Mit ‘Jim Mitchum’ getaggte Beiträge

hollywood-cop-movie-poster-1988-1020299590Mit SAMURAI COP hat Amir Shervan sich einen Namen unter Menschen gemacht, die Freude an grotesk vergeigten Billigfilmen mit miesen Darstellern und dusseligen Dialogen haben. Der Film hat sich in den letzten 20 Jahren einen solch legendären Ruf erworben, dass im vergangenen Jahr sogar ein Sequel produziert wurde. Dieses ist dem Vernehmen nach jedoch einer dieser kläglichen Kandidaten, deren Macher es sich auf die Fahnen geschrieben haben, einen besonders bescheuerten, „verrückten“ und ach so kultigen Spaßfilm zu machen, und die daher nur für Menschen goutierbar sind, die sich bevorzugt in alkohoisierten Horden vor dem heimischen Flachbildschirm versammeln, um mal so richtig abzulachen. Zur Strafe für solche Unsitte sollte man ihnen HOLLYWOOD COP vorsetzen, mit dem sich Shervan nicht gerade einen Gefallen getan hat, der als Folterinstrument aber durchaus einer snnvollen Bestimmung zugeführt werden kann.

Der Auftakt ist noch furios: Gangsterboss Feliciano – Jim Mitchum hat zwischen zwei Hangovers einen kleinen Film eingeschoben – beauftragt seine goons, einen kleinen Jungen zu entführen, dabei jedoch kein Aufsehen zu erregen und keinerlei Zeugen zu hinterlassen. Schnitt zu einem kleinen Häuschen auf dem Lande, dem Kind, das mit einer Ziege spielt, und besagten Ganoven, die sich ihre Strumpfmasken überziehen, mit Karacho und Gebrüll einen Berg hinunterrennen und sich beim folgenden Überfall alles andere als unauffällig benehmen. Es stellt sich heraus, dass das Kind der Sohn eines ehemaligen Partners von Feliciano ist, der diesen um einen Haufen Kohle betrogen hat und außerdem längst von der die Mama des Blags geschieden ist. Die muss nun ihren Ex-Mann auftreiben, um das Lösegeld von 6 Millionen Dollar zu berappen und angelt sich zu diesem Behufe den etwas an Matthias Reim erinnernden Bullen Turkey (David Goss). Sie suchen und finden ihn, kaufen das Kind frei, doch – ätsch – im Koffer war nur Falschgeld und die ganze Nummer geht von vorn los. Tja, und das ist eigentlich auch schon die ganze Geschichte, die Shervan gnadenlos auf 100 quälend lange Minuten auswalzt. Die Freude über doof in die Gegend guckende Knallchargen, hässliche Settings und dummdreiste Dialoge, damit verrate ich wohl kein Geheimnis, trägt leider nicht halb so lang.

Wer wissen will, warum der Film HOLLYWOOD COP heißt, dem sei gesagt, dass es sich bei dem Stadtteil von L.A. schlicht und ergreifend um den Arbeitsplatz Turkeys handelt. Der Film spielt jedoch nicht in Tinseltown, sondern in irgendwelchen heruntergekommenen Vorörtchen, die eher nach Boise, Iowa aussehen. Die Namen der Darsteller in den Credits sind in einem Anflug von Größenwahn in die Sterne auf dem Walk of Fame hineinmanipuliert, die Protagonistin latscht zu Beginn kurz hintereinander am Chinese Theater und zwei Murals mit Hollywoodstars vorbei, das war’s. Der Rest dieses Rohrkrepierers verströmt so viel Glamour wie ein Loch in einer schmutzigen Tennissocke.

 

Der böse Comora (Charles Comyn) engagiert den Sauf-und-Raufbold Butch Donovan (Jim Mitchum), um ein Flugzeug voller deutscher Touristen ans tropische Reiseziel zu bringen. Eigentlich jedoch will er seine Versicherung betrügen und hat zu diesem Zweck die Ölleitung der Propellermaschine sabotiert. Butch kann die Maschine jedoch auf einer einsamen Insel landen, die von zahlreichen hilfsbereiten Tieren bevölkert wird. Als Comora einen Funkspruch der Überlebenden auffängt, schickt er seine Schergen, damit sie endgültig aufräumen …

Ebenfalls aus der Kategorie „Filme, die ich als Kind rauf und runter, jetzt aber schon ewig nicht mehr gesehen habe“: Die vom deutschen Allround-Regiehandwerker Harald Reinl inszenierte und mit zahlreichen deutschen Fernsehstars gespickte Komödie IM DSCHUNGEL IST DER TEUFEL LOS. Der Film ist deutlich als Event aufgezogen mit seinen zahlreichen Anleihen bei Besserem und Größerem, zeigt aber schon die Auflösungserscheinungen, die die deutsche Komödie alter Prägung, ein in den vorangegangenen Jahrzehnten noch sehr veritables Genre, in den Achtzigerjahren trotz solcher Erfolge wie DIE SUPERNASEN oder OTTO – DER FILM an ihren vorläufigen Endpunkt führte. In Reinls Film soll der reichlich abgehalfterte Sohn des Hollywood-Superstars Robert Mitchum wohl für etwas internationales Format sorgen, hat aber nur eine schmierige Plauze und einen Dreitagebart sowie das vom Papa geerbte Antlitz vorzuweisen. Ich vermute, seine Bezahlung bestand in den Schnapspullen, an denen er den ganzen Film über nuckelt. Er gibt den Helden alter Prägung, wie er aus dem Kino vollkommen verschwunden ist, ein ehrliches, verschwitztes, meist betrunkenes Raubein, das nicht viel im Kopf hat, dafür aber umso mehr in den Fäusten, darüber hinaus ein großes Herz und alles kann, was ein Mann so können muss: Flugzeuge fliegen, mit dem Schießgerwehr rumballern, Jeep fahren und Funkgeräte bedienen. Ihm zur Seite steht der kleine Baldwyn Dakile, der in den beiden letzten PLATTFUSS-Filmen den Bodo gegeben hatte, Udo Jürgens Tochter Jenny, die kurz zuvor Schlagerherzen mit dem zusammen mit dem Papa eingeheulten Duett „Liebe ohne Leiden“ hatte höher schlagen lassen, darf das Gspusi von Teeniestar Tommy Ohrner spielen und mal kurz im dekorativen Bikini durchs Fototapeten-Strandsetting laufen, Alexander Grill, bekannt aus zahllosen LEDERHOSEN-Filmen und Softerotik-Lustspielen der Siebzigerjahre, ist das unverzichtbare Comic Relief, das beständig in Wasserlöcher fällt oder nassgespritzt wird, Klaus Havenstein ist für den Running Gag des Films zuständig – er spielt einen Schweizer, der immer wieder behauptet: „Mit der SwissAir wäre das nicht passiert“ –, und Werner Pochath gibt den skrupellosen Bösewicht, auf den er halt abonniert war.

Die echten Stars des Films sind aber eine ganzes Rudel Löwen, der obligatorische lustige Schimpanse, ohne den der deutsche Film wohl schon zehn Jahre zuvor in den Bankrott gegangen wäre, ein in einem Wasserloch wohnender Seelöwe (!), Panther, Tiger, Elefanten, Nashörner und anderes Getier, das den Film wohl in die Nähe des zur selben Zeit mit viel Tamtam an den Kinokassen versumpften Hollywood-Gimmickfilm ROAR rücken soll. Ein super frisiertes und immer wie frisch aus dem Beauty-Salon gekommen aussehendes Eingeborenenmädel ist auch noch mit dabei und fertig ist die versalzene Suppe, die man heute nur noch mit Kopfschütteln bestaunen kann, dann aber unangerührt zurückgehen lassen sollte. IM DSCHUNGEL IST DER TEUFEL LOS ist wirklich nur im Vollrausch zu ertragen oder dann, wenn eh alles schon egal ist. Als Absacker nach einem bierschweren Tag war er dann auch ideal. Ein schönes Wiedersehen zwar, aber eines, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Einzelfall bleiben wird.