischt in einer kleinen Nebenrolle ebenfalls mit. Diese Ballung an Martial-Arts-Kompetenz sichert Jesse V. Johnson schon einmal die Aufmerksamkeit der Fans, aber der Regisseur, der dieser Tage daran interessiert scheint, den darbenden DTV-Actioner ganz allein am Leben zu halten, hat auch darüber hinaus noch Einiges zu bieten.

Wie so oft bei diesen Filmen mit Best-of-Compilation-Charakter bildet die sparsam skizzierte Story nicht viel mehr als das Fundament für eine explosive Abfolge von Fights, Shoot-outs und Verfolgungsjagden, die hier mit einigem Aufwand choreografiert und inszeniert wurden: Die beiden Söldner Payu (Tony Jaa) und Long Fei (Tiger Chen) werden von einer Gruppe Amerikaner für eine angeblich humanitäre Aktion im Urwald Indonesiens angeheuert. Tatsächlich geht aber es darum, den in einem Camp inhaftierten Schurken Collins (Scott Adkins) rauszuhauen. Nach getaner Arbeit werden die beiden Ausgenutzten zum Sterben zurückgelassen, kommen jedoch mit dem Leben davon. Jaka (Iko Uwais), der bei dem Überfall seine Frau verloren hat, sucht die beiden auf, um Rache zu üben, beschließt jedoch, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, als er von ihrer Geschichte erfährt. Die Bösewicht planen derweil, die Millionenerbin Xian (Celina Jade) zu kidnappen, und wie es das Drehbuch will, kommen ihnen die drei Helden nun dabei in die Quere. Nach einem krachenden Feuergefecht im Polizeipräsidium gibt es eine rasante Verfolgungsjagd durch die engen Gassen eines wuseligen Marktes bevor der Showdown in einem heruntergekommenen, palastartigen Haus steigt. Hongkong-Legende Michael Wong schaut kurz einmal für einen Gastauftritt vorbei und erinnert an die goldenen Zeiten des asiatischen Actionfilms in den Achtziger- und Neunzigerjahren.

Johnson, der mit THE DEBT COLLECTOR und ACCIDENT MAN durchaus erzählerische Ambitionen hatte durchblicken lassen, begnügt sich mit TRIPLE THREAT wieder darauf, den Action-Logistiker zu geben und sich als professioneller und versierter Choreograf aufwändiger Action-Tableaus zu erweisen. Der geneigte Zuschauer bekommt 90 Minuten lang ordentlich auf die Glocke, ohne dabei lange Durststrecken erleiden zu müssen. Dem Titel gemäß könnte man zwar durchaus mäkeln, dass TRIPLE THREAT eher Masse statt Klasse bietet – wirklich Außergewöhnliches bietet der Film nicht und in Sachen Martial Arts scheinen vor allem Uwais und Jaa (der aber auch schon jenseits der Vierzig ist) mit angezogener Handbremse zu agieren -, aber es muss ja bekanntlich nicht immer Kaviar sein. TRIPLE THREAT ist kein Sattmacher, aber ein angenehmer Snack für Zwischendurch. In Zeiten, in denen man nun nicht gerade eine Flut geiler Actionfilme bejubeln darf, ist das ja auch schon etwas wert.

chocolate (prachya pinkaew, thailand 2008)

Veröffentlicht: Oktober 26, 2017 in Film
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Nachdem er den thailändischen Actionfilm mit ONG-BAK und TOM-YUM GOONG kurzzeitig zum „nächsten heißen Scheiß“ gemacht hatte, drehte Prachya Pinkaew CHOCOLATE. Kaum weniger eindrucksvoll als die Vorgänger, was das Können seiner Protagonistin JeeJa Yanin, die kristallklare Cinematografie und die Lebensmüdigkeit der Stuntmen angeht, konnte CHOCOLATE dennoch nicht an den Erfolg der Vorgänger anknüpfen. Zu sagen, dass seine Regiekarriere danach versandet wäre, kann man zwar nicht gerade behaupten, aber Pinkaew hat es auch nicht geschafft, das Versprechen seiner beiden großen Hits einzulösen: Der einst „neue Stern“ am Actionfilm-Himmel glimmt heute eher unauffällig vor sich hin. Was lief falsch bei CHOCOLATE?

Eigentlich nichts. Und vielleicht war genau das das Problem. Denn Pinkaew liefert mehr von dem, was ihn bekannt gemacht hatte. Zum dritten Mal in Folge bekommt man eine rührselige Geschichte, thailändisches Straßenflair in allerdings geleckter Digital-Optik sowie rasante Kämpfe und irrwitzige Stunts. Im Zentrum diesmal eine weibliche Protagonistin, die damals 24-jährige JeeJa Yanin, als autistische/geistig behinderte Zen, die eine unglaubliche Martial-Arts-Begabung entwickelt und diese nutzt, um den Peinigern ihrer schwerkranken Mutter das Geld abzunehmen, das sie ihr schulden.

Wer ONG-BAK und TOM YUM GOONG mochte, wird auch mit CHOCOLATE etwas anfangen können – aber eben auch dieses leise Gefühl der Unzufriedenheit spüren, das sich breitmacht, wenn etwas die Erwartungen nur noch erfüllt. Zumal, wenn das wie bei Pinkaew nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Aspekte seines Films betrifft. Will sagen: Die erzählerischen Schwächen, die man bei den beiden Vorgängern immer wieder zu Recht kritisierte, wurden hier nicht ausgemerzt. Wieder einmal gibt es ein kitschig-melodramatisches Storygerüst aus der Schublade, das seine Wirkung leider verfehlt und lediglich als Bremse wirkt. Nicht, dass ein Actioner eine komplexe Handlung bräuchte, aber die Archetypen und Standards müssen eben sitzen. Das funktioniert hier nur bedingt: Man nimmt es hin, dass man sich durch eine Exposition auf Soap-Niveau kämpfen muss, um zum „Good Stuff“ zu kommen. Bei ONG-BAK lohnte sich das, weil man etwas geboten kam, das man in dieser Form noch nicht gesehen hatte. Das kann CHOCOLATE leider nicht mehr für sich beanspruchen. JeeJa Yanins Künste sind beeindruckend, die Präzision, Geschwindigkeit und Leichtigkeit ihrer Tritte für Normalsterblich schlicht nicht nachvollziehbar, aber diese Alle-Bremsen-los-Qualität, die Tony Jaa auszeichnete, erreicht sie nicht. Vielleicht ist sie einfach zu gut: Man sieht kaum eine Anstrengung in ihren Kämpfen, das alles scheint ihr zuzufliegen und das sorgt nicht gerade für Spannung. Wenn die Heldin noch nicht einmal außer Puste gerät, warum sich überhaupt Sorgen um sie machen? Erst zum Showdown hin legt Pinkaew eine Schippe drauf, lässt seine Heldin erst einen halsbrecherischen Kampf auf den Simsen zweier gegenüberliegender Häuser absolvieren, stellt ihr dann schließlich einen offenbar unter Krampfanfällen leidenden Gegner gegenüber. Aber auch dieser Fight ist dann irgendwann vorbei und man denkt sich: „OK.“ Das ist für einen Actionfilm schon eine eher verheerende Reaktion.

CHOCOLATE ist keinesfalls schlecht und ich habe auch durchaus meinen Spaß mit ihm gehabt. Aber er ist doch eher was für Zwischendurch, nichts, was einen lange begleitet. Wie Schokolade eben.