Mit ‘Jim Kelly’ getaggte Beiträge

Eine wertvolle Statue zeigt die sieben geheimen Akupunktur-Punkte, die in der richtigen Reihenfolge angepiekst dafür sorgen, dass der Angepiekste unendliche Kräfte erlangt. Kein Wunder, dass diverse Schurken sie haben wollen. Mittendrin: Dan (Joe Don Baker), der von der schlitzohrigen Felicity (Elizabeth Ashley) angeheuert wurde, sie aus den Händen des bösen Lin Toa (Roy Chiao) zu stehlen. Doch der handelt auch nur im Auftrag von Winters (Burgess Meredith). Eine wilde Hatz entbrennt …

Diesen Film drehte Robert Clouse direkt im Anschluss an BLACK BELT JONES, nur ein Jahr nach dem Riesenerfolg von ENTER THE DRAGON. Jim Kelly, der in beiden mitwirkte, hat einen ausgedehnten Gastauftritt und soll wohl zusammen mit dem Schauplatz Hongkong und dem „mystischen“ Sujet die Brücke schlagen. GOLDEN NEEDLES profitiert von seinem Schauplatz Hongkong, der vor allem zum Finale, einer Verfolgungsjagd durch den Hafen und die kleinen Gassen der Stadt, attraktiv in Szene gesetzt wird. Dennoch kann man sich aus heutiger Perspektive kaum des Eindrucks erwehren, dass ganz ähnlicher Stoff zehn Jahre später in schöner Regelmäßigkeit im Rahmen der zahlreichen Fernsehserien aus dem Hause Glen A. Larsen verbraten wurde – und zwar in gut der Hälfte der Spielzeit.

GOLDEN NEEDLES ist fürchterlich unerheblich – tragisch angesichts des betriebenen Aufwands. Die Jagd nach der Statue ist nicht wirklich aufregend, der mystische Hokuspokus spielt auch keine Rolle. Für Stimmung sorgt eigentlich nur Joe Don Baker: Er agiert hier mal wieder wie eine losgelassene Wildsau und sieht so aus, als hätte er nach Drehschluss nichts anbrennen lassen. Wenn er die ihn um Hilfe ansuchende Felicity dazu bringt, ihn in aller Öffentlichkeit zu umarmen und „I love you“ zu sagen, bloß, weil er sie demütigen will, erreicht der Film ein Maß an Abgeschmacktheit, dass heute gleich doppelt so anstößig und unkorrekt wirkt. Schade, dass der Impact dieser Triebtäterattitüde dadurch abgemildert wird, dass sie nur wenig später ganz freiwillig mit ihm in die Kiste steigt. Klar, wer könnte einem solchen Ausbund an virilem Charme auch widerstehen, vor allem wenn er auch noch aussieht wie Joe Don Baker?

Weil der Gangster Pinky (Malik Carter) beim Mafiaboss Don Steffano (Andre Philippe) in der Kreide steht, zwingt dieser ihn das Geld vom Karateschulenbesitzer Papa Byrd (Scatman Crothers) einzutreiben, der wiederum Spielschulden bei Pinky hat, die er nicht zahlen kann, es sei denn … Natürlich verfolgt der Mafioso größere Pläne: Ein großes Einkaufszentrum soll gebaut werden und die Karateschule ist das einzige Grundstück, dass der wundersamen Geldvermehrung im Weg steht. Als Papa Byrd umgebracht wird, rufen seine Schüler Papas Tochter und Erbin Sydney (Gloria Hendry) und den Karatekämpfer Black Belt Jones (Jim Kelly), einen alten Freund der Familie, zur Hilfe …

BLACK BELT JONES ist ein, nun ja, Versuch, an den Riesenerfolg des im Vorjahr ebenfalls von Robert Clouse in die Kinos gebrachten ENTER THE DRAGON anzuknüpfen, in dem der schwarze Karatechampion Jim Kelly in einer Nebenrolle zu sehen war. Die zu Beginn bzw. Mitte der Siebzigerjahre immer noch rollende Blaxploitationwelle prädestinierte Kelly – der in ENTER THE DRAGON erst durch den kurzfristigen Rückzug des eigentlich vorgesehenen Rockne Tarkington zum Zuge kam – für eigene Martial-Arts-Vehikel, auch wenn er nicht einmal über einen Bruchteil des Charismas verfügte, mit dem Bruce Lee alle schauspielerischen Defizite wettmachte. Sein gutes, athletisches Aussehen mit dem ikonischen Afro verhalfen ihm dennoch zu einem gewissen Kultstatus, auch wenn seine Halbwertszeit die seiner Blaxploitationkollegen eigentlich noch unterschritt: Für Warner Brothers machte er drei Filme, neben BLACK BELT JONES noch THREE THE HARD WAY (1974) und HOT POTATO (1976). Für Robert Clouse stand er noch für GOLDEN NEEDLES (1974) vor der Kamera und drehte mit Antonio Margheriti den Italowestern A PAROLA DI UN FUORILEGGE … È LEGGE! (1975) (der in Deutschland den schönen Titel EINEN VOR DEN LATZ GEKNALLT trägt). Danach versank er bereits in den Untiefen des Drive-in-Kinos, landete für BLACK SAMURAI (1977) und DEATH DIMENSION (1978) beim Trashpapst Al Adamson und beendete seine Karriere 1982, zehn Jahre nach seinem ersten Leinwandauftritt, mit ONE DOWN, TWO TO GO, einem späten Versuch, gemeinsam mit den Kollegen Fred Williamson und Jim Brown den Blaxploitationfilm noch einmal aufleben zu lassen. In den Neunzigerjahren trat er noch einige Male sporadisch auf, bevor er 2013 schließlich 67-jährig einem Krebsleiden erlag. Nominell gehört Kelly durchaus zu den „Stars“ des Blaxploitationkinos, dennoch ist er heute kaum mehr als ein Kuriosum, eine Fußnote, sein Status mit dem von Kollegen wie Richard Roundtree, Pam Grier oder den genannten Fred Williamson und Jim Brown kaum zu vergleichen. Als Kampfsportler war er natürlich ein Quereinsteiger, aber selbst wenn man ihn mit vergleichbaren Darstellern wie Chuck Norris, Jean Claude Van Damme, Scott Adkins oder Gary Daniels vergleicht, fällt seine mangelnde Präsenz auf. Es gelingt ihm auch nicht, seine Kampfkünste ansprechend zu präsentieren. Er wirkt immer ein bisschen lahm und dass er sich sichtlich an Bruce Lee orientiert, inklusive der charakteristischen Adlibs, lässt seine Defizite nur noch deutlicher zu Tage treten. Dass Robert Clouse auch nicht gerade ein Meister der Actioninszenierung ist, dient vielleicht noch zu seiner Ehrenrettung.

So ist für BLACK BELT JONES entsprechend wenig zu holen: Der Film kommt halt so über die Runden, er ist schön bunt, hat ein paar nette Keilereien und ist nach 85 Minuten wieder vorbei, sodass man ihn auch ohne Wegpennen übersteht – wachgehalten von den Schlaggeräuschen, die klingen als peitsche jemand eine Wellblechhütte mit einem nassen Handtuch. Er ist wirklich völlig austauschbar mit allen anderen Blaxploitern der zweiten Reihe, und dass ich ihn dennoch irgendwie mag, liegt nicht so sehr an ihm und eventuell verborgenen und von mir gehobenen Qualitäten, sondern an den taktilen Eigenschaften, die das Exploitationkino jener Tage aufweist und die demzufolge auch BLACK BELT JONES „veredeln“. Zunächst einmal ist da diese erfrischende Unverdrossenheit und Frechheit, mit der über die eigenen, offenkundigen Limitierungen hinweggegangen wird. Der Film ist in allen Belangen als „bescheiden“ zu titulieren, aber es mangelt ihm nicht an Selbstbewusstsein oder vielmehr einer gesunden Einstellung, die sagt: „Who cares?“ Das Geschehen ist in den typischen, schmucklosen Settings und tristen Stadtteilen Los Angeles‘ angesiedelt, die man in diesen Filmen immer zu sehen bekommt, mit den zur Abwechslung eingestreuten Ausflügen in die protzige Quotenvilla, das Quoten-Bürohochhaus, an den kalifornischen Strand und natürlich – für die Quoten-Verfolgungsjagd – in die Serpentinenstraßen der kalifornischen Berge. Auch ganz wichtig: die Musik. Hier gibt’s keine Rapsongs oder Synthiegewummer, sondern einen Full-blown-Orchesterscore mit schwofenden Bläsern und souligen Rhythmen, die auf dem Love Boat für eine Havarie gesorgt hätten (als Komponist fungierte ein gewisser Luchi De Jesus, dessen Name genauso plüschig klingt wie seine Musik). Die Story entspinnt sich wie in einer ausgedehnten Episode einer Siebziger- oder Achtzigerjahre-Fernsehserie, Ausschläge auf der Spannungskurve reichen nie ins Extrem, die Gewalt bleibt immer im Rahmen und von den ein, zwei Toten abgesehen, die es halt braucht, um alles ins Rollen zu bringen, erleidet keiner mehr als schlimme Kopfschmerzen. Man addiere unabdingbare Schnapsideen hinzu, wie jene, den hier auch immerhin schon 63-jährigen Scatman Crothers einen Karatelehrer spielen und tatsächlich einen Kampf absolvieren zu lassen, Jones‘ Einbeziehung einiger weiblicher Trampolinspringer in seine große Einbruchsmission, die als freundlichen Karatekampf angelegte Turtel- und Liebesszene zwischen ihm und Sydney und die finale Keilerei in einer schäumenden Autowaschanlage (CAR WASH kam erst zwei Jahre später), und fertig ist das filmische Äquivalent zu einem Päckchen Brausepulver: bunt, dumm und billig, ohne jeden Nährwert, schnell vorbei, aber eben doch so herrlich prickelnd wie das halt nur und ausschließlich Brausepulver ist.