Mit ‘Jeff Speakman’ getaggte Beiträge

Es gibt nicht allzu viele wirklich stichhaltige Argumente, aber irgendwie mag ich THE PERFECT WEAPON, mochte ihn auch schon damals, obwohl die 18er-Freigabe Dinge versprach, die der Film dann nicht einhalten konnte oder wollte. Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe einfach ein Faible für diese unterambitionierten Videofilme, die aus unerfindlichen Gründen auf der großen Leinwand landen, in einem akuten (und sympathischen) Anfall von mangelndem Urteilsvermögen der sonst alle Register der Markt- und Zielgruppenforschung ziehenden und sich damit vor knallenden Flops absichernden Studios. Möglicherweise glaubte man bei Paramount tatsächlich, mit Speakman einen neuen Seagal an der Angel zu haben: Anders lässt sich die Tatsache, dass sie diesem in Martial-Arts-Kreisen zwar respektierten, aber dennoch eher persönlichkeitsarmen Langweiler mit einem Multi-Film-Deal ausstatteten (der dann aber nach dem nur mäßigen Abschneiden von THE PERFECT WEAPON schnell platzte wie eine Seifenblase). Nicht falsch verstehen: Speakman macht seine Sache schon ganz ordentlich, schauspielerisch wahrscheinlich sogar besser als so mancher Kollege, aber er bringt nur wenig jener unverwechselbaren Eigenschaften mit, die ein Actionheld nun einmal braucht. Auch der Film, den man um ihn herum gebaut hat, ist auffallend unauffällig: eine Heimkehrer-und-Rache-Geschichte, wie man sie in diesem Genre schon tausend Mal gesehen hat, meist sogar mit spektakuläreren Fights, halsbrecherischeren Stunts, fieseren Brutalitäten, hassenswerteren Schurken und überlebensgrößeren Helden. Was THE PERFECT WEAPON seinen billigen Brüdern im Geiste voraus hat, ist sein überaus gediegener Studio-Look: Die Paramount-Backlots wurden voll ausgenutzt und verleihen dem Film eine leicht künstliche, mitunter märchenhafte, mithin eben echte Hollywood-Anmutung, die nur wenig später ausschließlich den wirklich großen Blockbustern vorbehalten war.

Regisseur Mark DiSalles claim to fame ist der deutlich bekanntere und beliebtere KICKBOXER, der nicht nur Jean Claude van Damme in der Hauptrolle, sondern mit dem fiesen Tong Po (Michael Qissi) auch einen wirklich legendären Schurken des Prügelfilms aufbietet (vor kurzem gab es ein Remake). Da kann THE PERFECT WEAPON nicht mithalten, auch wenn er sich anstrengt und neben Professor Toru Tanaka auch noch Cary Hiroyuki-Tagawa als Bösewicht aufbietet. Wahrscheinlich wird man ihn aber vor allem wegen der Verwendung von Snap!’s Megahit „The Power“ in Erinnerung behalten, der gleich zu Beginn eine Solo-Kenpo-Darbietung von Schwarzgurt Speakman untermalt. Sekunden später wird sein Held Jeff Sanders am Telefon mit einem Überfall auf seinen väterlichen Freund Kim (Mako) konfrontiert, dem er dann kurz entschlossen zu Hilfe eilt. Anstatt weiter auf die Tube zu drücken, bremst DiSalle das Tempo unerklärlicherweise und baut eine ellenlange, mehrteilige Rückblende ein, die uns erklärt, wie Jeff einst von Kim in die Kenpo-Schule von Meister Lo (Seth Sakai) gebracht wurde, wie er anschließend die Kampfkunst lernte und dann denn Sündenfall erlebte, als er einen fiesen Schulbully krankenhausreif schlug. Hier liegt dann auch der Quell für einen in der Gegenwart des Films immer noch schwelenden Konflikt mit Jeffs strengem Armypapa und seinem jüngerem Bruder, dem er damals zur Hilfe eilte. Zurück in der Heimat gilt es also nicht nur, die fiesen koreanischen Gangster zu vertreiben, die Kim erst belästigen, dann töten, sondern auch mit sich und seiner Familie ins Reine zu kommen. Kennt man schon? Ja, stimmt, macht aber nix.

Diese Zeit, die Jahrgänge ’91/’92 markierten für das Actionkino einen Übergang. Es war die letzte Phase, in der die Studios uns darbende Actionfans mit diesen (mittel)groß produzierten Kloppern verwöhnten, wie wir sie in den Achtzigern lieben gelernt hatten. Wenig später verlagerte sich dieser ganze Bereich dann auf den Videomarkt, während sich der Actionfim zum familientauglichen Eventfilm mit immer weiter aufgeblasenen Budgets entwickelte (witzigerweise basiert Jan De Bonts SPEED – einer der größten Action-Kassenschlager der mittleren Neunziger – auf einem Script, das ursprünglich für Speakman gedacht war). OUT FOR JUSTICE, MARKED FOR DEATH, SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO, PASSENGER 57, STONE COLD, A.W.O.L., MCBAIN, DOUBLE IMPACT: Hier war die Welt noch in Ordnung. THE PERFECT WEAPON kann mit diesen Titeln nicht ganz mithalten, aber er ist dennoch aus demselben Holz geschnitzt. Ein Relikt der Achtziger, das sich in die Neunziger verirrt hatte. Ich liebe einfach diese Brüche in der Filmgeschichte, diese Umbruchsmomente zwischen den großen Phasen, in deren Schwerelosigkeit plötzlich Dinge entstehen, die sich später kaum mehr einorden lassen. Jeff Speakman ist in dieser Geschichte so etwas wie ein tragischer Held: Wäre THE PERFECT WEAPON nur ein paar Jahre früher entstanden, hätte er vielleicht tatsächlich eine lukrative Karriere als Actionheld erleben dürfen, so hatte die Paramount aber nach nur einem Film keine Verwendung mehr für ihn und er verabschiedete sich nach dem noch mit einem limitierten Release bedachten STREET KNIGHT schnell in den DTV-und Pay-TV-Bereich, ohne dort jedoch den Kultstatus zu erreichen, den sich dort so mancher Martial Artist erarbeitete. Hier im Blog kann man immerhin noch etwas über DEADLY OUTBREAK lesen.

 

Percy Robert Miller, geboren 1967 in den Calliope Projects von New Orleans, stieg in den Neunzigerjahren zu einem der erfolgreichsten Hip-Hop-Unternehmer überhaupt auf. Ihm gelang das mit seinem kleinen Indielabel No Limit, das er 1991 gründete und das von 1995 bis 1999 ungeahnten Erfolg hatte. Die CDs zeichneten sich durch bonbonbunte trays, die genial absurden Artworks von Pen & Pixel sowie Booklets aus, in denen schon die nächsten x Releases angekündigt wurden, die Musik – eine Kreuzung der in New Orleans angesagten Bounce Music und dem West Coast G-Funk, den Miller während seiner Zeit in Kalifornien aufgeschnappt hatte – immens catchy und verspielt sowie von den Hausproduzenten Beats by the Pound am Fließband produziert. 1998 erlebte das Label mit sage und schreibe 23 Releases seinen Gipfelpunkt: Millers unter seinem Rapnamen Master P veröffentlichtes Doppelalbum „MP tha Last Don“ verkaufte sich satte 5 Millionen Mal, andere No Limit-Rapper wie Millers Brüder Silkk the Shocker und C-Murder, Mystikal, Young Bleed, Mia X und der vor Death Row-Impresario Suge Knight geflohene Snoop Dogg konnten ähnlich große Hits landen. Miller, findiger Geschäftsmann, der das Geschäft im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße gelernt hatte, begnügte sich aber nicht mit Musik: Er entwarf No Limit-Klamotten, Spielzeug, versuchte sich im Sportmarketing … und er produzierte und inszenierte eigene Filme, in denen er seine Stars besetzte und zu denen er natürlich die passenden Hitsoundtracks herausgab. Das Geschäft funktionierte eine Weile, dann war der Sättigungspunkt erreicht und No Limit ging den Weg alles Irdischen. HOT BOYZ, frecherweise nach der Supergroup des ebenfalls in New Orleans beheimateten Konkurrenzlabels Cash Money benannt, ist filmisch betrachtet wohl der größte Wurf Millers und deutet an, wo es hätte hingehen können, wenn nicht kurze Zeit später die große Talfahrt begonnen hätte.

Inhaltlich ist HOT BOYZ derivative Exploitation, das aus zahlreichen Versatzstücken zusammengeklaubte Drehbuch vor allem ein Hinweis darauf, was sich so in Master P’s Videosammlung befindet: Die Geschichte des aufstrebenden Gangster-Rappers Kool (Silkk the Shocker), der seine Freundin an einen crooked cop verliert und daraufhin zum Kingpin aufsteigt, worauf natürlich unweigerlich der tiefe Fall kommen muss, ist unverkennbar von GOOD FELLAS, SCARFACE, BOYZ N THE HOOD, MENACE II SOCIETY und natürlich NEW JACK CITY beeinflusst, freilich ohne deren Klasse auch nur annähernd zu erreichen. Das Drehbuch reiht die abzuhakenden Plot Points schematisch aneinander und was bei den Vorbildern funktioniert, scheitert zum einen daran, das da nichts wirklich Leben über das Klischee hinaus entwickelt, zum anderen an den Darstellern, die nun einmal keine Schauspieler sind und die Defizite mit ihrem vorhandenen Charisma nicht ausgleichen können. Dann verhebt sich Master P auch noch bei dem Versuch der Epik: Weil HOT BOYZ nur schlanke 90 Minuten lang ist, werden Aufstieg und Fall von Kools Gangster-Empire in den letzten 20 Minuten untergebracht, was die Wirkung, die die Erzählung im Idealfall entfalten könnte, von vornherein minimiert.

Glücklicherweise übergab Master P die Verantwortung für die zahlreichen Actionsequenzen in die kompetenten Hände von Spiros Razatos, der nie weit weg ist, wenn an irgendeinem US-amerikanischen Filmset etwas effektvoll in die Luft fliegen soll. Dass überdies PM Entertainment seine Finger mit im Spiel hatte, macht HOT BOYZ daher vor allem für die Actionliebhaber interessant: Die zahlreichen Verfolgungsjagden und Shootouts sind überdurchschnittlich gut gelungen – ein irrwitziger Autostunt hat den Machern so gut gefallen, dass sie ihn gleich fünfmal aus verschiedenen Blickwinkeln wiederholen – und versöhnen mit dem Film, der kaum verhehlen kann, dass er in erster Linie ein Marketingtool ist. Der Soundtrack platzt aus allen Nähten, alle zwei Minuten erklingt da ein neuer Track aus dem unüberschaubaren Oeuvre No Limits, und die Charaktere tragen schließlich auch allesamt die neuesten Shirts der labeleigenen Modekollektion. Allzu ernst sollte man die ganze Chose nicht nehmen. HOT BOYZ ist, passend zu seinem Ursprung, ein greller Cartoon, der vergeblich auf seriös macht. Das geht nicht ganz auf, ist aber einigermaßen kurzweilig.