Mit ‘Jeff Burr’ getaggte Beiträge

Nach den Ereignissen des Vorgängers findet sich Rick (Gordon Currie) in polizeilichem Gewahrsam wieder: Weil der zuständige Detective (Ron O’Neal) seine wüste Geschichte um Killerpuppen nicht glauben will, gilt Rick als Hauptverdächtiger in einer Mordserie. Sein Arbeitgeber hat allerdings Interesse an seiner Geschichte: Er hinterlegt nicht nur die Kaution für Rick, sondern entsendet auch drei Finstermänner, die das Hotel in der Bodega Bay nach den geheimnisvollen Puppen durchsuchen sollen …

… und damit ist tatsächlich der ganze Plot des Films erzählt. Ein Großteil der mit 75 Minuten nicht eben üppigen Laufzeit wird damit gefüllt, egale Figuren durch die Dunkelheit des Hotels staksen und dann und wann den Zwergdämonen oder Toulons Puppen zum Opfer fallen zu lassen. Am Schluss explodiert der böse Oberdämon in seiner dringend einer Renovierung bedürfenden Dimension und einer der langweiligsten Filme, die ich je gesehen habe, ist zu Ende. An PUPPET MASTER 5 gibt es tatsächlich nichts zu beschönigen: Aus der Idee, direkt an den Vorgänger anzuknüpfen, wird gar nichts gemacht, vielmehr ausgerechnet das, was in diesem langweilig und vergessenswürdig war, nochmal aufgekocht. Vielleicht hätte man doch beim ursprünglichen Plan bleiben sollen, Teil 4 und 5 zu einem Film zusammenzuschneiden, anstatt aus der Idee für einen halben Film gleich zwei zu machen. Dieser hier ist die Laufzeit nicht wert und verheizt auch noch verdiente Exploitation-Ikonen wie Clu Gulager (gesehen habe ich ihn nicht, aber IMDb behauptet das) und Ron O’Neal für seine kläglichen Versuche in Unterhaltung. Mehr Worte hat dieser Schrott nicht verdient.

puppet master 4 (jeff burr, usa 1993)

Veröffentlicht: Oktober 21, 2012 in Film
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Die Dämonen, denen Toulon das Geheimnis des Lebens entrissen hat, wollen es zurück. Sie schicken deshalb kleine Horrorwesen auf die Erde. Fortan muss sich Rick Myers (Gordon Currie), ein jugendliches Genie, der Biester erwehren: Er arbeitet für ein Wissenschaftsprojekt an der Erzeugung künstlichen Lebens und hat sich dazu als Hausmeister im leerstehenden Hotel in der Bodega Bay einquartiert, wo die Puppen vor Jahren ein Massaker anrichteten …

Gegenüber PUPPET MASTER 3: TOULON’S REVENGE ist Burrs vierter Teil leider wieder ein Rückschritt. Hatte der Vorgänger durch den historischen Background erheblich an Scope gewonnen, kehrte man für diesen Teil unerklärlicherweise wieder in die Gegenwart und das beengte Setting der ersten beiden Teile zurück. Burr, dessen unglücklich verlaufene Karriere ich schon mehrfach thematisiert habe, bemüht sich redlich, das Beste aus den Gegebenheiten zu machen, und es ist ihm hoch anzurechnen, dass PUPPET MASTER 4 immerhin ansehbar und streckenweise auch ganz lustig geworden ist, aber auch er kann Scheiße nicht in Gold verwandeln. Das Elend beginnt und endet mit dieser blöden Dämonen-Idee: Die Unterwelt, in die ein paarmal „rübergeschaltet“ wird, um einen Pappmaché-Dämonen mit Trichterbrust, Stielnippeln und Wasserkopp beim albernen Monologisieren zuzuschauen, ist etwa so effektiv wie die durchschnittliche Dorfgeisterbahn, wenn der Bucklige Kartenabreißer gerade seinen freien Tag hat. Überhaupt muss doch die Kompetenz dieses Gesellen angezweifelt werden, wenn er keine anderen Mittel zur Verfügung hat, die Protagonisten-Nerds aus dem Weg zu räumen, als ein paar Topfpflanzen-große Zwergdämönchen. Dass erwachsene Menschen sich nicht ein paar Spielzeugpuppen erwehren können, war schon in den vorangegangenen Filmen die Plausibilitätshürde, die man zu überspringen hatte, aber hier fällt das erst so richtig ins Gewicht. PUPPET MASTER 4 hat null Schauwerte: Nicht ungewöhnlich für eine solch eilig für den Videomarkt runtergekurbelte Billigware, aber dennoch hätte man aus den vorhandenen Mitteln sicherlich mehr machen können.

Auf der Habenseite des Films steht seine herrliche Naivität und Cheesiness: Der musikalische Soundtrack wird mit 1993 reichlich antiquiert klingendem US-Hardrock bestritten, Held Rick testet seine superintelligenten Roboter (Made in China, Batterien im Lieferumfang nicht enthalten) in nervenzerfetzenden Lasertag-Duellen in seinem Schlaf- und Arbeitszimmer, wo er in Antizipation späterer Actionstandards vom Bett hinter den Wäschekorb hechtet, dabei mit seinem Virtual-Reality-Laserhandschuh auf die unbeholfen rumeiernden Robbies ballernd. Und dann dürfen auch der schmierige Konkurrent Cameron und seine Freundin Lauren nicht vergessen werden: Er sieht aus wie eine unsympathische Mischung aus Parker Lewis und Vanilla Ice, sie ist die in diesen Filmen obligatorische Metaphysik- und Parapsychologie-Studentin. Auf die Frage, worauf sie sich spezialisiert habe, antwortet sie mit allergrößter Selbstverständlichkeit: „I’m a Channeler.“ Klarheit, von der Germanisten nur träumen können, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Leider hält der Film dieses Blödheitsniveau nicht durchgehend, sondern wird irgendwann ziemlich trist. Stimmung kommt am Schluss nochmal auf, wenn die Puppen via alter Frankenstein-Technik einen weiteren ihrer Puppenkumpels zu Leben erwecken. Der Fight gegen die Dämonenbrut lockt aber wirklich niemanden hinter dem Ofen hervor. Wäre man doch bloß bei den Nazis geblieben! Da ich auch den Back-to-Back produzierten PUPPET MASTER 5 gesehen habe, weiß ich aber: Es geht wirklich noch schlimmer. Und deswegen will ich mit PUPPET MASTER 4 nicht zu hart ins Gericht gehen.

Als die vielfache Mörderin Katherine White (Martine Beswick) hingerichtet wird, begibt sich eine Reporterin nach Oldfield, den Heimatort der Verbrecherin, um dort weitere Recherchen anzustellen. In der Bibliothek trifft sie auf Julian White (Vincent Price), den Onkel der Verblichenen, der fest davon überzeugt ist, dass es der Ort Oldfield selbst sei, der seine Einwohner zu Bösem verleite. Einige Geschichten aus der Chronik der Stadt sollen seine These belegen: 1. Der biedere Angestellte Stanley Burnside (Clu Gulager) macht seiner Kollegin Avancen, bringt sie um, als er abgewiesen wird, und vergeht sich schließlich an ihrem Leichnam. Neun Monate später erhält er unerwarteten Besuch. 2. Der Ganove Jesse Hardwick (Terry Kiser) schleppt sich mit einer Schussverletzung in die Sümpfe, wo er von Felder Evans (Harry Caesar) gesund gepflegt wird. Der Alte kennt darüber hinaus das Geheimnis des ewigen Lebens und Hardwick will um jeden Preis daran teilhaben. Das geht für ihn nicht gut aus. 3. In einer Kirmes-Freakshow tritt der Glas- und Metallfresser Arden (Ron Brooks) auf. Wie das gesamte Personal steht er unter dem Bann einer Zauberin (Rosalind Cash), der ihn mit dem Leben an sie bindet. Als er mit einer Geliebten durchbrennt, trifft ihn die Rache der Geprellten hart und blutig. 4. Vier Soldaten der Südstaaten (unter ihnen Cameron Mitchell) wandern orientierungslos durchs Land, ohne zu wissen, dass der Krieg längst vorbei ist. Im zerstörten Oldfield werden sie von einer Bande Waisenkinder gefangen genommen, die sich für die Verbrechen der Erwachsenen bitter rächen …

FROM A WHISPER TO A SCREAM ist auch unter dem Titel THE OFFSPRING (zu deutsch: DIE NACHT DER SCHREIE) bekannt und dürfte wohl nicht nur Jeff Burrs bester Film bis zu seinem fulminanten STRAIGHT INTO DARKNESS sein, sondern auch einer der schönsten Horror-Episodenfilme überhaupt. Die Mischung aus deftigem Achtzigerjahre-Splatter und altmodischem Grusel gelingt dank der guten Darsteller, der stimmungsvollen Gestaltung, der abseitig-abgründigen Geschichten und der Effektarbeit von Rob Burman (u. a. verantwortlich für die FX von THE THING) hervorragend und bietet 100 Minuten gruselige Unterhaltung bis zum leider etwas unbeeindruckenden Schlussgag. In der Rahmenhandlung bleibt also etwas Luft nach oben, was aber durch die bloße Präsenz von Vincent Price, dem ich auch dann noch stundenlang zuhören würde, wenn er den Wetterbericht verläse, mehr als wettgemacht wird. Die Episoden selbst laufen nicht immer auf einen großen, den Rest überschattenden Clou hinaus, sind insgesamt sehr rund und funktionieren tatsächlich wie kleine Kurzfilme, was bei solchen Anthologien durchaus nicht immer der Fall ist: Die erste Episode bietet Einblick in ein dem Wahnsinn entgegendriftendes Seelenleben, der nur durch den schwarzhumorigen Einschlag und den gegen Ende vollzogenen Sprung ins Fantastische etwas abgemildert wird, ansonsten für einen solchen Film aber doch recht unangenehm daherkommt und durchaus Vergleiche mit ernsteren Vertretern des Serienmörderfilms zulässt. Episode 2 erinnert noch am ehesten an die moralischen Gruselgeschichten aus den EC-Comics, liefert aber ein heftiges Schlussbild, das seine Wirkung bei mir gestern nicht verfehlt hat. Brrr! Episode 3 ist die schwächste und auch kürzeste Episode, der man deutlich anmerkt, dass sie eigentlich nur auf den Splattereinfall am Schluss hin konstruiert wurde, der die Sache aber dann auch wirklich wert ist. Da fliegen sprichwörtlich die Fetzen! Abgeschlossen wird der Film mit der anspruchsvollsten und emotional involvierendsten Folge, die Assoziationen zu etwa Stephen Kings CHILDREN OF THE CORN zulässt und auch schon Ideen aus STRAIGHT INTO DARKNESS vorwegnimmt. Weiß man zudem, dass Burrs erster Spielfilm, DIVIDED WE FALL, sich ebenfalls mit dem amerikanischen Bürgerkrieg auseinandersetzte, so scheint man es hier beinahe mit so etwas wie einem kleinen Schlüsselwerk zu tun zu haben. Das Ende dieser vierten Episode bildet mit seiner unmissverständlichen Aussage eigentlich den perfekten Schluss für FROM A WHISPER TO A SCREAM, der aber qua Konvention natürlich noch einmal zu seiner Rahmenhandlung kommen muss, deren Schlussgag dem Film wie erwähnt leider nichts Nennenswertes hinzufügen kann. Das macht aber nix, FROM A WHISPER TO A SCREAM ist ein Episodenfilm, der dem Genrefreund das Herz aufgehen lassen wird und daher eine dringende Sichtungsempfehlung von mir erhält.

Irgendwo in Europa im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs: Nach einem tödlichen Zwischenfall in einem Minenfeld können die amerikanischen Deserteure Losey (Ryan Francis) und Deming (Scott MacDonald) der Militärpolizei entkommen. Ohne zu wissen, wo sie sind, und ohne Möglichkeit, sich zu orientieren, wandern sie durch die unwirkliche Winterlandschaft, treffen auf verstörte Opfer des Krieges und zerbombte Ortschaften. Das leerstehende Haus, in dem sie Unterschlupf finden, entpuppt sich als Heim eines Lehrerehepaars (David Warner & Linda Thorson) und ihrer Schüler: Waisen- und kriegsversehrte Kinder, die von den beiden zu einer schlagkräftigen Guerillaarmee ausgebildet wurden. Die beiden Soldaten ernten zunächst nur Misstrauen, doch als plötzlich ein Battalion Nazis vor der Tür steht, müssen sich die beiden Parteien zusammenraufen …

Ich kann kaum sagen, wie sehr ich mich diesen Film gefreut habe. Er ist mir durch bloßen Zufall in die Hände gefallen, ich wusste nichts von ihm und wäre sehr wahrscheinlich über ihn hinweggegangen, wenn mir nicht der Name „Jeff Burr“ ins Auge gefallen wäre. Jeff Burr ist Vielen wahrscheinlich kein Begriff, ich mag ihn sehr gern, umso mehr, weil nur sehr selten die typischen Lobeshymnen auf ihn angestimmt werden, und dass, obwohl er doch überwiegend in einem Genre tätig war, dessen Fans alles Mögliche zu fragwürdigem Kultstatus erheben. Burr zeichnete in den Achtzigern und Neunzigern für einige Horrorfilme und -sequels verantwortlich, die allesamt und keineswegs selbstverständlich sehr ordentlich gerieten (THE OFFSPRING, STEPFATHER 2, PUMPKINHEAD 2, PUPPET MASTER 4 & 5, NIGHT OF THE SCARECROW), aber natürlich kein Stoff waren, mit dem man sich selbst als Künstler verwirklichen kann oder aus dem der Weltruhm gemacht ist. Das Fiasko mit LEATHERFACE – der leider nie das werden durfte, was er werden sollte (und trotzdem besser ist als sein Ruf) -, beendete für ihn größere Hollywood-Ambitionen. STRAIGHT INTO DARKNESS hat Jeff Burr zu einem nicht unbeträchtlichen Teil selbst finanziert. Es ist der Film, den er machen wollte, und in den ihm kein Studio, kein Marketingexperte und kein Produzent reingeredet hat. Es ist ein Herzensprojekt und das sieht man dem Film, der unter misslichen Bedingungen in Rumänien mit einer rumänischen Crew gedreht wurde, in jeder Sekunde an. STRAIGHT INTO DARKNESS wird stärker als durch eine Handlung durch ein Gefühl, eine Vision, eine Ästhetik, eine Atmosphäre zusammengehalten, die ihm eine starke Präsenz verleihen, die aber paradoxerweise kaum greifbar ist. Und gerade das passt zu diesem Kriegsfilm, der auf den Spuren des Horrorfilms wandert, ausgezeichnet, lässt ihn zu etwas anwachsen, dass das rein Materielle transzendiert. Wie für die beiden Protagonisten, für die die Wanderung durch fremdes Kriegsgebiet sich in eine Wanderung in die Abgründe der eigenen Seele verwwandelt und eine Konfrontation mit eigenen Ängsten und Erinnerungen bedeutet, die erst zum Schluss, wenn die beiden dann tatsächlich einmal für die gute Sache gekämpft haben, einen Sinn erhalten. Die visuelle Gestaltung von STRAIGHT INTO DARKNESS ist herausragend – die unwirklichen, dunkelromantischen Settings in den Karpathen werden vom rumänischen DoP Viorel Sergovici perfekt eingefangen – und trägt gemeinsam mit dem minimalistischen Score von Michael Convertino und den bei einer solchen kleinen Produktion zwangsläufg etwas ungeschliffenen Kanten zur dichten Stimmung des Films bei.  

Man liest es meinem Text vielleicht an: Ich weiß noch nicht genau, was ich sagen soll, wie ich meine Begeisterung adäquat in Worte fassen kann. Auch interpretatorisch kann ich mich dem Film nach einer Sichtung überhaupt nicht annähern, allerhöchstens Allgemeinplätze formulieren. Der Film verschließt sich förmlich vor einer Vereinnahmung durch schlaue Worte. Was von ihm bleibt, ist vor allem dieses schöne und seltene Gefühl, bei einer Filmsichtung tatsächlich gespürt zu haben, dass alle Beteiligten ihr Allerbestes in die Wagschale geworfen haben, weil sie an den Film glaubten. Und so wird der Film vor den eigenen Augen lebendig, nimmt einen gefangen, ganz und gar. Man nimmt Anteil am Traum des Filmemachers und seiner Crew und für die 90 Minuten Spielzeit gibt es nichts anderes mehr. Es ist einfach nur schön, dass es so etwas gibt.

leatherface_texas_chainsaw_massacre_iii_xlgMichelle (Kate Hodge) und ihr Freund Ryan (William Butler) sind mit dem Auto unterwegs von Kalifornien nach Florida. Auf dem Weg durch Texas fahren sie nicht nur an einem soeben frisch ausgehobenen Massengrab vorbei, sie begegnen an einer einsamen Tankstelle auch einem höchst unfreundlichen Tankwart. Dieser ist aber nur die Vorhut des kannibalistischen Sawyer-Clans, der arglose Touristen auf den verlassenen Straßen seines Reviers aufgreift und zu Hause zu Filet verarbeitet. Auch Michelle und Ryan müssen sich bald gegen den kettensägenschwingenden Leatherface wehren: ein aussichtsloser Kampf, wie es scheint …

LEATHERFACE stellte den Versuch der Produktionsfirma New Line (u. a. NIGHTMARE ON ELM STREET, JASON GOES TO HELL: THE FINAL FRIDAY) dar, ein neues profitables Franchise zu generieren. Die ersten beiden TCM-Filme genossen in Fankreisen einen immensen Kultstatus, die Figur des Leatherface hatte zumindest in den Augen der Verantwortlichen das Potenzial, zu einem Horrorhelden der Marke Freddy, Jason, Michael Myers oder Pinhead zu werden. Horrorbestseller-Autor David J. Schow verfasste ein saftig-krankes Drehbuch, das die Horrorfans in Verzückung versetzen sollte, Jeff Burr, der zuvor mit STEPFATHER 2 Sequelerfahrung gesammelt hatte, sollte die Umsetzung besorgen. Doch aus den hochtrabenden Plänen wurde nichts: Die Dreharbeiten waren aufgrund budgetärer Limitierungen schwierig (Regisseur Burr wurde gefeuert und zwei Tage später wiedereingestellt), die MPAA zog dem Film sämtliche Zähne und der Torso, der schließlich den Weg ins Kino fand, musste das anvisierte Publikum – und damit genau jenes, für das der Film einzig und allein gedacht war – zwangsläufig verärgern und verprellen. Ein nach Testcreenings umgemodeltes Ende, dass binnen weniger Minuten gleich drei totgeglaubte Figuren wieder zum leben erweckte, raubte dem Film zudem jeglichen verbliebenen Kredit: Er floppte gewaltig, bedeutete Burrs Rückkehr in weniger lukrative Gefilde und ließ alle Träume vom TCM-Franchise und damit von vielen, vielen mit dem entsprechenden Merchandising veredelten Fortsetzungen platzen.

Auch in der ungeschnittenen Fassung erschien mir LEATHERFACE aber immer als ein Film voller Kompromisse, zu dem mich zu positionieren mir schwerfiel. Er gefiel mir nicht richtig schlecht, aber irgendwas stimmte trotzdem nicht mit ihm. Bei dieser Sichtung jetzt, der ersten seit vielen Jahren, hat er mir zum ersten Mal wirklich gut gefallen: Seine Schwächen relativieren sich, weil man durchaus erkennen kann, dass alle Beteiligten den fiesen, gestörten Film im Sinn hatten, der ein TCM-Sequel gefälligst zu sein hat (wie Burr richtig und sehr sympathisch sagt: Wenn man mit einem Horrorfilm nicht versucht, den Leuten auf die Füße zu treten und vor den Kopf zu stoßen, hat man etwas falsch verstanden), aber leider mit äußeren Umständen konfrontiert waren, die sie bei diesem Unterfangen immer wieder behinderten. Vom Tonfall her ist Burrs dritter Teil genau zwischen den beiden von Tobe Hooper inszenierten Vorgängern einzusortieren: LEATHERFACE hat zwar keineswegs diese unangenehme Authentizität, die das Original für mich auch nach der xten Sichtung immer noch zur gnadenlosen Zerreiß- und Belastungsprobe macht (das liegt schon in den unterschiedlichen technischen Voraussetzungen begründet), aber er driftet auch keineswegs in die jeglicher Realität vollkommen enthobenen comichaft-surrealen Sphären ab, in die Hooper seine Figuren mit dem eigenen zweiten Teil geführt hatte. Und genau hier liegt das Problem: Die Verquickung von nervenzerfetzendem Terror und dem Popcorn-Horror, den die Produzenten anpeilten, funktioniert einfach nicht. Bei der Überführung der Leatherface-Figur in einen Rahmen von „Unterhaltungskino“ beraubt man sie ihres furchteinflößenden, bedrohlichen Potenzials, die sie eigentlich auszeichnete. Entweder man hat das eine oder das andere, aber niemals beides. So schlingert LEATHERFACE zwischen diesen beiden Antipoden hin und her, schockiert (in der ungeschnittenen Fassung) mit herben Bildern und einer grimmigen Atmosphäre, kastriert sich aber mit einer sauberen Hochglanzoptik und schließlich, ich erwähnte es bereits, einem der fehlgeleitetsten Finals der jüngeren Filmgeschichte. Dieser Schlingerkurs verhindert zwar, dass LEATHERFACE sich irgendwo einordnet, aber paradoxerweise verleiht ihm gerade das auch seine Identität. In punkto grafischer Gewalt gibt es heute zwar um ein Vielfaches drastischere Filme zu sehen, die zudem weitaus weniger Zensurprobleme haben, doch allein die Anwesenheit des Titelcharakters sorgt hier für dieses Kribbeln, das neumodischeren, durchgestylten Splatterfilmen vollkommen abgeht. Die Kettensäge ist das Geheimnis und Paradigma: Burr verliert sich nicht in abstrakten Konzepten und cleveren Subtexten, er präsentiert äußerst fleischlichen Körperhorror, dessen teures, stromlinienförmiges Gewand ihn letztlich umso verstörender erscheinen lässt. Schade, dass der Film seinerzeit so geschmäht wurde.