Mit ‘Joe Bugner’ getaggte Beiträge

9o41stfgxelflc7dnnikGestern ist Bud Spencer gestorben. Ich erfuhr davon unmittelbar nach der Fußballübertragung und war glücklicherweise schon ein wenig angeschickert, sodass mich die Nachricht nicht mehr mit voller Wucht traf. Ich habe Angst gehabt vor diesem Tag, weil mir klar war, dass der Tod von Bud wie kein zweiter das endgültige Ende von Kindheit und Jugend signalisieren würde. Spencer hat mich mein ganzes Leben lang begleitet. Fotos von ihm in der BRAVO meines Onkels machten mich zum Fan, noch bevor ich einen Film von ihm gesehen hatte, sein PLATTFUSS RÄUMT AUF war bei der Wiederaufführung unter dem Titel BUDDY FÄNGT NUR GROSSE FISCHE 1982 der erste „richtige“ Spielfilm, den ich im Kino sah. Der Besuch von VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA ein paar Jahre später ist heute immer noch eine meiner schönsten Kinoerfahrungen und die ganzen Achtzigerjahre hindurch begleiteten mich Spencers Filme, die noch regelmäßig im Fernsehen ausgestrahlt und selbstverständlich mit dem Viderekorder aufgezeichnet wurden. Vor ein paar Wochen habe ich meiner Tochter DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS und eben VIER FÄUSTE vorgeführt und bei ihr hoffentlich den Grundstein für eine ebenso innige Liebe wie die meine gelegt. Bud Spencer war immer mehr als nur ein Schauspieler oder eine Filmfigur für mich: Er war ein Beschützer, ein Onkel, der zwar immer etwas mürrisch knurrte, wenn man von ihm in die starken Arme genommen werden wollte, aber trotzdem immer für einen da war. Dass Spencer in so vielen Filmen ein Kind zur Seite gestellt wurde, half immens, ihn zu einem meiner Helden zu machen, konnte ich mich so doch an seine Seite denken, mir vorstellen, wie er auch zu meinem Schutz die Fäuste schwang, mit mir zusammen „Grau, Grau, Grau“ sang oder auch nur seine lustigen Grimassen zog (über die er sich dann selbst immer am allermeisten zu freuen schien).

Aber da war noch etwas: Gerade in seinen Filmen mit Terence Hill füllte Spencer ja gerade nicht die Rolle des strahlenden Helden oder des gutmütigen Beschützers. Im Gegenteil war er dort ja immer der, der eigentlich auf seinen eigenen Vorteil bedacht war, sich aus allem Ärger, den er sich nicht selbst eingebrockt hatte, raushalten wollte. In den Trinity-Filmen war er der Ganove, der gern ein richtig rücksichtsloses Schwein gewesen wäre, aber immer wieder von seinem guten Herzen – an das sein Bruder wie kein anderer zu appellieren wusste – zurückgehalten wurde. Er war der Held wider Willen, ein Mann, der sich immer wieder gegen sich selbst entschied, um das Richtige zu tun. Diese Rolle erfüllte er nicht nur mit Bravour (all die Szenen, in denen er knurrend klein bei gibt, mit dem Schicksal hadert, dass er nicht ein anderer ist, und seinen Partner, dieses rechtschaffene Aas, verflucht), er zeigte damit auch, dass man kein leuchtender Wohltäter sein muss, um ein Held zu sein. Am Ende des Tages zählt, was man wirklich getan hat. Er war ein erreichbares Vorbild, auch wenn man nie so würde zuschlagen können wie er.

Ich musste gestern spontan noch LO CHIAMAVANO BULLDOZER schauen, wahrscheinlich mein liebster Solo-Film von Spencer, den ich seit meiner Kindheit schon unzählige Male gesehen habe. Ich kann den Film nahezu auswendig und werde von einer Woge nostalgischer Erinnerungen förmlich weggespült, wann immer ich ihn sehe. Ich bin also alles andere als objektiv, aber mein Gott, was ist das für ein wunderbarer Film! Alles was Kino sein kann, pure Traumerfüllung, und Spencer spielt nicht so sehr eine Rolle als vielmehr einen Mythos, eine Fantasie. Er kommt aus dem Nichts und seine bloße Anwesenheit scheint für die Jugendlichen des Films alles zu verändern. An ihm hängen sie ihre Wünsche auf, ihre Hoffnungen, ihre Träume, ihre Sehnsucht. Wie sie da am Zaun des Army-Sportplatzes stehen, ihm mit großen Augen und kaugummikauend dabei zuschauen, wie er den verhassten Amis eine Lektion lehrt: Dieses Bild ist ein perfekter Spiegel. Das bin ich, der da am Zaun steht, diesem stoischen Koloss bewundernd, der all das ist, was ich nicht bin, aber so gern wäre.

Ich werde dich vermissen, Mücke. Ruhe in Frieden.

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Der Ganove Buddy (Bud Spencer) schlägt sich mit seinem Partner, dem trotteligen Indianer Adelrauge (Amidou), mehr schlecht als recht durchs Leben. Bei einem Überfall auf einen Zug erbeuten die beiden nicht mehr als den Werkzeugkoffer eines Arztes, sodass Buddy wenig später im Nest Yucca die Rolle des Mediziners übernimmt. Das Städtchen hat aber noch ärgere Probleme: Von dem Ganoven Colorado Slim (Riccardo Pizzuti) und seinen Schergen terrorisiert, ergreifen mehr und mehr Bürger die Flucht, der einst blühende Ort verfällt mehr und mehr. Doch mit dem neuen „Arzt“ wendet sich das Blatt …

Michele Lupo, einer der fleißigsten Arbeitgeber für Bud Spencer in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren, bescherte dem Star mit EINE FAUST GEHT NACH WESTEN nicht nur einen achtbaren Erfolg, sondern auch eine mehr als willkommene Rückkehr zu dem Genre, dem dieser seinen Ruhm entscheidend zu verdanken hatte. Aus den filmisch bestenfalls zweckdienlich inszenierten Spencer&Hill-Filmen der Spätphase ragt diese Italowestern-Parodie mit den berühmten andalusischen Westernsettings, den liebevoll designten Kostümen, der herrlichen Scope-Fotografie und dem treibenden, dramatischen Score, der den Zuschauer in die Blütezeit des Genres mitte der Sechzigerjahre zurückversetzt, weit heraus.  Zwar fungiert der Komiker Amidou hier als Partner für Spencer und als halbherziger Hill-Ersatz, doch lässt sich an OCCHIO ALLA PENNA trotzdem erkennen, dass Spencer zu dieser Zeit auf Hill weniger angewiesen war als jener auf ihn. Während Hill den straight man neben ihm brauchte, den er mit seinen Streichen in den Wahnsinn treiben konnte, kommt Spencer  sehr gut ohne Pausenclown zurecht. Obwohl optisch eher unflexibel und unbeweglich, verkörpert er einen Typen, der sich überall zurechtfindet, weil er sich perfekt anpassen kann. Wenn der ungebildete Gauner Buddy in OCCHIO ALLA PENNA also einen Magenkranken behandeln muss, ohne auch nur die geringste Ahnung von Medizin zu haben, bietet das auch ohne anwesenden Narren mehr als ausreichend Witz, den Lupo für seinen Film reichlich zu nutzen weiß.

Ich muss hier mal wieder ein Loblied auf Spencer anstimmen, denn niemand hatte diese stoische Art so gut drauf wie er, niemand wusste der seufzenden Resignation des gewohnheitsmäßigen Verlierers ein so sympathisches Gesicht zu verleihen. Spencer ist dem Zuschauer ja auch deshalb so nah, weil er ein Durchschnittstyp ist, jemand der sich versucht, irgendwie durchs Leben zu schlagen, dabei auf Widerstand in Form von Spott, Niedertracht, Missgunst oder eben einen unverschämten Sidekick stoßend, der sich einen Spaß daraus machte, den Finger immer wieder in die Wunde zu legen. Hill ist sich selbst stets genug und kann deshalb am Ende der gemeinsamen Abenteuer auch geflissentlich darüber hinwegsehen, dass die eigenen Taschen leer sind, während Spencer, dem das irdische Dasein eben nicht egal ist, daran verzweifelt. Es ist nicht nur die Schwerkraft, die ihn am Boden der Tatsachen hält. In seinen Soloauftritten bekommt man den Beweis, dass dieser Koloss zu mehr in der Lage ist, als die kugelrunde Zielscheibe für Hills Spott oder aber bloß dessen schlagkräftigen enforcer abzugeben. So auch hier: Wenn er am Ende, wo der Goldstaub die Luft von Yucca verdichtet und der Reichtum also förmlich zu greifen ist, wieder einmal die Flucht ergreifen muss, nur um sich dann – weil er nun endgültig die Schnauze voll hat vom Wegrennen – einem ganzen Indianerstamm entgegenzustellen, dann ist das nicht bloß ein erzählerisches Klischee. Es bringt in wenigen Sekunden zum Ausdruck, was in dieser Figur seit mehr als 15 Jahren langsam am schwelen war. Ein fantastisches Ende für einen wirklich schönen Film und eigentlich auch für die Persona Spencer.

Irgendwo in Afrika: Tom (Bud Spencer), genannt „Nilpferd“, verdient sein Geld, indem er wohlhabende Geschäftsleute auf der Großwildjagd begleitet. Als sein Cousin, der Weltenbummler Slim (Terence Hill), genannt „Krokodil“, von einer seiner zahlreichen Reisen zurückkehrt, ist es jedoch vorbei mit dem einträglichen Geschäft. Der Tierfreund appelliert nicht nur an Toms Gewissen, er legt sich auch noch mit dem fiesen Geschäftemacher Ormond (Joe Bugner) an, der ein Vermögen mit dem Tierhandel macht und ein Eingeborenendorf plattwalzen will, um einen Hafen zu bauen.

Ich liebe diesen Film! Nach den beiden doch ziemlich albernen und formelhaften Vorgängern, I DUE SUPERPIEDI QUASI PIATTI und PARI E DISPARI, stellt IO STO CON GLI IPPOPOTAMI eine nicht mehr erwartete Rückkehr zur Form der Anfangstage des Duos dar. Das gelingt Zingarelli vor allem, indem er die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren wieder stärker in den Fokus rückt und zur Quelle des Humors macht, sie zudem in den Dienst der guten Sache stellt, anstatt sie auf eine mehr oder minder austauschbare Mission zu schicken. Spencer ist das zwar gutmütige, aber auch etwas bequeme Kind im Manne, das erst den Schubser von Hill benötigt, um seine Indifferenz abzulegen und sein Gewissen zu entdecken. Er ist großartig in diesem Film, kommt im Umfang beträchtlich angeschwollen vielleicht zum letzten Mal wirklich würdevoll rüber und wird von Arnold Marquis kongenial vertont. Die Szene, die ihn wahrscheinlich am besten charakterisiert, ist jene, in der er sich allein in seinem Bus fahrend dabei ertappt, wie er ein Lied pfeift, das sein verhasster Cousin auf der Mundharmonika zu spielen pflegt. Angewidert hört er sofort auf zu pfeifen, bevor ihn die Freude an der Melodie doch wieder packt und er nun mit voller Kraft erneut zu pfeifen beginnt. Hill hat dagegen die leichtere Rolle, darf wieder seine Intelligenz und Verschlagenheit ausspielen, um sowohl seinen Verwandten als auch die Schurken um Ormond hereinzulegen und zu manipulieren, kommt aber besser dabei weg als zuletzt, weil er eine echte Agenda verfolgt und auch einmal den Zorn Spencers zu spüren bekommt. Die Figuren des Films sind allesamt menschlicher als in den letzten Spencer&Hill-Filmen, die ganz auf die beiden Stars zugeschnitten und mithin von einer auffallenden Künstlichkeit waren. Diese genannte menschliche Wärme schlägt sich auch in der Farbgebung des Films nieder, der in warmen Erd- und Grüntönen gehalten ist und schlichtweg fantatstisch aussieht: Von den Settings bis hin zu den Kostümen stimmt hier einfach alles. Spencer&Hill-Enthusiasten werden vielleicht die geliebten Stuntmen und Nebendarsteller vermissen, die bisher in jedem Film der beiden zu sehen waren: Ich finde, dass gerade dieses Fehlen enorm viel frischen Wind in den Film bringt und Ormonds henchmen zudem schlicht phänomenal gecastet sind. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass der mit seiner einleitenden Schrifteinblendung auf märchenhafte Epik abzielende Film gegen Ende auf Lebensgröße schrumpft: Ich war – Jahre nach der letzten Sichtung – überrascht von seiner Kompaktheit, hatte ich ihn doch als relativ ausufernd im Gedächtnis. Das ist er trotz seiner imposanten Kulisse überhaupt nicht: Für Spencer & Hill ist die Welt eben doch nur ein Dorf, aber das tut dem Vernügen aber keinen Abbruch; im Gegenteil. IO STO CON GLI IPPOPOTAMI ist einer der besten Filme der beiden und rangiert für mich derzeit hinter LO CHIAMAVANO TRINITÀ und PIÙ FORTE, RAGAZZI! gleichauf mit … CONTINUAVANO A CHIAMARLO TRINITÀ auf dem dritten Rang der internen Bestenliste.

Sheriff Hall (Bud Spencer) plagt sich in seiner kleinen Gemeinde Newnan in Georgia mit einer regelrechten UFO-Hysterie herum, bei der sogar die Army unter der Leitung des verbissenen Captain Briggs (Raimund Harmstorf) mitmischt. Als sich Hall ein kleiner Junge (Cary Guffey) als H7-25 von einem fremden Planeten vorstellt, hält der das in seiner geduldigen Art für einen Scherz. Die Beweise, die der Junge ihm liefert, sind jedoch eindeutig und rufen schließlich auch Briggs auf den Plan, der jedoch nichts Gutes im Schilde führt …

Wieder einmal so ein Stück filmgewordene Kindheit DER GROSSE MIT SEINEM AUSSERIRDISCHEN KLEINEN habe ich bestimmt seit rund 25 Jahren nicht mehr gesehen, damals aber heiß und innig geliebt. Ohne Zweifel von Spielbergs Erfolg mit ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND beeinflusst, was sich schon in der Besetzung Guffeys zeigt, hat Lupo aber auch einen nahezu perfekten Film für präpubertierende Jungs gedreht, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als Bud Spencer zum Kumpel und Beschützer zu haben. Spencers Filme zielten ja nicht selten auf diese Zielgruppe ab und wussten dem gutmütigen Brummbären immer wieder einen kleinen naseweisen Jungen zur Seite zu stellen, der ihn aus der Defensive lockte: Man denke an PIEDONE A HONGKONG, PIEDONE L’AFRICANO, PIEDONE D’EGITTO, BANANA JOE oder Spätfilme wie SUPERFANTAGENIO. In UNO SCERIFFO EXTRATERRESTRE gelingt die Verbindung vielleicht am besten, was letztlich bedeutet, dass man es mit einem lupenreinen Kinderfilm zu tun hat, der vom einen Spielberg-Film klaut, dafür aber den nächsten – E.T., THE EXTRA-TERRESTRIAL – andeutend vorwegnimmt. Mit erwachsenen Augen betrachtet, erschließt sich Lupos Film dann auch nicht mehr ganz so unmittelbar: Ich vermisste etwas den grellen Humor anderer Spencer/Hill-Filme und die Handlung ist dann doch recht vorhersehbar, der Spannungspegel auf nur mittlerem Erregungsniveau. Aber das heißt nicht, der Film habe mir nicht gefallen, im Gegenteil. Die geradezu rührend naiven Spezialeefekte, etwa das Vor- und Zurückspulen des Films, das mehrfach zum Einsatz kommt, öffnen einem schier das Herz und Lupo gelingen auch einige tatsächlich magische Momente: so etwa, wenn Hall H7-25 zum ersten Mal in einem nächtlichen Vergnügungspark begegnet, und letzterer mit seinem Photonenstrahl die leuchtenden Karusselle zum Laufen bringt, oder im letzten Drittel, wenn Hall erst in einer langen Zeitlupensequenz von Briggs mit einem Pfeil gelähmt wird und mit schwindenden Kräften versucht, die Schurken abzuwehren, sein Schützling dann aber schließlich doch entführt und in einem dunklen Schießstand verhört wird. Da geht einem das harmlose Filmchen plötzlich richtig nahe. Die Keilereien verkommen bei so viel Gefühl unverkennbar zur Nebensache, daran ändert auch Backpfeifengesicht Joe Bugner nichts, der hier einen reuigen Ganoven spielt, der dem Sheriff im Kampf gegen Briggs zur Seite steht. Ansonsten: Toller Song wieder mal von Maurizio und Guido De Angelis und viel, viel Nostalgie, für den, der’s braucht. Einfach schön.