Mit ‘Jim Carrey’ getaggte Beiträge

mpw-52982Vielleicht überrascht diese Aussage jetzt, aber ich halte THE CABLE GUY für ein in jeder Hinsicht faszinierendes Stück Hollywood-Filmgeschichte. Damals ein absolutes High-Profile-Projekt, erlangte der Film schnell den Ruf eines markerschütternden Flops, auch wenn er weltweit etwa das Doppelte seines Budgets wiedereinspielte: Zu wenig, aber immer noch weit von einem Totalfiasko entfernt. Die Stigmatisierung des Films liegt m. E. nicht nur in seinem finanziellen Versagen begründet, sondern auch darin, dass der Film sich tonal zwischen alle Stühle setzt und bis heute ein beispielloses, nur schwer einzuordnendes Zwitterwesen zwischen greller Slapstick-Komödie, düsterem Psychodrama, fehlgeleitetem Psychothriller und Mediensatire darstellt. Kaum vorstellbar, dass das die Absicht der Columbia war, als sie das Drehbuch von Lou Holtz jr. nach einem harten bidding war für eine satte Million Dollar erwarben. Auch sonst ließ man sich nicht lumpen, engagierte Jim Carrey als Hauptdarsteller – nach den Hits ACE VENTURA: PET DETECTIVE, ACE VENTURA: WHEN NATURE CALLS, DUMB AND DUMBER, THE MASK und seiner Nebenrolle in BATMAN FOREVER der heißeste Scheiß in Hollywood – für die damalige Rekordgage von sage und schreibe 20 Millionen Dollar. Produzent Judd Apatow hätte gern selbst Regie geführt, aber diesen Wunsch schlug man ihm ab: Immerhin folgte man seinem Vorschlag, seinen Kumpel Ben Stiller den Job übernehmen zu lassen.

Steven (Matthew Broderick), frisch von seiner Freundin Robin (Leslie Mann) vor die Tür gesetzt, lernt den Fernsehtechniker Chip Douglas (Jim Carrey) kennen, der ihm den Kabelanschluss legt. Chip ist ein seltsamer Vogel, der von einem schlimmen Lispeln geplagt wird, soziale Etikette völlig vermissen lässt und darüber hinaus sehr, sehr anhänglich und überdies ausgesprochen peinlich ist. Eher aus Versehen lässt sich Steven auf eine Verabredung mit Chip ein und wird ihn danach nicht mehr los. Der neue „Freund“ drängt sich in Stevens Privatleben, verprellt seine Freunde und treibt den hilflosen Mann immer weiter in die Enge. Das ist jedoch nichts gegen den Terror, den Chip entfacht, als Steven ihm die Freundschaft aufgekündigt …

THE CABLE GUY beginnt zunächst, wie man es von einem Film mit Jim Carrey damals erwarten durfte: als One-Man-Show des Gummigesichts, das den „Cable Guy“ als überlebensgroße Comicfigur interpretiert, mit „lustigem“ Sprachfehler, Unterbiss und Fünfzigerjahre-Crew-Cut. Aber anders als etwa in ACE VENTURA, in dem sich dieser Gummimann mit aufreizender Souveränität durch eine Welt bewegt, in der alle anderen ihn wie einen Außerirdischen betrachten, wirkt dieser Chip in THE CABLE GUY wie ein Fremdkörper, wie das deplatzierte Element in einem „Was passt hier nicht rein“-Suchbild. Das ist einerseits ein Teil des Gags des Films, aber auch ein ständiges Irritiationsmoment, das sich nur in der Sequenz legt, in der Steven gemeinsam mit Chip in das absurde Szenario eines Mittelalter-Event-Restaurants verfrachtet wird, in dessen Mitte frustrierte Kleinkünstler Ritterspiele austragen. Abseits solcher Szenen fällt es schwer, Carreys hoffnungslos überdrehten Chip als „realen“ Charakter zu akzeptieren oder gar zu glauben, das ganz normale Menschen wie Stevens Eltern ihn als amüsanten Zeitgenossen betrachten könnten. Diese Anlage erschwert es auch, am Ende mit ihm mitzufühlen, wenn sein tragischer Hintergrund offenbart wird: Chip ist ein furchtbar einsamer Mensch und seine peinlichen Anwandlungen nur der verzweifelte Versuch, jemanden an sich zu binden. Diese Offenbarung verleiht der Figur zwar die nötige Ambivalenz, aber emotional will sich das nicht wirklich niederschlagen, zu psychopathisch ist Chips ganzes Verhalten in der entfesselten Darstellung von Carrey, die keine feinen Nuancierungen kennt, zu wenig scheint er überhaupt demselben Universum wie die „normalen“ Menschen um ihn herum zu entstammen.

Aber Stiller belässt es auch nicht bei dieser rätselhaften Mischung, irgendwie will er mit THE CABLE GUY auch noch Medienkritik betreiben, wobei nicht ganz klar ist, ob auch das nur ein Beispiel für den schrägen Humor des Filmes ist. Stiller selbst tritt als Zwillingsbruderpaar in innerfilmischen Nachrichtensegmenten auf, die über einen laufenden Mordprozess berichten. Ein ehemaliger Kinderstar, eben Stiller, steht vor Gericht, weil er seinen Zwillingsbruder – seinen Partner in einer alten TV-Show – umgebracht haben soll. Die vielleicht witzigste Szene von THE CABLE GUY ist der Trailer für einen True-Crime-Film über das Brüderpaar, in dem der Part Stillers von Eric Roberts übernommen wird (na gut, der Auftritt von Janeane Garofalo als grandios genervte Bedienung im Mittelalter-Resaturant ist auch sehr toll). Und am Ende, im großen Showdown über einer riesigen Parabolantenne, löst der herabstürzende Chip just in dem Moment einen stadtweiten Übertragungsausfall aus, als die Nation gebannt den Urteilsspruch erwartet – heute, wo jede News innerhalb von Sekunden im Netz abrufbar ist, würde das gar nicht mehr funktionieren. Da entdeckt dann eine verzweifelte Couch Potato mangels der Fernsehdauerberieselung sogar ein Buch wieder, das vorher einsam auf dem Tisch lag, und beginnt selig darin zu lesen. Kaum vorstellbar, dass Stiller das wirklich ernst meinte.

THE CABLE GUY ist ein reichlich merkwürdiger Film und es fällt mir schwer, ihn angemessen zu beurteilen. Er funktioniert nicht richtig, aber die Art und Weise, wie er nicht funktioniert, macht ihn auch wieder sehr interessant und ungewöhnlich und eben „besser“, als wenn er ausgewogener inszeniert und in der Hauptrolle traditioneller besetzt und gespielt wäre. Überraschenderweise haben ihm die vergangenen 20 Jahre auch keinen großen Schaden zugefügt, er ist im Gegenteil besser gealtert als andere Filme dieser Periode, die man damals als „gelungener“ bewertet hat. Ja, man kann durchaus sagen, dass THE CABLE GUY ein Unikat ist. Das sollte man honorieren, heute, wo Hollywood kaum mehr als stromlinienförmige Beliebigkeit und nur ganz selten echte Überraschungen produziert, schon gar keine solch fehlgeleiteten Querschläger wie diesen hier, mehr denn je.

 

142vio1111111Ein Glücksfall!

Bobby und Peter Farrelly kehren 20 Jahre nach dem Überraschungshit DUMB AND DUMBER zu dessen Protagonisten, den beiden grotesk verblödeten Hängern Lloyd Christmas (Jim Carrey) und Harry Dunne (Jeff Daniels) zurück. Ersterer ist nach der im ersten Teil erlittenen Absage seiner Angebeten in eine katatonische Starre verfallen und in eine Heilanstalt eingewiesen worden, wo ihn sein treuer Freund seitdem jeden Tag besucht hat. Doch – haha! – alles war nur ein ausgesprochen elaborierter Streich Lloyds. Die 20 Jahre seines Lebens, die er dafür in den Wind geschissen hat, waren es in jedem Fall wert und das bestätigt ihm auch ein sichtlich beeindruckter Harry.

Dieser Gag, der DUMB AND DUMBER TO eröffnet, gibt die gegenüber dem Vorgänger modifizierte humoristische Richtung vor: Waren die beiden Idioten zuvor noch sehr gut mit dem Attribut „liebenswert“ umschrieben, auch wenn sie schon einmal einem blinden Jungen einen toten Wellensittich verkauften, so fällt das bei den nun deutlich gealterten Männern doch um Einiges schwerer. Nicht nur sind die Witze schmutziger und zotiger, es bleibt einem doch das ein oder andere Mal das Lachen im Hals stecken, etwa wenn die beiden „Helden“ die Eltern eines bei einem Motorradunfall verunglückten Freundes aufsuchen, oder – etwas profaner – die Moderatorin bei einem wissenschaftlichen Fachvortrag aus dem Auditorium zum Ausziehen auffordern.

DUMB AND DUMBER TO pendelt zwischen nostalgischer Rückbesinnung – der Plot greift Situationen und Requisiten aus dem ersten Teil wieder auf oder variiert sie leicht, die Endcredits stellen Bilder der beiden Teile gegenüber – und der ernüchterten oder gar schockierten Bestandsaufnahme hin und her. Die Farrellys haben auch einen Film über das Älterwerden gemacht, der auf dem frappierenden Clou basiert, dass seine Charaktere sich geistig nicht ein Iota weiterentwickelt haben. Die erwähnte Liebenswürdigkeit, die in DUMB AND DUMVER daraus resultierte, dass die beiden in einer zynischen Welt eine Art kindlicher Unschuld verkörperten und in einem beneidenswerten Zustand der Blindheit lebten, wird hier doch ziemlich entzaubert. Was natürlich nicht heißt, dass sich Lloyd und Harry in Schurken verwandelt hätten: Das wird schon allein dadurch verhindert, dass sie auf genug Menschen treffen, die echte Schurkenqualitäten an den Tag legen. Aber wie sie da in ihrem Zustand bisweilen aggressiver Infantilität verharren, beseelt im Zustand der geistigen Quasibehinderung und voller Herablassung gegenüber Menschen, die ihnen intellektuell und menschlich weit überlegen sind, ist nicht unbedingt beneidens- oder gar erstrebenswert. Diese beiden sind völlig zufrieden damit, nur einander zu haben. Und so wie sie sich verhalten, wird sich daran auch nie etwas ändern. DUMB AND DUMVER TO ist im Grunde ein furchtbar trauriger Film.

1994-dumb-and-dumber-poster1Mehr als 20 Jahre ist’s her, da saß ich mit einem guten Freund im Kino und lachte Tränen über diesen Film. Vor allem folgende Szene hatte es mir angetan: Nachdem die beiden Trottel Lloyd Christmas (Jim Carrey) und Harry Dunne (Jeff Daniels) mal wieder ihre Jobs verloren haben und deshalb enorm klamm sind, mahnt Harry seinen Kumpel vor dem folgenden Einkauf, nur das Nötigste zu kaufen und keinesfalls Geld für irgendwelchen Unsinn rauszuschmeißen. Lloyd ist fast beleidigt ob des Misstrauens, versichert, diszipliniert zu sein. Und dann sieht man ihn nach dem Schnitt mit einem riesigen Schaumgummi-Cowboyhut, einem Ping-Pong-Schläger, an dem der Ball über ein Gummiband festgebunden ist, und einer Tüte voller Windräder. DUMB AND DUMBER war das supererfolgreiche Debüt der Farrellys, die das Genre der Hollywood-Komödie in den folgenden Jahren maßgeblich veränderten und als Wegbereiter des heute so populären Gross-out- und Equal-opportunities-Humors gelten dürfen. DUMB AND DUMBER ist noch relativ brav und verhalten, aber er ist insofern wichtig, weil er die Handlung bereits komplett seinen Charakteren unterwirft, deren titelgebende, bodenlose Dummheit der Antrieb des Films ist.

Was ihn außerdem hervorstechen lässt – damals war einem das noch nicht so klar, weil Carrey noch am Anfang seiner Karriere stand und allenfalls als Gummigesicht bekannt war -, ist die Qualität seiner Hauptbesetzung: Carrey und Daniels sind brillant zusammen, ergänzen sich schlicht perfekt. Carrey hat natürlich die grellsten und überdrehtesten Momente, aber ohne die dumpfe Stoik von Daniels würde er nicht funktionieren. Er kommt mit seiner typischen – und unglaublichen – Grimassiererei nur durch, weil Daniels neben ihm stets die Contenance des schlichten Gemüts bewahrt. So ensteht eine dialektische Dynamik, ein wunderbar arhythmischer Drive, der an den Treppensturz eines Rollstuhlfahrers mit Gipsbein erinnert. Ein gutes Beispiel ist die Szene, in der Lloyd seinen Kumpel nach einem Zerwürfnis – Lloyd war knappe 500 Meilen in die falsche Richtung gefahren, nachdem beide eigentlich schon fast an ihrem Ziel angekommen waren – mitten im Nirgendwo dazu auffordert, auf das lächerliche Minimoped zu steigen, das er im Tausch gegen Harrys Auto erworben hat. „Just when I thought you couldn’t be any dumber …“, beginnt Harry, zum erwarteten und total berechtigten Hieb ausholend, „You pull off something like this and totally redeem yourself!“ Das ist die Magie des Films: Nichts ist, was es scheint, weil die beiden liebenswerten Volltrottel über eine ganz eigene Weltsicht verfügen.

Was weniger gut gealtert ist an DUMB AND DUMBER ist sein ganzer Look. Der Film macht schmerzhaft deutlich, was für ein beschissenes Jahrzehnt die Neunziger waren. Vom Soundtrack jaulen einem tatsächlich die Crash Test Dummies mit ihrem damals schon nicht auszuhaltenden Hit entgegen, pastellige Farbpalette, Ausleuchtung, Betonfrisuren und Klamotten erwecken vor allem im letzten Drittel den Eindruck, der Film sei in einem Vergnügungspark für wohlhabende Rentner gedreht (was Aspen, wo der Film spielt, vielleicht auch ist). Nun zeichnen sich die meisten modernen US-Komödien ja sowieso schon durch einen eher unsichtbar-austauschbaren visuellen Stil aus, dem man das Werk des gnadenlosen Zahns der Zeit schneller ansieht als anderen Filmen, aber hier ist das schon besonders frappierend, weil der leblose Plastiklook einfach nicht zu den überdrehten Protagonisten passen mag. Dem Vergnügen tut das dennoch keinen Abbruch, auch wenn mir das Sequel tatsächlich noch besser gefallen hat. Mag aber auch daran liegen, dass ich DUMB AND DUMBER mittlerweile auswendig kenne.

 

Überraschung: KICK-ASS 2 fand ich tatsächlich um Längen besser als den ersten Teil. Nicht, dass er aus gänzlich anderem Holz geschnitzt wäre. Wieder gibt es das Nebeneinander von happigen Splattereffekten und deutlich sexuell aufgeladenem, betont unkorrektem Slapstick-Humor, wieder werden Superhelden-Klischees und popkulturelle Phänomene referenziert und durch den Kakao gezogen, das alles in effektlastiger Hochglanzoptik verpackt und mit Hitsoundtrack garniert. Statt Nicolas Cage absolviert nun Jim Carrey den Nebenrollen-Starauftrit, wieder zähle ich garantiert nicht zur Zielgruppe, wieder wendet sich der Film an die Nerds, die die Verästelungen des Marvel’schen Civil-War-Zyklus durch alle Heftserien runterbeten können und für die jeder Film mit einer durchschnittlichen Einstellungslänge von mehr als drei Sekunden ein unerträglicher Langweiler aus Opas Mottenkiste ist. Eigentlich müsste ich KICK-ASS 2 also mindestens genauso ätzend finden wie den Vorgänger. Aber dem ist eben nicht so. Was ist passiert?

Wadlow ist das gar nicht mal so kleine Kunststück gelungen, einen Film zu machen, der entschieden „meta“ ist, aber gleichzeitig trotzdem von jenem echten Interesse für seine Figuren geprägt ist, das ich in Vaughns KICK-ASS am meisten vermisst habe. Die Distanz, die Wadlow durch seine Haltung zur Geschichte um die Alltagsmenschen, die zu „Superhelden“ werden, schafft, ermöglicht es ihm gerade, genauer hinzuschauen. Am deutlichsten wird das in seiner Behandlung der 15-jährigen Hit Girl (Chloe Grace Moretz), deren schwere Traumatisierung nun nicht mehr länger ignoriert oder gar verleugnet wird, sondern zum dramatischen Zentrum des Films avanciert. Mehrfach wird explizit gesagt, das ihr Vater, der sie zur eiskalten Killerin erzog und selbst mit ihr als Superheld „Big Daddy“ durch die Stadt zog, ein Wahnsinniger war, die Ausbildung, die er seiner minderjährigen Tochter angedeihen ließ, einem Missbrauch gleichkam. Hit Girl bzw. Mindy kämpft über weite Strecken mit den Folgen, bemüht sich verzweifelt um Normalität, freilich ohne Erfolg. Der Titelheld bzw. der jugendliche Dave (Aaron Taylor-Johnson), der hinter der Maske steckt, ist eigentlich nur noch das „Fenster“, durch das wir auf die Filmwelt schauen, ein New York, in dem es keinerlei echte Entfaltungsmöglichkeiten mehr zu geben scheint. Das Superheldentum ist nicht so sehr eine Antwort auf die grassierende Kriminalität (die in KICK-ASS 2 eigentlich gar keine Rolle mehr spielt), sondern auf eine Gesellschaft, die gar keinen Individualismus mehr zulässt und alles dem Leistungsdiktat unterwirft. Die implizit enthaltene Kritik am Umgang mit der Jugend, der nicht etwa Handlungsoptionen eröffnet werden, sondern die schon früh auf Linie gebracht wird, beim bösen Spiel nur noch mitspielen oder sich verweigern kann, wird leider nie wirklich ausformuliert oder verfeinert: Am Ende läuft alles wieder auf die platte und daher wenig Orientierung bietende Maxime heraus, dass man seinem Herzen folgen und der sein soll, der man ist. Dass dieses vermeintliche „Sein“ etwa Hit Girls oder des Motherfuckers, der Superschurkenidentität, die Chris D’Amico (Christopher Mintz-Plasse) nun annimmt, um das Erbe seines Vaters aus dem ersten Teil anzutreten, eben auch von außen übergestülpt, die Idee, sich eine Cape umzuschnallen und einen Kampfnamen zu verpassen, durch eine wie geölt laufende Industrie implantiert wurde (die nach Jahrzehnten der gescheiterten Versuche den Sprung vom Papier auf die Leinwand endlich geschafft hat), das übersieht der Film geflissentlich. Er ist am Ende eben auch nur ein Produkt.

Aber man ist ja schon für jeden Fortschritt dankbar. KICK-ASS 2 ist nicht weniger grell und schrill als der Vorgänger, der Sequellogik folgend ein gutes Stück größer und knalliger, aber er verliert eben den Wald nicht vor lauter Bäumen aus dem Blick. Dass er trotzdem  keine echten Antworten parat hat und am Ende vor jeder Konsequenz zurückschreckt, liegt in der Natur der Sache. Er kann seine Maske ebenso wenig ablegen wie Hit Girl.

Nachdem Ace Ventura (Jim Carrey) bei einem missglückten Rettungsversuch den Tod eines Waschbären nicht verhindern kann, zieht er sich in ein tibetisches Kloster zurück. Dort wird er von Fulton Greenwall (Ian McNeice) aufgesucht, der den Tierdetektiv anheuert, das heilige Tier eines afrikanischen Stammes ausfindig zu machen und so einen drohenden Konflikt zu vermeiden. In Afrika angekommen sorgt Ventura für reichlich Aufruhr: sowohl unter den schwerreichen Diplomaten als auch unter den Angehörigen der Wachootoo- und Wachati-Stämme …

Steve Oedekerks Fortsetzung von Shadyacs Überraschungshit übertraf den Erfolg des Vorgängers um Längen und landete in der Jahresabrechnung auf einem sensationellen 5. Platz, noch vor James Bonds Rückkehr mit GOLDENEYE. Der Erfolg ist verdient, weiß Oederkerk doch deutlich mehr mit seiner Figur anzufangen und sie in einen Kontext einzubinden, in dem man nicht den Eindruck hat, alle anderen Darsteller seien nur Zuschauer von Carreys/Venturas Kapriolen. WHEN NATURE CALLS ist deutlich comiclastiger (die Darstellung Afrikas und seiner Eingeborenen, die böse Menschen vielleicht „rassistisch“ bezeichnen würden) und parodistischer als PET DETECTIVE (man beachte die wunderbare CLIFFHANGER-Verarsche zu Beginn) und gönnt sich den Luxus, den Carreyschen Verrenkungen und Grimassen echte Pointen beizumengen. Mir haben sich einige Catchphrases und Gags jedenfall massiv eingebrannt, sodass diese erste Sichtung nach mehreren Jahren das freudige Wiedersehen mit dem lange verschollenen Bekannten war, mit dem man nach all den Jahren immer noch so viel gemein hat. Eine feine, überdrehte Komödie, in der der Tierdetektiv zu einer rundum sympathischen Anti-Establishment-Figur stilisiert wird. Auch in der leider minimal gekürzten britischen Fassung, in der das Spuckritual der Wachatis leider nicht ganz so fulminant rüberkommt …

ACE VENTURA: PET DETECTIVE war einer der großen Box-Office-Überraschungserfolge des Jahres ’94, spielte weltweit mehr als das Zehnfache seiner Produktionskosten wieder ein, öffnete Jim Carrey in Hollywood Tür und Tor und ist somit ein kleines Stück jüngerer Filmgeschichte. Ein denkbar merkwürdiges, wie man nach Sichtung feststellen wird.

Ace Ventura (jim Carrey) ist Tierdetektiv und verdient sich sein Brot, indem er verloren gegangene Tiere wiederfindet. Sein Beruf ist Überzeugungssache: Er liebt Tiere und verachtet, wenn sie menschlicher Gewalt und WIllkür ausgesetzt werden: Da kann er dann schon einmal ausgesprochen ruppig werden. Als das Maskottchen der Miami Dolphins pünktlich zum Super-Bowl-Endspiel verschwindet, ist es an Ace, das Tier ausfindig zu machen …

Etwas persönliche Legendenbildung: Für mich sind mit ACE VENTURA: PET DETECTIVE unauslöschliche Erinnerungen verbunden. Es war 1994, ich war gerade 18 und besuchte mit einem Freund die Vorstellung von NAKED GUN 33 1/3 im mittlerweile geschlossenen Passage-Kino in Krefeld. Im benachbarten Saal sollte später noch die Sneak Preview eines uns unbekannten Films namens ACE VENTURA laufen, den wir spontan nachzuschieben gedachten, nachdem wir des Trailers ansichtig geworden waren. An sich nichts Besonderes, bis auf die Tatsache, dass wir die einzigen in der Sneak Preview bleiben sollten, und der Vorführer uns deshalb sogar anbot, den Film für uns anzuhalten, wenn wir aufs Klo müssten. Wir hatten einen lustigen Abend und ich wage zu behaupten, dass wir das Erlebnis einer einsamen ACE-VENTURA-Kinosichtung nicht mit allzu vielen Menschen teilen müssen. Wer weiß, welche Rolle dieser Film für mich spielen würde, wenn ich ihn erst später, möglicherweise nach Beginn des Carrey-Hypes, gesehen hätte.

Denn man muss ehrlich sein: Als Film betrachtet, ist ACE VENTURA: PET DETECTIVE eine Zumutung und selbst an dem geringeren Anspruch der albernen Komödie gemessen nicht wirklich gelungen. Sein Humor reduziert sich auf Carreys Grimassen und sonstigen Flausen, die mal mehr, mal weniger witzig sind und das Terrain des Körperhumors nie verlassen. Ob man das witzig findet oder für vollkommen hysterisch und niveaulos hält, ist letzen Endes Geschmackssache (ich mag ihn); keinen Anlass zur Diskussion stellt allerdings die Tatsache dar, dass es zwischen Carrey und seinen Mitstreitern überhaupt keine Chemie gibt (Ausnahme ist vielleicht der Kurzauftritt von Udo Kier), ja Carrey mit seinem vollkommen exaltierten Verhalten sogar ein ausgesprochener Fremdkörper in der Welt des Films bleibt. An ein paar Stellen scheint Shadyac zeigen zu wollen, dass Ventura den Clown selbst nur spielt, in Wahrheit ganz normal ist. Aber dieser Ansatz wirkt nur noch befremdlicher, denn warum sollte sich ein erwachsener Mensch dauerhaft benehmen wollen wie eine Comicfigur und sich damit zum Gespött aller ihn umgebenden Menschen machen? Man sieht an ACE VENTURA: PET DETECTIVE deutlich, dass man für den Humor Jim Carreys erst noch die geeignete Form finden musste, die ihn auch innerhalb eines Spielfilms funktionieren ließ. Shadyac scheitert gewissermaßen damit, ihm völligen Freiraum zu geben und alle anderen an der kurzen Leine zu halten. Es entsteht ein Ungleichgewicht, das den Film zu zerreißen droht. Erst mit der Fortsetzung sollte es gelingen, Ace Ventura in einer Welt zu platzieren, innerhalb derer er glaubwürdig wirkte.

Jimmy Stewarts positive Weltsicht

Veröffentlicht: Februar 18, 2008 in Clips
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Immer sehr lohnenswert und ergiebig ist es, sich via Youtube nach amerikanischen Stand-Up Comedians umzuschauen, zumal nicht wenige davon heute ihr Unwesen auf großen leinwänden treiben. Im Zuge eines ausgedehnten Stand-Up-Comedy-Wochenendes bin ich unter anderem auf mehrere Videos von Jim Carrey gestoßen. Einen wunderbaren Ausschnitt aus einer seiner Shows, eine großartige Imitation des Hollywood-Recken James Stewart, gibt es hier zu sehen.