Mit ‘John Matuszak’ getaggte Beiträge

Diskussionen über THE GOONIES drehen sich üblicherweise um die zentralen Punkte „Nostalgie“ und „Kindheitserinnerung“. Jedenfalls habe ich das jetzt mehrfach erlebt. Auch für mich ist die Spielberg-Produktion mit sehr konkreten Bildern verbunden und das, obwohl ich den Film erst einige Jahre nach seinem Kinostart zu Gesicht bekam. Aber THE GOONIES war damals ein großes Thema, etwa in der Bravo, die, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, einen ihrer „Film-Foto-Romane“ dazu brachten und das Plakatmotiv als Poster veröffentlichten. Dieses – siehe nebenan – war für mich eine Quelle der Faszination: Wie sollten diese Kinder, mit denen ich mich ja unweigerlich identifizierte, aus der dargestellten misslichen Lage entkommen? Das ging ja gar nicht! Höhlenverliese, Wasserfälle und -rutschen, ebenso raffinierte wie archaische Fallen und die Tatsache, dass mit dem Charakter des Sloth auch noch ein waschechtes Monster mitwirkte, machten THE GOONIES für mich zu einem Lieblingsfilm, obwohl er sich vorerst nur in meiner Fantasie abspielte.

Seltsamerweise hielt THE GOONIES bei der späteren Sichtung Stand und beschert mir auch heute noch großes Vergnügen. Nostalgie ist sicherlich ein Faktor und natürlich kann ich nicht beurteilen, wie mir Donners Film gefiele, wenn ich nicht diese Erinnerungen mit ihm verbände. Trotzdem mag ich ihn nicht darauf reduzieren, denn für mich verkörpert er eine bestimmte Art von großem Entertainment, wie es in den Achtzigerjahren (von Spielberg) perfektioniert wurde und auch heute noch ein Ideal darstellt. THE GOONIES ist, das zu verleugnen wäre töricht, ein INDIANA JONES-Rip-off für Kinder, voller Abenteuer, Schätze, comichaft überzeichneter Schurken, Höhlen und Gefahren in fantasievollen Settings, die den Eindruck machen, man habe bei der Konzeption gleich die Adaption als Theme-Park-Ride im Kopf gehabt. Das Drehbuch von Columbus hält sich nicht lang mit Erklärungen auf, stürzt den Zuschauer gemeinsam mit den Protagonisten in die Jagd nach einem legendären Piratenschatz, der den Erhalt des Wohnorts und damit auch der Freundschaft der Jungs und Mädels sichern soll. In die Quere kommen ihnen dabei die schurkischen Fratellis, verkörpert von den herrlich überdreht agierenden Robert Davi und Joe Pantoliano, die von der gewöhnt furztrockenen Anne Ramsey an die Kandarre genommen werden. Die Erkundung der unterirdischen Höhlensysteme ist wie aus einem Guss und kulminiert in einem Kampf auf einem Piratenschiff. Wie soll man das nicht mögen, wenn man sich einen Funken kindlichen Gemüts bewahrt hat? Keine Ahnung, aber es geht offensichtlich.

Was Menschen, die partout nicht verstehen wollen, was an THE GOONIES dran ist, vielleicht helfen mag: So perfekt, glatt und kommerziell der Film auf den ersten Blick wirken mag, er ist das Werk damals noch recht junger Filmemacher, die machten, was sie auch selbst cool und witzig fanden. Wie Sean Astin in diesem Video erklärt, waren Spielberg, Donner und Columbus vermutlich dauerbekifft, als sie den Film erdachten und umsetzten und ließen sich von dem Erfolgsdruck, der mit der Großproduktion ohne Frage verbunden war, nicht den Spaß verderben. Wie auch der mit Anschlussfehlern gespickte TEMPLE OF DOOM zeigt THE GOONIES eine gewisse Laisser-faire, die darin zum Ausdruck kommt, das kleinere Fehler einfach dringelassen wurden. Das Wohnmobil, in dem sich Donner während der Drehpausen aufzuhalten pflegte, steht zu Beginn mehrfach prominent im Bild rum, hörbare Lacher und Versprecher wurden genauso dringelassen wie Hinweise auf Szenen, die am Schneidetisch der Schere zum Opfer gefallen waren. An blöden Ideen, wie den unablässig wackelnden Ohren Sloths, und fehlgeleiteten Gags hielt man fest, als hinge das Leben davon ab. Was man vielleicht als Ausdruck von Gleichgültigkeit, Zynismus oder mangelnden Stil begreifen könnte, verleiht dem Film aber genau die Seele, die andere, nicht weniger am Reißbrett entworfene Eventkino-Blockbuster vermissen lassen und die THE GOONIES auch 30 Jahre später noch zu einem Liebling macht, mit dem warme Erinnerungen verbunden werden. Spielberg und Donner haben einen Film gedreht, der genauso improvisiert, unperfekt, geschmacksverwirrt und ungezogen ist wie seine Protagonsiten und ihr Wohnort. Es ist ein Film, der einem damals sagte, dass man weder ein schickes Haus in einem schnieken Vorort braucht noch teuere Markenspielsachen, besonders intelligente oder wohlerzogene Freunde oder wohlhabende Eltern, um jemand zu sein. Dafür würde ich ihn auch heute noch vehement gegen jede Kritik verteidigen.

 

 

Bei einer unautorisierten Razzia wird Jakes (John Matuszak) Partner Pete (Sam Jones) von südamerikanischen Drogendealern erschossen. Der nachfolgende Amoklauf Jakes bringt ihm zwar keine Erkenntnisse über den Verbleib der Täter, dafür aber die Suspendierung durch seinen Vorgesetzten McCoy (Ronny Cox). Wenig später wendet sich ein Mann an Jake, der sich als Manager der entführten Popsängerin Leah (Stacey Q) ausgibt und Jake beauftragt, sie wiederzufinden. Als dieser Auftraggeber wenig später ebenfalls tot ist, wächst in Jake der Verdacht, beide Fälle könnten etwas miteinander zu tun haben. Die Spur führt ihn zum Wirtschaftsboss Adams (Richard Lynch) …

Wenn sich obige Inhaltsangabe etwas rätselhaft liest, so mag das auch daran liegen, dass ich weder den Verwicklungen des Drehbuchs noch den Gedankenwindungen des Supercops Jake so recht folgen konnte. ONE MAN FORCE versucht dabei keineswegs besonders clever zu sein, überschätzt seine Möglichkeiten aber dennoch mehr als nur ein kleines Bisschen. Besonders augenfällig wird das in der Besetzung Jakes mit dem Ex-Footballstar und -Kraftprotz John Matuszak, der für Rollen wie Sloth aus THE GOONIES prädestiniert gewesen sein mag, als Protagonist und Sympathieträger aber durchaus etwas überfordert ist. Der Mann erinnert mich etwas an Joe Bugner, der in etlichen Spencer/Hill-Filmen als tumber Haudrauf mitwirkt und eine Fetischklub-Schlägerei aus ONE MAN FORCE erinnert dann auch mit ihren slapstickartigen Einsprengseln an genannte Prügelfilme, mit dem Unterschied, dass sie hier wohl ernst gemeint sein soll. Matuszak, der kurz nach Fertigstellung des Films an einem Herzanfall – Spätfolge seines Steroidmissbrauchs – starb, ist mit seinem Vollbart und der bärenhaften Statur für gutmütige Kumpeltypen oder hirnlose Schläger sicherlich wie gemacht, aber als Kriminalpolizist? Der Mann findet noch nicht einmal passende Klamotten, geschweige denn einen Verbrecher! Erstere These wird belegt durch zahlreiche eingelaufene Sportblousons, Jogginghosen mit Hochwasser und über nacktem Oberkörper getragene Ballonseide-Trainingsjacken, letzteres durch einen Bodycount, der sich gewaschen hat. Jake kommt entweder zu spät oder schlecht vorbereitet und ist so förmlich dazu gezwungen einfach jeden umzulegen, was sein Boss reichlich konsterniert zur Kenntnis nimmt. Das ist nun nichts besonderes für einen Actionfilm, eher schon lieb gewonnener Standard, aber wenn der „Held“ so jeden Glamours entbehrt wie Matuszak, dann beginnt man, die Eigenarten des Actionfilms mit ganz anderen Augen zu sehen. Wenn sich Jake hier in strikter Leugnung jedes sachlich vorgetragenen Arguments über die Bürokratie aufregt, die ihn in Ketten legt, bloß, weil er sich nicht an Vorschriften halten mag, die Bürger vor Amokläufern wie ihm schützen sollen, dann bringt er die hinter solchem Tatendrang stehende Einfalt ausgesprochen nachdrücklich zum Vorschein.

ONE MAN FORCE ist eigentlich alles andere als Pflichtprogramm: mäßig inszeniert, aber bis auf Matuszak gut besetzt, recht schwungvoll, aber ohne wirklich herausstechende Highlights, butal, aber nicht allzu blutig, dumm, aber ohne die ganz großen Brüller. Mittelmaß halt. Trotzdem hat mir der Käse einigen Spaß gemacht und als Actionkomplettist mit Achtzigerjahre-Fetisch stelle ich mir auch diesen ungeschlachten Raufbold gern ins Regal. Kann schließlich nicht immer COBRA sein.