Mit ‘John Carradine’ getaggte Beiträge

Butler House, ehemals Familienwohnsitz der Famile Butler, das nach einer Tragödie in eine Irrenanstalt verwandelt wurde, bevor auch der Hausherr Wilfred Butler unter mysteriösen Umständen ums Leben kam, soll verkauft werden. Als erst ein Insasse einer nahe gelegnene Anstalt entkommt und wenig später John Carter (Patrick O’Neal), der den Verkauf im Auftrag des Besitzers Jeffrey Butler (James Patterson) vollziehen soll, in Butler House von einem Unbekannten ermordet wird, werden alte Wunden wieder aufgerissen. Gemeinsam mit der Tochter des Bürgermeisters, Diane Adams (Mary Woronov), will Jeffrey das Rätsel um das Haus seiner Ahnen lösen …

SILENT NIGHT, BLOODY NIGHT ist ein recht typischer Vertreter des amerikanischen B-Horrors der Siebzigerjahre: Ohne auf große Schauwerte oder Stars zurückgreifen zu können, tischt Regisseur Gershuny eine saftig-makabre Geschichte um Inzucht, Wahnsinn, Massenmord und Rache auf, die er in geschliffen schmucklosen Bildern auf die Leinwand wirft. In einigen Szenen kommt dabei ein gerüttelt Maß morbider Stimmung auf: Die Suspense- und Horrorszenen sind durchaus gut gelungen, leben von der schön eingefangenen Atmosphäre in dem düsteren Haus und zaubern dem geneigten Betracher einen Anflug von Gänsehaut ins Dekolleté, ein paar komische Einfälle – deren Sinn sich erst mit der Auflösung erklärt – verleihen dem Treiben eine willkomene individuelle, exzentrische Note. So absolviert Horroraltmeister John Carradine seinen Part als Zeitungsmann Towman komplett stumm und meldet sich lediglich durch Betätigung einer Tischklingel, wie man sie von Hotelrezeptionen kennt, zu Wort, was vor allem in einer längeren Besprechungsszene zu Beginn des Films ziemlich lustig und unerwartet rüberkommt – eben weil man keinerlei Anhaltspunkt hat, warum er das tut. Auch die Story, in die man wirklich alles reingepackt hat, was es an menschlichen Abgründen so gibt, weiß zu gefallen, nur leider hapert es ganz massiv am erzählerischen Talent, diese Story adäquat auf die Leinwand zu bringen. Und hier bin ich dann auch beim eigentlichen Knackpunkt angelangt: SILENT NIGHT, BLOODY NIGHT ist so kreuzumständlich und ineffizient erzählt, dass die Wirkung der eigentlich spannenden Geschichte vollkommen verpufft. Ich habe erst nach Ablauf der knapp 80 Minuten verstanden, was mich da zuvor eigentlich hätte fesseln sollen, was eine denkbar schlechte Voraussetzung für einen Horrorfilm ist (auch wenn man ihm zugute hält, dass einige meiner Schwierigkeiten auf die schlechte Tonqualität der DVD zurückzuführen sind).

Nur ein Beispiel: Im kurzen Intro stellt sich Diane per Voice-over als Protagonistin vor, verschwindet für die nächsten 30 Minuten aber nahezu komplett, um Platz für Carter zu machen, den man schließlich als Hauptfigur akzeptiert, bevor er dann im Stile von Janet Leigh in PSYCHO aus dem Film genommen wird. Erst jetzt wendet sich der Film wieder Diane zu, deren Funktion im Rahmen der Geschichte bis dahin aber noch völlig rätselhaft ist: Wir wissen noch nicht einmal, wer sie ist. An ihre Tür klopft – ebenfalls nicht nachvollziehbar – Jeffrey, den der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt für den ausgebrochenen Irren halten soll. Ähnlich ungalant verfährt Gershuny bei der Auflösung, die aus einer einzigen langen Rückblende besteht. Diese ist zwar wieder sehr ansehnlich geraten mit ihren Sepiatönen und den weichen Kontrasten, doch bricht sie den Erzählfluss total auf, sorgt just in dem Moment für eine jähe Zäsur, in dem der Film seinem eigentlichen Höhepunkt entgegenstrebt. Und wenn er sich nach diesem Flashback wieder der Gegenwart und damit dem Showdown zuwendet, bleibt ihm kaum noch Zeit, Spannung aufzubauen. SILENT NIGHT, BLOODY NIGHT wird dann lediglich abgewickelt. Bezeichnend ist auch, dass die eigentlich interessanteste Enthüllung des Films rein verbal erfolgt und keinerlei weitere Konsequenzen nach sich zieht. Ehrlich, ich kann mich an keinen einzigen Film erinnern, der so viel Potenzial lediglich durch eine miese Strukturierung des Drehbuchs verschenkt hat. Insofern ist SILENT NIGHT, BLOODY NIGHT fast wieder einen Blick wert: Man lernt dabei doch recht viel über Erzählökonomie und Drehbuchstruktur. Und wie gesagt: Ein paar Momente hat er dann doch. Man wünschte sich nur, der Film drumrum wäre besser.

Die beiden Navy-Matrosen Tom Buckley (Bruce Fairbairn) und Terry Wayne (Trey Wilson) sind bei ihrem Landgang auf den Philippinen auf der Suche nach Frischfleisch. Als sie nach zahlreichen erfolglosen Eroberungsversuchen (unter anderem in einer Transvestitenbar) endlich fündig werden, kommt ihnen ausgerechnet ihr Vorgesetzter zuvor. Zum Glück, denn die vermeintliche Edelprostituierte gehört zu den Dienerinnen des Vampirs Richmond Reed (John Carradine), der eine Gruft auf dem örtlichen Friedhof bewohnt. Als der Captain verschollen bleibt, machen sich Buckley und Wayne auf die Suche …

Billigheimer Santiago versucht sich mit VAMPIRE HOOKERS nicht ganz erfolglos an einer Horrorkomödie. Sein Film erinnert mit seinem harmlos-fröhlichen Humor vor allem an die ersten Gehversuche des Genres in den Dreißiger- und Vierzigerjahren: In den Rollen der beiden Matrosen könnte man sich durchaus Jerry Lewis und Dean Martin oder andere komische Filmduos vorstellen, auch wenn diese zu ihrer Zeit keine zehnminütigen Zeitlupen-Sexszenen absolvieren durften. Dennoch bleibt VAMPIRE HOOKERS stets annähernd jugendfrei und konzentriert sich eher auf pointierte Dialoge als auf Pornografisches. Einige Ideen sind dann auch ganz hübsch: John Carradine darf als Richmond Reed Klassiker der englischsprachigen Dichtung proklamieren und anhand ausgesuchter Zeilen aus Shakespeares Gesamtwerk belegen, dass es sich bei diesem ebenfalls um eine Blutsauger handelte. Andere Dialoge sind zwar eher auf dem Niveau von Herrenwitzchen angeeidelt, aber dennoch nicht ganz ohne Charme. So bremst eine Vampirdame den zudringlichen Captain, der sie am liebsten gleich auf einem Grab vernaschen würde, mit den Worten: „This is to get laid to rest, not to get laid!“ Und später, wenn Reed versucht, den Matrosen die Erfahrung des Todes schmackhaft zu machen, entbrennt folgender Dialog: Matrose: „This is not death. It’s murder!“ Vampirfrau: „This is not murder … it’s dinner!“  Zu guter letzt beachte man in diesem Zusammenhang auch die schöne Poster-Tagline: „Warm Blood isn’t all they suck!“ Da darf dann auch der obligatorische grunzende und fette Gehilfe nicht fehlen, der in seiner philippinischen Ausprägung zudem mit einer beeindruckenden Kauleiste ausgestattet ist (gespielt von Vic Diaz) und das Humorportfolio um zünftige Flatulenzwitze bereichert. Angesichts solch charmanten Unfugs könnte man sich – die Fähigkeit zur Freude am niedrigen Niveau vorausgesetzt – den Film durchaus gefallen lassen, wenn der Gesamtentwurf nicht so schrecklich dröge wäre: Die nur in Spurenelementen vorhandene Story ist nach ca. 20 Minuten abgespult und das folgende redundante Gekasper mit den Vampirdamen ist schon nach kurzer Zeit ähnlich prickelnd wie abgestandenes Bier. Es ist längst nicht nur Dienst am Kunden, wenn Santiago eine eh schon überlange Sexszene auch noch perZeitlupe zerdehnen muss, um seinen Film überhaupt auf die nun auch nicht gerade monumentale Länge von 78 Minuten zu bringen. Der Verdacht liegt nahe, dass er den Film nur gedreht hat, um den zugegebenermaßen hübsch klingenden Titel verkaufen zu können. Um John Carradine und die gar nicht mal so üblen Darsteller sowie um die paar liebevollen Details tut es einem geradezu Leid, hätten sie doch allesamt einen besseren Film verdient. So bleibt ihnen die undankbare Aufgabe, einen Film aufzuwerten, der davon nur unwesentlich profitiert.