Mit ‘John Merivale’ getaggte Beiträge

Bei einer Expedition in Mexiko weckt eine Gruppe von Forschern um Prof. John Fielding (John Merivale) und Max Gunther (Gérard Herter) den Schlaf einer gallertartigen Kreatur. Bevor sie mit einer Explosion vernichtet werden kann, verletzt sie Gunther schwer und ein Stück von ihr wird zu weiteren Untersuchungen mit ins Labor genommen. Dort zeigt sich, dass der einzigartige Organismus Millionen von Jahren alt und wahrscheinlich das älteste Lebewesen der Erde ist. Dummerweise gelingt ihm der Ausbruch – ausgerechnet in einer Nacht, die dieselbe Sternenkonstellation zeigt, bei der es vor Tausenden von Jahren die Kultur der Mayas zerstörte.

Bei schleimigen Gallertmonstern denkt der geneigte Filmseher zuerst an THE BLOB, doch Yeaworths Monsterfilm gelangte zu spät auf europäische Leinwände, um hier wirklich Einfluss üben zu können. Die direkte Inspirationsquelle für diesen italienischen Beitrag zur Reihe wissenschaftlich verbrämter Heuler waren vielmehr die von den seligen Hammer Studios produzierten Filme um den Wissenschaftler Quatermass, der 1955 erschienene THE QUATERMASS XPERIMENT sowie QUATERMASS 2 von 1957. Es darf als sehr wahrscheinlich gelten, dass der bekennende Genrefan Mario Bava beide gesehen hatte. Weil er zwar einen ausgezeichneten Ruf in der italienischen Filmbranche genoss und als ausgewiesener Effekt- und Kameraspezialist galt, aber noch keine einzige Regiearbeit vorzuweisen hatte, übernahm sein Freund Riccardo Freda nominell diese Aufgabe. Doch sein Beitrag zu CALTIKI, IL MOSTRO IMMORTALE ist vernachlässigbar, wie er selbst zu Protokoll gab. Der für seine Entstehungszeit beachtliche kleine Film verfügt über rund 100 Effektshots, die allesamt Bava übernahm – das Spektrum reicht von raffinierten, vielschichtigen Matte Paintings (wie in der Eröffnungsszene) über putzige Miniatureffekte bis hin zu protosplatterigen Make-up-Effekten und natürlich den FX rund um das Monster, bei denen – hmm, lecker! – Pansen zum Einsatz kam. Das für einen Monsterfilm entscheidende „Fleisch und Blut“ stammte also von Bava, während Freda die weniger aufregenden Dialogszenen verantwortete.

CALTIKI, IL MOSTRO IMMORTALE ist wahrscheinlich am ehesten als historisches Dokument und für Bava-Verehrer interessant, was aber nicht bedeutet, dass er nicht auch sonst über seine Reize verfügte. Wer diese wunderbare Mischung aus herzerwärmender Naivität und vorgegaukelter wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit in den US-Monsterfilmen der Fünfzigerjahre immer zu schätzen wusste, wird auch an diesem Genrebeitrag seine Freude haben. Die an Todessehnsucht grenzende Leichtsinnigkeit der Wissenschaftler, ihre Bereitschaft, alle Vorsicht fahren zu lassen, als die Aussicht besteht, nebenbei ein paar Reichtümer abzusahnen, die Kompromisslosigkeit schließlich, mit der sie die uralten Ruinen, die sie eben noch ehrfürchtig bestaunt haben, in die Luft jagen, sind schon aller Ehre wert. Aber der Protagonist Merivale übertrifft danach alles, als er die potenziell tödlichen Überreste des Monster mit in die eigenen vier Wände seiner Familie bringt, wo er sie für jedermann gut zugänglich in einem nicht allzu stabil aussehenden Glaskasten lagert. Bei so viel Leichtsinn hat Caltiki natürlich leichte Karten, zumal ihm der per Drehbuch herbeigeführte überaus günstige Zufall noch in die Karten spielt. Niedlich, und vielleicht auch die einzige Sequenz, in der man spürt, dass das Budget nicht ganz so groß war wie bei vergleichbaren US-Produktionen, ist der finale Kampf des Militärs gegen das Biest, der mithilfe putziger Spielzeugpanzer realisiert wurde, die hilflos über die Modelllandschaft holpern. Dafür legt CALTIKI, IL MOSTRO IMMORTALE zu anderer Gelegenheit aber überraschende Härte und Düsternis an den Tag. Die FX, in denen das Monster Menschen verschlingt bzw. halb verdaute, enthäutete Schädel und bis auf die Knochen abgenagte Arme zum Vorschein kommen, dürften damals ihre Wirkung nicht verfehlt haben und sind auch heute noch recht eklig. Und die Idee, das Monster einen Teil von Gunthers Verlangen nach Merivales Gattin (Didi Sullivan) absorbieren zu lassen, ihn im Umkehrschluss zum menschlichen Ungetüm zu machen, verleiht dem Film eine menschliche Seite, die auch deshalb so wichtig ist, weil Caltiki über keinerlei Persönlichkeit verfügt und deshalb gut einen Kompagnon vertragen kann. Davon abgesehen sieht das Monster natürlich super aus, vor allem, wenn man bedenkt, dass es mit einfachsten Mitteln vom örtlichen. Fleischer realsiert wurde.

Ein schöner, angenehm gemütlicher Film, den auf der BR von Arrow außerdem der natürlich prädestinierte Audiokommentar von Tim Lucas veredelt.