Mit ‘Joe Dante’ getaggte Beiträge

piranha (joe dante, usa 1978)

Veröffentlicht: Dezember 13, 2010 in Film
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Durch einen folgenschweren Fehler gelangen Piranhas, die vom US-Militär als gefräßige Bio-Waffe für den Einsatz im Vietnamkrieg hochgezüchtet worden waren, in einen texanischen Badesee, in dem sich diverse Kinder und andere Urlauber tummeln. Gemeinsam mit der Detektivin Maggie McKeown (Heather Menzies) versucht der grummelige Paul Grogan (Bradford Dillman), die Katastrophe zu verhindern …

Große und viele Worte erübrigen sich: Weil PIRANHA zum einen ein Klassiker des B-Films ist – und das Fundament für die steile Karriere Joe Dantes und zahlreicher Effektkünstler darstellte –, über den schon viel gesagt und geschrieben worden ist, zum anderen aber auch, weil es sich bei ihm um eine so runde Sache handelt, dass es gar nicht so leicht ist, ihn zu fassen zu bekommen. John Sayles hat ein Drehbuch geschrieben, das Cormans Geschäftsidee eines JAWS-Ripoffs weit hinter sich lässt und mit zahlreichen kleinen humoristischen Spitzen gespickt ist, die die recht vorhersehbare Geschichte interessant machen, ohne dass diese dabei zur reinen Parodie verkommen würde. Seine Figuren werden über pointierte Dialoge und die gute Besetzung über den Status hohler Pappkameraden hinausgehoben und die bizarreren Ideen des Drehbuchs führen nur oberflächlich paradoxerweise dazu, dass PIRANHA „realistischer“ ist als vergleichbare Monsterfilme. Dass Dantes Film in einigen Nachschlagewerken als mit In-Jokes gespickt beschrieben wird, halte ich nicht nur rein quantitativ für maßlos übertrieben, es verschleiert auch, dass die durchaus vorhandenen Anspielungen und Referenzen immer mit der tongue in cheek präsentiert werden und niemals mit der marktschreierischen Attitüde, die man von heutigen Fanboyvehikeln und ihren Spot-the-reference-Auswüchsen gewohnt ist. Dass Protagonistin Maggie zu Beginn an einem „Jaws“-Spielautomaten (den es tatsächlich gab) zu sehen ist, ist schon das höchste der Gefühle. Ich empfand PIRANHA bei dieser ersten Sichtung nach etlichen Jahren schon fast als ein bisschen zu unspektakulär. Aber man kann diese Form des runden, wohlgeformten, angemessen temperierten Entertainments auch besonders wertschätzen.

innerspace (joe dante, usa 1987)

Veröffentlicht: April 29, 2009 in Film
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innerspace_ver51Tuck Pendleton (Dennis Quaid) war einst ein aussichtsreicher Pilot, bis ihm Disziplinlosigkeiten und Alkohol einen Strich durch die Rechnung machten. Und weil er selbst von seinem Scheitern weiß, willigt er ein, an einem haarsträubenden Experiment teilzunehmen: Mittels neuester Technologie soll er auf die Größe eines Staubkorns geschrumpft und als Pilot einer Sonde in einen Hasen injiziert werden. Der erste Teil des Experiments gelingt, doch weil Verbrecher plötzlich das Labor stürmen, landet Tuck schließlich im Körper des paranoiden Hypochonders Jack Putter (Martin Short). Für Tuck eröffnen sich nun zwei Probleme: Zuerst muss er erkennen, wo er sich befindet, dann den verwirrten Jack auf sich aufmerksam machen und schließlich dessen Körper mit seiner Mithilfe schleunigst wieder verlassen. Denn die Sauerstoffvorräte gehen lansgam aber sicher zuneige …

Ich weiß, dass einer meiner Leser, ein guter Freund, der jetzt bestimmt noch nicht ahnt, dass er gemeint ist, sich in Filmtexten immer sehr über biografische Details freut, deshalb fange ich heute ein bisschen anders an als sonst: Ich sah diesen Film zum ersten Mal anno 1987 zusammen mit meinem damals besten Freund in einem kleinen Kino im nahe Düsseldorf gelegenen Mettmannn (oder war es Erkrath? Egal.). INNERSPACE war damals einer der großen Filme der Saison, überall konnte man über seine sensationellen Effekte lesen – keine Frage, dass zwei 11-jährige Jungs mit einem Faible für alles Fantastische diesen Film sehen mussten. So saßen wir also vorfreudig im Kinderzimmer meines Kumpels und fieberten darauf hin, dass uns dessen Mutter endlich zum Kino fahren würde. An viel mehr kann ich mich nicht mehr erinnern – der Film, der all das hielt, was wir uns von ihm versprochen hatten, schluckte jegliche Erinnerung an das, was sich möglicherweise um unseren Kinobesuch herum ereignete –; nur daran, dass mein Freund, der in Sachen Film und Fernsehen immer auf dem neuesten Stand war, mir vorher von einer Serie erzählt hatte, die bald auch bei uns im Fernsehen laufen sollte und in Amerika schon ein absoluter Renner war: ALF. So sind INNERSPACE und ALF für mich beide unentwirrbar miteinander verknüpft, obwohl sie ja nun auf den ersten Blick nicht wirklich etwas gemein haben: das eine ein Multimillionen-Dollar-Film von Steven Spielberg, das andere eine doch deutlich günstigere Fernseh-Sitcom mit einem plüschigen Außerirdischen. Aber eigentlich sind beide gar nicht so weit voneinander entfernt, was sich heute, 20 Jahre später, geradezu aufdrängt. Die Effekte von INNERSPACE, die damals noch eine Sensation darstellten, muten heute natürlich zwangsläufig etwas altmodisch an – statt hochauflösender CGIs gibt es Miniaturen, Modelle und Projektionen –, aber im Vergleich zu modernen Effektfilmen spielen diese auch eine viel kleinere Rolle, sind eher das Sahnehäubchen auf einem auch sonst schmackhaften Kuchen, anstatt diesen vollkommen zu überlagern, wie man das von lieblosen Quatschfilmen wie WOLVERINE: X-MEN ORIGINS (den ich übrigens gar nicht gesehen habe, nur damit das klar ist) oder VAN HELSING gewohnt ist. Im Kern – oder besser: im Herzen – von INNERSPACE geht es um Freundschaft, Liebe und Selbsterkenntnis und darum, wie sowohl Tuck als auch Jack durch ihre notgedrungene Zusammenarbeit zu sich selbst finden, ihre Fehler zu überwinden in der Lage sind. Weil man mit seinen Charakteren mitfiebert, wächst der Film vor dem inneren Auge zum Spektakel, nicht, weil er dies tatsächlich abbilden würde. In Zeiten, in denen es eigentlich nichts mehr gibt, was man nicht lebensecht auf der Leinwand simulieren kann, ist eine Aussage sehr aus der Mode gekommen, die auf diesen Film zu 100 Prozent zutrifft: Er regt die Fantasie an. Es sind die vielen, liebevollen Details, die ihn zum Erlebnis machen: das unaufgeräumte Jungszimmer von Tuck (allein dieser Name!), die roten Schuhe von Oberschurke Scrimshaw (Kevin Forsythe), die Rock’n’Roll-Schlager auf dem Soundtrack, die Forschernerds oder der abnhembare Arm des Killers Mr. Igoe (Vernon Wells). Am Ende entlässt mich der Film mit einem gigantischen Kloß im Hals und einer Krokodilsträne im Knopfloch. Sagt mir: Bei wie vielen aktuellen „Eventfilmen“ ist euch das so ergangen? Eben.