Mit ‘Jeffrey Bloom’ getaggte Beiträge

FLOWERS IN THE ATTIC ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine uninspirierte Regie einem potenziell spannenden Film im Wege stehen kann. V. C. Andrews gleichnamiger Bestseller bietet mehr als genug Stoff für anregende Unterhaltung: Das moderne Schauermärchen handelt von vier Geschwistern (u. a. Kristy Swanson und Jeb Stuart Adams), die nach dem überraschenden Tod ihres Vaters von der Mutter (Victoria Tennant) nicht nur allein gelassen, sondern im riesigen Haus der religiös fanatischen Großmutter (Louise Fletcher) eingesperrt und langsam vergiftet werden. Während sie sich langsam mit der fürchterlichen Erkenntnis arrangieren müsssen, dass sie völlig allein sind, gilt es, einen Ausweg aus ihrem Gefängnis zu finden …

Die ein Jahr vor der Premiere der Bestsellerverfilmung verstorbene Autorin Andrews machte aus ihrem Erfolg gleich eine ganze Serie. Generische Titel wie „Petals in the Wind“, „Seeds of Yesterday“, „Dark Angel“ oder „Fallen Hearts“ sowie die Wikipedia-Aussage, ihre Spezialität seien „Familien-Sagas“ gewesen, legen den Verdacht nahe, dass sie eher der Trivialliteratur zuzurechnen ist, die sich nicht zwingend um psychologische Glaubwürdigkeit kümmern musste, sofern sie den Leser nur mit reichlich Drama versorgte (vielleicht tue ich ihr auch Unrecht, ich kenne nichts von ihr). Blooms Film hat aber von Anfang an mit dem Problem zu kämpfen, dass er seine Prämisse einfach nicht an den Mann bringt: Das im Prolog gezeigte Familienglück ist so klischeehaft wie Waschmittelwerbung, die Arglosigkeit und Duldsamkeit der Kinder scheint angesichts grausamer Folter nahezu grenzenlos, der Gesinnungswandel der Mutter (Victoria Tennant) bleibt ein Mysterium. Letzteres muss nicht unbedingt en Makel sein: Die Rätselhaftigkeit der erwachsenen Welt und der Mangel an Kontext sind ja ein wesentlicher Bestandteil von Märchen oder Schauergeschichten, die aus der Sicht von Kindern erzählt werden. Das Alltägliche nimmt vor ihren Augen unheimliche Gestalt an, Wesenszüge werden ins Monströse verzerrt, die Realität verwandelt sich in einen Albtraum. Man kann sich gut vorstellen, wie ein versierterer Regisseur den zugrunde liegenden Stoff in einen visuell aufregenden, beunruhigenden Film gegossen hätte, in dem die Kinder sich plötzlich mit Gestalten konfrontiert sehen, die sie nur aus schaurigen Gute-Nacht-Geschichten kannten, wie sich ihre Wahrnehmung in der Isolation ganz langsam verschiebt, sie ihre Orientierung verlieren und lernen müssen, auf eigenen Beinen zu stehen. Das einzige, was in FLOWERS IN THE ATTIC aber diesen evokativen Charakter annimmt, ist der wunderbare Score von Christopher Young, der als einziger verstanden zu haben scheint, was das Interessante an diesem Stoff  ist.

Bloom hingegen wickelt ohne echte Vision ab, und weil er die fantastische Dimension seiner Vorlage gar nicht zu erkennen scheint, stolpert er über diverse Logiklöcher und Unglaubwürdgkeiten, die man ihm andernfalls leicht verziehen hätte: Warum steht eine gutsituierte Familie nach dem Tod des Vaters vor dem finanziellen Ruin? Wie kann eine Mittdreißigerin mit einem gleichaltrigen Onkel verheiratet sein? Wie vier Kinder zur Welt bringen, von denen das Älteste bereits an der Volljährigkeit kratzt (gut, das geht natürlich, aber es scheint mir dann doch nicht ganz der Normalfall zu sein)? Wo und wann spielt diese Geschichte eigentlich? In welcher Welt enterbt ein Großvater, der in einem britischen Schloss residiert, seine Enkelin aufgrund einer Versündigung gegen Gott? Und wenn es diese Welt gäbe: Welche Mutter käme auf die Idee, ausgerechnet bei diesem Großvater die Rettung für ihre missliche finanzielle Lage zu suchen? Warum setzen sich die Kinder, von denen der Älteste Oma und Mama mit Leictigkeit hätte ausknocken können, nicht viel früher zur Wehr? Wie gesagt: Alles eine Frage des richtigen Ansatzes, aber der fehlt Bloom eben. Hinzu kommt noch seine unzureichende Schauspielerführung: Vor allem Kristy Swanson, die die älteste Tochter und Erzählerin des Filmes spielt, rezitiert ihre uneleganten Dialogzeilen zwischen schmerzhafter Übertreibung und hölzerner Leblosigkeit und Victoria Tennant interpretiert ihren Part ohne jede Nuancierung, die dringend nötig gewesen wäre, um die Verwandlung von der fürsorglichen Mutter zur berechnenden Kindsmörderin halbwegs plausibel zu machen. Was bleibt sind der Eindruck eines Films, der viel, viel Potenzial verschenkt – und eben Youngs Filmmusik, die all jene Bilder vors geistige Auge ruft, die der Regisseur leider zu malen versäumt hat. Schade.

blood beach (jeffrey bloom, usa 1980)

Veröffentlicht: Oktober 10, 2010 in Film
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Am schönen Badestrand von Santa Monica herrscht Ausnahmezustand, seit mehrere Personen dort sprichwörtlich vom Erdboden verschluckt wurden und andere schlimme Verstümmelungen erlitten. Irgendetwas scheint unter dem Strand zu leben und nach arglosen Spaziergängern zu schnappen. Der mit dem Fall beauftragte Captain Pearson (John Saxon) steht ebenso vor einem Rätsel wie der Strandwächter Harry Caulder (David Huffman) …

Zu BLOOD BEACH habe ich eine besondere Beziehung: Ich kannte den Film aus Erzählungen schon seit meiner Kindheit und diese Erzählungen haben den Film vor meinem inneren Auge deutlich größer gemacht, als er sich dann Jahre später bei meiner ersten „persönlichen“ Begegnung herausstellte. Auch diese liegt jetzt schon weit mehr als zehn Jahre zurück und so habe ich mich ziemlich auf ein Wiedersehen gefreut. Leider wurde dieses durch den Umstand getrübt, dass die deutsche Videofassung, die mir vorlag, genau um jene Szene gekürzt zu sein scheint, auf die ich mich am meisten gefreut hatte: Dass es sich dabei gewissermaßen um den Klimax des Films handelt, nämlich die Enthüllung des reichlich unorthodoxen Monsters (man könnte es auch weniger freundlich als „lächerlich“ bezeichnen), hat mir die Abendstunden dann schon ein wenig vermiest. Allerdings liegt diese Enttäuschung auch darin begründet, dass das Wiedersehen sonst sehr schön war und mir der Film ziemlich viel Spaß gemacht hat. Warum, das ist gar nicht mal so leicht zu erklären, denn im Grunde handelt es sich bei BLOOD BEACH um einen recht verschnarchten, merkwürdig unengagiert hingeschlunzten Monsterfilm, der nur wenige der Reize aussendet, die man gemeinhin von einem Monsterfilm erwartet, dafür aber eine einmalig gammelige Atmosphäre schafft. Zu den (durch das suboptimale Videobild noch verstärkten) tristen und irgendwie herbstlich anmutenden Bildern der heruntergekommenen Strandpromenade mit ihrem ruinösen Pier und dem melancholischen Score gesellt sich die herrliche Synchro, die aus Burt Youngs Sergeant Royko wohl einen der launischsten und schlampigsten Polizisten der Filmgeschichte macht: Ständig mault er rum, dass in Chicago doch alles besser sei, und trampelt rücksichtslos und gleichmütig auf den Gefühlen seiner Mitmenschen herum. Nimmt man dazu noch die spitzenmäßige, an JAWS angelehnte Tagline „Just when you thought it was safe to go back in the water – you can’t get to it.“ und die schönen Effekte, wenn Menschen im Sand versinken, hat man einen zwar total uneffektiven, aber doch ziemlich liebenswerten kleinen Schundfilm. Vorausgesetzt, das Monster wird einem nicht vorenthalten.