Mit ‘Jeff Kanew’ getaggte Beiträge

REVENGE OF THE NERDS ist einer der großen Klassiker der Teeniekomödie der Achtzigerjahre, wobei sein Status in den USA noch erheblich größer ist als hierzulande, wahrscheinlich auch deshalb, weil der Typus des Nerds erst in den vergangenen Jahrzehnten auch bei uns vollends „etabliert“ wurde. Zwar kam der deutsche Begriff „Eierkopf“ (der auch im deutschen Verleihtitel eingesetzt wurde) dem des „Nerds“ inhaltlich relativ nah, doch zeigt die mit ihm einhergehende optische Assoziation den deutlichen Unterschied auf: Der Eierkopf ist schließlich kahl, sein Besitzer mithin älter als der in der Regel jugendliche oder aber alterslose Nerd. Kanews Film gefällt sich sehr darin, die in den USA bereits zementierten Klischees (die auch im geilen Titelsong haarklein ausformuliert werden) in bewegte Bilder zu gießen. Vor allem Robert Carradine verkörpert den Nerd geradezu idealtypisch: Fünfzigerjahre-Brillantine-Frisur, dicke Hornbrille, große Nase, schiefe Zähne, Kugelschreiber in der Brusttasche des kurzärmligen Oberhemds, weit hochgezogene Bundfaltenhose, geckenhaftes Lachen, Quäkstimme, jungfräulich, erfinderisch. Und der Film bezieht seinen Spaß daraus, die Nerdiness der Nerds ebenso gnadenlos zu überzeichnen wie das virile Proleten- und Machogehabe ihrer Erzfeinde, der Jocks von Alpha-Beta. Schon wie diese das Wort „Nerd“ aussprechen, ist eine eigene Pointe: mit langgezogenem, nasalem Vokal, in den die ganze Verachtung hineingelegt wird und der ohne Grimasse des Ekels kaum artikulierbar ist. Aber natürlich beweisen die Nerds am Ende, dass sie nicht nur gleichwertig sind, nein, ihre Not macht sie so erfinderisch, dass sie sogar über die ihnen körperlich weit überlegenen Sportskanonen triumphieren. Das Ende von REVENGE OF THE NERDS ist eine Nummer zu dick aufgetragen, aber das tut der Freude keinen Abbruch.

Das Szenario, das die Drehbuchautoren hinaufbeschwören, ist so bekannt, dass ich hier nicht drauf eingehen muss und es auch nicht groß von dem ablenkt, was REVENGE OF THE NERDS eigentlich ausmacht: eben die erwähnte gnadenlose Überzeichnung seiner titelgebenden Antihelden (sowie ihrer Gegenspieler) und die Kreation aberwitziger Situationen, in denen diese Eigenschaften besonders zur Geltung kommen. Unter den Nerds befinden sich solche illustren Gestalten wie der halbblinde Geigenspieler Poindexter (Timothy Busfield), der asoziale Slacker Booger (Curtis Armstrong), der knallschwule Afroamerikaner Lamar (Larry B. Scott), der naive Japaner Takashi (Brian Tochi) und das neunmalkluge Kind Wormser (Andrew Cassese). Die Aufzählung macht schon klar, dass man an REVENGE OF THE NERDS besser nicht mit heutiger PC-Sensibilität herantreten sollte: Nicht immer ist so klar zu sagen, ob der Film die Eigenheit seiner Charaktere liebenswert findet, oder ob er sich gnadenlos über sie lustig macht. Diesen Haufen von lebensunfähigen Versagern als Sympathieträger zu zeichnen, gelingt nicht zuletzt deshalb, weil Lewis und Gilbert inmitten des Wahnsinns noch einigermaßen normal erscheinen und die Alpha-Betas allesamt groteske Kotzbrocken sind, die sich gegenseitig in ihrer neandertalerhaften Arschlochigkeit überbieten. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht einige wirklich wunderbare Szenen und Sequenzen gibt: Der Höhepunkt des Films ist ganz eindeutig die verzweifelte Party, die die Nerds mit ihren weiblichen Pendants feiern und der der Lambda-Lambda-Lambda-Vorsitzende (großartig: Blaxploitation-Legende Bernie Casey) mit eingefrorenem Gesichtsausdruck beiwohnt. Die Sequenz ist auch deshalb so großartig, weil sich wahrscheinlich jeder an ähnliche triste Veranstaltungen erinnert, bei denen die Teilnehmer bei voller Festbeleuchtung herumsaßen und darauf warteten, dass endlich irgendwas passiert. Natürlich gerät die Feier dann doch noch zum rauschenden Fest, weil Booger auf die Idee kommt, seine unterarmlangen Joints zu verteilen. Nicht minder schön sind die Szenen in der zum entwürdigenden Schlafsaal umgebauten Turnhalle oder natürlich die biergeschwängerten Sauforgien, die die Jocks von Alpha-Beta veranstalten und sich dabei aufführen wie tollwütige Wildsäue. Ganz groß! Etwas seltsam ist hingegen die erste große „Rache“ der Nerds: Dafür, dass ihnen die Alpha-Betas die nackten Ärsche gezeigt haben, schleichen sie sich in das Wohnheim der scharfen Freundinnen der Erzfeinde und installieren dort Überwachungskameras, mit denen sie den nichtsahnenden Mädels von zu Hause aus auf Brüste und Schambehaarung starren. Warum genau ist das eine Rache an den Jocks? Und warum ist das überhaupt eine Rache, wenn doch eigentlich niemand etwas davon mitbekommt? Es ist eines der Beispiele pubertärer Logik, die die obligatorischen Nacktbilder nur sehr unzureichend legitimiert. Aber natürlich war das eine der USPs dieser Filme: Zotigkeit und Nackigkeit sind eng verbunden und bilden gemeinsam die raison d’etre der Teeniekomödie. Und ganz ehrlich: In dieser bestimmten Phase des Lebens hat man ja wirklich nicht viel anderes im Kopf.

Abschließend sei hier noch die tolle Besetzung lobend erwähnt: Robert Carradine ist spitze, vor allem wenn man bedenkt, dass er sonst eher erste Rollen spielte, ebenso wie Curtis Armstrong, der ja auch schon in RISKY BUSINESS brillierte. John Goodman ist hervorragend besetzt als Coach, der seine Jocks gnadenlos gegen die Nerds aufhetzt. Ted McGinley übernahm einige Jahre später die Rolle seines Lebens in MARRIED WITH CHILDREN und sein Jefferson D’Arcy mutet wie eine durchs Erwachsensein gemilderte Version Stans an. Der hünenhafte „Ogre“, der Bier ausschließlich aus Pokalen zu saufen pflegt, wird gegeben von Donald Gibb, den Leser meines Blogs sehr wahrscheinlich als JCVDs Proletenkumpel Jackson aus BLOODSPORT im Gedächtnis behalten haben. Stans Freundin Betty spielt Julia Montgomery, die mir kürzlich in dem epochemachenden (hust) STEWARDESS SCHOOL auffiel, Timothy Busfield avancierte zum vielbeschäftigten Seriendarsteller und Brian Tochi setzte den hier eingeschlagenen Weg sowohl mit POLICE ACADEMY 3 und 4 fort als auch mit der Mitwirkung bei den TEENAGE MUTANT NINJA TURTLESFilmen, für die er den Leonardo synchronisierte. Larry B. Scotts Resümee ist nicht ganz so prall, aber immerhin finden sich da Titel wie SNAKE EATER’S REVENGE und FEAR OF A BLACK HAT. Da sage noch einer, aus Nerds würde nix werden. Den Vogel schießt aber meines Erachtens Bernie Casey ab: Dieser Gesichtsausdruck während der Partyszene ist einfach alles. Easily eine der witzigsten Szenen, die ich in diesem Jahr gesehen habe.

 

 

Der Student Jonathan (Anthony Edwards) fährt gemeinsam mit seinem Kumpel Manolo (Nick Corri) nach Europa – nicht zuletzt in der Hoffnung, dort endlich entjungfert zu werden. In Paris begegnet er der erotischen Tschechin Sasha Banicek (Linda Fiorentino) und beide stürzen sich in eine heftige Affäre. Als sie Paris in Richtung Berlin verlassen muss, schließt sich Jonathan ihr an, noch nicht ahnend, dass sie tatsächlich eine CIA-Agentin ist, die einen dubiosen Auftrag in Ost-Berlin zu erfüllen hat. Und so sieht sich der arglose Student nach kurzer Zeit von KGB-Männern verfolgt …

GOTCHA! ist auch wieder so ein Kandidat: Hätte ich den Film im Teeniealter gesehen, könnte ich heute wahrscheinlich kaum objektiv über ihn urteilen. Tatsächlich erinnere ich mich noch an die lobenden Worte eines Klassenkameraden, dem die Begeisterung über den Teenie-Agentenfilm förmlich aus den Augen sprang. Ganz so hin und weg bin ich dann nicht, auch wenn GOTCHA! ein sehr ordentlicher und vor allem recht origineller Vertreter des in den Achtzigerjahren so populären Teeniefilms ist. Mit Anthony Edwards steht Jeff Kanew ein sehr sympathischer und vor allem natürlicher Hauptdarsteller zur Verfügung und die authentische Berliner Kulisse ist natürlich ein Augenschmaus und – Achtung: marketingdeutsch – absolutes Alleinstellungsmerkmal. Da bin ich dann auch fast geneigt, es GOTCHA! positiv anzurechnen, dass er nicht von Attraktion zu Attraktion hüpft, nicht eine Zote an die nächste reiht, sondern seine Geschichte sehr behutsam und durchaus mit einigem Ernst entwickelt – während der Sichtung hätte ich mir gerade in der ersten Hälfte etwas mehr Zug zum Tor gewünscht. Kanew gelingt es aber recht gut, die in den Achtzigerjahren noch ganz gegenwärtigen Spannungen zwischen Ost und West aus der Sphäre obercooler Superagenten zurück in den Alltag zu holen. Ein bisschen amerikanische Kommunistenparanoia muss man als Europäer zwar verknusen können, aber auch das war vor 25 Jahren eben die gängige Reaktion auf das Treiben hinter dem eisernen Vorhang. Mein verhaltener Einstieg war also eigentlich gar nich so angebract, denn GOTCHA! ist schon ein feiner Film. Aber eben nichts, was mich vor Begeisterung um den Schlaf bringt.