Mit ‘Jim Wynorski’ getaggte Beiträge

Auf Hawaii werden diverse Parteien von zwei Exemplaren einer uralten Monstrosität heimgesucht und verspeist, darunter vier Angehörige eines Filmteams, der Schlangenforscher Lovegrove (Michael Madsen) und einer Bande übler Gangster …

Was soll man hierzu sagen? Jim Wynorski inszeniert diesen Schmarrn im Stile jener Trashvehikel, die er seit den Achtzigerjahren produziert: Dickbrüstige Scream Queens halten ihren gut bestückten Oberkörper in die Kamera und werden in regelmäßigen Abständen vom titelgebenden Monster verspeist, ein abgehalfterter Star lässt sich die Schmach, hier mitmachen zu müssen, mit einem Hawaii-Urlaub vergüten, ein paar selbstreflexive Gags lassen erkennen, dass man keineswegs dem Irrglauben aufsitzt, tatsächlich an einem guten Film zu arbeiten. Der einzige Unterschied zu damals sind die Effekte, die allesamt aus dem Rechner kommen (ein paar sparsam eingesetzte Prosthetics gibt es auch), und die Tatsache, dass man sich PIRANHACONDA auf Bluray in High Definition ansehen kann.

Für ca. eine Stunde macht dieser Unfug tatsächlich Spaß. Auch wenn es paradox klingen mag: Wynorski weiß ganz genau, wie man solchen Quatsch inszeniert. Einige Szenen und Dialoge sind wirklich witzig, die Darsteller eine Ecke besser, als sie es vor 30 Jahren waren, und man spürt, dass alle Beteiligten Spaß an der Sache hatten. Letztlich ist PIRANHACONDA aber natürlich total vergessenswert und mit 90 Minuten vor allem viel zu lang. Echtes Interesse an der vorhersagbaren, auf einen Bierfilz gekritzelten Geschichte kommt zu keiner Sekunde auf und wie man sich der Schlangen nun letzten Endes entledigt, ist eigentlich ziemlich wumpe. Ich mag diesen Blödsinn und bereue es auch nicht, mir die Scheibe gekauft zu haben, aber mein Leben wäre ohne PIRANHACONDA kein Stück ärmer.

Für Hard Sensations habe ich mal wieder geopfert und Tierhorrorschrott der besonders drögen Sorte gesehen: Jim Wynorskis CAMEL SPIDERS: ANGRIFF DER MONSTERSPINNEN erreicht leider nicht annähernd die „Klasse“ sonstiger Corman-Trasher. Und C. Thomas Howell ist offensichtlich nur noch einen Schritt davon entfernt, sich sein Geld mit Blowjobs auf dem Parkplatz zu verdienen. Hier könnt ihr meinen Text zu diesem Rohrkrepierer lesen.

Für Hard Sensations habe ich mal wieder zwei Vertreter des CGI-Monsterhorrors geschaut und rezensiert: Den TREMORS-Nachklapp MONGOLIAN DEATH WORMS, der kürzlich bei uns als MONSTER WORMS auf DVD erschienen ist, und das von Roger Corman produzierte Sequel zu SUPERGATOR namens DINOCROC VS. SUPERGATOR, das es schon etwas länger bei uns zu kaufen gibt. Hier geht’s lang.

Acht „Teens“ – vier Männlein, vier Weiblein, darunter auch ein Ehepaar – verabreden sich für eine „Party“ in der abgeschlossenen Mall, in der just drei hochmoderne Roboter als neue Security installiert wurden. Als diese durch einen Blitzeinschlag einer Fehlfunktion unterliegen, drehen sie durch und machen Jagd auf die Teens, die nun um ihr Leben kämpfen müssen …

Filmemachen kann so einfach sein und keiner weiß das besser als Roger Corman. CHOPPING MALL ist potenziell tausendfach gesehener generischer Quark, aber in der richtigen Situation einfach der beste Film aller Zeiten. Hier bilden die einzelnen Dummheiten eine Symbiose, die sie gegen jede wohlfeile Erbsenzählerei immun macht. Am Ende steht da ein kleiner 75-Minüter mit hauchdünner Prämisse, häusergroßen Plotholes, turmhohen Logikfehlern, zahlreichen In-Jokes und der nötigen Dosis Sex & Gore, bereit zum herablassenden Urteil und alles, was man sagen kann ist: „Wow. War das gerade der unterhaltsamste Film ever?“

Willkommen in Corman’s Exploitation-Land, bitte anschnallen: Der meist humanoide Killer des Slasherfilms wird kurzerhand durch drei seelenlos-blecherne Mordmaschinen ersetzt. Doch noch bevor man „Science Fiction!“ und „Dystopie!“ und „Konsumkritik!“ rufen kann, fällt einem auch schon ein, dass ja schon das Setting CHOPPING MALL mit DAWN OF THE DEAD verbindet und Kelli Maroney bereits im herrlichen NIGHT OF THE COMET mitwirkte, der ebenfalls eine Mall-Sequenz hatte. CHOPPING MALL ist kein hipper Metafilm, seine Zitate stehen einfach so da, bedeuten nicht viel mehr, als dass sie den Film in einem Universum verorten, in dem seine Mängel plötzlich Tugenden sind. Die Vorführung der mitleiderregenden Roboter – der Paul Bartel und Mary Woronov als lästerndes Ehepaar beiwohnen – nimmt ROBOCOP vorweg, lässt dem ein Jahr später Geborenen aber wenigstens das Privileg, diese Szene im Unterschied zu hier gleichermaßen bos- und schmerzhaft enden zu lassen. Dick Miller muss als offensichtlich tief gefallener Ex-Beatnik-Künstler Walter Paisley – remember A BUCKET OF BLOOD? – den Boden wischen, bevor er einem Stromschlag der Robbies zum Opfer fällt, das Waffengeschäft lautet auf den Namen „Peckinpah’s“, eine Zoohandlung heißt „Little Shop of Pets“, im Fernsehen läuft ATTACK OF THE CRAB MONSTERS, über den einer der Protagonisten sagt, dass es einer seiner Lieblingsfilme sei, und die örtliche Frittenschmiede dient als Aushang für Poster zu GALAXY OF TERROR, SLUMBER PARTY MASSACRE, THE LOST EMPIRE und BARBARIAN QUEEN. Wenn das die Referenzen sind, ist man gern bereit zu akzeptieren, dass zwei Menschen in aller Ruhe zusammen einen Film schauen, während ihre besten Freunde sich in Sicht- und Hörweite ineinander verkeilt haben.

CHOPPING MALL ist so kurzweilig, dass man gar nicht auf die Idee kommt, zu bemängeln, dass nichts an diesem Film neu ist. Die Protagonisten sind die übliche Mischpoke, zusammengesetzt aus der silkonbrüstigen Nymphomanin, dem bebrillten, herzensguten Nerd, seinem unvermeidbaren Love Interest (Kelli Maroney), dem kaugummikauenden Chauvi, dem krakeelenden Valley Girl (Barbara Crampton) und dem Ehepaar, das zwar weniger offensiv ist,  dessen männliche Hälfte aber dem noch fehelnden Typus „entschlossener Macher“ entspricht, den solche Filme meist noch brauchen. Die Idee, eine Party in einer Mall zu feiern, war schon in HIDE AND GO SHRIEK so bescheuert, dass sie den Film paradoxerweise umso stärker zusammengehalten hat – und das klappt auch hier wieder. Und dann die Roboter: zyklopen- (oder auch Cylonen-)hafte Hutständer mit verkümmerten Armen und Panzerketten statt Füßen werden einem als neuester Stand der Sicherheitstechnologie verkauft und man fragt sich, wie diese Wunderwerke wohl reagieren, wenn sie mit einer schnöden Treppe konfrontiert werden. (Auch hier denkt man unweigerlich wieder an ROBOCOP.) Wynorski aber erzählt seinen Stiefel so ungerührt von jeglichen Anforderungen an eine innere Logik oder Plausibilität herunter, dass es den Film förmlich on the spot legitimiert. Keine Ahnung wie diese Blecheimer von Etage zu Etage kommen, aber es scheint ihnen irgendwie möglich zu sein, so what, Spielverderber? CHOPPING MALL ist nicht nur Wynorskis wahrscheinlich bester Film (was kein allzu großes Lob darstellt), sondern auch ein Paradebeispiel dafür, was gute Exploitation auszeichnet, was Trash von Trash unterscheidet und warum solche Soße wie MACHETE nur ein gernegroßer Pickel am Arsch des Grindhousefilms ist, dem er sich so verpflichtet fühlt. Es sind die Unbedingtheit und die Selbstgenügsamkeit, die diesem Film genau jene Unschuld verleihen, die es braucht, um solchen Quatsch nicht bloß goutieren, sondern ihn für bare Münze nehmen und ins Herz schließen zu können. Klaro, Corman will auch nur an unser Geld. Aber wenn er uns Filme wie CHOPPING MALL schenkt, hat er jeden Cent verdient.

Vom Planeten Davana kommt der Außerirdische „Mr. Johnson“ (Arthur Roberts), der herausfinden soll, ob seiner Rasse ein Leben auf dem Planeten Erde möglich ist. Weil das Menschenblut, das er braucht, aber immer wieder in seinen Adern egrinnt, benötigt er regelmäßige Bluttransfusionen, wofür er die Krankenschwester Nadine (Traci Lords) einstellt. Gemeinsam mit dem freundlichen Chauffeur Jeremy (Lenny Juliano) kommt sie dem Spacevampir auf die Schliche …

Das gleichnamige Corman-Original aus dem Jahr 1957 habe ich noch nicht gesehen, aber Wynorskis Remake passte so gut in meine kleine Achtzigerjahre-Trashreihe, dass ich gestern einfach nicht drumrumgekommen bin, ihn einzuwerfen. Im filmhistorischen Gedächtnis bleiben wird NOT OF THIS EARTH wahrscheinlich zu allererst als Spielfilmdebüt der 19-jährigen Traci Lords, die damals erfolgreich antrat, um sich von ihrem Lolitaporno-Image zu befreien. Ihre Darstellung ist dann – durchaus keine Selbstverständlichkeit – auch ein Qualitätsmerkmal des Films: Ganz entgegen dem Brauch, gut gebaute Schönheiten in typischen Damsel-in-Distress-Rollen als Screamqueens zu verheizen, haben die Drehbuchautoren ihr ein ziemlich loses Mundwerk angeschrieben, dass ihr gut zum hübschen Gesicht steht und dem sie auch die nötige Persönlichkeit hinzufügt. Der ganze Film ist darüber hinaus ziemlich deutlich als flockig-satirische Zivilisationskomödie angelegt und das funktioniert sehr gut, weil der Humor nie zu grell wird, sondern im Gegenteil erstaunlich subtil ist und oft erst im Nachhinein als solcher auffällt. Viel Witz bezieht Wynorski aus dem Aufeinanderprallen des von Spock’scher Emotionalität geprägten Außerirdischen mit den menschlichen Katastrophen, die sich in L.A. so tummeln: etwa als ein „Strip-O-Gram“ bei ihm eintritt, um ihm ein Geburtstagsliedchen zu singen und er völlig regungslos bleibt, bis sich herausstellt, dass die kurzsichtige Stripperin die falsche Hausnummer erwischt hat; oder als ein Staubsaugervertreter ihm unbedingt sein Gerät vorführen will, was „Mr. Johnson“ immer wieder stoisch mit dem Hinweis ablehnt, er wolle nichts kaufen, bis ihm der ahnungslose Vertreter vorschlägt, den Keller zu reinigen. Ein toller Cameo gehört Monique Gabrielle, die eine geistig verwirrte Frau an einer Bushaltestelle spielt und das New-Wave-Punk-Outfit, in dem sich Rebecca Perle als Außerirdische vom Planeten Davana auf die Erde abseilt, um ein paar Punks aufzumischen, ist auch nicht ohne. Ein Film also, dessen kleinen Pretiosen ich jetzt noch länger aufzählen könnte, ohne damit jeglichen Sinn zu stiften, wehalb ich es beim obligatorischen Hinweis belasse, sich den Film schleunigst zuzulegen. Sweet!