Mit ‘John Carl Buechler’ getaggte Beiträge

60110afbb44f7d4263d55409f704d668Einer der vielen billigen, schlockigen „Horrorfilme“, die im Zuge der großen Hits in schier unzähliger Zahl auf den Videomarkt geschmissen wurden und dann die Seiten der Fangoria mit bunten Bildern schmückten – dieser gelangte sogar aufs Cover, das muss man sich mal vorstellen! CELLAR DWELLER stammt aus der Empire-Schmiede und wurde von Charles Band produziert: Der Kenner weiß jetzt schon, dass Buechlers Film mit echtem Horror nur ganz am Rande zu tun hat. Will sagen: Hier gibt es zwar Monster, blutige Morde und okkulten Schabernack, aber um den Schlaf bringen wird dieser Quatsch niemanden. Es ist kein Wunder, dass sich der US-amerikanische Horrorfilm zu Beginn der Neunziger für einige Jahre schlafen legte, nachdem sich Hans und Franz an ihm in dieser Form abgearbeitet hatten.

Was natürlich nicht heißt, dass ich diesen Kram nicht abgöttisch lieben würde, aber das wisst ihr sicher schon. CELLAR DWELLER ist hoffnungslos blöd, nichts an dem Film funktioniert, aber er ist recht liebevoll gemacht, geradezu rührend in seinem erfolglosen Versuch, seine rammdösige Geschichte zu erzählen, und – nicht zu unterschätzen – schnell wieder vorbei. Nach gerade mal 77 Minuten kann man sich wieder den wichtigen Dingen des Lebens zuwenden, also eigentlich allem anderen. Aber der Film beginnt gut, nämlich mit einer Rückblende in die 50er-Jahre (die man nur an der Einblendung erkennt), in der Jeffrey Combs einen Comic um die Titelkreatur zeichnet, die daraufhin zum Leben erwacht und ihn attackiert. Im anschließenden Scharmützel kann der Zeichner das Monster zwar durch Abfackeln der entsprechenden Comicseiten besiegen, aber er geht dabei dummerweise mit in Flammen auf. Sprung in die Gegenwart, in der die Horror-Comiczeichnerin Whitney (Debrah Farentino) das Haus des Zeichners bezieht, das nun eine „Kunstakademie“ ist, geleitet von der übellaunigen Mrs. Briggs (Yvonne De Carlo). Sie ist ein Fan der alten Cellar-Dweller-Comics, weiß um die damaligen Ereignisse im Keller und wünscht sich nichts sehnlicher, als dort ihr Zeichenpult aufzubauen und das Werk ihres Idols fortzusetzen. Das tut sie, mit dem Ergebnis, dass sie das Monster mit ihren Zeichnung zum Leben erwecken und morden lassen kann …

Was ja eine durchaus nette Idee ist, wird leider durch ein ausgesprochen halbgares Drehbuch unterminiert, das es total versäumt, so etwas wie ein konsistentes Regelwerk aufzustellen oder auch nur die Motivation der Protagonistin klar herauszuarbeiten. In einigen Szenen scheint es, als wüsste sie genau, was sie tut, dann wieder ist sie völlig überrascht, als ihre Kommilitonen genauso abgeschlachtet werden, wie sie das in ihren Bildern erdacht hat. Auch das Ende ist ziemlich bescheuert: Als alle tot sind, kommt Whitney auf die clevere Idee, jeden einzelnen durch eine Zeichnung wiederauferstehen zu lassen, nur um dieses Werk durch eine Verbrennung der Comics gleich wieder zunichte zu machen. Es ist wirklich nicht nachzuvollziehen – aber auch irgendwie vollkommen egal, weil die Handlung eh nur schnödes Beiwerk ist. Der Reiz von CELLAR DWELLER liegt in der putzigen Gummimonster-Schöpfung und den ständigen Gegenüberstellungen der Filmhandlung und Whitneys Zeichenkunst, vor allem aber in der grausam untalentierten, ohne Sinn und Verstand zusammengewürfelten Anhäufung von Künstlerseelen, die Mrs. Briggs da um sich geschart hat.

Whitney ist die einzige, der man so etwas wie handwerkliches Geschick zubilligen möchte – auch wenn sich die Frage stellt, warum sie nicht einfach versucht, Arbeit als Comiczeichnerin zu finden, anstatt unter einer Lehrerin zu arbeiten, die ihre Kunst für trivialen Käse hält (der sie, wenn man ehrlich ist, ja auch ist). Neben ihr gibt es noch den froschmäuligen Philip (Brian Robbins), der naive Bildchen mit Fingerfarben malt (wahrscheinlich von Buechlers Tochter beigesteuert), Whitneys Nemesis Amanda (Pamela Bellwood), die ständig mit einer Videokamera herumläuft, sowie der völlig deplatzierte auf die 60 zugehende Hardboiled-Autor Norman (Vince Edwards), der einem angesichts der Tatsache, dass er in diesem Alter auf einer drittklassigen Schule mit Leuten herumhängt, die seine Kinder sein könnten, nur Leid tun kann. Den Vogel schießt aber die Ausdruckstänzerin Lisa (Miranda Wilson) ab, deren kreuzerbärmliche Ausdruckstanz-Performance mit Baumschüler-Symbolismus – sie sticht mit einem Küchenmesser Luftballons kaputt und hantiert mit Babypuppen –  Whitney doch tatsächlich „moving“ findet. Das ist alles so unglaubwürdig und beknackt, als habe es sich ein Kind ausgedacht. Nichts ergibt einen Sinn und hat nicht einmal annähernd etwas mit der Realität zu tun. Und wenn doch, danm möchte ich auch auf eine „Kunstakademie“, eine, in deren Klassenzimmern wie hier Poster von Filmen wie GHOST TOWN, RE-ANIMATOR oder TROLL hängen. Jetzt sofort!

 

friday-the-13th-part-vii-the-new-blood-photos-1Geradeaus gesprochen: FRIDAY THE 13TH PART VII: THE NEW BLOOD ist gegenüber dem Vorgänger der deutlich schwächere Film. Zwar setzt er sehr effektiv auf die Dunkelheit der Nacht und des Wassers vom Crystal Lake (der hier wieder mal wie ein größeres Schlammloch aussieht) sowie auf einen unwirtlichen, herbstlich-nassen Wald, dennoch kann Grobmotoriker Buechler mit dem visuellen Scharfsinn, den McLoughlin zuvor an den Tag gelegt hatte, nicht annähernd mithalten. Die Teenies, die Jason in schneller Abfolge zum Opfer fallen, verdienen weder den Begriff „Charakter“ noch scheinen sie mit ihrem vollkommen rätselhaften Gehabe überhaupt der menschlichen Gattung anzugehören (von ihrem Klamottengeschmack mal ganz zu schweigen). Die blutigen Morde – üblicherweise das Kerngeschäft der Serie – wurden durch die Bestrebungen der MPAA bedauerlicherweise bis zur Unkenntlichkeit heruntergekürzt, was dem Film viel von seinem potenziellen Punch raubt. Das Versprechen, das der wunderhübsche deutsche Verleihtitel machte, der Interessierten einen JASON IM BLUTRAUSCH versprach, zerbrach mithin in 1.000 tränenbenetzte Scherben. (Es spricht Bände, dass es dieses sechste Sequel als eines der wenigen der Reihe ganz und gar unbeschadet auf den deutschen Videomarkt schaffte.) Doch trotz all dieser offenkundigen, kaum zu leugnenden Mängel mag ich THE NEW BLOOD. Es ist zugegebenermaßen keine bedingungslose Liebe, auch keine überschwängliche Nerd-Begeisterung, die er in mir entfacht, aber in vielerlei Hinsicht entspricht er dem, was ein Jason-Film für mich im Idealfall darstellen sollte, besser als einige der objektiv betrachtet besseren Teile zuvor.

Was mich für den siebten FRIDAY THE 13TH-Teil einnimmt, lässt sich dabei im Wesentlichen auf einen Namen herunterbrechen: Kane Hodder. Der Stuntman, der mit seiner Verkörperung Jasons in dieser und den folgenden Installationen zu einer Horrorfilm-Ikone wurde, obwohl er in der Rolle weder One-Liner reißen noch Grimassen schneiden, lediglich seinen allerdings imposanten Körper einsetzen durfte, verleiht dem Killer jene furchteinflößende physische Präsenz, die für dessen neueste Inkarnation dringend vonnöten war – und auch schon im Vorgänger nicht geschadet hätte. Gleich zu Beginn, wenn er seinem feuchten Grab entkommt, die Kleidungsfetzen den Blick auf einen teilweise skelettierten Leib freigeben, erweckt Hodder die zuvor bestenfalls eine Ahnung von Innenleben vermittelnde Figur zu überaus grafischem Leben. Man sieht auch hier erst im letzten Reel sein madenzerfressenes Zombiegesicht, trotzdem ermöglicht es Hodder mit seiner Körpersprache (und dem tollen Design) schon vorher, seinen Jason als eine von ungebändigtem Hass und brodelndem Zorn getriebene Figur erkennbar zu machen. Es reicht völlig aus, wenn er einfach nur so dasteht, sich sein mächtiger Brustkorb unter seinem schweren Atem hebt und senkt, um mehr als zuvor deutlich zu machen, dass mit dem Wutklumpen nicht zu spaßen ist. Er war auch vorher schon eine höchst effizient arbeitende Mordmaschine, aber Hodder verpasst dem Mordmoloch eine gewaltige Überdosis brachialer Power.

Ob die Story, die man als „Carrie vs. Jason“ paraphrasieren kann, zu weit vom eigentlichen Thema wegführt, darüber kann man sicher geteilter Meinung sein. Meiner Meinung nach unbestreitbar ist aber, dass die Abkehr vom ausgelatschten Schema F dringend nötige Frischluft mit sich bringt – und die willkommene Gelegenheit, im hübschen Finale ein paar Special Effects mehr als üblich abzubrennen. Ich kann mir nicht helfen: Die Idee, dass Jason durch die telekinetischen Fähigkeiten einer traumatisierten Göre namens Tina (Lar Park-Lincoln) wiedererweckt wird, hat was. Der Plot, den man wahlweise debil-idiotisch oder frech-kreativ finden darf und der sich um Tinas Konfrontationstherapie unter dem schmierigen Psychiater Crews (Terry Kiser) dreht, der jedoch nicht so sehr an ihrer Heilung, dafür aber sehr viel mehr an ihren übersinnlichen Fähigkeiten interessiert ist, unterfüttert den mittlerweile doch arg vorhersehbaren Schlachtmarathon und bereitet den Weg für einen der absurdesten Einfälle der gesamten Reihe. Dass Buechler diesen Nonsens mit grimmiger Entschlossenheit und (fast) ohne Anflug von selbstironischem Augenzwinkern inszeniert, nötigt mir höchsten Respekt ab. Mich zerreißt es hingegen regelmäßig, wenn Jason am Schluss für jeden Mord mit einer neuen, noch sperrigeren Waffe aufläuft. Der Höhepunkt ist sicherlich jenes Werkzeug, das ich mal als Kreissäge mit Selfie-Stick bezeichnen würde. Mir kann keiner erzählen, dass Jason nicht doch irgendwo ein hübsches Eigenheim mit geräumigem Werkzeugschuppen und benzinfressendem Pick-up-Truck sein eigen nennt. Und wenn der Hausdrachen mal wieder Ärger gemacht hat, geht er nur mal kurz „Kippen holen“.