Mit ‘Joanne Nail’ getaggte Beiträge

Die „Dagger Debs“, eine von der jungen, zu allem entschlossenen Lace (Robbie Lee) angeführte Mädchengang, machen gemeinsame Sache mit den „Daggers“, einer Bande von Jungs, die ihrerseits von Lace‘ Lover Dominic (Asher Brauner) geleitet werden. Als die toughe Einzelgängerin Maggie (Joanne Nail) zu den Dagger Debs stößt, wirft Dominic sofort ein Auge auf sie. Maggie wehrt sich zwar aus Loyalität gegenüber Lace gegen die Annäherungsversuche, doch die intrigante Patch (Monica Gayle) hat schon die Saat des Misstrauens gesät. Als die Debs gemeinsam mit den Daggers gegen Konkurrent Crabs (Chase Newhart) und seine Leute ins Feld ziehen, lässt Dominic sein Leben. Jemand hat dem Feind einen Tipp gegeben …

THE SWITCHBLADE SISTERS (auch unter dem Titel THE JEZEBELS bekannt), ein prototypischer Seventies-Exploiter, der unter der kompetenten Regie vom einstigen Corman-Schüler Jack Hill entstand, erhielt Mitte der Neunzigerjahre einen späten Popularitätsschub, als Quentin Tarantino ihn unter dem Label „Rolling Thunder Pictures“ wiederveröffentlichte. Wie so oft hatte der Movie Nerd Geschmack bewiesen: THE SWITCHBLADE SISTERS braucht keine Gimmicks (von denen etwa Robert Rodriguez fälschlicherweise glaubt, dass sie das Exploitatonkino ausmachen, wenn man MACHETE als Anhaltspunkt nimmt), er überzeugt vollends durch gutes Storytelling, lebendige Charaktere und einen ungeschliffenen visuellen Stil. Bereits mit Beginn der Title-Sequenz, als der unnachahmliche Soundtrack zu Schwarzweiß-Standbildern von Großstadt-Tristesse und Streetfights einsetzte, war ich verloren und das änderte sich auch während der folgenden 90 Minuten nicht. Die weitestgehend unbekannten Akteure beatmen ihre markigen, aber niemals platten Figuren mit viel Seele, der Handlungsverlauf verkommt niemals zum bloß routinierten Zitieren von Versatzstücken, sondernbleibt stets überraschend. Jack Hill gelingt es ausgezeichnet das aufrührerische Element des Juvenile-Delinquents-Films der Fünfzigerjahre mit dem ruppigen Stil der Siebziger zu vermählen; er liefert weniger sozialrealistisches Außenseiterdrama als jugendliches Wish Fulfillment im feministischen Gewand. Die Daggers mögen die muskulöseren Typen stellen, doch gegen den Zorn ihrer weiblichen Kompagnons müssen sie verblassen. Das anonym bleibende Los Angeles des Films – in Deutschland wurde Hills Film sehr bezeichnen als DIE BRONX-KATZEN vermarktet – bietet die Bühne für die von jeder konkreten historischen Realität abgelösten Kämpfe und im Finale wähnt man sich beinahe im Chicago der Prohibition.

Es ist schade, dass ich den Film nicht einige Jahre früher entdeckt habe: Ich denke, dass er mit mehreren Sichtungen noch dazugewinnt, wenn man die Charaktere besser kennengelernt hat und bei Erstsichtung noch unsichtbar bleibende Details ihrer Interaktion erkennt. Kaum auszudenken, welche Wirkung THE SWITCHBLADE SISTERS wahrscheinlich hinterlassen hätte, wenn ich ihn in meiner Jugend gesehen hätte. So bleibt am Ende dieses Textes lediglich eine – gemessen an meinen sonstigen Ergüssen – etwas wortkarge Begeisterung. Die ist aber sehr ehrlich und steht dem Geist des Films eigentlich ganz gut zu Gesicht. Man muss um THE SWITCHBLADE SISTERS keine großen Reden schwingen. Sie lassen schließlich selbst am liebsten Taten sprechen.