Mit ‘Jessica Biel’ getaggte Beiträge

Vielleicht kann man über THE TALL MAN schreiben, ohne hart zu spoilern. Ich wüsste allerdings nicht wie – und hätte auch gar keine Lust, diesen Text zu schreiben. Wer THE TALL MAN noch nicht kennt und ihn noch sehen möchte, sollte nicht weiterlesen, es sei denn, es macht ihm nichts aus, hier über die größte Enthüllung des Films bereits im Vorfeld in Kenntnis gesetzt zu werden. Wer noch eine Empfehlung benötigt: Ja, der Film lohnt sich, weil er stimmungsvoll und originell ist und zum Nachdenken anregt. Das hat er mit Laugiers MARTYRS gemein, der mich allerdings  thematisch nicht so angesprochen hat wie dieser hier. Ich müsste MARTYRS wahrscheinlich noch einmal sehen, um ihn gerecht zu beurteilen – damals hat mich sein Ende extrem abgetörnt – aber da der Schluss von THE TALL MAN dem von MARTYRS recht ähnlich ist, sehe ich für mich Chancen für den vielerorts enorm gefeierten Film.

THE TALL MAN erinnert zunächst stark an Stephen Kings IT. In der nicht näher lokalisierten ehemaligen kanadischen Bergbaustadt Cold Rock, die nach der Schließung der Mine verfällt und ausstirbt, verschwinden regelmäßig Kinder. Der Volksmund berichtet von einem „tall man“, der sie verschleppe und in die Wälder bringe. Eines Tages trifft dieses Schicksal die Krankenschwester Julia (Jessica Biel), die nach dem Tod ihres Ehemanns dessen Funktion als Arzt des Örtchens übernommen hat: Ihr Sohn verschwindet, wird ihr entrissen von einer in einen dunklen Mantel gehüllte Gestalt, die sie bis in die Wälder verfolgt und erst dann verliert. Der Kriminalbeamte Dodd (Stephen McHattie) findet die verletzte und erschöpfte Frau und bringt sie nach Cold Rock zurück, dessen Einwohner aber keinerlei Mitleid zeigen, sondern sich vielmehr in einer Art Lynchmob gegen die Frau formieren.

Es stellt sich heraus – das ist die große Überraschung des Films, die allerdings schon nach etwa zwei Dritteln der Laufzeit enthüllt wird -, dass Julia mitnichten ein Opfer, sondern der tatsächliche Täter ist: Sie hatte damals gemeinsam mit ihrem Mann begonnen, die Kinder aus den prekären Verhältnissen der in Cold Rock lebenden Familien zu „befreien“, sie zunächst selbst zu versorgen und dann an reiche Familien in der Großstadt abzugeben. Die erschütternde Dystopie des Films zeigt eine durch die Logik des Kapitalismus und Neoliberalismus zerstörte Welt, in der Kinder ihren leiblichen Familien entrissen werden müssen, um ihnen das Leben zu ermöglichen, das sie verdient haben. Aber ironischerweise werden sie dabei selbst zu Produkten, deren Wert und Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Das erschütternde an THE TALL MAN, ist dass er zunächst sehr konsequent die Perspektive der Täterin einnimmt, den Beachter zur Identifikation, Sympathie und Empathie mit bzw. für eine Frau zwingt, die ein schreckliches Verbrechen begeht und sich dabei im Recht fühlt. Und er behält die Nähe zu ihr auch dann noch, wenn es an ihrer Schuld keinen Zweifel mehr gibt. Aber Laugier geht noch weiter: Ihre Überzeugung, den Kindern zu einem besseren Leben verhelfen zu müssen, trifft nicht nur auf sein Verständnis, der größere, dahinter liegende Plan nimmt bis zu den drei letzten gesprochenen Worten des Films gar den Charakter einer Utopie an. Könnte es vielleicht tatsächlich ein Ausweg sein, sozial schwache Familien quasi zu zwangsenteignen und ihre Kinder in bessere Hände zu geben, weil Geld zwangsläufig mit Liebe koinzidiert? Es ist ein schockierender Gedanke, den aufrechtzuerhalten Laugier sich dann doch nicht getraut hat. Aber er kommt ihm verdammt nahe.

Was THE TALL MAN darüber hinaus vermissen lässt, ist eine formale Gestaltung, die es mit seinem provokanten Inhalt aufnehmen könnte. Ich bezweifle auch, dass der Film bei einer wiederholten Sichtung noch etwas zu bieten hat. Er ist ohne Zweifel schön und stimmungsvoll fotografiert, gut gespielt, vor allem von der Hauptdarstellerin, und vielleicht offenbaren sich auch noch ein paar Kniffe, die bei der Erstbegegnung, während der man sich ganz auf die Geschichte konzentriert hat, an einem vorbeigeflogen sind. Aber THE TALL MAN lädt zu Überprüfung nicht unbedingt ein, weil er weder besonders spannend ist noch übermäßige Schauwerte zu bieten hat. Er hat mir gut gefallen, ich halte die Fragen, die er aufwirft, für richtig. Aber es reicht auch, sich einmal mit ihnen zu beschäftigen.

 

Unter dem Namen „Frank Cadillac“ verdingt sich Cris Johnson (Nicolas Cage) als zweitklassiger Illusionist in Las Vegas. Mit billigem Tingeltangel verbirgt er ein echtes übersinnliches Talent, das den Kern seiner Show bildet: Cris kann zwei Minuten weit in seine Zukunft sehen. Diese Fähigkeit ist dem CIA nicht verborgen geblieben: Um eine von Terrorist „Mr. Smith“ (Thomas Kretschmann) gestohlene Atombombe zu finden, will sich Agentin Callie Ferris (Julianne Moore)  seiner Dienste versichern. Doch vor dem Retten der Welt hat für Cris etwas anderes Priorität: Er will seine Traumfrau Liz (Jessica Biel) erobern  …

Zwar muss NEXT weitestgehend ohne Kostproben von Cages Megaacting auskommen, trotzdem scheint der auf einer Erzählung von Philip K. Dick basierende Film ihm förmlich auf den Leib geschneidert und mit einem anderen Darsteller kaum denkbar. Als routinierter Mittelklasse-Actioner von Lee Tamahori inszeniert – der nicht lang gebraucht hat, um nach dem zupackenden neuseeländischen Ehedrama ONCE WERE WARRIORS in der totalen Hollywood-Beliebigkeit zu enden (eine einsame Ausnahme wie der tolle DEVIL’S DOUBLE bestätigt nur die Regel) – ist er einerseits zu unspektakulär, um als ganz großes Eventkino gelten zu können, andererseits aber auch zu blöd, um den Respekt anspruchsvollerer Filmfreunde zu ernten. NEXT ist – bei aller Biederkeit – eine Kuriosum: als Blockbuster-Anwärter rund 10 Jahre zu spät, als DTV-Kulthit zu aufgeblasen. Das Herz des aufgeschlossenen Filmsehers erfreut er dann auch gerade in seinem leichtfertigen Nichtgelingen und in seiner strukturellen Verweigerungshaltung.

Zuerst mal zerreißt da ein unüberwindbares Plothole den Film: Auf der Suche nach mit einer Atombombe bewaffneten und zu allem entschlossenen Terroristen macht das CIA den Umweg über einen psychisch begabten Magier, der die einzige Chance sein soll, die Bösewichte dingfest zu machen? Doch selbst wenn man bereit ist, den sich unweigerlich zuschnürenden Hirnknoten zu ignorieren: Wie haben die Staatsbeamten Cris überhaupt ausfindig gemacht? Haben sie sich gedacht, dass sie für ihre Ermittlungen gut einen Wahrsager gebrauchen könnten und sich dann auf die Suche nach einem gemacht? (Und wenn ja: Konnten sie wirklich keinen finden, dessen Zeitfester größer als zwei Minuten ist?) Oder kannte einer der Agenten Cris bereits und kam dann ausgerechnet in diesem Fall existenzieller Bedeutung auf die Idee, ihn für die eigenen Zwecke zu rekrutieren? Wie dem auch sei: Angesichts der Größe der Bedrohung und der gebotenen Dringlichkeit ist der Umweg über Cris eigentlich nicht zu rechtfertigen. Könnte man die Zeit und Mühe, die es kostet, den unwilligen und wendigen Cris zu stellen, in der vagen Hoffnung, seine Fähigkeiten könnten helfen, nicht gleich genutzt werden, um die Verbrecher zu stellen, die immerhin eine Atombombe mit sich rumschleppen?

Dann ist da Cris: einer der typischen Cage-Antihelden, die sich in einer Mischung aus souveräner Belustigung über die Welt, niederdrückender Müdigkeit und aufreizender Scheißegal-Haltung durch die Welt treiben lassen. Ein desillusionierter Romantiker auf der fast hoffnungslosen Suche nach der einen Frau, die ihn noch retten kann. Er hat sie gegen die Logik seiner Zwei-Minuten-Beschränkung gesehen, wie sie an einem ungenannten Tag um 8:09 Uhr ein Diner in Las Vegas betritt. Seitdem wartet er dort jeden Tag in der Hoffnung, dass sie auftauchen möge. Als er sie endlich gefunden hat, hat er verständlicherweise keine Lust, den Weltenretter zu mimen und dabei sein Leben und sein junges Liebesglück aufs Spiel zu setzen. Das ist eine ungewöhnliche und zudem ziemlich sympathische, ja, beinahe subversive Drehbuchentscheidung: Wo der Hollywood-Protagonist sonst alles stehen und liegen zu lassen pflegt, wenn der Staat ruft und die Unsterblichkeit lockt, da hat Cris einfach keinen Bock. Seine Fähigkeiten stellt er demzufolge eben nicht in den Dienst der Sache, sondern in den Dienst, der Sache zu entgehen. Es ist zwar schade, aber eben auch erwartbar, dass NEXT das so nicht durchziehen kann: Cris’ große Liebe wird von den Bösewichtern gekidnappt und ihm die Entscheidung mehr oder weniger abgenommen. And now it’s personal …

Aber das Finale rettet den Film dann doch noch. Nicht, weil die Actioneinlagen so begeisternd wären, denn dafür ist Tamahori zu bieder und die CGI zu wenig überzeugend, sondern weil NEXT in letzter Sekunde den alten, abgegeriffenen „Alles war nur ein Traum“-Kniff zu größtmöglichem Effekt einsetzt und damit endgültig den Eindruck festigt, dass in NEXT eigentlich gar nichts passiert. Alles ist reine Potenzialität und Latenz. Wie die Geschichte um Cris, Liz und die Atombombe wirklich ausgeht, das muss ein anderer Film erzählen. Schön (blöd).

 

Bei meiner Zweitsichtung bin ich zu keinem wesentlich anderen Ergebnis als bei Erstbetrachtung gekommen. Anstatt das also alles noch einmal wiederzukäuen, beschränke ich mich auf das, was mir neu aufgefallen ist. Wer mehr wissen möchte, klickt einfach auf den Link.

I NOW PRONOUNCE YOU CHUCK AND LARRY setzt sich auf sehr amüsante Art und Weise mit männlicher Sexualität, männlichem Gender und den damit verbundenen Klischees und Vorurteilen auseinander. Der Film beginnt mit einem Basketballspiel, das Chuck (Adam Sandler) und Larry (Kevin James) mit ihren Arbeitskollegen während einer Pause austragen. Eine attraktive Frau – eine Lateinamerikanerin vermutlich – tritt an den Zaun, der das Spielfeld begrenzt, und beginnt, Chuck mit Beleidigungen zu überziehen. Sie hat offensichtlich eine Beziehung mit ihm und erfahren, dass er sich mit ihrer Schwester statt mit ihr vergnügt hat. Chuck spielt das Unschuldslamm: Er hätte die beiden verwechselt. Dann tritt die Schwester hinzu und es kommt nun zur Auseinandersetzung zwischen den beiden Frauen, die wie aus einer Männerfantasie entsprungen aussehen. Chuck weiß genau, wie er die Situation zu seinen Gunsten wendet. Er heizt die Eifersucht zwischen den beiden Schwestern an und fordert sie schließlich auf, sich zu küssen, um zu beweisen, welche von beiden experimentierfreudiger ist. Seine Kollegen stehen mit offenen Mündern hinter ihm und können ihren Augen nicht trauen. Eine Sirene unterbricht das Schauspiel, bevor es zum großen Finale kommen kann: Die Frauen lassen voneinander ab, die Männer müssen enttäuscht zum Einsatz eilen. Sie sind bei der Feuerwehr.

Der Beruf der beiden Protagonisten dürfte kaum zufällig gewählt worden sein: Zum einen werden uniformierte Männer in der Gay Culture immer wieder ikonisch aufgegriffen (man denke an die Village People), zum anderen verbindet man den Beruf mit genuin männlichen Attributen. Wie es hierzulande noch undenkbar scheint, dass sich ein Fußballprofi als homosexuell zu erkennen gibt, so sorgt das spätere, dem Zwang geschuldete Outing der beiden (das ja eigentlich keines ist) auch bei ihren Kollegen für die erwartbare Mischung aus Angst, Schnappatmung und Aggression. Doch die von der Masse gegen den Einbruch des „Unnormalen“ verteidigte Realität ist ja eh nur noch ein mühsam aufrechterhaltener Schein: Der schwarze Muskelprotz, den man für einen Gewaltverbrecher hält (Ving Rhames), folgt dem Beispiel seiner Kollegen, outet sich und tanzt dann vor den in Homophobie erstarrten Kollegen unter der Dusche ausgelassen zu Chaka Kahns „I’m Every Woman“. Der von Larry zunächst noch besorgt beobachtete Sohn, der sich nicht für Baseball, aber dafür für Tanz und Musicals interessiert, schlägt den Bully, der ihn als Weichling ausgemacht zu haben glaubt, mit einem beherzten Schlag ins Gemächt ganz einfach nieder. Und der der Promiskuität zugetane Prolet Chuck, der das Leben eines Westentaschen-Hugh-Hefners führt, wird später von allen als der weibliche Part in der Männerbeziehung ausgemacht – sehr zu seinem Entsetzen. Frauen entpuppen sich als Männer, Heteros als Homos – die Freundschaft zweier Männer gar als Liebe? Je länger Chuck und Larry ihre Täuschung aufrechterhalten, umso weniger scheinen starre Konstrukte von Sexualität und Geschlecht noch eine Entsprechung in der Wirklichkeit zu haben. Am Ende ist man fast etwas überrascht, wenn Chuck und Larry vor dem Kuss, den sie sich als Beweis der Echtheit ihrer Beziehung vor dem Gericht geben sollen, genauso wie die beiden Schwestern zu Beginn des Films unterbrochen werden, ihre Scharade auffliegt und sie zu ihrem alten Leben zurückkehren, anstatt als Paar zusammenzubleiben, vielleicht in einer Dreiecksbeziehung mit der feschen Anwältin Alex (Jessica Biel), die sich in Chuck verliebt hat. Aber auch so haben sich die einst fest gefügt geglaubten Verhältnisse im Film als immens durchlässig und nachgiebig erwiesen. Hetero, Homo: Alles völlig egal, reine Privatangelegenheit und nichts, was irgendwas über den Menschen aussagt. Letzten Endes nur Begriffe, die eine Denkblockade aufbauen, um uns daran zu hindern, die Schönheit im Gegenüber zu entdecken.

Okay. Ich spare mir ausnahmsweise mal die Inhaltsangabe. Erstens weil ich gerade keine Lust habe, zweitens weil sie übermäßig kompliziert werden würde (THE A-TEAM hat einen ziemlich breit angelegten Plot, der mehrere Jahre abdeckt) und drittens weil diese Handlung letztlich natürlich trotzdem völlig irrelevant ist. Niemand schaut sich THE A-TEAM an, weil er großes Drama, ausgereifte Charaktere und geschickt konstruierte Twists und Turns erwartet.

Ich fange von hinten an: Ich bin mir unsicher, wie ich den Film finden soll. Und das ist eigentlich schon mehr, als ich erwartet habe: nämlich dass ich mich nach dem Film entweder gut, aber anspruchslos unterhalten fühlte oder aber eher indifferent sein würde. Ich hatte eigentlich gedacht, THE A-TEAM wird einer dieser typischen aktuellen Hollywood-Eventfilme, bei denen so lange gebrieft, geresearcht, gebrainstormt, revidiert, und gestreamlined wird, bis am Ende ein völliges Entertainment-Neutrum steht. Ein Film, den man zehn Minuten nach den Credits schon wieder völlig vergessen hat, der einen solange es dauert aber mit bunten Bildchen und regelmäßigen Attraktionen bei Laune hält. Stattdessen muss ich Carnahan zugute halten, dass er offensichtlich mehr im Sinn hatte: Streckenweise ist THE A-TEAM richtig ernst und ambitioniert inszeniert. Während des ersten richtigen Einsatzes des A-Teams gibt es eine schöne Parallelmontage, bei der vom Missionsbriefing immer wieder zur Ausführung geschnitten wird, und auch im Look ist der Film längst nicht so cartoony, wie ich es vermutet hatte, sondern orientiert sich eher an dem Maßstab, den die BourneFilme gesetzt haben. Natürlich hält der Film das nicht durch und da beginnen dann die Probleme. THE A-TEAM kann sich nicht wirklich entscheiden, was er sein will.

Denn die ernsten, realistischen Ansätze werden von abstrusen Over-the-Top-Actionsequenzen konterkariert, die wie aus einem anderen Film wirken. Es sind die zwei Show-Stopper des Films, die ihn zerreißen: der freie Fall des A-Teams in einem Panzer (!), den die Helden mittels des Rückstoßes der Kanone zum Fliegen bringen (!!), und das Finale in einem Hafen, bei dem sich aus einem umstürzenden Schiff eine gewaltige Ladung Container über das Dock und die flüchtenden Protagonisten ergießt. Ist die Action vorher auch spektakulär und sicherlich alles andere als realistisch, so wird sie in diesen beiden Szenen völlig albern. Und die CGI-Überfrachtung beißt sich auch mit dem sonstigen Look des Films. Aber das ist nicht alles, was mich irritiert hat.

Man kann sicherlich nicht behaupten, die Fernsehserie habe sich durch ausgefeilte Charaktere hervorgetan, aber der Film weiß ihnen bei einer stattlichen Länge von zwei Stunden kaum etwas hinzuzufügen. Im Gegenteil: Die Mitglieder des A-Teams wirken trotz jeder Menge Background noch flacher. Liam Neeson ist keine schlechte Wahl für Hannibal, aber die spitzbübische Ferkelsfreude George Peppards vermisst man bei ihm. Seine Catchphrase „I love it when a plan comes together“ ist bei ihm nur ein loses Lippenbekenntnis. Quinton Jackson hat es als B.A. wahrscheinlich am schwersten, weil er es mit einer ikonischen Figur aufnehmen muss. War die Rolle einst ein unverhohlenes Showcase für Mr. T, würde Jackson noch nicht einmal bei einem Mr.-T-Lookalike-Contest auf den vorderen Rängen landen. Und dass die Figur zum Ausgleich tragisch aufgeladen wird, ist kein Ersatz dafür. Einzig Sharlto Copley überzeugt: Äußerte sich der Wahnsinn Murdocks in der Serie eher in harmlosen Marotten, schaltet er für den psychotischen Piloten in den Overdrive. Leider bekommt er zu wenig Screentime, wohl auch, weil er in dieser Form am wenigsten in das Konzept einer versuchten Authentifizierung passt. Der Abtörner des Films war für mich aber eindeutig Bradley Cooper als Face. Dirk Benedict legte ihn damals als weltgewandten Ladies‘ Man nach dem Vorbild eines Roger Moore an, war sowas wie das menschliche Zentrum der Serie und der Charakter, der am ehesten zur Identifikation taugte. Diese Aufgabe hat auch Cooper (ihm wird das Love Interest Jessica Biel angedichtet, die als FBI-Agentin Sosa hinter dem A-Team her ist, bis sie schließlich auf ihre Seite wechselt), aber statt dandyhaftem Charme wirft er nur eine stalkereske Date-Rape-Attitüde in die Waagschale, die von seinem diabolischen Grinsen und der wolfähnlichen Physiognomie noch unterstrichen wird. Er verleiht seinem Face solch manische Züge, dass zeitweise ist nicht ganz klar ist, ob er die Eigenschaften des an den Rand gedrängten Murdock gleich noch mitübernehmen soll. Ich fand ihn eklig und unsympathisch.

Hier und da wurde der campige Charme des Films gelobt. Klar, eine A-Team-Verfilmung ist per se schon Trash, aber da gibt es eben auch noch ein anderes Gesicht, das in Teilen der ersten Stunde zum Vorschein kommt. Demgegenüber steht dann das hirnrissige Deutschland-Bild (ja, der Film spielt zu einem nicht unerheblichen Teil in Deutschland): Nach der Flucht aus Mannheim in einem Flugzeug werden die Helden kurze Zeit später abgeschossen und landen im Wolgastsee, der in Mecklenburg-Vorpommern liegt. Und Frankfurt (hier gibt es die beste Actionszene) wird mit einem Luftbild eingeführt, auf dem man verdutzt den Kölner Dom zur Kenntnis nimmt. Nicht, dass mich das wirklich stören würde, aber es passt einfach nicht zu den epischen Ambitionen Carnahans. Und zumindest das Benedict-Cameo war in dieser Form überflüssig.

Ich habe jetzt übermäßig viel über den Film geschrieben und bin noch kein Stück klüger. Vielleicht liegen meine Schwierigkeiten auch darin begründet, dass ich den Film in drei Sitzungen gesehen und deshalb keinen wirklich kohärenten Eindruck von ihm habe. Teile haben mir sehr gut gefallen, andere überhaupt nicht. Immerhin wurden durchaus einige Risiken eingegangen, nicht einfach nach Schema F runtergekurbelt. Nur ist die Rechnung eben nicht aufgegangen. Ich wüsste allerdings auch nicht, wie eine Adaption dieser Serie idealerweise auszusehen hätte. Man sollte nicht vergessen, dass die Erinnerung an die Vorlage besser ist, als ihre einzelnen Folgen, die nun auch nicht gerade der Gipfel subversiven Entertainments waren. Vielleicht zeigt Carnahans Film auch einfach nur, dass man manche Dinge ruhen lassen sollte.