Mit ‘Jim Caviezel’ getaggte Beiträge

Ray Breslin (Sylvester Stallone) verdient sein Geld damit, aus Gefängnissen auszubrechen: Er wird engagiert, um ihre Sicherheitslücken zu finden, auszunutzen und so zu ihrer Verbesserung beizutragen. Bisher ist er aus jedem Knast entkommen, doch seine neueste Aufgabe führt ihn an seine Grenzen: Nicht nur ist der Hochsicherheitsknast für politische Gefangene oder hoffnungslose Fälle, genannt „the tomb“, nach Breslins Buch konzipiert, man hat auch jede Verbindung zu seinen Leuten gekappt. Es gibt keine Chance, seinen Auftrag abzubrechen. Vort Ort macht Breslin Bekanntschaft mit Rottmayer (Arnold Schwarzenegger): Der sitzt ein, weil er den international gesuchten Finanzkriminellen Mannheim kennt, den der korrupte Gefängnisdirektor Hobbes (Jim Caviezel) in seine Gewalt bringen möchte. Breslin und Rottmayer erarbeiten gemeinsam einen Plan, zu entkommen. Doch eine Entdeckung lässt ihre Hoffnungen auf den Nullpunkt sinken …

Die erste echte Paarung der ehemaligen erbitterten Konkurrenten Stallone und Schwarzenegger (nach den beiden EXPENDABLESFilmen) ist naturgemäß nicht das ganz große Feuerwerk, das diese Paarung vor 20, 30 Jahren ohne Frage bedeutet hätte. Die beiden Herren sind in die Jahre gekommen und lassen sich auch gern entsprechend inszenieren: Stallone überzeugt mal wieder in seiner Paraderolle als wizened veteran, als Mann, der keine großen Reden schwingt, sondern lieber mit guter Beobachtungs- und Auffassungsgabe überzeugt und den nichts mehr wirklich umhauen kann. Schwarzenegger ist als Rottmayer demgegenüber etwas gesprächiger und humorvoller, doch hinter seinem offenherzigen Wesen verbirgt sich ein Mann mit dem ein oder anderen Geheimnis. ESCAPE PLAN ist streng genommen Holywood-Bullshit: Konzeptkino, das mit einer überkonstruierten Story voller Twists und Turns aufwartet, die sich für superclever hält, aber vor Plotholes, Logiklöchern und Glaubwürdigkeits-Überstrapazierungen nur so strotzt. Ich bin allerdings gern bereit, über so etwas hinwegzusehen, wenn das Gesamtpaket stimmt, und das ist hier ohne Frage der Fall. Gefängnis- und besonders Ausbruchsfilme finde ich eigentlich immer klasse, die Idee um den Ausbrecherkönig im Superknast ist interessant, die Chemie der beiden Superstars stimmt, die Besetzung ist erlesen – neben den Genannten agieren Vincent D’Onofrio und Curtis „50 Cent“ Jackson als Breslins Geschäftspartner, Vinnie Jones als sadistischer Gefängniswärter und Sam Neill als Gefängnisarzt – und dass die Production Values über jeden Zweifel erhaben sind, ist eh klar. Vor allem aber ist ESCAPE PLAN sauber erzählt, ohne blöde Anbiederungen an den Zeitgeist, ätzende Manierismen oder anderen Kram, der erwachsenen Menschen heute sonst so oft den letzten Nerv raubt. Ich würde sogar sagen, dass der Film angenehm understated ist, sich ganz auf die granitene Präsenz seiner beiden Zugpferde verlässt und so einen Hauch von Siebzigerjahre-Männerkino ins gegenwärtige Eventkino bringt. Kein Meisterwerk, aber nettes Entertainment also, deutlich besser als das, was einem sonst in diesem Segment serviert wird. Und wenn Schwarzenegger in einer Szene deutsch spricht, dann merkt man erst, wie sehr man sich daran gewöhnt hat, ihn auf Englisch radebrechen zu hören.

Auf der Seite des Schnitt gibt es einen längeren Festivalartikel von mir, in dem ich noch etwas näher auf DEADGIRL und LONG WEEKEND eingehe. Klick hier.

Kunsten a tenke negativt (Norwegen 2006)
Regie: Bard Breien

Geirr (Fridtjov Saheim) ist seit einem Unfall querschnittsgelähmt und impotent, schaut den ganzen Tag Kriegsfilme, säuft, kifft und tut auch sonst alles, die Ehe zu Ingvild (Kirstin Eline Torhaug) zu zerstören. In ihrer Verzweiflung lädt diese die populäre Psychologin Tori (Kjersti Holmen) und ihre aus Behinderten bestehende Selbsthilfegruppe ein. Die Bestsellerautorin vertritt eine Therapie des positiven Denkens, die bei Geirr aber nicht nur ins Leere zielt, sondern geradezu nach hinten losgeht …

Das war mal dringend nötig: Ein Film, der dem Friede-Freude-Eierkuchen-Denken, PC- und Selbsthilfe-Irrsinn beherzt ins Gesicht spuckt. Aber es geht in KUNST A TENKE NEGATIVT nicht ums plumpe Dampfablassen, sondern darum, allen Ballast abzuwerfen, um endlich bei Null anfangen zu können. Toris Therapie verfolgt ein anderes Ziel: Sie dient mitnichten der Genesung ihrer Schützlinge, sondern letztlich vor allem dazu, diese möglichst schnell wieder zu produktiven Mitgliedern der Leistungsgesellschaft zu machen oder aber sie wenigstens ruhigzustellen, damit sie anderen nicht länger zur Last fallen. Ihre Methode ist nicht Konfrontation, sondern Verdrängung. An dem Zyniker Geirr muss dies aber abprallen, denn der weiß, dass man auch die Kunst des negativen Denkens beherrschen muss, um glücklich werden zu können, dass es mit der Forderung, alle Sorgen zu vergessen, nicht getan ist. Breiens Film steht ganz in der Tradition skandinavischer Filme wie etwa ADAMS AEBLER, geht sein Thema wie sein Protagonist sehr direkt und ohne Furcht an, bleibt bei dieser Direktheit aber stets glaubwürdig und vor allem menschlich. Wenn Geirr die Initiative ergreift und mit sehr eigenen Methoden die Herausforderung annimmt, seinen Leidensgenossen ihre Lebensfreude und Würde zurückzugeben, dann erinnert das nicht wenig an einen anderen großen humanistischen Filmklassiker, Formans ONE FLEW OVER THE CUCKOO’S NEST, mit dem Unterschied, dass Geirr kein Außenstehender ist, sondern selbst um seine Ehe und sein Leben kämpfen muss, und seine Patienten keine pathologischen Fälle, sondern „normale“ Menschen sind, denen das Leben übel mitgespielt hat. Die größte Stärke des Films ist sicherlich, dass Regisseur Breien es komplett vermeidet, auf die Tränendrüse zu drücken und auf den billigen Affekt abzuzielen. Wer in KUNSTEN A TENKE NEGATIVT die tabubrechende Radaukomödie gesehen hat (und das sind nicht wenige, wenn man nach den deplatzierten Lachern des leider wieder einmal indisponierten FFF-Publikums geht), dem wird entgehen, dass Breien die Sorgen, Nöte und Ängste seiner Protagonisten sehr Ernst nimmt und sie nicht zu Lachobjekten degradiert. Nur gelingt ihm dies eben nicht durch pietätvolle Dezenz, sondern gerade dadurch, dass er jede Scham und Angst, die den Dialog mit Behinderten oft belasten, über Bord wirft. KUNSTEN A TENKE NEGATIVT ist ein Film, der nötig war. Dass er nicht nur als Diskursanstoß, sondern auch als Film auf ganzer Linie zu überzeugen weiß, ist keine kleine Leistung. Groß.


Blind (Niederlande/Belgien/Bulgarien 2007)
Regie: Tamar van den Dop

Irgenwann im 19. Jahrhundert: Der Junge Ruben (Joren Seldeslachts) ist blind und lebt mit seiner kranken Mutter zusammen, in einem viel zu großen Haus. Um ihren depressiven Sohn zu beschäftigen stellt die Mutter das Mädchen Marie (Halina Reijn) als Vorleserin ein, ein Albino-Mädchen, das von zahlreiche Narben gezeichnet ist. Zwischen den beiden entsteht eine fragile Liebesbeziehung, die jedoch bald auf eine schwere Probe gestellt wird: Eine Operation soll Ruben das Augenlicht zurückgeben …

Angelehnt an das Märchen „Die Schneekönigin“ von Hans-Christian Andersen erzählt van den Dop eine tragische Liebesgeschichte in kalten, aber wunderschönen Bildern. BLIND ist ein sehr poetischer Film, der ohne jedes Gimmick auskommt, und dem es gelingt, eine über die gesamte Spielzeit konsistente Stimmung zu erzeugen. In BLIND sitzt jedes Bild, jeder Ton am rechten Platz. Nichts an BLIND ist kalkuliert, jede Szene erfüllt einen Zweck im Gesamtzusammenhang des Films, besitzt aber gleichzeitig genug Kraft, auch für sich allein bestehen zu können. Beeindruckend ist BLINDs geschlossene formale Gestaltung, die von einer unterkühlten Farbdramaturgie, wunderschönen Bildkompositionen und einem elegischen Score bestimmt wird. Wenn man einzelne Szenen hervorheben möchte – was eigentlich unmöglich ist –, so sind jene zu nennen, in denen Ruben die Welt mit neuer Sehkraft ausgestattet erkundet: eine Welt, die nicht nur schön erscheint, und eine kurze sinnliche Szene, in der sich Ruben und Marie durch einen dünnen Vorhang hindurch betasten. BLIND ist ein Ausnahmefilm, den es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Umso schöner, dass er trotzdem gedreht wurde.


Outlander (USA 2008 )
Regie: Howard McCain

Im Norwegen der Eisenzeit landet ein Raumschiff. An Bord befindet sich Kainan (James Caviezel), letzter Überlebender einer außerirdischen Spezies. Er ist auf der Jagd nach dem Mörder seiner Familie: einer drachenartigen Kreatur namens Moorwen. Die Wikinger, die ihn gefangen nehmen, sind zuerst skeptisch, doch nach der ersten Begegnung mit dem Monster, müssen sie einsehen, dass der Fremde vielleicht ihre einzige Hoffnung ist …

Großbudgetierter und aufwändig produzierter Fantasy-Blödsinn, der aber durchweg Spaß macht und dessen einziger nennenswerter Fehlgriff es ist, dass er sich manchesmal ein wenig zu ernst nimmt. Mit zwei Stunden Laufzeit ist OUTLANDER etwas zu lang geraten und viele Szenen werden ausgespielt, obwohl doch sowieso nur bekannte Klischees aufbereitet werden und Andeutungen gereicht hätten. Aber ich will nicht meckern, hatte durchaus Spaß an diesem Film, der mit einem schön designten Monster aufwarten kann und sich in dem Minisubgenre des Wikinger-Crossovers, bestehend aus THE 13TH WARRIOR und PATHFINDER, mit Leichtigkeit an die Spitze setzt.

The Midnight Meat Train (USA 2008 )
Regie: Ryuhei Kitamura

Der Fotograf Leon (Bradley Cooper) kommt bei seinem Versuch, das Leben in der Großstadt einzufangen einem Serienmörder (Vinnie Jones) auf die Schliche. Dieser sucht sich seine Opfer in einem Nachtzug, in dem der gelernte Metzger sie anschließend fachgerecht filettiert, um sie einer unbekannten Bestimmung zuzuführen. Leon muss erfahren, dass seine Stadt ein düsteres Geheimnis hat …

Nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von Clive Barker drehte Kitamura sein US-Debüt, dass sich nahtlos in sein Werk einfügt. Das bedeutet, dass auch dieser Film wieder über ausgesprochen filigrane Kamera- und Effektarbeit verfügt, auf der inhaltlichen Ebene aber leider zu wünschen übrig lässt. Das kristallisiert sich umso stärker heraus, als Barkers Vorlage eigentlich nur Stoff für einen Kurzfilm bietet und Einiges hinzugedichtet werden musste, um den Stoff auf Spielfilmlänge zu bringen. Dazu wurde eben die Geschichte um den Fotografen eingewoben, die eine reflexive Ebene etabliert und somit eine Lesart ermöglicht, die das Versagen Kitamuras zu erklären dient: Der Fotograf Leon ist nämlich unfähig, seine Vision in Bilder umzusetzen. Jedenfalls lehnt ihn die Ausstellerin Susan Hoff (Brooke Shields) mit diesem Vorwurf ab: Er müsse näher ran an sein Motiv. Und tatsächlich: Als der ehrgeizige Leon jegliche Angst abwirft und auch in Situationen äußerster Gefahr noch „draufhält“, gelingt es ihm, das zu zeigen, was er will. Und so begibt er sich auf die Spur des Killers und damit eben in genau jene Szenen, die Kitamura wohl eigentlich gereizt haben, nämlich jene, die eben im titelgebenden Zug spielen und auf Barkers Geschichte basieren. Hier lässt Kitamura die Kamera über glänzende Metallflächen gleiten, filmt Spiegelbilder in Scheiben, Augen und Blutlachen, arbeitet mit Zeitlupe und Beschleunigung, spielt mit dem Schärferegler und ist sichtlich in seinem Element. Dieser Kreativität gegenüber stehen die Füllszenen um Leons Beziehungsprobleme und Karriereambitionen, die nach Schreibschule riechen, und ein Handlungsstrang, der letzlich nur halbherzig verfolgt wird. Insgesamt ist THE MIDNIGHT MEAT TRAIN durchaus sehenswert und wohl als Kitamuras bisher stärkster Film zu sehen. Allerdings besteht ein Teil seiner Stärke eben daraus, dass er sein Versagen offen thematisiert.

Ein Podcast zum Film findet sich hier.