Mit ‘John Marley’ getaggte Beiträge

Familie Brooks – Papa Charles (John Marley), Mutter Christine (Lynn Carlin) und Tochter Cathy (Anya Ormsby) – wartet auf Sohn und Bruder Andy (Richard Backus), der im fernen Vietnam die Werte der freien Welt verteidigt. Dann steht ein Mann in Uniform vor der Tür und überbringt die Botschaft, vor der sich alle gefürchtet haben: Andy ist gefallen. Als er einen Tag später dennoch vor der Tür steht, sind alle nur zu gern bereit, an einen Irrtum des Militärs zu glauben. Doch mit Andy stimmt etwas nicht …

Lose basierend auf W. W. Jacobs‘ Kurzgeschichte „The Monkey’s Paw“ ist DEAD OF NIGHT (oder DEATHDREAM, wie er auf DVD heißt) zunächst und vor allem einer der doch eher seltenen Glücksfälle des Horrorgenres, die es nicht darauf abgesehen haben, den Zuschauer mit lauten Schocks zu erschrecken oder durch Einsatz detailverliebter Splattereffekte seinen Mageninhalt in umgekehrter Richtung zum Ausgang zu treiben. Clark setzt den Zuschauer mit seinem kleinem Klassiker des Low-Budget-US-Horrorfilms der Siebzigerjahre vielmehr einem diffusen Gefühl nahenden Unheils aus, das sich in langsam ansteigendem körperlichen Unbehagen äußert. Die Tonkulisse lässt einem die Nackenhaare zu Berge stehen mit ihren dissonanten Tonfolgen und übersteuerten Soundeffekten, offenbart so auf auditiver Ebene schon frühzeitig, was visuell nur langsam enthüllt wird. Dabei stimmt das ja nicht so ganz: Was mit Andy los ist, ist von Anfang an klar, und so wird die Spannung in DEAD OF NIGHT eher dadurch erzeugt, dass man sich fragt, wie lange es dauern wird, bis auch die Familie von Andy hinter dessen Geheimnis kommt und welchen Schaden er bis dahin angerichtet hat. Neben dem schon erwähnten Sounddesign und der ebenso einfachen wie effektiven Bildsprache ist es vor allem Richard Backus zu verdanken, dass Clarks Film so herrlich beunruhigend und enervierend ist wie ein guter Fiebertraum. Hinter seinem maskenhaften Gesicht verbergen sich keinerlei menschlichen Emotionen mehr, nur noch ein ganz basaler Trieb, der nicht länger reflektiert wird. Anderen sagt man nach, sie brächten mit ihrem Lächeln Eis zum Schmelzen, Andys mechanische Mimik bewirkt eher das Gegenteil: Sie lässt das Blut in den Adern gefrieren.

Natürlich ist DEAD OF NIGHT noch viel mehr als ein teuflisch effizienter, gnadenlos wie ein Uhrwerk seinem Ende entgegentickender Schocker: Er darf sich durchaus mit den großen Antikriegsfilmen – und unter diesen vor allem den Heimkehrerdramen – messen, weil er auf äußerst nachdrückliche Weise verdeutlicht, dass ein Alltag mit einem, aber natrlich auch für einen Kriegsheimkehrer nicht mehr möglich ist. Die Versuche vor allem von Andys Mutter, aber auch seiner Schwester, auf heile Welt zu machen, sind schmerzhaft hilflos, die Stille, die auf diese Versuche stets folgt, ist bleischwer und sagt mehr als jedes Wort. Wie soll man noch leben, wenn man den Krieg gesehen hat? Andy ist ausgehöhlt, tot. Dass Clark das in DEAD OF NIGHT wörtlich nimmt, ist keineswegs ein genialer Twist, sondern lediglich eine bildliche Überspitzung – folglich macht er auch nie einen Hehl daraus. Beim Finale ist dann endgültig Zapfenstreich, das Monster entpuppt sich als tragischer Held, der von der Welt vollkommen zerstört wurde und nur noch einen Platz hat: die Kühle des Grabes.

DEAD OF NIGHT zeichnet sich durch eine eisige Atmosphäre und eine Geschlossenheit aus, die ihn als Ausdruck eines ungerührt-mitleidlosen Schicksals selbst erscheinen lässt. Keine ornamentalen Schlenker oder Subplots lenken von seinem zentralen Konflikt ab, der sich so trotz der Clark’schen Subtilität unmissverständlich und mit geradezu konfrontationaler Direktheit entfaltet. Nur in den Siebzigerjahren konnte ein solcher Film entstehen, als Eiseskälte nicht zwingend ein Indiz für die Abwesenheit von Mitgefühl war. Meisterlich.