Mit ‘John Guillermin’ getaggte Beiträge

sheena_reine_de_la_jungleNach John Dereks unglaublichem TARZAN, THE APE MAN konnte ich an diesem kaum weniger bizarren Leicht-bekleidete-Schönheit-im-Urwald-Film einfach nicht vorbeigehen. Es ist immer wieder erstaunlich, was man sich in den Achtzigerjahren noch leistete: SHEENA ist ohne Frage – man muss sich nur den Titelschriftzug auf nebenstehendem Poster anschauen – inspiriert vom bahnbrechenden Erfolg von Spielbergs RAIDERS OF THE LOST ARK, der längst für überkommen gehaltene Stoffe wieder hoffähig machte, vor allem eben solche an alten Serials, Comicstrips oder Pulp Novels angelehnten Abenteuerfilme mit viel Exotismus, Kolonialismus bzw. Rassismus und Sexismus. John Guillermin hatte mit THE TOWERING INFERNO oder KING KONG Erfahrung mit aus der Zeit gefallenen, gegen jede Vernunft überproduzierten Geschmacksverirrungen gesammelt und war somit geradezu prädestiniert für SHEENA, der auf der langlebigen Comicserie von Will Eisner und Jerry Eiger bzw. auf der nach diesem Vorbild produzierten Fernsehserie basiert (Anfang der 2000er wurde eine neue Serie produziert).

Titelheldin ist eine Art weiblicher Tarzan, die Tochter eines US-amerikanischen Wissenschaftlerpärchens, das während ihrer Forschungsarbeiten bei einem (durch akute Dummheit der Frau verursachten) Unglück in Afrika ums Leben kommt. Die Tochter, die die beiden einfach mitgenommen hatten (als Vater weiß ich, wie schwer es ist, sein ca. dreijähriges Kind für mehrere Wochen am Stück irgendwo unterzubringen), wird daraufhin vom Stamm der Sambuli aufgenommen, die in ihr die Erfüllung einer uralten Prophezeiung sehen. Sheena reift in ihrer Obhut zur attraktiven jungen Frau (Tanya Roberts), die mit Messer, Speer und Bogen umgehen und außerdem Tiere via magischer Kräfte befehligen kann. Diese Fähigkeiten braucht sie auch, denn als der amtierende König des afrikanischen Staates mit einem Pfeil umgebracht wird, beschuldigt man Sheenas Ziehmutter, die Schamanin (Elizabeth of Toro) der Sambuli, die durch einen Zufall, wie sie nur in solch naiven Filmen vorkommen, mit einem Flitzebogen just zur Tatzeit am Tatort war, aber natürlich unschuldig ist. Sheena eilt ihr mit Elefant zu Hilfe und kann sie befreien, zieht infolgedessen eine ganze Horde schwer bewaffneter Schergen hinter sich her. Natürlich geht der Königsmord auf das Konto dessen Bruders, der selbst an die Macht möchte, dazu aber alle übrig gebliebenen Mitwisser killen muss. Der amerikanische Fernsehreporter Vic Casey (Ted Wass) folgt Sheena, verliebt sich natürlich in die stolze Kriegerin, der alles Moderne fremd ist, und hilft ihr bei ihrem Kampf.

Man muss nicht die Vorlage kennen, um dahinterzukommen, was der Reiz dieses Vehikels ist, ein Blick auf das vom Film existierende Fotomaterial genügt: Die blonde Verlockung Tanya Roberts – ein Jahr später immerhin als Bondgirl an der Seite von Roger Moore in A VIEW TO A KILL zu sehen – posiert da mit stahlblauem Blick im Lederbikini, der beste Aussicht auf die prallen Wunder der Natur bietet. So reitet sie auf einem Zebra (= schwarzweiß angemaltes Pferd) durch die afrikanische Steppe, die blonde Mähne im Wind wehend, die gebräunten Schenkel fest um den dampfenden Rumpf des ungebändigten Wildtieres geschlungen. (Entschuldigung für diese blumige Prosa, aber ich gebe nur die Fakten wieder.) Wenn Sheena nicht mit eregierten Nippeln unter einem Wasserfall steht, um die Schweißperlen von ihrem makellosen Körper abzuspülen, oder nackt, wie Gott sie schuf, in einen See hüpft, um Erfrischung von der heißen Mittagssone zu suchen, schwingt sie sich an Lianen von Baum zu Baum oder packt sich an den hübschen Kopf und kneift die Augen zusammen: So zaubert sie nämlich und bringt dann etwa einen Schwarm Flamingos dazu, einen Helikopter der Bösewichte anzugreifen. Das ist die andere Attraktion des Films: die Flora und Fauna Afrikas, vom einstigen Visconti-Kameramann Pasqualino de Santis in atemberaubenden Bildern eingefangen, die fast vergessen lassen, was für einen Kintopp man hier vor Augen hat. Es ist wirklich unfassbar, welcher immense Aufwand betrieben wurde, um diese rammdösige Geschichte zu erzählen, zudem ohne jeden ironisierenden Humor. Die nicht gerade übermäßig begabte Tanya Roberts gibt alles und man ist fast etwas peinlich berührt von ihrer Darbietung, die nicht den Anschein erweckt, als sei sie sich im Klaren darüber gewesen, dass Sheena nicht die Rolle ist, mit der man sich für eine Karriere als Shakespeare-Darstellerin empfiehlt. Auch Robert Hartleys hymnischer Score, eine Mischung aus typischen, eher orchestralen Klängen und einem Gänsehaut erzeugenden Synthie-Titelthema, ist streng genommen verschenkt für solchen Quatsch. Aber gerade diese Vereinigung von ungeschlachtem Pulp und technischer Perfektion verleiht SHEENA immensen Reiz, der dem Film über seine unnötig auf zwei Stunden aufgeblähte Spieldauer hilft. Spannend ist Guillermins Werk nicht im geringsten, aber es gibt eben immer etwas zu gucken, ob das nun Tanya Roberts Prachtkörper in den various states of undress ist (eigentlich sind es nur zwei: ganz nackt oder nur halb angezogen), die Bilder der unendlichen Weite der afrikanischen Steppe oder Actionszenen wie der flammende Überfall der Schurken auf ein Sambuli-Dorf oder der Finalkampf, bei dem Nashörner, Affen, Elefanten und Löwen mitmischen. Es ist einfach verdammt schade, das solch entwaffnener Unfug heute nicht mehr auf diesem Niveau produziert wird. Wahrscheinlich zu uncool. Wir wissen es besser.

THE TOWERING INFERNO darf als McQueens letzter wirklich großer Film gelten, doch wahrscheinlich ist es seit seinem Durchbruch in den Sechzigerjahren auch der erste, den man nicht als „Steve-McQueen-Film“ bezeichnen kann. Nicht nur, dass dem Star mit Paul Newman ein mindestens gleichrangiger Partner zur Seite gestellt wurde – Newman war jahrelang der Gradmesser, an dem McQueen seinen eigenen Karrierefortschritt bewertete, und die Antwort auf die Frage, wer von den beiden in THE TOWERING INFERNO das prestigeträchtige „Top-Billing“ erhalten würde, kostete die Produzenten großes diplomatisches Geschick und Kreativität –, Irwin Allens Film ist als Gipfelpunkt seiner Katastrophenfilm-Reihe auch ein Werk, das seine Darsteller in den Schatten der damals beispiellosen Spezialeffekte und des High Concept stellte.

Allens Filme – neben diesem vor allem THE POSEIDON INFERNO, aber auch der massiv gefloppte Bienenfilm THE SWARM und die gleichermaßen erfolglosen BEYOND THE POSEIDON ADVENTURE und WHEN TIME RAN OUT, sowie die thematisch verwandten Fernsehproduktionen FLOOD! und FIRE! – setzten auf die publikumsträchtige und gut vermarktbare Verbindung aufwändiger Spezialeffekte und stargespickter Besetzungslisten. Es sind hochgradig materialistische Filme, die so entstanden und den Zuschauer heute unweigerlich an überdimensionierte, größenwahnsinnige Jahrmarktsattraktionen erinnern. Die Schablone, nach der sie gefertigt wurden, hatte Allen dem Film AIRPORT entlehnt und binnen kürzester Zeit zur fragwürdigen Perfektion getrieben. Der Regisseur, der hinter der Kamera stand, war kaum mehr als ein besserer Fotograf, dessen Aufgabe in erster Linie darin bestand, die materiellen und menschlichen Schauwerte wirksam ins Bild zu setzen. Eine persönliche Handschrift sucht man vergebens und so sind Allens Katastrophenfilme dann auch von einer beachtlichen Homogenität und Gleichförmigkeit.

Inhaltlich zeichnen sie sich meist durch eine fast religiös anmutende Fortschritts- und Technikskepsis (was angesichts des technischen Aufwands, der da betrieben wurde, höchst ironisch ist) sowie die Beimengung manipulativer melodramatischer Elemente aus. In der Exposition von THE TOWERING INFERNO wird das moderne Hochhaus, das höchste der Welt, eingeführt, dessen Eröffnungsfeier kurz bevorsteht. Architekt Doug Roberts (Paul Newman) will sich aus dem Geschäft des „Höher, Schneller, Weiter“ zurückziehen, Bauherr Jim Duncan (William Holden) ihn natürlich behalten. Schon nach kurzer Zeit entdeckt Doug, dass Pfusch am Bau betrieben wurde: Um Kosten zu sparen, hat Simmons (Richard Chamberlain), der Schwiegersohn Duncans, billige Kabel verbaut. Diese Kabel lösen einen zunächst unentdeckt bleibenden Brand aus, der die oberen Etagen des Wolkenkratzers in eine Todesfalle verwandelt. Während die gefangenen Partygäste zu entkommen versuchen, kämpft die von Chief O’Halloran (Steve McQueen) angeführte Feuerwehr verzweifelt gegen die Flammen an. Die letzten zwei Stunden des rund 165 Minuten langen Films bestehen aus einer unablässigen Folge mehr oder minder spannender oder actionreicher Set Pieces, die jeweils die Überwindung eines neuen Hindernisses zum Thema haben und bei denen die breite Besetzung zunehmend ausgedünnt wird. Damit das den richtigen emotionalen Nachhall findet, werden da Liebespaare getrennt oder beim Schäferstündchen überrascht, alternde Damen auf halsbrecherische Klettertour geschickt, behinderte Kinder in den Flammen ausgesetzt oder treue Freunde versengt. Ein besonders beliebtes Allen’sches Mittel ist die Betonung der schicksalhaften Fügung: Bevor Sekretärin Patty (Susan Blakely) von ihrem Chef und Lover (Robert Wagner) unter dem Vorwand, einen Brief aufzunehmen, zum Schäferstündchen in sein Büro gerufen wird, in dem sie beide den Tod finden werden, bemerkt ihre Kollegin, dass sie doch schon fast in ihren Feierabend gegangen wären.

Wie die meisten in den Siebzigerjahre entstandenen Katastrophenfilme wirkt auch THE TOWERING INFERNO heute hoffnungslos überkommen – und im Grunde war er das ja auch damals schon, egal wie revolutionär seine Effekte auf seine Zuschauer gewirkt haben mögen. Es ist, als hätte es das New Hollywood und seine Idee, realistische Geschichten einfacher Leute zu erzählen, nie gegeben, als sei die Tradition des immer auch etwas angeberischen Monumentalkinos noch genauso lebendig wie 20 Jahre zuvor. Man mag in Allens Filmen einen Vorläufer des wenig später mit STAR WARS losgetretenen, heute das Gros der Hollywood-Produktionen ausmachenden Eventkinos sehen, doch ästhetisch hat er nichts damit zu tun. THE TOWERING INFERNO mutet vor allem hinsichtlich seiner Dramaturgie fast fernsehmäßig an, als hätte Allen einen Supercut aus den besten LOVE BOAT-Episoden erstellt und mit teuren Effektsequenzen aufgemotzt. Die ehrfurchtgebietende Darstellerriege wird zur Verkörperung eindimensionaler Pappkameraden durch die plüschigen Settings gejagt, die atemlose Aneinanderreihung von Attraktionen lässt zwischendurch immer wieder Zeit für das Einschieben eines Werbeblocks oder die Toilettenpause und ein ausgelutschtes, trantütiges Klischee – das Paar mit divergierenden Karriereplänen, der pfennigfuchsende, arrogante Schwiegersohn, die vom Pech verfolgten Liebenden, der die Katastrophe herunterspielende Unternehmer, der durchgreifende Feuerwehrmann, die tapferen Kinderlein, die Massenpanik, die die Katastrophe noch vergrößert, die Hornbrille Duncans – jagt das nächste. THE TOWERING INFERNO ist weniger Film als vielmehr Aufhänger für eine Marketingkampagne zur Selbstdarstellung Allens und erinnert darin an die zum dramatischen Scheitern verurteilten Bemühungen übermotivierter Provinz-Impresarios, irgendwelche ehemaligen Bundesligastars zu Fantasiesummen für ihren Kreisligaverein oder auf den Bühnen der Welt beheimatete Superstars zur Eröffnung des lokalen Möbelhauses zu engagieren. Was in der freien Wirtschaft regelmäßig zu scheppernden Konkursen führt, zog auch bald Allens Niedergang nach sich. Die Kluft zwischen der großes Entertainment versprechenden Oberfläche seiner Filme und dem, was sich darunter verbarg, fiel spätestens bei THE SWARM auch dem wohlmeinendsten Zuschauer noch frappierend ins Auge. Nach drei Megaflops in Folge war Allens Produzentenkarriere dann beendet.

Den nackten Unterhaltungswert von THE TOWERING INFERNO tut das alles keinen Abbruch. In seinem Größenwahn und seiner geschmacklosen Anhäufung von protzigen Schauwerten ist er beispiellos und ähnlich erdrückend wie die mit potthässlichem Luxussschrott zugestellte Villa eines russischen Waffenhändlers mit zu viel Geld und zu wenig Stil. Man hat nicht wirklich die Gelegenheit, sich zu langweilen, auch wenn es schon ziemlich vermessen ist, einem schnöden Brand zweieinhalb Stunden Zeit zu widmen. Doch das alles relativiert sich natürlich, wenn man bedenkt, dass es Filme über Vulkanausbrüche, Erdbeben und Springfluten gibt. Sofern man über Sinn für Humor verfügt, entfaltet das geschäftige Gewusel der Schauspieler, die durch den Film stolpern wie die prominenten Kandidaten einer Gameshow durch einen elaborierten Hindernisparcours, durchaus einen nicht unbeträchtlichen Witz. Und: Was ist das eigentlich für ein maroder Schrotthaufen, der da errichtet wurde? Da funktionieren Sprinkleranlagen nicht, fehlen Feuerschutztüren, brennen alle Sicherungen durch, sobald das Licht angeht, versagen Fahrstühle, sind Türen von verschüttetem Beton versperrt und gehen Scheiben schon beim bloßen Angucken zu Bruch. Wirklich nichts funktioniert und wie da jeder Rettungsversuch nur in einer neuen Katastrophe mündet, ist einfach urkomisch. Ebenso wie das hilflose Finale, bei dem man gefühlte 20 Minuten dabei zusehen darf, wie Wasser die Wände runterläuft und Leute enthemmt durch die Gegend purzeln. Am Ende atmen alle tief durch und Fred Astaire bekommt von O. J. Simpson sogar das kleine Kätzchen zurück. Et hätt noch emmer joot jejange. Aber ob der sich die Komik von THE TOWERING INFERNO auch Steve McQueen erschlossen hat? Der hier zum ersten Mal wirklich alt aussehende Schauspieler versieht seinen Feuerwehrhauptmann mit der Autorität und kalten Routine, die er auch seinem Bullitt verlieh. Während alle anderen panisch durch die Gegend rennen oder versuchen, sich mit smartem Lächeln gegen Allens Effektorgie zu behaupten, scheint McQueen als einziger der Überzeugung, wirklich ein tödliches Feuer bekämpfen zu müssen. Seine Nemesis Paul Newman kriegt von ihm, kaum dass er aus dem Feuerwehrauto steigt, den Marsch geblasen: Es besteht kein Zweifel, dass McQueen diesen Film genauso Ernst nahm wie alle anderen seiner Filme und er nicht dazu bereit war, sich lediglich demütig in Allens Nummernrevue einzufügen. Ihm gehört dann auch das Schlusswort, mit der prophetischen Mahnung, beim Bau von Hochhäusern auf die klugen Feuerwehrmänner zu hören. Ein bisschen gesunder Menschenverstand würde aber auch schon reichen. So sagt der Architekt Doug dann auch zum Ende, dass man die dampfende Ruine als Mahnmal stehen lassen solle, auf dass sie an all den „bullshit“ auf der Welt erinnere. Eine gute Idee. Und THE TOWERING INFERNO kann man direkt daneben stellen.

king kongDie Änderungen zum Original: Der Schurke ist Fred Wilson (Charles Grodin), der auf der Hemaitinsel des Riesenaffen Erdöl vermutet, die Heldenrolle fällt Jack Prescott (Jeff Bridges) zu, der Böses ahnt und den Landgang als blinder Passagier verhindern will, Jessica Lange ist Dwan, eine schiffbrüchige Schauspielerin, in die sich der arme Affe verliebt, das Empire State Building wird gespielt vom World Trade Center und Kong ist keine Stop-Motion-Animation mehr, sondern ein schnöder Mann im Affenkostüm.

Für mich mit ähnlich viel Erinnerungen aufgeladen wie LO CHIAMAVANO BULLDOZER ist KING KONG im kollektiven Gedächtnis vor allem als megalomanischer Trash und einer von vielen De-Laurentiis-Flops verankert. Bislang – die letzte Sichtung ist lange her – konnte ich die Häme, die über ihm ausgeschüttet wird, nicht so ganz nachvollziehen: Für mich war KING KONG immer ein großer, aufwändiger Hollywood-Film, der zudem mit einem wirklich herzzerreißenden Affentod aufwarten konnte. Nun, diese Wahrnehmung würde ich heute weitestgehend kindlicher Verblendung zuschreiben, denn Guillermins Event-Remake ist tatsächlich wenig mehr als teurer Schund. Klar, das ist alles mit großer Geste inszeniert und John Barrys schwelgerischer Score tut seinen Teil, KING KONG zu dem Großereignis aufzublasen, das er sein soll, aber das verstärkt nur den Eindruck, es mit mit viel Geld auf Hochglanz poliertem Käse zu tun zu haben. Die Fettnäpfchen im Einzelnen: Debütantin Jessica Lange sieht zwar super aus, kann ihrer als oberflächlich-hohlbirnigem Starlet gezeichneten Dwan aber überhaupt keine menschlichen Fassetten abringen. Ein Riesenaffe scheint tatsächlich ihr idealer Partner, dennoch bleibt die Liebesbeziehung zwischen beiden reine Behauptung, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass das Drehbuch den zentralen Handlungsstrang – Jack muss Dwan aus Kongs Händen befreien – auf wenige Minuten runterkürzt. Die Entscheidung, Kong am Ende nicht aufs Empire State Building, sondern auf das WTC klettern zu lassen, ist ja nur folgerichtig, der Effekt verpufft aber wirkungslos, weil sich kein einziger Mensch in Manhattan aufzuhalten scheint. Panik? Fehlanzeige. Den finalen Sargnagel bedeuten aber die Special Effects, für die tatsächlich ein Oscar vergeben wurde, damit sämtlichen japanischen Godzilla-Kostüm-Herstellern ins Gesicht spuckend, und die die schöneren Einfälle des Film ein ums andere Mal sabotieren. Zwar ist das Affengesicht schön animiert worden, aber das ändert nix daran, dass ein Schauspieler, der im Jahre 1976 im Affenkostüm vor einem Bluescreen oder aber in Minaturkulissen rumlatscht, die Effektkunst nicht zu neuen Ufern treibt, sondern diese um ein bis zwei Jahrzehnte zurückwirft. Der interessanteste inhaltliche Aspekt scheint mir die Unentschlossenheit des Aktivisten Jack, der sich einerseits für den Erhalt der Umwelt und fremder Kulturen einsetzt, aber dennoch nicht unbeteiligt bleiben will, wenn Geschichte geschrieben und die entsprechenden Tantiemen vergeben werden. So wie das im fertigen Film abgehandelt wird, scheint es aber eher ein Unfall als Absicht zu sein.

Ich will  trotzdem nicht allzu viel meckern: KING KONG ist recht bunte Sonntagnachmittag-Unterhaltung, die mit entsprechend nostalgischem Background für 120 kurzweilige und mit unfreiwilligem Humor gespickte Minuten sorgt und als Musterbeispiel menschlicher Hybris eh unumgänglich ist. Er zeigt zudem sehr anschaulich, wogegen sich die Protagonisten des 1976 schon wieder auf dem absteigenden Ast befindlichen New-Hollywood-Kinos eigentlich positioniert hatten: gegen dummdreiste und unkreative, aber mit viel Finanzpower hochgetunte Popanze wie diesen hier. Ein Riesenaffe von einem Film, ideed.