Mit ‘Jim Abele’ getaggte Beiträge

Der Begriff „Wimp“ gehört in den aktiven Wortschatz eines jeden Metallers: „Wimps and Powers leave the Hall“, sangen die belendenschurzten Hünen von Manowar einst und forderten damit all jene auf, sich zu verkrümeln, die in albernen Barbarenkostümen und Metal mit absurden Fantasy- und Chauvietexten nicht den höchsten Ausweis männlicher Allmacht sahen. In Chuck Vincents WIMPS ist der Begriff allgemeiner gefasst, was auch die größte Schwäche des Films ist – vor allem im Vergleich zu Vincents eigenem, wunderbarem PREPPIES, der als hinreichende Definition und Illustration der titelgebenden Spezies diente und damit – da bin ich mir ziemlich sicher – Inspirationsquelle für WIMPS war.

Nun liegt die Schuld für das Versäumnis nicht allein beim Regisseur, denn der „Wimp“, zu Deutsch: „Weichei“, „Waschlappen“ oder auch „Warmduscher“, ist schon rein optisch viel weniger festgelegt als der „Preppy“, den man zuerst mit einem bestimmten Outfit assoziiert. Während PREPPIES seinen Charme vor allem daraus bezog, seine Protagonisten in all ihrer preppiness liebevoll zu überzeichnen, widmet sich WIMPS einer Figurenkonstellation, die eigentlich ein Standard des Collegefilms ist und die spezifische wimpiness weitergehend vermissen lässt. Protagonist ist Francis (Louis Bonanno), eines der besagten Weicheier, der um Aufnahme in jener Fraternity sucht, in der sein Vater zur lebenden College-Legende wurde. Leider gehen dem blässlichen Spargeltarzan Männlichkeit, Kernigkeit und Sportlichkeit völlig ab und die ritualisierten Demütigungen, die mit seinem Aufnahmegesuch einhergehen, treffen ihn demnach mit voller Härte. Der Gipfel wird erreicht, als vor versammelter Mannschaft ein Video vorgeführt wird, dass die Bewerber beim Onanieren auf dem Wohnheimsklo zeigt: Das bricht dem armen Francis fast das Herz. Doch natürlich wird er Gelegenheit erhalten, sich in seiner vermeintlichen Lappigkeit doch noch als nützliches Mitglied der Wohngemeinschaft zu erweisen: Als die College-Leitung den Beschluss fasst, dass auch Football-Talente über ein Mindestmaß an Bildung verfügen sollten, um einen Abschluss zu erhalten, packt die hohlbirnigen Jocks, mit denen Francis zusammenwohnt, die nackte Angst. Und er soll sie für die Prüfung auf Vordermann bringen. Weil ihm das mit Bravour gelingt, bittet ihn sein Zimmergenosse Charles (Jim Abele), ihm bei der Eroberung der intellektuellen Roxanne (Tracey Adam) zu helfen, die auf Jocks allergisch reagiert …

Spätestens der letzte Satz sollte klar gemacht haben, wo lang der Hase läuft: WIMPS ist eine Neuinterpretation von Edmond Rostands „Cyrano de Bergerac“ mit den Mittel des Teeniefilms. Francis verfasst im Namen von Charles schwelgerische Briefe für die Schöne, souffliert ihm bei Dates und schafft es so, dass sie sich in den gnadenlos eindimensionalen Womanizer verliebt. Die versprochene Gegenleistung für Francis bleibt indes aus: Die heiße Braut, die Charles seinem Helfer in Aussicht gestellt hatte, entpuppt sich als prostituierte Schnapsdrossel, die in der mit Abstand besten Szene des Films Froot Loops mit Dosenbier bestellt – beim Double Date in einem französischen Nobelrestaurant wohlgemerkt -, anschließend in aller Öffentlichkeit blank zieht und dann unter den Tisch kriecht, um ihren „Freier“ zu fellationieren, wobei sie dann besoffen einschläft. Der Rest von WIMPS ist nicht richtig schlecht, aber leider weitestgehend frei von Witz, Tempo oder sonstigen Reizen. Und der Titel ist eigentlich völlig unpassend: Es gibt genau ein Weichei im ganzen Film und dieser Francis ist eigentlich relativ normal. Am Ende stellte ich mir die Frage, ob Chuck Vincent sich bei der Wahl des Titels wirklich nur an seinem eigenen PREPPIES orientierte und sich gnadenlos vergriff oder ob die Titelwahl nicht gar eine latente Kritik enthält: Sind nicht vielleicht die Jocks, die nicht in der Lage sind, ihre Gefühle zu offenbaren und zu diesen auch zu stehen, die wahren Wimps? Ich denke, man kann das so sehen, ohne dem Film allzu viel der Ehre machen zu wollen.

Bliebe nur noch eine Frage: Warum sieht Hauptdarsteller Bonanno auf dem Plakat aus wie 12?